Vasa praevia (Fetale Blutgefäße am inneren Muttermund)

29.04.2020
Prof. Dr. med. Richard Berger
Medizinischer Fachautor

Eine Vasa praevia zählt zu den sehr selten auftretenden Komplikationen, die während der Schwangerschaft auftreten können. Hierbei befinden sich Blutgefäße der kindlichen Nabelschnur in den Eihäuten am inneren Muttermund. Eine derartige Konstellation tritt vergleichsweise selten auf, kann jedoch zu Schwierigkeiten während der Schwangerschaft, vor und bei der Geburt führen. 

Hier finden Sie Informationen zu Symptomen und Anzeichen, der Behandlung und ausgewählte Spezialisten!

ICD-Codes für diese Krankheit: P02, O69, P50

Empfohlene Spezialisten

Vasa praevia Fälle in Deutschland

13.135 Fälle im Jahr 2018
12.873 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Was ist eine Vasa praevia?

Die Nabelschnur besitzt eine Dicke von ein bis zwei Zentimetern und eine Länge von 50 bis 60 Zentimetern. Sie verbindet das ungeborene Kind über die Plazenta mit dem mütterlichen Körper und versorgt es so mit Blut und Nährstoffen. Die kindlichen Nabelschnurgefäße verlaufen normalerweise nicht in den Einhäuten, sondern direkt von der Plazenta zum Kind.

Befinden sich jedoch  kindliche Nabelschnurgefäße in den Eihäuten spricht man von einer Insertio velamentosa. Sind sie dann zusätzlich auch noch in den Eihäuten vor dem inneren Muttermund lokalisiert, handelt es sich um eine Vasa praevia. Sollten die Membranen reißen, was üblicherweise kurz vor dem Einsatz der Wehen der Fall ist, kann es zum Platzen dieser Blutgefäße kommen. Hierdurch verliert der Fötus unter Umständen eine kritische Menge an Blut. Sollte es zu schweren Blutungen kommen, kann dies den Tod für den Fötus bedeuten.

Welche Symptome treten bei einer Vasa praevia auf?

Zum einen ist bei einer Vasa praevia eine langsame Herzfrequenz des Kindes zu beobachten. Zum anderen setzen bei betroffenen Frauen vaginale Blutungen ein, wenn es zum Reißen der Membranen kommt. Diese Blutungen sind häufig schmerzlos und beginnen in der Regel kurz nachdem die Wehen eingesetzt haben.

Welche Ärzte sind Experten bei Vasa praevia?

Experten und Ansprechpartner bei einer Vasa praevia sind Gynäkologen, also Fachärzte für Frauenheilkunde und insbesondere Spezialisten für Geburtshilfe. Abhängig von dem Status der Schwangerschaft wird die Frau sich entweder an einen in einer Praxis niedergelassenen Gynäkologen wenden oder in die gynäkologische Abteilung eines Krankenhauses eingewiesen werden.

Wie erfolgt die Diagnose bei einer Vasa praevia?

Bereits während der frühen Schwangerschaft sollten in regelmäßigen Abständen Ultraschalluntersuchungen durchgeführt werden. Bei diesen lassen sich verschiedene Anomalien der Plazenta feststellen.

Um die Diagnose einer Vasa praevia zu sichern, wird ein sogenannter transvaginaler Ultraschall durchgeführt. Hierbei führt der Arzt ein Gerät in die Scheide der Frau ein und kann dabei beobachten, ob sich Blutgefäße in der Nähe oder über der Öffnung des Gebärmutterhalses befinden.

Wie erfolgt die Behandlung einer Vasa praevia?

Sollte eine Vasa praevia noch vor dem Einsetzen der Wehen festgestellt worden sein, dann stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung, die unter anderem davon abhängen, wie weit die Schwangerschaft bereits fortgeschritten ist.

In jedem Fall sollte die werdende Mutter engmaschig von ihrem Frauenarzt betreut werden. Während der 30. bis 32. Schwangerschaftswoche kann auch eine Einweisung in ein Krankenhaus sinnvoll sein. Hierdurch ist eine permanente Überwachung des ungeborenen Kindes möglich.

Zusätzlich kann der Arzt bestimmte Medikamente verabreichen, die das Wachstum der Lunge des ungeborenen Kindes anregen. Diese Medikamente werden als Kortikosteroide bezeichnet.

In der Regel werden Patientinnen mit Vasa praevia zwischen 34 und 37 Schwangerschaftswochen per Kaiserschnitt entbunden. Ein solcher Kaiserschnitt muss unter Umständen in einem Notfall vorgenommen werden. Ein solcher Notfall liegt beispielsweise vor, wenn die Frau starke vaginale Blutungen hat, die Fruchtblase geplatzt sein sollte, Gefahr für die Frau oder das ungeborene Kind besteht oder eine Vasa praevia erst festgestellt wurde, nachdem bereits die Wehen eingesetzt haben.

Müssen Nabelschnurkomplikationen immer zu einem Kaiserschnitt führen?

Befinden sich die kindlichen Blutgefäße weiter als 2 cm vom inneren Muttermund entfernt (Insertio velamentosa), kann eine vaginale Geburt angestrebt werden.

Die Früherkennung ist eine wichtige Voraussetzung, um eine möglichst sichere Geburt zu planen. Erfahrene und entsprechend gut ausgebildete Ärzte können per Ultraschall bereits frühzeitig in der Schwangerschaft Auffälligkeiten hinsichtlich der Nabelschnur erkennen.

Eine besonders sichere Diagnose lässt sich mit dem Farbdopplerultraschall stellen. Hierdurch lässt sich der Blutfluss innerhalb der Gefäße sowie die Insertion an den Eihäuten oder der Plazenta erkennen.

Zusammenfassung

Eine Vasa praevia kann zu sehr starken Blutungen beim ungeborenen Kind führen. Dies geschieht in der Regel kurz bevor die Wehen einsetzen.

Eine solche Komplikation lässt sich häufig bereits während der frühen Schwangerschaft erahnen. Sollte der Verdacht auf eine Vasa praevia bestehen, wird der Arzt eine Ultraschalluntersuchung über die Scheide durchführen. Hierdurch ist eine Untersuchung der Blutgefäße nahe oder über der Öffnung des Gebärmutterhalses möglich.

Sollte eine Vasa praevia bei der Schwangeren festgestellt worden sein, ist eine engmaschige Betreuung durch den Frauenarzt notwendig. Sollten sich Probleme bemerkbar machen, ist ein Kaiserschnitt notwendig. Symptomfreie Patientinnen werden in der Regel zwischen 34. und 37. Schwangerschaftswochen per Kaiserschnitt entbunden.

  • https://www.msdmanuals.com/de/heim/kurzinformationen-gesundheitsprobleme-von-frauen/schwangerschaftskomplikationen/vasa-praevia
  • https://www.aerztezeitung.de/Politik/Ultraschall-erkennt-Nabelschur-Komplikationen-277402.html
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