Die Depression stellt eine ernsthafte psychische Erkrankung dar. Ihre Symptome betreffen den gesamten Organismus. Die Krankheit verändert das Denken, Fühlen und Handeln des Betroffenen, beeinträchtigt Körperfunktionen und verursacht erhebliches Leiden. Eine verlässliche Diagnose können nur Hausärzte, Fachärzte für Psychiatrie und Psychologen stellen.

ICD-Codes für diese Krankheit: F32, F33

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Hintergrundinformationen zu Depressionen

Zwischen 16 und 20 Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an einer behandlungsbedürftigen depressiven Störung (Lebenszeitprävalenz).

Im Alltag taucht der Begriff Depressionen häufig im Zusammenhang mit Stimmungstiefs auf. Solche Schwankungen im persönlichen Befinden sind Teil des normalen Lebens und gehen vorüber. Eine Depression dauert an und der Betroffene kann sich selbst nicht durch Willenskraft daraus befreien.

Mit modernen Behandlungsmethoden lassen sich Depressionen oft heilen oder zumindest soweit lindern, dass die Lebensqualität des Betroffenen steigt.

Symptome der Depression

Die Medizin unterscheidet drei Verlaufsformen, nämlich leichte, mittelgradige und schwere Depressionen.

Gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit sowie Verlust von Interesse und Freude stehen als Hauptsymptome im Vordergrund. Darüber hinaus kommt es zu weiteren Beschwerden (Nebensymptome) wie:

  • Konzentrationsstörungen,
  • vermindertem Selbstwertgefühl und mangelndem Selbstvertrauen,
  • Gefühlen von Wertlosigkeit,
  • negativen Zukunftsperspektiven,
  • Suizidgedanken,
  • Schlafstörungen und
  • Gewichtsverlust.

Betroffene mit einer leichten Depression fühlen sich zwar krank, können aber Beruf und Alltag bewältigen. Bei einer mittelgradigen Depression ziehen sich die Menschen zurück und sind nur unter großen Schwierigkeiten in der Lage, den Alltag durchzustehen. Patienten mit schweren Depressionen werden den täglichen Anforderungen nicht mehr gerecht. Sie brauchen Unterstützung.

Depression
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Die obige Darstellung verdeutlicht die Dimension dieser seelischen Erkrankung sowie deren Auswirkung auf die Lebensqualität der Betroffenen.

Wie wird die Depression diagnostiziert?

Die Diagnose der Erkrankung erfolgt durch den Hausarzt, einen Facharzt für Psychiatrie oder einen Psychologen.

Der Mediziner stellt eine leichte Depression fest, wenn zwei der drei Hauptsymptome vorliegen und zusätzlich mindestens zwei Nebensymptome. Eine mittelgradige depressive Episode liegt vor, wenn zwei Hauptsymptome und mindestens drei bis vier Nebensymptome gleichzeitig auftreten. Schwere Episoden zeigen sich in allen drei Hauptsymptomen in Kombination mit mindestens vier Nebensymptomen.

Die Dauer der Beschwerden beträgt in allen Fällen mindestens zwei Wochen.

Vor der Diagnose steht eine umfassende Anamnese, die aus einem ausführlichen Gespräch sowie einer körperlichen Untersuchung besteht.

Bestimmte Medikamente sowie Virusinfektionen und Schilddrüsenerkrankungen können Symptome hervorrufen, die einer Depression ähneln. Um dies auszuschließen, wird der Arzt Labortests veranlassen. Ein wichtiger Aspekt der Krankheitsgeschichte ist die Frage, ob Angehörige an einer Depression erkrankt waren oder sind.

In der Regel kommen auch standardisierte Fragebögen zum Einsatz, mit denen der Grad der psychischen Störung erfasst wird.

Am häufigsten werden folgende Instrumente herangezogen:

  • Beck‘s Depressions Inventar (BDI)
  • Symptom-Checkliste-90 Standard (SCL-90-S)
  • Allgemeine Depressionsskala (ADS)

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet auf ihrer Website einen Selbsttest an. Einen Arztbesuch kann der Test nicht ersetzen. Er hilft jedoch, die eigene Situation besser einzuschätzen.

Welche klassischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die moderne Therapie der Depression basiert auf zwei Säulen: der Psychotherapie und der medikamentösen Behandlung. Sie kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Welche Verfahren zum Einsatz kommen, hängt von der Schwere der Depression und den persönlichen Umständen des Patienten ab.

Bei leichten Krankheitsverläufen ist meist eine ambulante Psychotherapie ausreichend. Sie zielt vor allem darauf ab, negative Gefühle und Denkmuster zu hinterfragen und zu verändern. Eine spezielle Form der Psychotherapie ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie hilft den Patienten, besser mit der Erkrankung umzugehen. Als ergänzende Behandlungsmaßnahmen haben sich Kunst-, Musik- oder Bewegungstherapien bewährt.

Bei mittelschweren und schweren Depressionen kommt eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten, den Antidepressiva, in Betracht.

Der Arzt wählt aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen das passende Medikament aus. Am häufigsten kommen Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI) zum Einsatz. Die Medikamente stellen das Gleichgewicht der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin wieder her. Bis ein Antidepressivum seine Wirkung entfaltet, vergehen einige Wochen.

Ein wichtiger Hinweis: Antidepressiva führen nicht zur Abhängigkeit und bewirken auch keine Veränderung der Persönlichkeit. Die Erkrankung selbst bewirkt Veränderungen im Denken, Fühlen und Handeln. Die Wirkung dieser Medikamente tritt aber erst nach einigen Wochen ein.

Psychotherapie
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Weitere Behandlungsmethoden

Aktuellen Studien zufolge kann eine Licht-Therapie Depressionen mildern. Die Behandlung erfolgt mittels einer UV-Therapie-Lampe, die dem direkten Tageslicht ähnelt. Sie wird ergänzend zu anderen Verfahren eingesetzt.

Eine weitere Art der Therapie, die nur während der stationären Behandlung zur Anwendung kommt, ist der Schlafentzug. Hierbei muss der Patient an mehreren Tagen in der Woche während der Nacht und auch am Tag wach bleiben. Studien haben gezeigt, dass dadurch depressive Störungen erheblich verbessert werden können. Diese Behandlung ist wie die Lichttherapie frei von Nebenwirkungen, muss jedoch oft wiederholt werden.

Einen völlig neuen Therapieansatz bildet die transkranielle Magnetstimulation (TMS), die bislang in Studien nur an wenigen Universitätskliniken durchgeführt wird. Dabei wird eine Magnetspule an den Kopf angelegt. Der Magnet stimuliert die darunterliegenden Hirnareale und regt auf diese Weise den Energiestoffwechsel der Nervenzellen an. Diese schmerzfreie Behandlung muss täglich etwa drei Wochen lang erfolgen.

Depressionsbehandlung und Digitalisierung

Die Digitalisierung setzt auch in der Therapie der Depression neue Impulse. Besonders die langen Wartezeiten bei Fachärzten und Psychotherapeuten bieten für die Forscher ein interessantes Aufgabengebiet.

Sie entwickeln Apps, die Patienten helfen, ihren Alltag zu strukturieren oder regelmäßig die Stimmung abfragen. Im Notfall stellen sie Kontakt zum behandelnden Arzt oder Therapeuten her. Außerdem warnen sie den Betroffenen, wenn sein Zustand sich akut verschlechtert.

Derartige Angebote befinden sich noch in der Entwicklung. Interessenten finden auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe einen Überblick über aktuelle Studien zu konkreten digitalen Angeboten und die Entwicklung online-basierter Therapietools im Allgemeinen.

Moderne Therapie-Ansätze bestehen meist aus mehreren Elementen, die speziell auf die Bedürfnisse des Patienten und die Schwere seiner Erkrankung abgestimmt sind.

Prognose und Heilungsverlauf

Eine Depression ist grundsätzlich sehr gut behandelbar. Sie verläuft typischerweise episodisch (zeitlich begrenzt). Aus diesem Grund spricht die Medizin auch von einer depressiven Episode.

Eine solche Episode kann vollständig ausheilen, sodass der Betroffene anschließend keinerlei Symptome mehr zeigt (vollständige Remission). Bilden sich die Krankheitszeichen nicht ganz zurück (unvollständige Remission) spricht die Medizin auch von Residualsymptomatik. In diesen Fällen steigt das Risiko für eine erneute depressive Episode.

Von einer Dysthymie ist die Rede, wenn der Patient mindestens zwei Jahre lang an einer depressiven Symptomatik leidet, die nicht dem Vollbild einer Depression entspricht.

Zeigt der Patient über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren das Vollbild einer depressiven Episode ohne Remission, spricht die Medizin von einer chronisch-depressiven Episode.

Bitte beachten Sie:

Falls Sie bei sich selbst oder Angehörigen Symptome bemerken, die auf eine Depression hinweisen: suchen Sie einen Arzt auf. Ohne Behandlung steigt das Rückfallrisiko. Auch kann ein Zusammenhang zwischen Depressionen und koronaren Herzerkrankungen nicht ausgeschlossen werden.

Depressionen sind mit Stress verbunden. Länger anhaltender Stress wirkt sich negativ auf das Nervensystem, den Blutdruck und die Herzfrequenz aus. Darüber hinaus besteht bei langanhaltenden und schweren Depressionen ein erhöhtes Suizidrisiko.

Den meisten Betroffenen kann jedoch durch eine medizinische Behandlung geholfen werden.

Quellen

  • Hautziger, M. (2017): Ratgeber Depression: Informationen für Betroffene und Angehörige. Hogrefe-Verlag.
  • Zindel, et. al. (2015): Die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie der Depression: Ein neuer Ansatz zur Rückfallprävention. dgvt-Verlag.
  • Korn, O. und Rudolf, S. (2017): Sorgenlos und grübelfrei: Wie der Ausstieg aus der Grübelfalle gelingt. Selbsthilfe und Therapiebegleitung mit Metakognitiver Therapie. Beltz-Verlag.