Bruxismus: Informationen & Bruxismus-Spezialisten

04.02.2022
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Bruxismus ist umgangssprachlich als Zähneknirschen bekannt. Betroffene pressen und reiben dabei unbewusst immer wieder die Zähne aneinander. Das kann die Zahnsubstanz schwer schädigen. Vom Zähneknirschen können Menschen jeder Altersklasse betroffen sein. Die Ursachen für das ständige Knirschen ist häufig eine starke psychische Anspannung des Menschen. Das Knirschen tritt dann typischerweise nachts auf, wenn das Gehirn die Erlebnisse des Tages verarbeitet.

Ursächlich kann aber auch eine Fehlstellung des Kiefers sein. Sie lässt sich in den meisten Fällen einfacher und schneller behandeln als eine körperliche Anspannung und Stress. Abhilfe schaffen häufig Aufbissschienen (auch Knirscherschienen genannt). Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie Bruxismus-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: F45.8

Empfohlene Bruxismus-Spezialisten

Bruxismus Fälle in Deutschland

4.138 Fälle im Jahr 2020
4.205 Fälle im Jahr 2023 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Was ist Zähneknirschen (Bruxismus)?

Das ständige Knirschen und Pressen der Zähne zählt nicht als eigenständige Erkrankung. Zähneknirschen, also Bruxismus, ist ein Symptom einer anderen, unterschwelligen Krankheit des Körpers. Wird die Ursache für den Bruxismus beseitigt, legt sich auch das ständoge Zähneknirschen. Ursachen könnten bspw. eine Fehlstellung des Kiefers oder Stress sein.

Menschliche Zähne können eine enorme Kraft aufbringen. Männer können zum Beispiel einen Druck von bis zu 400kg mit ihren Zähnen aufbauen, Frauen bis zu 300kg. Beim Zähneknirschen richtet sich diese Kraft gegen die eigenen Zähne. Dadurch nehmen die Zähne und der Zahnhalteapparat auf Dauer Schaden.

Normalerweise ist das Zähneknirschen ein unbewusster Vorgang und tritt häufig in Stresssituationen auf, um innere Spannungen abzubauen. Auch während der REM-Phasen des Schlafes (den flacheren Schlafstadien) wurde der Bruxismus im Schlaflabor wissenschaftlich untersucht.

Das Zähneknirschen selbst bleibt leider lange unerkannt. Häufig wird es erst dann diagnostiziert, wenn der Zahn schon Schaden genommen hat.

Bis zu 90 Prozent der Bevölkerung hat in der Vergangenheit bereits mit den Zähnen geknirscht oder tut es heute immer noch. Zähneknirschen ist also keinesfalls ein seltenes Problem.

Schlafende Frau knirscht mit den Zähnen
Häufig knirschen von Bruxismus betroffene nachts unbewusst mit den Zähnen © gballgiggs | AdobeStock

Ursachen für Bruxismus

Die Ursachen für Zähneknirschen sind äußert vielfältig. Einerseits können Fehlstellungen im Bereich des Kopfes den Bruxismus auslösen, andererseit kommen aber auch psychische Ursachen infrage.

Zu den körperlichen Risikofaktoren zählen

  • eine Fehlstellung des Kopfes mit dem Kiefer (die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion),
  • eine Fehlstellung des Ober- gegenüber des Unterkiefers oder
  • einfache Zahnfehlstellungen (auch von Kronen, Brücken und Implantaten).

Der wichtigste Faktor für das unbewusste Zähneknirschen scheint jedoch psychischer Stress zu sein. Studien haben ergeben, dass viele Menschen in Stresssituationen vermehrt mit den Zähnen knirschen. Das Zähneknirschen setzt sich auch im Schlaf fort, wenn das Unterbewusstsein den Stress des Tages verarbeitet.

Fehlstellungen des Kiefers und der Zähne sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Häufige Ursachen fürs Zähneknirschen:

  • Die Zahnkrone oder die Zahnbrücke ist im Gegensatz zum Rest der Zähne zu hoch gesetzt
  • Schief gewachsene Zähne, die nicht gut zu ihren Pendants auf der anderen Kiefernhälfte passen
  • Fehlstellungen des kompletten Kiefergelenks nach Verletzungen oder bei Knorpelschwund im Kiefergelenk (Arthrose des Kiefergelenks). Dies beeinträchtigt die Beweglichkeit des Kiefergelenks, wodurch die Zähne unnatürlich aneinander reiben können.

Sind alle möglichen körperlichen Ursachen für das Zähneknirschen ausgeschlossen, sollte nach Ursachen im psychischen Bereich suchen. Ihr Zahnarzt wird Sie in diesem Fall dann an einen geeigneten Psychotherapeuten zur Weiterbehandlung überweisen.

Symptome bei Zähneknirschen

Zähneknirschen deutet häufig auf andere Erkrankungen hin. Deswegen tritt es in den meisten Fällen zusammen mit Begleiterscheinungen auf:

  • Muskelkater in der Kiefermuskulatur durch die angespannte Muskulatur während des unbewussten Zähneknirschens
  • Verspannungen der Nackenmuskulatur und Spannungskopfschmerzen durch Verspannungen in der Kiefermuskulatur

Veränderungen und Erkrankungen der Zähne

Typische Merkmale für das Zähneknirschen sind außerdem die sogenannten Knirschrillen auf den Zähnen. Durch das ständige Mahlen der Zähne wird der Zahnschmelz schnell abgenutzt. Dadurch entstehen Rillen und Furchen auf den Oberflächen der Zähne. Dies sind die ersten Anzeichen für einen Defekt des Zahnschmelzes.

Wird weiter geknirscht und gepresst, wird der Zahnschmelz womöglich komplett zerstört. Nun kann plötzlich ein ganz neues Symptom auftreten: Durch die Zerstörung des Zahnschmelzes haben Bakterien freie Bahn und können sich ungehindert direkt auf der ungeschützten Zahnoberfläche ansiedeln.

Häufig bilden sich nun Karies. Wandern die Bakterien über die feinen Dentinkanälchen in das Zahninnere, können sie

  • eine Pulpitis (Entzündung des Zahnmarks) oder
  • eine Parodontitis

auslösen.

Sehr schweres Zähneknirschen kann bis zum totalen Zahnverlust führen. Werden die Zähne über einen längeren Zeitraum zu stark aufeinander gepresst, kann der Zahn sich spalten und der Länge nach durchbrechen. Spaltet der Zahn sich nur in der Krone, kann ein schneller Besuch beim Zahnarzt und eine aufwendigen Reparatur den Zahn noch retten.

Bricht er aber bis zur Wurzel durch, ist der Zahn komplett verloren und muss gezogen werden. Durch die entstandene Zahnlücke können die Zähne in Ober- und Unterkiefer nicht mehr nahtlos aufeinander stehen. Das wiederum führt zu vermehrtem Zähneknirschen. Hier entsteht ein Teufelskreis, der nur mit aufwendigen und teuren Mitteln unterbunden werden kann. Deshalb sollte man es erst gar nicht so weit kommen lassen.

Durch Bruxismus abgeschliffene Zähne
Im schlimmsten Fall können Zähne durch das Zähneknirschen völlig abgerieben oder zerstört werden © Alexandr Mitiuc | AdobeStock

Veränderungen am Kiefergelenk

Durch die ständige Beanspruchung des Kiefergelenks beim Bruxismus können auch an dieser Stelle Begleiterscheinungen auftreten. Verspannungen und Muskelkater der Kiefermuskulatur sind allerdings nur das kleinste Übel. Durch die Dauerbelastung entstehen Veränderungen im Kieferknochen, die zu einem Verrutschen der Gelenkscheibe des Kiefergelenks führen kann.

Das Gelenk kann sich nun nicht mehr normal bewegen und blockiert beim Öffnen und Schließen des Mundes. Die Folgen sind Knackgeräusche während der Mundbewegung oder eine Beeinträchtigung Öffnungsweite des Mundes.

Das Kiefergelenk ist unter Dauerbelastung außerdem sehr empfindlich für Entzündungen. Bei dauerhaftem Zähneknirschen können sich

  • die Gelenkkapseln,
  • die Bänder,
  • die Sehnen und
  • die Muskulatur

schnell entzünden. Für den Betroffenen ist das sehr schmerzhaft.

Diagnose von Bruxismus

In den meisten Fällen wird die Diagnose des Zähneknirschens rein zufällig bei einer Routineuntersuchung beim Zahnarzt gestellt. Während der Anamnese, also dem Patientengespräch, sollten Ärzte daher auch zu Beschwerden fragen, die zunächst nichts mit den Zähnen zu tun haben:

  • vermehrte Kopfschmerzen,
  • verspannte Muskeln im Nacken,
  • Muskelkater in der Kaumuskulatur,
  • vermehrter Stress in Beruf und Familie.

Sind bei der Zahnkontrolle vermehrter Abrieb und kleine Rillen zu erkennen, kann bereits die Verdachtsdiagnose Bruxismus gestellt werden. Um eine geeignete Therapie verordnen zu können, muss der Arzt nun zunächst die Ursache für das Zähneknischen herausfinden.

Der Zahnarzt wird dann den Mund- und Kieferbereich zunächst auf die körperlichen Ursachen für Zähneknirschen untersuchen. Er prüft, wie weit und wo genau sich die Zähne nach dem Schließen des Kiefers berühren.

Gibt es

  • einen Zahn,
  • eine Zahnkrone,
  • eine Zahnbrücke oder
  • ein Implantat (oder auch mehrere),

die über die Höhe der anderen Zähne hinausragt, so kann dies eine Ursache für Bruxismus sein.

Durch Abtasten des Kieferknochens von außen und innen kann der Zahnarzt zudem feststellen, ob eine Fehlstellung vorliegt. Schmerzt es bei Berührung zusätzlich, kann der Zahnarzt ggf. nach weiterer eingehender Untersuchung eine Entzündung im Kiefergelenk feststellen. Die Entzündung kann Ursache oder Begleiterscheinung bei Zähneknirschen sein.

Die meisten körperlichen Ursachen kann er während einer Untersuchung selbst abklären. Kommt der Zahnarzt dabei zu keinem Ergebnis, wird er seinen Patienten zur genaueren Abklärung an einen Psychotherapeuten überweisen.

Therapie bei Zähneknirschen (Bruxismus)

Die Behandlung von Bruxismus hängt in erster Linie von der Ursache ab.

Sind Fehlstellungen im Mundbereich ursächlich für das ständige Knirschen, müssen diese beseitigt werden.

  • Zu hohe Zahnkronen und Zahnbrücken werden abgeschliffen,
  • falschsitzende Prothesen und Implantate angepasst,
  • falschgestellte Zähne durch den Kieferorthopäden begradigt.

Liegen die Ursachen für das Zähneknirschen im Kiefergelenksbereich, wird die konkrete Behandlung schon schwieriger. Die für das Zähneknirschen ursächliche Fehlstellung des Kiefergelenks ist häufig die Ursache von Knorpelschwund (Arthrose) im Gelenk.

Dieser kann allerdings nicht erfolgreich therapiert werden. Bisher gibt es noch keine medizinischen Methoden für den Wiederaufbau von zerstörtem Knorpel. In diesem Fall können nur die Symptome behandelt werden. Durch gezieltes Training versucht man deshalb, die korrekte Stellung des Gebisses bewusst zu erzielen. Ist dies erfolgreich, berühren sich die Zähne des Ober- und Unterkiefers nicht mehr und das Zähneknirschen hört auf.

Liegen die Ursachen für das Zähneknirschen im psychischen Bereich, sollte eine Psychotherapie erwogen werden. Der Psychotherapeut wird bei der Stressbewältigung helfen und Techniken zum Stressabbau und zur Entspannung vermitteln.

Zusätzlich hilfreich sind unter anderem

  • Yoga,
  • progressive Muskelentspannung und
  • Sport zum regenerativen Ausgleich für den Körper.

Die Knirscherschiene bei Zähneknirschen (Bruxismus)

Um die schädlichen Auswirkungen des Zähneknirschens sofort zu beenden, kommt häufig eine Knirscherschiene zur Anwendung. Eine ursächliche Therapie führt nur in den wenigstens Fällen sehr schnell zum gewünschten Erfolg. Eine Knirscherschiene kann Folgeschäden an den Zähnen vermeiden.

Hierfür gibt es Aufbissschienen, auch Knirscherschienen genannt. Sie bestehen meistens aus durchsichtigem Kunststoff und werden über die Zähnen des Unterkiefers gelegt. Als Barriere zwischen den Zähnen verhindern sie das Abreiben der Zahnoberfläche beim Zähneknirschen. Sie verhindern also nicht das Zähneknirschen an sich, sondern nur die Zerstörung des Zahnschmelzes.

Knirscherschienen müssen dann getragen werden, wenn der Betroffene mit den Zähnen knirscht. Eine nächtlich getragene Schiene hilft nicht, wenn der Patient vor allem tagsüber knirscht.

Aufbissschiene bei Bruxismus
Eine Aufbissschiene verhindert, dass die Zähne direkt aufeinander reiben können © Joaquin Corbalan | AdobeStock

Die Kosten für eine einfache Knirscherschiene werden gewöhnlich von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Diese Schienen sind aber nicht individuell an den Kiefer angepasst und orientieren sich deshalb nicht daran, an welchen Zähnen am meisten geknirscht und gepresst wird. Deshalb sitzen sie oft nicht gut, rutschen über die Zähne und fallen vor allem nachts aus dem Mund heraus.

Die Kosten für individuell angepasste Knirscherschienen werden von den gesetzlichen Krankenkassen in den meisten Fällen nicht übernommen. Besitzen Sie eine Zahnzusatzversicherung, lohnt sich ein Anruf bei Ihrer Versicherung. Die meisten Zusatzversicherer übernehmen bereits einen Teil der Kosten.

Whatsapp Twitter Facebook VKontakte YouTube E-Mail Print