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Plazenta praevia (Plazentafehllage)

Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, ist ein wichtiges Organ zur Versorgung des heranwachsenden Babys mit Nährstoffen innerhalb der Gebärmutter. Der Embryo ist über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Eine weitere wichtige Funktion der Plazenta ist die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron, um die Schwangerschaft normal zu erhalten. In der Plazenta verbinden sich der mütterliche und der kindliche Blutkreislauf über eine mehrschichtige Filtermembran, die Plazentaschranke. Hier wird genau kontrolliert, welche Stoffe und Substanzen in das kindliche Blut übergehen, zum Beispiel Sauerstoff, Glukose oder Stoffe des Immunsystems.

Ganz ausgereift hat die Plazenta ein Gewicht von etwa 500 Gramm bei einer Größe von ungefähr 15 bis 20 Zentimetern Durchmesser. Normalerweise liegt die Plazenta im oberen Bereich der Gebärmutter. Während der Schwangerschaft wandert die Plazenta nach oben, der Geburtsweg ist für das ungeborene Kind damit frei. Bei der Plazentafehllage bleibt diese Wanderung der Plazenta nach oben aus - der Mutterkuchen bleibt im unteren Teil der Gebärmutter. So kann der natürliche Geburtsweg ganz oder teilweise bedeckt sein. 

ICD-Codes für diese Krankheit: O44, P02

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Plazenta praevia: Wenn die Plazenta (Mutterkuchen) in der Gebärmutter falsch liegt

Die Plazenta praevia ist die Fehllage der Plazenta im Bereich des inneren Endes des Gebärmutterhalses (innerer Muttermund). Es zeigt sich in drei verschiedenen Ausprägungsformen:

  • Plazenta praevia totalis: Die Plazenta überdeckt den inneren Muttermund (Ostium uteri internum) vollständig.
  • Plazenta praevia partialis: Der innere Muttermund ist nur teilweise von Plazentagewebe überragt.
  • Plazenta praevia marginalis: Die Plazenta berührt nur den Muttermund.

Plazentafehllagen Plazenta praevia Leading Medicine Guide

Plazentafehllagen bei Plazenta praevia: der natürliche Geburtsweg wird von der unten liegenden Plazenta blockiert. © bilderzwerg / Adobe Stock

Allen Formen gemeinsam ist die zu tiefliegende Plazenta im inneren Muttermund. In Folge des fortschreitenden Wachstums des Uterus ist es möglich, dass sich die Plazenta in den Gebärmutterkörper verlagert. Bleibt der Geburtsweg von Plazentagewebe versperrt, muss die Entbindung als Kaiserschnitt erfolgen.

Typische Anzeichen bei einer Plazenta praevia

Typisches Anzeichen und oftmals einziger Hinweis auf eine Plazenta Praevia ist eine plötzliche, schmerzlose und hellrote Blutung aus der Scheide (vaginale Blutung) ab der 20. Schwangerschaftswoche (zweite Schwangerschaftshälfte). Die Ursache der Vaginalblutung muss nicht zwangsläufig eine Fehllage der Plazenta sein. Erst durch eine Ultraschalluntersuchung ist die Plazenta Praevia überhaupt erkennbar. Die medizinische Schwangerenvorsorge beinhaltet auch zwei Ultraschalluntersuchungen, bei denen Fehllagen der Plazenta erkannt werden. Daher sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sehr wichtig.

Ursachen, Risiken und Schwangerschaftsverlauf

Bei einer Plazenta praevia ist die Keimblase (Blastozyste) nicht an der hinteren oder vorderen Uteruswand (normale Plazentalage), sondern in der Nähe des Muttermundes eingenistet. Die Blastozyste entsteht aus der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle zur Zygote. Diese teilt sich mehrfach und wandert als Morula (Zellhaufen) durch den Eileiter in die Gebärmutter. Dort nistet sie sich als Blastozyste in die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ein. Die Auslöser für die gestörte Einnistung im inneren Muttermund sind unbekannt.

Risikofaktoren, die eine Plazenta Praevia begünstigen sind:

  • Rauchen
  • Gebärmutterschleimhautentzündung (Endometritis)
  • Hohes Alter der Mutter
  • Schwangerschaftsabbrüche
  • Früherer Kaiserschnitt (Sectio)
  • Ausschabung des Endometriums (Kürettage)
  • Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind

Treten bei einer Plazenta praevia keine Blutungen auf, verläuft die Schwangerschaft ungestört. Es gibt allerdings Vorsichtsmaßnahmen für kooperative Patienten. Zu vermeiden sind:

  • Tragen schwerer Lasten
  • Berufsausübung
  • Geschlechtsverkehr und vaginale Manipulationen
  • Fernreisen

Diagnosemethoden bei Blutungen und Verdacht auf Plazenta praevia

Schwangere sind aufgefordert, die Termine der Vorsorgeuntersuchungen einzuhalten und bei einer vaginalen Blutung sofort die Klinik zur Abklärung aufzusuchen. Vor der 20. Schwangerschaftswoche dient eine körperliche Untersuchung der Vagina und des äußeren Muttermundes mit einem medizinischen Instrument (Spekulum) zur Lokalisierung der Blutung, deren Ursache und Stärke. Dabei wird Blut entnommen und auf fetales Hämoglobin (HbF) getestet, um eine Verletzung des Fetus auszuschließen.

Ab der 20. Schwangerschaftswoche ist die erste, wichtigste Methode die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauch- und Beckenraumes. Sie stellt die Lage der Plazenta bildlich dar und führt zur denkbaren Diagnose einer Plazenta praevia. Der Arzt kann zur weiteren Diagnostik eine vaginale Sonographie oder Farbdoppler-Sonografie (farbige Darstellung des Blutflusses) einsetzen. Es besteht hierbei das Risiko, die Blutung zu verschlimmern. Wegen des hohen Blutungsrisikos ist es zu unterlassen, die Vagina und den Muttermund abzutasten (palpieren).

Welche Behandlungen kommen in Frage?

Nach Auftreten einer vaginalen Blutung ab der 20. Schwangerschaftswoche wird eine klinische, konservative Behandlung empfohlen. Sie zielt zunächst auf das Fortführen der Schwangerschaft bis mindestens zur 34. Schwangerschaftswoche ab. Dazu muss die Blutung kontrollierbar sein. Zur Therapie zählt die Gabe von

  • Corticosteroiden zur Beschleunigung der Lungenreife des Fetus, z.B. Betamethason
  • Tokolytika zur Hemmung der Wehentätigkeit und Senkung des Frühgeburtsrisikos, z.B. Beta-2-Sympathomimetika wie Fenoterol
  • Antibiotika zur Vermeidung von Infektionen
  • Transfusionen zum Ausgleich des Blutverlustes und zur Kreislaufstabilisierung der Mutter

Minimieren sich im Verlauf der Schwangerschaft die Risiken einer erneuten Blutung, ist das Erreichen der 36. Schwangerschaftswoche anzustreben. Ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin erfolgt bei einer Plazenta praevia totalis die Entbindung als Kaiserschnitt.

In der aktiven Behandlung der Plazenta praevia entbindet die Schwangere unabhängig von der Schwangerschaftswoche sofort nach der Kreislaufstabilisierung. Das Ausstoßen der Plazenta nach der Geburt des Kindes kann mit Kontraktionsmitteln (Uterotonika) gefördert werden.

Die Spezialisten für die Betreuung von Schwangeren mit Plazenta praevia sind die Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Sie stehen in den Mutter-Kind- und Perinatal-Zentren der verschiedenen Kliniken zur Verfügung. Sie sind neben der Schwangerenbetreuung auch auf geburtshilfliche Notfälle spezialisiert. Bei einer Blutung während der Schwangerschaft suchen Sie sofort und direkt die Klinik auf. Scheuen Sie sich nicht davor, den Rettungsdienst zu rufen.

Wie gut wirken die verschiedenen Behandlungsmethoden?

Die Behandlungsmethoden führen zu einer mütterlichen Sterblichkeit von weniger als einem Prozent. Die Sterblichkeit des ungeborenen Lebens hingegen beträgt etwa zehn Prozent. In Abhängigkeit von der Lage des Kindes und dessen Herzfrequenz ist bei den Formen Plazenta marginalis und partialis unter Umständen eine normale, vaginale Entbindung möglich. Doch während der Geburt können Plazentagefäße zerreißen. Die dabei ausgelösten Blutungen sind für das Kind lebensbedrohlich. Demgegenüber steht die Entbindung als Kaiserschnitt (Sectio) mit weniger Blutungskomplikationen. Eine normale Entbindung ist bei Plazenta praevia totalis nicht möglich.

Zusammenfassung

Allen Formen der Plazenta praevia gemeinsam ist die zu tiefliegende Plazenta im inneren Muttermund. Bleibt der Geburtsweg von Plazentagewebe versperrt, muss die Entbindung als Kaiserschnitt erfolgen. Typisches Anzeichen und oftmals einziger Hinweis auf eine Plazenta Praevia ist eine plötzliche, schmerzlose und hellrote Blutung aus der Scheide (vaginale Blutung).

Treten bei einer Plazenta praevia keine Blutungen auf, verläuft die Schwangerschaft ungestört. Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig für den Schwangerschaftsverlauf, Mutter und Kind. Bei einer vaginalen Blutung sollte sofort die Klinik zur Abklärung aufgesucht werden.

Die klinische, konservative Behandlung hat das Fortführen der Schwangerschaft mindestens bis zum Erreichen der Lungenreife des Kindes zum Ziel. Die Lungenreifung ist in der 35. Schwangerschaftswoche meist abgeschlossen.

In der aktiven Behandlung der Plazenta praevia erfolgt die Entbindung unabhängig von der Schwangerschaftswoche sofort nach Kreislaufstabilisierung der Schwangeren. Eine normale Entbindung ist bei Plazenta praevia totalis nicht möglich.

Quellen

  • https://www.bggf.de/cms/index.php
  • https://flexikon.doccheck.com/de/Placenta_praevia
  • https://deximed.de/home/b/schwangerschaft-geburtshilfe/patienteninformationen/komplikationen-in-der-schwangerschaft/placenta-praevia/
  • Dr. med. Schoppmeyer, Marianne: Lehrbuch für Pflegeberufe. Anatomie und Physiologie. München: Urban & Fischer Verlag/Elsevier, 2017

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