Der Knick-Senk-Fuß ist eine veränderte Fußform, die im allgemeinen Sprachgebrauch oft auch als Plattfuß bezeichnet wird. Ursache sind häufig anlagebedingte Bindegewebs- oder Muskelschwächen.

ICD-Codes für diese Krankheit: M21.4, Q66.5

Artikelübersicht

Empfohlene Spezialisten

Definition und Ursache des Knick-Senk-Fußes (Plattfuß)

Etwa um das erste Lebensjahr herum beginnt ein Kind mit ersten Steh- und Gehversuchen. Dies sieht immer etwas tollpatschig aus; bei einzelnen Kindern erkennt man jedoch eine veränderte Fußform, die man im allgemeinen Sprachgebrauch als 'Plattfuß', in der Fachsprache als Knick-Senk-Fuß bezeichnet. Veränderungen in der Fußanatomie gibt es verschiedene, wie die Grafik zeigt:

Fußfehlstellungen Plattfüße
© Henrie / Fotolia

Der Knick bezeichnet eine im Vergleich zum Normalen verstärkte Abknickung der Ferse (von oben nach unten und von hinten betrachtet) zur Außenseite des Fußes, die Senkung bezeichnet das Abflachen des normalerweise auf der Innenseite des Fußes vorhandenen Längsgewölbes.

Ursache sind häufig anlagebedingte Bindegewebs- oder Muskelschwächen. Besonders bei älteren Kindern kann das Übergewicht eine zusätzliche Rolle spielen; selten sind Lähmungen der Auslöser.

Symptome und Diagnose beim Plattfuß

Besonders bei kleinen Kindern ist die Abgrenzung von alterskorrelierten Normalbefunden manchmal schwierig, zumal der Plattfuß oft keine Beschwerden verursacht. Zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr ist ein diskret ausgeprägter Knick-Senk-Fuß entwicklungsbedingt normal und braucht in der Regel nicht behandelt werden.

Die Fehlstellung ist meistens flexibel, d. h. die Fußform kann durch den Untersucher passiv beeinflusst werden; bei einem rigiden Knick-Senk-Fuß ist dies nicht mehr möglich.

Die Diagnose erfolgt durch den erfahrenen Untersucher (Facharzt für Orthopädie oder Kinderarzt) durch Inspektion und Funktionsprüfung, bei stark ausgeprägtem Befund auch radiologisch. Mit geeigneten Apparaten (Podoskop) kann in Fachpraxen auch der Fußabdruck dargestellt und beurteilt werden.

Behandlung des Knick-Senk-Fußes

Die häufigste Plattfuß-Form, der flexible, gering bis mittelgradig ausgeprägte Plattfuß des kleinen Kindes, erfordert meist keine spezielle Behandlung. Halbjährliche klinische Verlaufskontrollen genügen; das Kind soll viel barfuß gehen und zu spielerischen Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur motiviert werden (Zehenspitzenstand, Greifübungen mit den Zehen u. ä.). Bei schwereren Fällen kann eine krankengymnastische Mitbehandlung sinnvoll sein.

Einlagen sind nur bei schwerem Knick-Senk-Fuß indiziert. Sie müssen nach Gipsabdruck angefertigt und vom Orthopädietechniker in Absprache mit dem behandelnden Orthopäden hergestellt werden. Die Tragedauer soll nicht zu kurz gewählt werden und kann mehrere Jahre betragen. Ihre Notwendigkeit ist regelmäßig vom Orthopäden zu überprüfen.

Füße
© Elenathewise / Fotolia

Schwere Plattfuß-Formen können eine Indikation zur Operation begründen. Voraussetzungen hierfür sind die langfristige, vorausgegangene und erfolglose konservative Therapie, ein entsprechend ausgeprägter klinischer Befund und belastungsabhängige starke Schmerzen. Eine Vielzahl von Weichteileingriffen (etwa Sehnenverlagerungen) ist bekannt; gemeinsames Prinzip ist die Verbesserung des fußgewölbehebenden Muskelzuges.

Derartige Eingriffe sollten erst nach dem 8. Lebensjahr in Erwägung gezogen werden. Bei schwersten, vor allem rigiden Verläufen (vor allem bei neurologischen Grunderkrankungen wie infantiler Zerebralparese) können sogar Eingriffe am Fußskelett nötig sein (etwa Versteifungen mit Knochenkeilentnahme oder Einbringen von gewölbestützenden Implantaten).

Heilungsaussichten beim Plattfuß

Die häufigste Form des Plattfußes, die frühkindliche flexible Variante, hat eine gute Prognose. Die meisten Knick-Senk-Füße bedürfen keiner speziellen Therapie, da sie sich bis zum Schulalter häufig durch das normale Wachstum wieder ausgleichen.

Die Resultate der operativen Verfahren sind umso besser, je sorgfältiger die strenge und individuelle Indikation zur Operation gestellt wurde. Bei schweren, anders nicht behandelbaren Plattfuß-Formen - etwa bei aufgrund einer Zerebralparese - kann zwar oft keine komplette physiologische Fußstellung wiederhergestellt werden, aber eine lohnende Verbesserung der Fehlstellung ist meistens zu erreichen, die zu einer Beschwerdelinderung bei den Betroffenen führt.

Sport beim Knick-Senk-Fuß

Besonders in Bezug auf den häufigen kindlichen Knick-Senk-Fuß ohne zugrundeliegende Zusatzerkrankungen gilt: Sport, in vernünftigen Belastungsgrenzen und mit Spaß ausgeübt, wirkt sich positiv auf Koordination und Muskelkräftigung aus und kann grundsätzlich nur empfohlen werden.