Kalkschulter - Medizinische Experten

10.09.2020
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Medizinischer Fachautor

Schulterschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden in Deutschland. Doch nicht immer lässt sich auch eine Ursache finden. Nach oft sehr langen Jahren gibt es unter Umständen einen Zufallsbefund: Kalkschulter. Mit den richtigen Experten lassen sich die Kalkablagerungen in den Sehnen des Schultergürtels aber bereits sehr viel frühzeitiger entdecken und behandeln. Dadurch wird das Schmerzleiden der Patienten deutlich verkürzt.

Weitere Informationen zur Kalkschulter finden Sie weiter unten.

ICD-Codes für diese Krankheit: M75.3

Empfohlene Spezialisten

Kurzübersicht:

  • Was bedeutet Kalkschulter? Ein Krankheitsbild, bei dem sich Kalk in den Sehnen des Schultergürtels ablagert und dadurch Schmerzen beim Heben des Arms verursacht.
  • Ursachen: Die Ursachen sind bislang unbekannt. Risikofaktoren sind eine Minderdurchblutung des Schulterbereichs und veränderter Druck auf die Schultersehnen, etwa durch Schreibtischarbeit, die zu einer Fehlbelastung führen kann.
  • Verlauf: Vier Phasen werden charakterisiert, während denen Entzündungen und Schmerzen entstehen, sich die Verkalkungen auflösen und akute Schleimbeutelentzündungen bilden können. Am Ende verheilt die Sehne. Der Verlauf kann sich über Jahre hinziehen.
  • Diagnose: Mittels Ultraschalluntersuchung oder Röntgenbild kann der Arzt die Erkrankung nachweisen.
  • Behandlung: Bei schwerem Verlauf steht entweder die offene OP in Vollnarkose oder ein minimal-invasives Verfahren zur Verfügung. Auch eine Kalkentfernung kann möglich sein. Konservative Methoden wären Krankengymnastik, Schmerzmittel und die Stoßwellentherapie.

Artikelübersicht

Schulterschmerz: Verdacht Kalkschulter

Es beginnt meist mit Schmerzen beim Überkopfarbeiten oder Heben eines Arms. Später treten die Beeinträchtigungen auch nachts auf. Das Liegen auf der Schulter wird zur Tortur. In diesem Stadium der Erkrankung beeinträchtigt die Kalkschulter nicht nur den Alltag der Patienten, sondern raubt ihnen ebenfalls den Schlaf. Der Leidensdruck ist sehr groß, das Ärztehopping, bis endlich die rettende Diagnose gestellt werden kann, nahezu endlos.

Ursachen der Kalkschulter

Was letztlich eine Kalkschulter (medizinisch: Tendinosis calcarea) auslöst, ist nicht bekannt. Auch neuere Studien scheiterten bisher daran, die Vorgänge aufzuklären, welche zur Verkalkung der Schultersehnen führen. Sehr wahrscheinlich kommt es jedoch zu einer Minderdurchblutung des Schulterbereichs und einem veränderten Druck auf die Schultersehnen.

Die Arbeit am Schreibtisch und PC bringt mit sich, dass die Schultermuskulatur in vielen Fällen stark verkümmert ist, während die Brustmuskulatur weniger stark abbaut. Diese Muskeldifferenz hat Auswirkungen auf die Armbewegung und die Führung des Oberarmknochens im Schultergelenk. Der Muskeldruck von der Körpervorderseite ist größer als von der Rückseite, sodass sich die Bewegungsabläufe verschieben und die Sehnen belasten. Durch die Fehlbelastung im Schultergürtel werden Blutgefäße und Sehnen immer weiter eingeschränkt und gedrückt. Dadurch lässt wahrscheinlich die Durchblutung nach und die Kalkablagerung in den Sehnen setzt ein.

Symptome der Kalkschulter

Die Kalkschulter-Erkrankung verläuft in der Regel in vier Phasen:

  • Phase 1: Infolge der Durchblutungsstörungen und veränderten Drücke im Bereich der Sehne kommt es zur Kalkabscheidung aus den Bindegewebszellen. Erste Kalkherde bilden sich.
  • Phase 2: Der Kalkherd vergrößert sich zunehmend. Die Patienten spüren meist nichts davon. Gelegentlich kommt es zu einem leichten Schmerzgefühl in der Schulter. Dieses Stadium besteht über Jahre hinweg. Durch die größer werdenden Kalkablagerungen in den Sehnen entstehen Entzündungen, welche dann stärkere Schmerzen hervorrufen können.
  • Phase 3: Jetzt löst sich der Kalkherd plötzlich von selbst auf. Die freiwerdenden Kalkkristalle rufen eine akute Schleimbeutelentzündung mit starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen hervor. In dieser Phase lässt sich die Kalkschulter nicht mehr im Röntgenbild darstellen, da die Kalkherde aufgelöst sind.
  • Phase 4: In der letzten Phase verschließt sich das Loch narbig, wo vorher der Kalkherd gelegen hatte. Es kommt zur Ausheilung der Sehne.

Anhand des Verlaufes der Kalkschulter-Erkrankung ist bereits zu erkennen, dass sie sich ganz von selbst zurückbildet, auch ganz ohne Therapie? Wozu dann also noch einen Arzt konsultieren?

Diagnose und Therapie der Kalkschulter

Insbesondere die zweite Phase der Erkrankung zieht sich in den meisten Fällen über Jahre hinweg. Die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, die dadurch verursacht werden, bringen einen Verlust der Lebensqualität mit sich. Je früher daher die Kalkschulter diagnostiziert wird, desto geringer ist das Schmerzleiden der Betroffenen infolge einer frühzeitigen Therapie. Aus diesem Grund sollten solche Schulterprobleme immer einem Arzt, in der Regel einem Orthopäden oder Schulterchirurgen, vorgestellt werden.

Die zuverlässigste Methode, eine Kalkschulter nachzuweisen, ist die Ultraschall-Untersuchung. Hier werden Kalkherde sehr gut aus allen Raumrichtungen darstellbar. Beim Röntgenbild heben sich Kalkablagerungen ebenso ab, doch ist der Arzt dabei auf eine Ansichtsebene beschränkt. Typisch für die Kalkschulter ist, dass der Kalkherd nicht vor, über oder unter der Sehne im Schultergürtel sitzt, sondern immer direkt innerhalb der Sehne.

Schulterchirurgie

Welche Behandlungsmöglichkeiten bieten sich bei der Kalkschulter?

Im Wesentlichen gibt es zwei Operationsformen bei der Kalkschulter: die offene Operation in Vollnarkose und die Schlüsselloch-Operation als minimal-invasives Verfahren. Nach den folgenden Kriterien entscheidet der Spezialist, ob eine Operation angeraten ist:

  • Nicht-operative Verfahren führen zu keiner Verbesserung.
  • Der Patient leidet langanhaltend unter starken Schmerzen in der Schulter.
  • Der Kalkherd stellt sich größer als 1 cm dar.
  • Die Kalkablagerungen sind sehr hart.

Die Operation wird heutzutage meist arthroskopisch im Rahmen der arthroskopischen Schulterchirurgie durchgeführt, d. h. über einen kleinen Schnitt und gelenknah. Der Arzt beräumt die Kalkherde und kann zugleich Arthroseschäden oder andere Probleme im Bereich der Schulter mit ausgleichen. Nach der OP muss die Schulter mindestens für drei Wochen geschont werden; Krankengymnastik erhält die Beweglichkeit.

Ganz neu und sehr vielversprechend ist zudem die mikroinvasive, ultraschallgestützte Kalkentfernung, die sogenannte Nadel-Lavage. Diese wird in lokaler Betäubung durchgeführt und mit Erfolg in spezialisierten Zentren deutschlandweit eingesetzt.

Neben diesen operativen Methoden stehen dem Arzt die nicht-invasiven Behandlungsmethoden zur Verfügung. Zu nennen sind dabei z. B. Spritzen, Krankengymnastik, Schmerzmittel oder die Stoßwellentherapie. Letztere beschießt den Kalkherd gezielt mit Schallwellen, wodurch biologische Heilungsprozesse angestoßen werden. Infolge dieser Prozesse lösen sich die Kalkeinlagerungen auf.

Unterstützend kann der betroffene Arm bei schmerzhaften Schleimbeutelentzündungen im Schulterbereich einige Zeit ruhiggestellt werden. Bandagen, wie z. B. die Schulterorthese, haben sich hierfür sehr gut bewährt. Wichtig ist auch, den Schmerzmittelgebrauch zeitlich zu begrenzen. Nicht-steroidale Schmerzmittel (NSAR), wie beispielsweise Diclofenac, können bei Langzeitanwendung auch schwere Nebenwirkungen haben. Ebenso sind Selbstmedikationen mit frei verkäuflichen Medikamenten (Acetylsalicylsäure & Co.) zu vermeiden. Die Behandlung der Kalkschulter gehört in Expertenhände, dann werden auch die Schmerzen sehr schnell wieder verschwunden sein.

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Die Qualitätssicherung des Leading Medicine Guide wird durch 10 Aufnahmekriterien sichergestellt. Jeder Arzt muss mindestens 7 davon erfüllen.

  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
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  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
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