Lunatummalazie bzw. Mondbeinnekrose (Morbus Kienböck)

22.09.2021
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Bei der Lunatummalazie handelt es sich um die Erkrankung eines der Handwurzelknochen – des Mondbeins (Os lunatum). Fehlbelastungen im Handgelenk, Durchblutungsstörungen und Unfälle können zum Absterben des Mondbeins führen, zur sogenannten Lunatummalazie. Da die Erkrankung bis zur völligen Zerstörung des Mondbeins immer weiter fortschreitet, sollten Sie bei länger bestehenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Handgelenk stets einen Arzt konsultieren. Im Folgenden finden Sie weitere Informationen sowie Spezialisten für die Behandlung der Lunatummalazie.

ICD-Codes für diese Krankheit: M92.2, M93

Empfohlene Spezialisten bei Mondbeinnekrose

Mondbeinnekrose (Morbus Kienböck) Fälle in Deutschland

7.609 Fälle im Jahr 2019
7.759 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Artikelübersicht

Definition: Was ist eine Lunatummalazie?

Die Lunatummalazie ist auch unter dem Namen Mondbeintod oder Morbus Kienböck bekannt. Charakteristisch ist der allmählich fortschreitende Zerfall der Knochenbälkchen, die dem Knochen seine Festigkeit verleihen. Für die Hand ist das Mondbein einer der wichtigsten der acht Handwurzelknochen und liegt in etwa mittig der Handwurzel. Die Lunatummalazie tritt vowiegend im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf, wobei Männer häufiger erkranken als Frauen.

Welche Ursachen führen zu einer Lunatummalazie?

Die genauen Ursachen für den Mondbeintod sind bisher noch nicht bis ins letzte Detail bekannt. Mediziner gehen jedoch davon aus, dass insbesondere Durchblutungsstörungen Teile des Mondbeins absterben lassen. 

Solche Durchblutungsstörungen können wiederum selbst eine Reihe von Ursachen haben. Zum einen neigen einige Menschen bereits seit Geburt zur Mangeldurchblutung. Dies betrifft vor allem Menschen mit unterschiedliche langer Elle und Speiche. Darüber hinaus können aber auch Fehlbelastungen und Überlastungen des Mondbeins zu Durchblutungsstörungen führen. In der Folge sterben Teile des Mondbeins ab, sodass die Handbeweglichkeit stark eingeschränkt ist. In diesem Zusammenhang ist die Lunatummalazie z. B. bei Straßenbauarbeitern, die regelmäßig mit dem Presslufthammer arbeiten müssen, als Berufskrankheit akzeptiert.

Welche Symptome treten bei einer Lunatummalazie auf?

Hauptsymptom der Lunatummalazie sind sehr starke Handschmerzen. Diese gehen in der Regel mit zunehmender Bewegungseinschränkung sowie einem Kraftverlust in der betroffenen Hand einher. Die Hand lässt sich im weiteren Verlauf nicht mehr zur Faust ballen. Die Schmerzen können schließlich sogar bis ins Handgelenk oder den Unterarm ausstrahlen.

Die Lunatummalazie verläuft in Stadien, ist aber im weiteren Verlauf stets progredient und führt schließlich nach Monaten bis Jahren zur Zerstörung des Mondbeins. In diesem Stadium kommt es zur Schwellung infolge von Ödembildungen unter der Haut. Die Schmerzen machen die Bewegung der Hand unmöglich, das Mondbein kollabiert durch den vollständigen Zerfall der Knochenbälkchen und Lähmungserscheinungen treten auf.

Wie wird der Mondbeintod (Lunatummalazie) diagnostiziert?

Für die exakte Diagnosestellung benötigen Ärzte ein Röntgenbild. Hier sind jedoch nur spätere Stadien sichtbar, wenn der Knochen des Mondbeins bereits sichtlich geschädigt ist. Im Frühstadium ist die Lunatummalazie im Röntgenbild nicht erkennbar, weshalb die Erkrankung auch meist erst mit einiger Verzögerung erkannt wird. Alternativ zum Rötgenbild können auch andere bildgebende Verfahren eingesetzt werden, wie z.B. die Kernspin- (MRT) oder die Computertomografie (CT).

Zusätzliche Hinweise liefert die körperliche Untersuchung. Hierbei drückt der Arzt leicht auf das Mondbein, was zu Schmerzen führt. Darüber hinaus berichten viele Patienten von einem Druckgefühl in der Hand, so als sei diese geschwollen.

Eine wichtige Differentialdiagnose ist die Sehnenscheidenentzündung. Bei dieser verlagert sich der Hauptschmerz jedoch insbesondere ins Handgelenk und in den Unterarm. Bei der Lunatummalazie jedoch besteht die größte Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Handwurzel am Mondbein.

Wann ist der Besuch bei einem Arzt notwendig?

Generell gilt, Schmerzen in der Hand sollten einem Arzt vorgestellt werden, insbesondere, wenn diese mit einem Kraftverlust oder mit Bewegungseinschränkungen einhergehen. Besonders kritisch wird es, wenn selbst einfachste Dinge des alltäglichen Lebens nicht mehr schmerzfrei möglich sind. 

Durchblutungsstörungen können sich in Taubheitsgefühl, Kribbeln oder auch in einer sich verstärkenden Hautblässe äußern. Auch bei diesen Symptomen sollten Sie dringend einen Arzt aufsuchen.

Gleiches gilt, wenn die Beschwerden in der Hand wiederholt auftreten oder sich über Wochen hinweg immer weiter verstärken. Schwellungen und Bewegungseinschränkungen sowie Verformungen der Hand sind ebenfalls Warnsignale, zum Arzt zu gehen.

Behandlungsoptionen bei Lunatummalazie

Im Frühstadium der Erkrankung ist es meist ausreichend, die Schmerzen zu behandeln. Dies erfolgt vor allem mithilfe von Schmerzmitteln, wie z. B. Nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder durch eine physikalische Therapie. Darüber hinaus werden Ärzte in der Regel die betroffene Hand ruhigstellen.

Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Operation notwendig werden. Dabei wird im Einzelfall geprüft, ob eine Gelenkversteifung Abhilfe schafft. Auch können Elle und Speiche operativ in der Länge angepasst werden oder die geschädigten Bereiche des Mondbeins mithilfe von Spongiosabälkchen aufgefüllt werden. Ganz selten wird am Ende das Mondbein (Os lunatum) entfernt und durch einen Silikoneinsatz ersetzt.

Prognose bei Lunatummalazie

Je früher die Lunatummalazie erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist ihr Verlauf. Im Frühstadium genügt es oft, die Schmerzen zu lindern und über eine arthrsokopische Behandlung des Mondbeins zu einer Entlastung am Knochen beizutragen. In den meisten Fällen regeneriert der Knochen anschließend wieder.

In weiter fortgeschrittenem Stadium wird ein operativer Eingriff nötig, der je nach Schwere der Symptome und Schädigung des Mondbeins zu Komplikationen und weiteren Störungen führen kann. In diesen Fällen haben sich unter anderem physiotherapeutische Begleitmaßnahmen bewährt, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen.

Wer behandelt die Lunatummalazie?

Die Lunatummalazie gehört in den Bereich der Handchirurgie, einem Teilbereich der Orthopädie und Unfallchirurgie. Suchen Sie am besten nach geeigneten Experten sowie spezialisierten Zentren, um von den dortigen Erfahrungen in der Behandlung des Mondbeintods zu profitieren. Je frühzeitiger Sie sich an die jeweiligen Zentren wenden, desto größer ist die Chance, schwere Eingriffe an der Hand zu vermeiden.

Quellen

berufskrankheit.de/2103.html

eref.thieme.de/cockpits/0/0/coRadSBNS00208/4-54233

flexikon.doccheck.com/de/Lunatumnekrose

medlexi.de/Lunatummalazie

springermedizin.de/emedpedia/orthopaedie-und-unfallchirurgie/morbus-kienboeck-lunatummalazie?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54673-0_3

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