Morbus Ledderhose (Fibromatose der Fußsohle)

06.08.2021
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Beim Morbus Ledderhose handelt es sich um gutartige Wucherungen des Bindegewebes der Fußsohlen. Die Erkrankung gehört somit zu den sogenannten Fibromatosen, den Bindegewebswucherungen, wie auch die sehr ähnliche Dupuytren-Kontraktur, die an den Händen auftritt. Die genauen Ursachen sind unbekannt, frühzeitig behandelt ist die Prognose des Krankheitsverlaufes jedoch gut. 

ICD-Codes für diese Krankheit: M72, M72.2

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Morbus Ledderhose (Fibromatose der Fußsohle) Fälle in Deutschland

17.417 Fälle im Jahr 2019
17.680 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Morbus Ledderhose – Gutartige Bindegewebswucherungen der Fußsohle

Der Morbus Ledderhose tritt meist ohne erkennbaren Auslöser an den Fußsohlen in Erscheinung. Auffällig sind nur kleinere Knötchen unter der Haut, die eher zufällig entdeckt werden, wenn das Schuhwerk beginnt, zu reiben oder unbequem zu werden. 

Wie entsteht der Morbus Ledderhose?

Der Morbus Ledderhose ist eine sehr massive, schubweise Vermehrung von Bindegewebe entlang der Sehnenplatte der Fußsohle. Die genaue Ursache ist weiter unbekannt. In der Regel tritt die Erkrankung aber plötzlich auf und führt zu tastbaren Veränderungen des Bindegewebes (Knotenbildung).

Derzeit werden als mögliche Ursachen Verletzungen der Fußsohle oder auch genetische Vorbelastungen diskutiert. Letzteres wird dadurch wahrscheinlicher, dass der Morbus Ledderhose in der Tat eine familiäre Häufung zeigen kann. In der Regel tritt die Erkrankung bei Männern zudem etwa zweimal häufiger auf als bei Frauen.

Woran erkennt man den Morbus Ledderhose?

Der Morbus Ledderhose macht sich insbesondere dadurch bemerkbar, dass entlang der Sehnenplatte der Fußsohle knotenartige Vorwölbungen unter der Haut entstehen. Diese wachsen in der Regel beständig weiter und können auch schmerzhaft werden. Darüber hinaus stören diese Knoten mit zunehmender Größe beim Gehen.

Daraus können sich am Ende sogar weitere Komplikationen entwickeln, wie z. B. schmerzbedingte Einschränkungen in der Lebensqualität, welche auch zu Depressionen führen können. Nicht selten treten infolge der Knotenbildungen ebenso Druckstellen auf, die sich am Ende sogar entzünden können.

Wie wird der Morbus Ledderhose diagnostiziert?

Der Arzt wird am Anfang eine Anamnese (Krankheitsgeschichte) erheben. Daraus ergeben sich zumeist erste Hinweise für eine Verdachtsdiagnose. In der körperlichen Untersuchung werden anschließend die Füße – und hier insbesondere die Fußsohlen – begutachtet. Kleine bis größere Verhärtungen unter Haut, die nicht oder nur sehr schlecht verschiebbar sind, erhärten den Verdacht auf einen Morbus Ledderhose.

Darauf folgt in der Regel die bildliche Darstellung der Füße mit den knotentragenden Sohlenbereichen. Ultraschalluntersuchungen und die sogenannte Kernspintomografie (MRT) helfen dem Arzt, sich ein Bild über das Ausmaß und die Größe der Knotenbildungen machen zu können.

Um die Diagnose „Morbus Ledderhose“ sichern zu können, müssen die Knotenbildungen feingeweblich untersucht und eingeordnet werden. Zu diesem Zweck wird eine Gewebeprobe, eine Biopsie, entnommen. Diese dient zugleich dem Ausschluss einer bösartigen (malignen) Krebserkrankung.

Welche Therapieoptionen gibt es bei Morbus Ledderhose?

Der Morbus Ledderhose ist nach heutigem Verständnis nicht heilbar. Jedoch lassen sich zumeist die Einschränkungen und Schmerzen verringern, was den Betroffenen ein großes Stück Lebensqualität erhält.

Im Anfangsstadium der Erkrankung wird versucht, die Gehfähigkeit mithilfe von Einlagen oder anderen orthopädischen Hilfsmitteln zu erhalten. Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) kommen zum Einsatz, wenn die Patienten Schmerzen verspüren oder unter Entzündungen leiden. Ebenso kann eine Steroidgabe direkt in die Knoten hinein versucht werden, um schwerere Entzündungsverläufe zu behandeln.

Ebenfalls im Frühstadium hat sich die Radiotherapie in zahlreichen Studien wiederholt als erfolgversprechend gezeigt. Mithilfe weicher Röntgenstrahlen werden dabei die Knoten direkt bestrahlt. Ebenso scheinen auch die Stoßwellentherapie oder die Kryotherapie geeignet zu sein, den Morbus Ledderhose zu behandeln.

Im weiter fortgeschrittenen Stadium erfolgt meist ein operativer Eingriff, bei dem die gesamte Sehnenplatte mit den Knoten entfernt wird. Teileingriffe sind weniger erfolgreich, da sie meist zu einem Wiederauftreten des Morbus Ledderhose beitragen. Selbst bei vollständiger Entfernung der Sehnenplatte wird dennoch jeder vierte Patient ein sogenanntes Rezidiv erleiden, d. h., die Knoten kommen zurück. Darüber hinaus sind operative Eingriffe am Fuß nicht ohne Risiken: Verletzungen der Nerven, Muskeln und Sehnen könne Folgeschäden verursachen.

Welche Prognose hat der Morbus Ledderhose?

Der schubweise Verlauf der Erkrankung sorgt dafür, dass gerade im Frühstadium kein Behandlungsdruck entsteht und zuerst immer konventionelle Behandlungsmethoden angewendet werden können. Die Erkrankung verläuft über mehrere Jahre mit meist guter Prognose. Vielfach genügt es im weiteren Verlauf, die betroffenen Sehnen und Faszien auszuräumen, um damit möglicherweise auch den Auslöser für den Morbus Ledderhose zu entfernen. 

In seltenen Fällen kann ein Morbus Ledderhose auch die Folge einer Medikamenten-Nebenwirkung sein. Dann ist es bereits ausreichend, das jeweilige Medikament abzusetzen, um die Symptome und die Veränderungen durch die Fibromatose zu reduzieren. 

Wer behandelt einen Morbus Ledderhose?

Die Behandlung der Erkrankung sowie die Betreuung der Betroffenen erfolgt in aller Regel interdisziplinär. Das bedeutet, dass Ärzte verschiedener Fachbereiche zusammen arbeiten, um die Gehfähigkeit der Patienten zu sichern, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten. So wird die Allgemeinmedizin ebenso wie die Orthopädie oder auch die Chirurgie zurate gezogen. Ferner unterstützen ebenfalls Nicht-Ärzte, wie beispielsweise Podologen (Medizinische Fußpfleger) oder Physiotherapeuten bei der Behandlung und Nachsorge des Morbus Ledderhose.

Quellen

aerztezeitung.de/Medizin/Wo-bei-Morbus-Ledderhose-der-Schuh-drueckt-212576.html
flexikon.doccheck.com/de/Morbus_Ledderhose
Heyd R et al., Radiation therapy for early stages of morbus Ledderhose. Strahlenther Onkol 2010; 186(1): 24–29. doi: 10.1007/s00066-009-2049-x
medlexi.de/Morbus_Ledderhose
Seegenschmiedt RH & Attassi M. Strahlentherapie beim Morbus Ledderhose—Indikation und klinische Ergebnisse. Strahlentherapie und Onkologie 2003; 179: 847–853
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