Spondylitis (Wirbelkörperentzündung)

05.02.2021
Leading Medicine Guide Redaktion
Autor des Fachartikels
Leading Medicine Guide Redaktion

Bei der Spondylitis handelt es sich um eine nicht näher bezeichnete Entzündungserkrankung der Wirbelsäule. Ihren Ausgang nimmt die Erkrankung in der Regel an den Wirbeln. Sie kann im weiteren Entzündungsverlauf aber auch auf die Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben) übergreifen – dies nennen Experten dann eine Spondylodiszitis. Da die Entzündungen meist erst nach einigen Monaten diagnostiziert werden, sind oft bereits Wirbel und Bandscheiben betroffen. Deshalb werden die Begriffe Spondylitis und Spondylodiszitis nicht selten synonym verwendet. Doch wie entstehen diese Entzündungen und wie werden sie schließlich behandelt? Kann man sich dagegen schützen?

ICD-Codes für diese Krankheit: M45, M46, M48

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Häufigkeit der Spondylitis

Die Spondylitis zählt in Europa zu den seltenen entzündlichen Erkrankungen. Statistiken zufolge erkranken weniger als 22 Menschen pro 1 Million und Jahr an einer Spondylitis. In den meisten Fällen geht die Entzündung auf eine bakterielle Infektion im Bereich der Wirbelsäule zurück – insbesondere die Wirbelkörper sind betroffen.

Sonderformen der Spondylitis

In einigen Fällen breitet sich die Entzündung bis in das Knochenmark hinein aus – Ärzte sprechen dann von der sogenannten Osteomyelitis. Gehen die Entzündungen an den Wirbelkörpern indes auf eine Tuberkulose oder eine Brucellose zurück, heißen diese beiden Sonderformen der Erkrankung Spondylitis tuberculosis bzw. Spondylitis brucellosa.

Eine weitere Sonderform der Spondylitis ist die Spondylitis ankylosans, eine chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule. Besser bekannt ist die Spondylitis ankylosans unter dem Namen Morbus Bechterew.

Ursachen der Spondylitis

Eine Spondylitis wird, wie eingangs bereits erwähnt, durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen, welche in die Wirbelsäule oder die Wirbelkörper gelangen. Die wichtigsten Infektionswege sind dabei das Blut, die Lymphbahnen sowie via Injektionen und Punktionen, z. B. nach einer Verletzung.

Der Morbus Bechterew hingegen gehört in die Gruppe der rheumatischen Erkrankungen. Obgleich Menschen mit dem Gen HLA-B27 familiär ein höheres Risiko für diese Autoimmunerkrankung zu haben scheinen, ist die genaue Ursache für die Spondylitis ankylosans bisher unbekannt.

Zu den anerkannten Risikofaktoren für die Spondylitis / Spondylodiszitis zählen neben einem höheren Lebensalter verschiedene Begleiterkrankungen (Komorbiditäten), wie beispielsweise:

Welche Symptome treten bei einer Spondylitis auf?

In der Anfangszeit verlaufen Spondylitiden zumeist symptomlos. Im weiteren Verlauf kommt es schließlich zu Schmerzen, die vor allem im betroffenen Wirbelsegment lokalisiert sind, jedoch in Arme und Beine ausstrahlen können. Insbesondere die Lendenwirbel, das Kreuzbein und zum Teil die Halswirbelsäule sind häufiger betroffen.

Allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber und Schüttelfrost kann zusätzlich auftreten. Empfindungsstörungen und / oder Bewegungseinschränkungen sind in einem fortgeschrittenen Stadium ebenfalls möglich. Bleibt die Erkrankung längere Zeit unbehandelt, kommt es zu entzündlichen Veränderungen an der Wirbelsäule bis hin zur Zerstörung einzelner Wirbelstrukturen.

Wie wird eine Spondylitis diagnostiziert?

Die ärztliche Untersuchung beginnt immer mit einem Anamnesegespräch. Dabei klärt der Arzt ab, welche Symptome, seit wann aufgetreten sind. Darüber hinaus lässt sich eine mögliche familiäre Häufung so leichter entdecken.

Aus diesem Anamnesegespräch heraus kommen die Mediziner in der Regel zu einer Auswahl an Diffentialdiagnosen, sodass sie charakteristische Symptome und Anzeichen mithilfe der körperlichen Untersuchung inklusive Entzündungsparametern und Blutbild abklären werden. Am Ende dieser steht die Verdachtsdiagnose. 

In der sich daran anschließenden Bildgebung soll diese Verdachtsdiagnose bestätigt werden. Bei unklaren Schmerzen an der Wirbelsäule wird zuerst auf das Röntgenbild zurückgegriffen. Für die sichere Diagnose „Spondylitis“ ist allerdings die Magnetresonanztomographie (MRT) das Mittel der Wahl. Mithilfe des MRT lassen sich sehr viel detailliertere Aufnahmen machen, die es ermöglichen, die Ausbreitung und das Stadium der Entzündung entlang der Wirbelsäule genauer zu beschreiben.

Ist die Spondylitis behandelbar?

Je nach Stadium der Entzündung wird die Spondylitis konservativ mittels Antibiotika therapiert. Während dieser Zeit kann die Wirbelsäule durch ein Korsett stabilisiert und ruhig gestellt werden. In einem frühen Erkrankungsstadium gilt es vor allem zu verhindern, dass sich die Infektion weiter ausbreiten kann. Eine Operation an der Wirbelsäule lässt sich damit vermeiden.

Ist die Spondylitis indes bereits auf die Bandscheiben übergegangen und liegt eine eitrige Entzündung vor – eine Spodylodiszitis – so bedarf es einer operativen Therapie, um den Entzündungsherd auszuräumen. Die betroffene Bandscheibe und das beeinträchtigte Knochenmaterial des Wirbelkörpers werden während dieser OP entfernt und die entstandenen Lücken mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt. Eine Antibiotikagabe ist selbstverständlich auch nach dieser Operation notwendig.

Gibt es Möglichkeiten der Prävention?

Da die Ursachen, die letztlich eine Spondylitis auslösen können, unbekannt sind, ist es nicht leicht, dieser entzündlichen Erkrankung vorzubeugen. Dennoch gibt es ein paar Faktoren, die mit einem erhöhten Spondylitis-Risiko assoziiert sind und denen jeder einzelne individuell vorbeugen kann. Dazu gehören u. a.:

Werden diese Risikofaktoren und Komorbiditäten konsequent vermieden bzw. behandelt, dann sinkt das Risiko für die betroffenen PatientInnen, eine Spondylitis zu entwickeln. Ansonsten gilt ferner: Bei unklaren Rückenschmerzen mit oder ohne Fiebersymptomatik sollen Patienten einen Facharzt konsultieren. Frühzeitig erkannt und behandelt, hat die Spondylitis in der Mehrzahl der Fälle eine gute Prognose.

Quellen:

cmsc.charite.de/leistungen/septische_chirurgie/krankheitsbilder_und_therapien/entzuendungen_der_wirbelkoerper/

Deutsche Wirbelsäulengesellschaft. S2k-Leitlinie: „Diagnostik und Therapie der Spondylodiszitis“. AWMF-Reg. 151-001. [Stand: 26. August 2020]

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. S3-Leitlinie: „Axiale Spondyloarthritis inklusive Morbus Bechterew und Frühformen“. AWMF-Reg. 060/003 [Version: 2019]

mayoclinic.org/diseases-conditions/ankylosing-spondylitis/symptoms-causes/syc-20354808

spine-operation.guide/krankheiten/spondylitis/#

eref.thieme.de/cockpits/0/0/coOUC00354/0

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