Eileiterschwangerschaft

29.04.2020
Prof. Dr. med. Richard Berger
Medizinischer Fachautor
Die Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität) ist die am häufigsten vorkommende Form einer Extrauteringravidität, einer Schwangerschaft, die nicht in der Gebärmutter stattfindet. Die befruchtete Eizelle nistet sich außerhalb der Gebärmutter ein (ektope Einnistung). Die statistische Wahrscheinlichkeit einer Tubargravidität im Vergleich zu einer regulären Schwangerschaft liegt bei etwa 1–2 Prozent.
ICD-Codes für diese Krankheit: O00

Empfohlene Spezialisten

Eileiterschwangerschaft Fälle in Deutschland

12.434 Fälle im Jahr 2018
12.212 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Was ist eine Eileiterschwangerschaft?

Bei einer Eileiterschwangerschaft gelingt es der befruchteten Eizelle (Zygote) nicht, den Eileiter zu durchwandern. Stattdessen nistet sie sich in der Eileiter-Schleimhaut ein. In den meisten Fällen stirbt der Embryo aber innerhalb weniger Tage oder Wochen nach seiner Einnistung ab. Wenn es jedoch nicht zu einem spontanen Schwangerschaftsabbruch (Tubarabort) kommt, wächst der Embryo zunächst im Eileiter weiter.

Eine Eileiterschwangerschaft kann nicht ausgetragen werden. Wenn sie zu spät erkannt und nicht operativ oder medikamentös behandelt wird, kann der wachsende Embryo den Eileiter aufreißen. Eine Ruptur kann eine lebensgefährliche Blutung in der Bauchhöhle auslösen, verbunden mit Kreislaufversagen und Schock.

Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft

Eine Eileiterschwangerschaft gleicht in ihrem Verlauf zunächst einer normalen Schwangerschaft. Sie bemerken, dass Ihre Periode ausbleibt, es entsteht oft morgendliche Übelkeit und ein Spannungsgefühl in den Brüsten.

Mittels eines Schwangerschaftstests können Sie eine normale Gravidität von einer Eileiterschwangerschaft nicht unterscheiden. Sowohl bei einer normalen Schwangerschaft als auch bei einer Eileiterschwangerschaft bildet sich das Schwangerschaftshormon Beta-HCG (Humanes Choriongonadotropin).

Symptome bei einer Eileiter-Schwangerschaft sind oft stark ziehende Unterleibsschmerzen, unregelmäßige Blutungen, Schwindel und Kreislaufprobleme.

Bleibt die Eileiter-Schwangerschaft unerkannt und wächst der Embryo weiter, kann der Eileiter reißen und innere Blutungen auslösen. Meist werden wichtige Blutgefäße (Seitenäste der Arteria ovarica oder der Arteria uterina) verletzt.

Die Anzeichen einer Eileiter-Ruptur sind heftige und plötzlich einsetzende Schmerzen. In diesem lebensbedrohlichen Notfall brauchen Sie sehr schnelle ärztliche Hilfe.

Ursachen der Eileiterschwangerschaft

Generell erhöhen Operationen das Risiko für Eileiterschwangerschaften, wie etwa Ausschabungen, Sterilisationsoperationen oder andere Eingriffe an den inneren Geschlechtsorganen der Frau, denn dadurch können Verwachsungen und Verklebungen der Eileiter entstehen. Diese können auch durch Chlamydien-Infektionen verursacht werden. Die Durchgängigkeit der Eileiter ist dann gestört, die Eizelle kann aufgrund der Verwachsungen nicht in die Gebärmutter gelangen. Sie nistet sich nach der Befruchtung in der Schleimhaut des Eileiters ein.

Weitere Risikofaktoren für Eileiterschwangerschaften sind Spiralen, die zur Empfängnisverhütung getragen werden. Auch Kinderwunschbehandlungen und ein höheres Lebensalter sind Risikofaktoren. Die Wahrscheinlichkeit für eine Tubargravidität steigt mit dem Lebensalter der Frau.

Weitere Ursachen sind:

  • Eileiterpolypen
  • abgeknickte Eileiter
  • vorausgegangene Eileiterschwangerschaften
  • angeborene anatomische Besonderheiten wie Höhlen in der Wand des Eileiters
  • erfolgte Operationen im Bauch- oder Beckenbereich
  • Schwangerschaftsabbrüche
  • Fehlgeburten

Auch ein zu geringer Besatz mit haarfeinen Zilien an der Eileiter-Innenwand, kann eine Ursache sein. Die Zilien treiben die befruchtete Eizelle im Eileiter weiter. Genauso verringert Rauchen, also das Nikotin, die Transportfunktion dieser Zilien - das befruchtete Ei wird weniger gut in die Richtung der Gebärmutter transportiert.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose einer Tubargravidität ist eher schwierig. Sie lässt sich zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft im Ultraschall (transvaginale Sonografie) kaum erkennen. Der Verdacht entsteht, wenn sich nach einem positiven Schwangerschaftstest per Ultraschall keine Schwangerschaft in der Gebärmutter feststellen lässt. Wenn sich dies in der 6. Schwangerschaftswoche weiterhin so darstellt, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass bei Ihnen eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter besteht.

Steigt zudem das Schwangerschaftshormon nur langsam an, ist eine Tubargravidität sehr wahrscheinlich. Wenn sich die Diagnose nicht mit Sicherheit stellen lässt, muss sie durch eine Bauchspiegelung bestätigt werden.

Die Diagnosestellung ist von großer Bedeutung. Die Eileiterschwangerschaft muss möglichst früh diagnostiziert werden, da bei fortgeschrittenem Befund die Gefahr besteht, dass sonst Ihr Eileiter entfernt werden muss.

Therapie: Wie behandelt man die Eileiterschwangerschaft?

Es gibt drei Vorgehensweisen der Behandlung bei einer Eileiterschwangerschaft: eine Operation, die medikamentöse Therapie oder beobachtendes Abwarten. Welche Behandlung die passende und hilfreichste ist, entscheidet sich nach der individuellen Situation und zu welchem Zeitpunkt die Eileiterschwangerschaft entdeckt wird.

Die operative Entfernung des Embryos oder des kompletten Eileiters

Über einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke werden eine Kamera und chirurgische Instrumente in die Bauchhöhle geschoben. Dieser mikrochirurgische Eingriff hat den Vorteil, dass sich sowohl Operationszeit als auch Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzen. Der Blutverlust ist minimal, die Heilung verläuft schneller.

Bei der Operation wird entweder lediglich das Schwangerschaftsgewebe entfernt, in manchen Fällen muss jedoch der ganze betroffene Eileiter entfernt werden (Salpingektomie).

Wie bei jeder Operation können Komplikationen auftreten. In einigen Fällen können minimale Reste des Schwangerschaftsgewebes zurückbleiben (Trophoblastpersistenz) und weiterwachsen. Dadurch kann es im Extremfall nachträglich zu einer Ruptur des Eileiters kommen. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle des Schwangerschaftshormons HCG unbedingt erforderlich. Erst wenn in Ihrem Blut kein HCG mehr nachweisbar ist, besteht Sicherheit, dass kein Schwangerschaftsgewebe mehr im Eileiter existiert.

Die medikamentöse Therapie

Diese Behandlung kann nur durchgeführt werden, wenn die Eileiter-Schwangerschaft frühzeitig entdeckt wurde, bevor Beschwerden auftraten.

Am häufigsten verwendet man in der medikamentösen Therapie das Zellgift Methotrexat (MTX). Es behindert Wachstum und Vermehrung der Zellen, die den Embryo umgeben. Dadurch stirbt das embryonale Gewebe, der Körper baut das abgestorbene Material ab. Das Zellgift MTX wird intravenös oder intramuskulär zugeführt, oder es wird direkt in das Schwangerschaftsgewebe gespritzt. Häufig wird MTX eingesetzt, wenn nach einer operativen Intervention weiterhin der Verdacht auf noch vorhandenes Schwangerschaftsgewebe besteht.

Beobachten und Abwarten

Es gibt auch die Möglichkeit, noch abzuwarten, ob sich die Schwangerschaft zurückbildet. Diese Möglichkeit ist selten anwendbar, denn Patientinnen bemerken eine Eileiterschwangerschaft oft erst dann, wenn sofortiger Handlungsbedarf besteht. Nur in einer sehr frühen Phase der Schwangerschaft ist abwartendes Vorgehen möglich.

Hauptkriterien sind Beschwerdefreiheit und niedrige bzw. abfallende HCG-Werte im Blut. Bei diesem Vorgehen ist es erforderlich, dass der Fortgang der Eileiterschwangerschaft laufend überprüft wird. Für den Notfall müssen für Sie eine sofortige klinische Behandlung und die Möglichkeit einer unverzüglichen Operation gewährleistet sein.

Verlauf und Prognose

Das Risiko für eine erneute Eileiterschwangerschaft nach einer vorherigen Eileiterschwangerschaft ist erhöht. Da jedoch zwei Eileiter vorhanden sind, besteht weiterhin die Möglichkeit, schwanger zu werden.

Beeinträchtigt eine Eileiterschwangerschaft die Fruchtbarkeit?

Die Gefahr auf Unfruchtbarkeit besteht. Wenn einer Ihrer Eileiter stark beschädigt ist, sinken Ihre Chancen, erneut schwanger zu werden. Wenn Ihr anderer Eileiter gesund ist, haben Sie jedoch gute Chancen auf eine erneute Schwangerschaft. Etwa 60 % aller Frauen können nach einer Eileiter-Schwangerschaft wieder empfangen und werden innerhalb von 18 Monaten erfolgreich schwanger.

Gynäkologen raten Frauen, die eine Bauchspiegelung erhalten haben, etwa drei Monate mit den nächsten Versuchen auszusetzen. Nach einer offenen Bauchoperation ist die Empfehlung, sechs Monate zu warten, um alle Narben verheilen zu lassen.

Wenn Sie erneut schwanger sind, sollten Sie unverzüglich Ihren Arzt aufsuchen und sich einer Ultraschalluntersuchung unterziehen, damit Sie Gewissheit haben, dass sich die befruchtete Eizelle auch am richtigen Platz entwickelt. Spezialisten für die Betreuung einer Schwangerschaft sind vor allem Fachärzte der Geburtshilfe und Perinatalmedizin.

  • https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/eileiterschwangerschaft/therapie/
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