Blasenentleerungsstörungen

04.04.2017
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Jährlich leiden zahlreiche Menschen in Deutschland an akuten Blasenentleerungsstörungen. Unter diesem Begriff versteht man sämtliche Störungen, die in Verbindung mit der Blasenentleerung auftreten. Unter anderem zählen hierzu erschwerte sowie unvollständige Entleerungen sowie besonders häufige oder seltene Entleerungen. Teilweise tritt aber auch ein willkürliches Blasenentleeren auf.

Wenn Sie auch an diesen Symptomen leiden, sollten Sie diese dringend näher untersuchen lassen. Eine Blasenentleerungsstörung kann sich schnell zu einer Dysurie entwickeln. Dabei handelt es sich um eine häufig auftretende Begleiterscheinung von schweren Harnwegsinfekten. Diese Blasenentleerungsstörung äußert sich in der Regel durch starke Schmerzen während des Urinierens.

ICD-Codes für diese Krankheit: R39.1

Empfohlene Spezialisten

Blasenentleerungsstörungen Fälle in Deutschland

3.943 Fälle im Jahr 2019
4.066 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Welche Ursache können Blasenentleerungsstörungen haben?

Eine Blasenentleerungsstörung kann zahlreiche unterschiedliche Ursachen haben. In der Praxis unterscheidet man hierbei zwischen mechanischen und neurogenen Ursachen.

Mechanische Ursachen

Wenn bei Ihnen eine mechanische Blasenentleerungsstörung auftritt, so befindet sich in Ihrem Harnweg ein Abflusshindernis. In der Regel handelt es sich dabei um Harnablagerungen oder einen Urinstein. In seltenen Fällen kommt es jedoch ebenfalls zu einer Blasenentleerungsstörung aufgrund eines externen Abflusshindernisses. Auch eine Harnröhrenverengung kann die Ursache einer Blasenentleerungsstörung sein.

Neurogene Ursachen

Die zweite Gruppe von bekannten Ursachen für eine Blasenentleerungsstörung besteht aus neurogenen Faktoren. Treten bestimmte Faktoren ein, so spricht man in der Fachsprache von einer neurogenen Blase. Diese sind zum einen eine fehlerhafte Kontraktion der Blasenwand und zum anderen eine verzögerte Erschlaffung des Blasenspinkters.

Der Blasenspinkter ist ein Verschlussmuskel, der dafür sorgt, dass Sie nicht unwillentlich kleinere Mengen an Urin verlieren. Eine Störung des Blasenspinkters führt in der Regel zur sogenannten Harninkontinenz (Blasenschwäche), bei welcher die Betroffenen fortwährend kleinere Mengen unkontrolliert urinieren. Treten beide Faktoren gemeinsam auf, so liegt meist eine geschädigte Nervenversorgung oder Koordination der Harnblase vor.

In der Regel liegt der neurogenen Blase eine Schädigung des Rückenmarks zugrunde. Weiterhin sind eine Schädigung des Nervengeflechts vor dem Kreuzbein sowie eine Blasenüberdehnung als mögliche Ursachen der neurogenen Blase bekannt.

Wie werden Blasenentleerungsstörungen diagnostiziert?

Für die Diagnose einer Blasenentleerungsstörung bei Ihnen stehen einem Arzt mehrere unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Die Grundlage der Diagnose bildet dabei eine gründliche Körperuntersuchung. In der Regel wird der Arzt Sie dazu auffordern, einen Beschwerdefragebogen auszufüllen. Darüber hinaus benötigt Ihr Arzt oftmals ebenfalls ein Miktionstagebuch für eine eindeutige Diagnose. Darunter versteht man eine tabellarische Auflistung der Trinkmenge sowie der Urinmenge in jeder Stunde. Einige Fachärzte prüfen darüber hinaus ebenfalls die Funktionalität Ihres Schließmuskels sowie den Analreflex.

Sobald die körperlichen Untersuchungen abgeschlossen sind, folgen Laboruntersuchungen wie die Urinuntersuchung. Ihr Arzt kann hierbei unter anderem eine Urinkultur anlegen. Durch das Anlegen einer Urinkultur erfährt der Arzt, welche Bakterien sich in Ihrem Urin befinden.

Eine bildgebende Untersuchung wie die Sonographie gibt hingegen Aufschluss über die Dicke Ihrer Niere sowie Harnblasenwand. Darüber hinaus erkennt Ihr Arzt durch die Sonographie ebenfalls, ob sich Restharn in Ihrer Harnröhre befindet.

Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen leitet Ihr Arzt anschließend eine Therapie ab. Lassen sich dadurch keine Erfolge erzielen, muss Ihr Arzt ebenfalls eine Urodynamik durchführen. Dabei wird mithilfe von Drucksonden und Elektroden die Funktionalität Ihrer Harnblase direkt untersucht. Mithilfe dieser Ergebnisse erfolgt eine eindeutige Diagnose über die Art der Störung sowie ihren Schweregrad.

Wie sieht die Behandlung von Blasenentleerungsstörungen aus?

Die Grundlage der Behandlung einer jeden Blasenentleerungsstörung ist eine umfassende Verhaltenstherapie. Aufgrund der Blasenentleerungsstörung sollen Sie hierbei die Flüssigkeitszufuhr stark reduzieren, um eine Überfüllung der Harnblase zu vermeiden. Darüber hinaus trainieren Sie das willentliche Urinieren zu gemeinsam mit dem Arzt festgelegten Zeiten. Weiterhin wird die Therapie durch Beckenbodengymnastik zusätzlich unterstützt und durch eine medikamentöse Therapie ergänzt. Auf diese Weise wird in 15 Prozent der Fälle eine vollständige Heilung und in 50 bis 70 Prozent der Fälle zumindest eine Besserung der Symptome erzielt.

Viele Ärzte setzen zur Unterstützung der Therapie ebenfalls Anticholinergika ein. Dabei handelt es sich um Medikamente, die eine Entspannung der Muskulatur zur Folge haben. Auf diese Weise wird die Stärke der Muskelkontraktionen an der Harnblase gemindert und die Harnblasenkapazität erhöht. Eine Besserung wird nur dann erreicht, wenn Sie vor dem Erreichen Ihrer Harnblasenkapazität urinieren. Durch die Erhöhung der Harnblasenkapazität wird daher der für die Heilung benötigte Freiraum geschaffen.

Darüber hinaus setzen viele Ärzte ebenfalls Botulinumtoxin ein. Dieses Medikament wird in Ihren Körper injiziert und führt zu einer mehrmonatigen Erhöhung der Harnblasenkapazität. Dieses Medikament kommt immer dann zum Einsatz, wenn bereits eine Therapie mit Anticholinergika fehlschlug. Neben diesen beiden Stoffen kommen zahlreiche weitere Medikamente zum Einsatz, welche die Nebenwirkungen von Botulinumtoxin oder Anticholinergika behandeln sollen.

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