Hashimoto Thyreoiditis

06.07.2020
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
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Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronisch anhaltende Schilddrüsenentzündung. Hervorgerufen wird sie durch das körpereigene Immunsystem. Da die Hormone der Schilddrüse viele Körperfunktionen beeinflussen, können die Symptome sehr unterschiedlich und vielfältig ausfallen.

Erkennen lässt sich die Erkrankung in der Regel anhand von Bluttests und einer Ultraschalluntersuchung. Als Therapie kommen vor allem Medikamente zum Einsatz, mit denen die fehlenden Hormone ersetzt werden. Auf diese Weise lässt sich die Funktion der Schilddrüse normalisieren, was zu einer Linderung der Symptome führt.

ICD-Codes für diese Krankheit: E06

Empfohlene Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Was ist Hashimoto Thyreoiditis? Eine Autoimmunerkrankung, bei dem das Immunsystem das eigene Schilddrüsengewebe bekämpft, was zu einer chronischen Schilddrüsenentzündung führt.
  • Symptome: Es kommt zu einer Schilddrüsenunterfunktion, die völlig unterschiedliche Symptome hervorrufen kann. Dazu gehören u. a. rasche Gewichtszunahme, Müdigkeit, Depressionen, Bluthochdruck, Zyklusstörungen bei Frauen, Impotenz bei Männern, und weitere.
  • Ursachen: Genetische Vorbelastung ist eine identifizierte Ursache. Eine vorausgegangene Infektion, Umwelteinflüsse und emotionaler Stress können ebenfalls Auslöser sein.
  • Diagnose: Eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse kann erste Hinweise ergeben. Eine Blutuntersuchung kann vorhandene Antikörper und eine Schilddrüsenunterfunktion gut nachweisen. 
  • Behandlung: Der Patient erhält Schilddrüsenhormone per regelmäßiger Tabletteneinnahme.
  • Verlauf: Wird die Erkrankung nicht behandelt, erleidet die Schilddrüse immer mehr Schaden und wird immer weiter in ihrer Funktion beeinträchtigt.
  • Prognose: Die Erkrankung ist nicht heilbar, kann aber gut behandelt werden, so dass der Patient häufig beschwerdefrei leben kann.

Artikelübersicht

Definition: Was ist das Hashimoto Syndrom?

Bei Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, also ausgehend vom Immunsystem und gegen den eigenen Körper gerichtet. Die Ursache für die Krankheit steckt im körpereigenen Abwehrsystem. Dieses bekämpft irrtümlich das Schilddrüsengewebe und fügt ihm dadurch Schaden zu. Auf diese Weise kommt es zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse, was wiederum zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt.

Gleichzeitig ist Hashimoto die häufigste Form der Schilddrüsenentzündung. Frauen leiden etwa neunmal häufiger unter Hashimoto-Thyreoiditis als Männer. Die Krankheit tritt in den meisten Fällen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf. Den exotischen Namen verdankt die Krankheit übrigens ihrem Entdecker - dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto.

Schilddrüse

Symptome bei Hashimoto

Durch die schrittweise Zerstörung des Schilddrüsengewebes kommt es zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Die damit verbundenen Symptome werden von Betroffenen sehr verschieden wahrgenommen. Während bei manchen Patienten bereits bei einer leichten Unterfunktion verschiedene Symptome auftreten, sind andere Betroffene auch bei ausgeprägten Veränderungen des Schilddrüsenhormons TSH frei von Beschwerden.
Die Erkrankung beginnt in der Regel schleichend und äußert sich zunächst durch unspezifische Beschwerden, die verschiedene Körperbereiche betreffen:

Stoffwechsel und Verdauung:

Ein allgemeines Kältegefühl kann ebenso auftreten wie eine rasche Gewichtszunahme, selbst bei wenig Essen. Bei manchen Patienten kann es auch zu Verstopfungen kommen.

Antrieb und Psyche:

Müdigkeit und Kraftlosigkeit sind häufig beobachtete Symptome bei Hashimoto. Darüber hinaus kann es auch zu depressiven Verstimmungen kommen.

Herz- und Kreislaufsystem:

Bluthochdruck kann ebenso ein Symptom von Hashimoto sein wie ein langsamer Herzschlag.

Fruchtbarkeit:

Während Männer, die unter Hashimoto leiden, von Impotenz betroffen sein können, klagen Hashimoto-Patientinnen über Zyklusstörungen, einen fehlenden Eisprung oder eine herabgesetzte Fruchtbarkeit. Auch steigt das Risiko für Fehlgeburten.

Es ist übrigens sehr selten, dass bei einem Patienten sämtliche aufgelisteten Beschwerden kombiniert auftreten. Häufig befinden sich einige wenige Symptome im Vordergrund. In manchen Fällen sind Patienten mit einer ausgeprägten Unterfunktion der Schilddrüse sogar über einen langen Zeitraum vollkommen frei von Beschwerden.

Ursachen und Risikofaktoren von Hashimoto?

Hashimoto zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Diese entstehen durch Fehler der körpereigenen Abwehr. Das Immunsystem wird bei einem gesunden Menschen immer dann aktiv, wenn schädliche Viren oder Bakterien den Weg in den Körper finden und bekämpft werden müssen. In diesem Fall bildet das Immunsystem Antikörper gegen die Eindringlinge, um diese unschädlich zu machen. Das körpereigene Abwehrsystem wird außerdem dann aktiv, wenn einzelne Körperzellen stark geschädigt oder infiziert sind und aus diesem Grund beseitigt werden müssen.

Im Falle einer Autoimmunerkrankung reagiert der Organismus jedoch gegen gesundes körpereigenes Gewebe. Bei der Hashimoto-Erkrankung handelt es sich hierbei um die Schilddrüse. Es ist bisher nicht genau bekannt, warum es zu diesem Fehler des Immunsystems kommt. Heute vermutet man, dass unter Umständen eine virale oder bakterielle Infektion Auslöser für die dramatische Autoimmunreaktion sein könnte.
Gesichert ist hingegen, dass die Neigung zur Bildung einer Hashimoto-Thyreoiditis bereits genetisch bedingt ist. So sind Verwandte von Hashimoto-Patienten häufiger betroffen als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Weitere Auslöser für Hashimoto können auch Umwelteinflüsse, emotionale Stresssituationen sowie ein Ungleichgewicht im Jodstoffwechsel sein.

Untersuchung und Diagnose

Zur Diagnose von Hashimoto-Thyreoiditis sind Bluttests und bildgebende Verfahren die besten Mittel.

Ultraschalluntersuchung:

Bei der schmerzfreien und schnell durchzuführenden Untersuchung der Schilddrüse per Ultraschall (Sonographie) lassen sich erste Hinweise auf die Erkrankung erkennen. Zunächst zeigen sich nur geringe Änderungen in der Gewebestruktur der Schilddrüse. Diese Veränderungen werden durch die zunehmende Ansammlung von Entzündungszellen im Laufe der Zeit immer ausgeprägter.

Antikörper:

In der Regel lassen sich erhöhte Schilddrüsenantikörper-Werte im Blut (TPO-AK, Tg-AK, TRAK) bereits vor Veränderungen der Schilddrüsenfunktion beobachten. Das Immunsystem bildet irrtümlich sogenannte TPO-Antikörper. Zusätzlich lassen sich im Blut häufig auch Antikörper gegen Thyreoglobulin finden, ein besonderes Eiweiß, das sich in der Schilddrüse befindet.

Hormone:

Erstes Anzeichen für eine Unterfunktion der Schilddrüse ist ein Anstieg des TSH-Wertes im Blut. Zur Einordnung des TSH-Wertes existieren bestimmte Grenzwerte. Ein TSH-Wert im Bereich von 2,0 bis 3,0 gilt, je nach Befinden und Symptomen, als Normalbereich. Bei Hashimoto und einer Schilddrüsenunterfunktion liegt der TSH-Wert unbehandelt meist deutlich darüber. Ein leicht höherer oder niedrigerer TSH-Wert kann jedoch individuell der "Wohlfühlbereich" sein. Bei Kinderwunsch sollte der TSH-Wert jedoch niedriger liegen und sich um 1 einpendeln.

Die TSH-Bestimmung ist daher die wichtigste Untersuchung, um eine Unterfunktion der Schilddrüse zu erkennen.

Behandlung: Welche Therapien gibt es und welche Ärzte sind Spezialisten für Hashimoto Syndrom?

Die Behandlung von Hashimoto erfolgt mithilfe von Medikamenten, genauer dem Ersatz von Schilddrüsenhormonen mit Tabletten. Mit einer guten medikamentösen Einstellung lässt sich bei vielen Patienten Beschwerdefreiheit erzielen. Je ausgeprägter die Unterfunktion der Schilddrüse allerdings ausfällt und umso länger sie anhält, umso mehr Zeit benötigt eine stabile medikamentöse Einstellung und damit das Wohlbefinden bei Patienten zu erreichen.

In der Regel erfolgt die Behandlung bei Hashimoto mit Thyroxin (T4). Dieses ist dem Hormon ähnlich, das von der Schilddrüse selbst ins Blut abgegeben wird. Dabei hat Thyroxin kaum eine Wirkung auf den Stoffwechsel. Vom Körper wird es langsam abgebaut und hat eine Depot-Aufgabe. Aus Thyroxin lässt sich dann in unterschiedlichen Organen des Körpers die erforderliche Menge an dem Schilddrüsenhormon Trijodthyronin (T3) bilden, das für den Stoffwechsel notwendig ist.

Verlauf und Prognose

Vielfach verläuft Hashimoto ohne Beschwerden, weil der Körper in der Lage ist, den Hormonspiegel noch eine Zeit lang aufrecht zu erhalten. Wenn die Hormonspeicher in der Schilddrüse jedoch durch die Entzündung angegriffen werden, kann dies dazu führen, dass über einen gewissen Zeitraum sehr große Mengen an Schilddrüsenhormonen ins Blut gelangen und eine Überfunktion der Schilddrüse auslösen. Das Gewebe der Schilddrüse erleidet in der Folge immer mehr Schaden, was seine Funktionsfähigkeit immer weiter beeinträchtigt. Dies führt zu einem Absinken den Spiegel an Schilddrüsenhormonen, was wiederum Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion auslöst.
Die Hashimoto-Thyreoiditis gilt als eine der häufigsten Ursachen für eine Unterfunktion der Schilddrüse im Erwachsenenalter. Bis heute ist diese Erkrankung nicht heilbar. Mithilfe einer guten medikamentösen Einstellung lässt sich bei vielen Patienten jedoch Beschwerdefreiheit und die Lebenserwartung eines gesunden Menschen erreichen.

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