Der Diabetes insipidus ist eine Hormonmangelerkrankung, bei der das antidiuretisches Hormon (ADH) seine Funktion nicht mehr ausübt. ADH wird in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet und gelangt im Blut bis zur Niere, wo es den Wasserhaushalt regelt. Wenn das ADH fehlt oder in zu geringer Konzentration vorhanden ist, kommt es zu einer Störung der Nierenfunktion und es wird zu viel Wasser ausgeschieden. Dabei verliert der Körper am Tag bis zu 25 Liter Flüssigkeit. Letztendlich führt das zu einer Störung des Elektrolythaushalts und zu Austrocknung.

ICD-Codes für diese Krankheit: E23.2

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Arten von Diabetes insipidus

Es werden zwei Arten des Diabetes insipidus unterschieden:

  • zentraler Diabetes insipidus – in der Hypophyse wird kein oder zu wenig ADH gebildet
  • renaler Diabetes insipidus – ADH wird in der Hypophyse gebildet, dieses wirkt aber in der Niere nicht

Ursachen von Diabetes insipidus

Wenn die Hypophyse oder ihre übergeordnete Steuereinheit im Gehirn beschädigt werden, kann es zum Versagen der ADH-Produktion und damit zum zentralen Diabetes insipidus kommen. Diese Schäden können durch Tumore, mechanische Verletzung (z. B. durch Unfall) oder Entzündungen entstehen.

In etwa einem Drittel der Fälle ist die Ursache jedoch ungeklärt.

Der renale Diabetes insipidus entsteht entweder durch einen angeborenen Gendefekt auf dem X-Chromosom oder entwickelt sich nach einer Schädigung der Niere, zum Beispiel durch Vergiftung, Entzündung oder einer unerwünschten Arzneimittelwirkung.

Symptome von Diabetes insipidus

Typische Anzeichen für einen Diabetes insipidus, egal ob zentral oder renal, sind eine extrem erhöhte Harnausscheidung und Trinkmenge. Außerdem kann es durch die häufigen nächtlichen Toilettengänge zu Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit kommen.

Diagnose von Diabetes insipidus

Im Wesentlichen kann der Diabetes insipidus durch zwei Testverfahren festgestellt werden. Beim sogenannten Durstversuch dürfen die Patienten über 12 Stunden keine Flüssigkeit zu sich nehmen, während regelmäßig Blut und Urinproben untersucht werden. Im Laufe dieser „Durststrecke“ erhöht sich beim Gesunden der ADH Spiegel im Blut, während die Elektrolytkonzentration im Blut gleich bleibt. Im Urin erhöht sich die Konzentration der Elektrolyte, da die Wasserausscheidung verringert wird. Im Vergleich würde beim Diabetes insipidus die Elektrolytkonzentration im Urin niedrig bleiben, während sie im Blut ansteigt.

Ein Kochsalzinfusionstest kann ebenfalls Aufschluss über den Diabetes insipidus geben. Dabei wird dem Patienten eine hochkonzentrierte Kochsalzlösung verabreicht und anschließend die Elektrolytkonzentration in Blut und Harn gemessen. Um einen Tumor als Ursache für den ADH-Mangel auszuschließen, kann der entsprechende Gehirnabschnitt mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar gemacht werden.

Diabetes insipidus behandeln

Der zentrale Diabetes insipidus kann behandelt werden, indem die Ursache des ADH-Mangels behoben wird, sodass die normale ADH-Produktion wieder einsetzt. Im Falle einer unbekannten Ursache kann Desmopressin verabreicht werden, welches die Wirkung des ADH im Körper nachahmt und so die korrekte Nierenfunktion wieder herstellt. Schwerer zu behandeln ist der renale Diabetes insipidus. Es ist möglich, mit Hilfe von wassertreibenden Medikamenten (Thiaziddiuretika) die Blutmenge im Körper zu reduzieren, was in der Niere eine stärkere Filterung von Salzen und Wasser bewirkt und so kurzzeitig den Elektrolythaushalt reguliert. Allerdings ist diese Behandlung für Patienten mit Nierenschwäche und ältere Patienten ungeeignet. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind deshalb in Erprobung.