Kniearthrose (Gonarthrose)

07.09.2020
Dr. med. Attila Vásárhelyi
Medizinischer Fachautor

Das Knie trägt als größtes Gelenk die Last des ganzen Körpers. Je nach Aktivität steigt diese Belastung noch um ein mehrfaches des Körpergewichts an. Im gesunden Gelenk schützen Knorpelflächen und die Menisken als Puffer die knöchernen Gelenkbestandteile. Kommt es zur Kniearthrose, sind diese Knorpelstrukturen geschädigt. Der Gelenkverschleiß sorgt für Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit. 

ICD-Codes für diese Krankheit: M17

Empfohlene Spezialisten

Gonarthrose (Kniearthrose) Fälle in Deutschland

181.294 Fälle im Jahr 2018
185.704 Fälle im Jahr 2021 ( Prognose )

Das prognostizierte Fallzahlwachstum basiert auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung der statistischen Bundes- & Landesämter. Die Berechnung erfolgt je Altersklasse, sodass demographische Effekte berücksichtigt werden. Die Fallzahlen basieren aus einer Vernetzung von unterschiedlichen öffentlich zugänglichen Quellen. Mittels Datenanalyseverfahren werden diese Zahlen aufbereitet und unseren Usern zugänglich gemacht.

Kurzübersicht:

  • Was ist Kniearthrose? Der fortschreitende verschleißbedingte Abbau von Knorpelsubstanz im Knie, wodurch die Gelenkknochen schmerzhaft aufeinander reiben können.
  • Formen: Verschiedene Bereiche des Kniegelenks können betroffen sein. Demnach unterscheidet man die Retropatellarthrose (an der Kniescheibe), die mediale Gonarthrose (innere Kniebereiche) und die laterale Gonarthrose (äußere Kniebereiche).
  • Ursachen: Verschleißerscheinungen treten bei allen Menschen mit fortschreitendem Alter auf. Weitere Risikofaktoren sind u. a. erbliche Faktoren, Übergewicht, übermäßige oder einseitige Belastungen und weitere.
  • Stadien: Drei Stadien werden unterschieden, die auftretenden Schmerzen und die Einschränkung der Beweglichkeit steigen mit fortschreitendem Stadium. Im ersten Stadium ist eine Kniearthrose nur im Röntgenbild zu erkennen, im 3. Stadium leiden Betroffene an dauerhaften Schmerzen.
  • Diagnose: Nach der Anamnese und der körperlichen Untersuchung folgen Funktionsprüfungen, Schmerztests und Röntgenaufnahmen. Ggf. werden auch eine MRT, CT, Szintigraphie oder Arthroskopie angeordnet.
  • Behandlung: In frühen Stadien reicht eine konservative Behandlung oft aus, um Symptome zu lindern und das Fortschreiten zu verlangsamen. In späten Stadien kann eine gelenkerhaltende OP sinnvoll sein, noch später hilft noch noch der Einsatz einer Kniegelenksprothese.

Artikelübersicht

Die Kniearthrose ist der Abbau von Knorpelsubstanz im Kniegelenk. Durch den Verschleiß kommt es zu Knieschmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit. Die Diagnose erfolgt anhand der körperlichen Untersuchung und dem Nachweis der Gelenkveränderungen im Röntgenbild. Neben konservativen Verfahren steht auch die operative Behandlung zur Verfügung. Einen Überblick über das Kniegelenk und seinen Aufbau mit Knorpel und Bändern zeigt das Video:

 

 

Arthrose: oft ist das Kniegelenk betroffen

Von einer Arthrose, also dem Abbau bzw. dem Verschleiß der knorpeligen Gelenkflächen, können alle Gelenke betroffen sein. Besonders häufig kommt es allerdings im Kniegelenk zu Verschleißerscheinungen. Dann spricht der Arzt von einer Kniearthrose, die auch Kniegelenksarthrose oder Gonarthrose genannt wird. Der Knorpel wird durch Reibung rau und baut sich allmählich ab. In schweren Fällen können sich gar Teile aus dem Knochen oder Knorpel herauslösen. Wie Kniearthrose mit den Knorpelschäden entsteht, zeigt das Video:

 

 

Als Folge dieses Abbauprozesses verringert sich der Gelenkspalt, es kommt zu Knieschmerzen, zu einer Entzündung und Schwellung im Kniegelenk mit nachfolgender Einschränkung der Beweglichkeit.

Kniearthrose

Je nach Gelenkabschnitt, der von der Gonarthrose betroffen ist, können mehrere Formen unterschieden werden:

  • Bei der Retropatellararthrose kommt es zu einem Verschleiß im Gelenk der Kniescheibe (Femoropatellargelenk).
  • Bei der medialen Gonarthrose liegt eine Schädigung des inneren oder medialen (zur Körpermitte hin gerichteten) Bereichs der Verbindung zwischen Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia), im sog. Femorotibialgelenk, vor. Liegt neben der Arthrose auch eine O-Bein-Fehlstellung vor, spricht man von einer Varus-Gonarthrose.
  • Ist der äußere oder laterale Bereich des Femorotibialgelenks betroffen, liegt eine laterale Gonarthrose vor, bei gleichzeitiger X-Bein-Fehlstellung eine Valgus-Gonarthrose.

Ursachen der Kniearthrose

Bei allen Menschen kommt es mit zunehmendem Alter zu Verschleißerscheinungen im Kniegelenk (primäre Arthrose). Aber nicht nur das Alter gilt als Risikofaktor für die Entstehung einer Kniegelenksarthrose, sondern auch

  • erbliche Faktoren
  • Übergewicht
  • Übermäßige oder einseitige körperliche bzw. sportliche Belastungen
  • Fehlstellungen
  • Verletzungen
  • Entzündungen 

Ist die Gonarthrose Folge einer Verletzung, Erkrankung oder übermäßigen Belastung, spricht man von einer sekundären Kniearthrose

Symptome und Stadien der Kniearthrose

Die typischen Symptome der Gonarthrose sind bei Belastung auftretende Knieschmerzen und im fortgeschrittenen Stadium eine eingeschränkte Beweglichkeit im Kniegelenk. Es kommt zu einer Schwellung im Knie, der Patient hinkt und nimmt eine Schonhaltung ein. Je nach Beschwerdebild kann die Kniegelenksarthrose in drei Stadien eingeteilt werden:

  • Im Stadium 1 hat der Patient keine Beschwerden, die Arthrose kann in der Regel nur durch die Veränderungen im Röntgenbild erkannt werden.
  • Im Stadium 2 kommt es zu den typischen Anlaufschmerzen, die sich mit zunehmender Bewegung verstärken und in Ruhe bessern.
  • Im Stadium 3 treten dauerhaft Schmerzen auf, auch in Ruhe. Deutliche Einschränkungen der Bewegung kommen hinzu.

Diagnose der Kniearthrose

Die Diagnose erfolgt nach ausführlicher Anamnese (Patientenbefragung zu Beschwerden und Auslösern) und körperlicher Untersuchung (Beurteilung des Gangbildes, des Bewegungsumfanges, der Beinachse und der Beinlänge) auch anhand von Funktionsprüfungen (z.B. Bandstabilität), Schmerztests und Röntgenaufnahmen des Kniegelenks. In manchen Fällen kommen Spezialuntersuchungen wie MRT, CT oder Szintigraphie zum Einsatz. Eine Arthroskopie des Kniegelenks ist ein wichtiges Instrument zur Diagnose und gleichzeitigen Behandlung der Schäden. Das Video zeigt den Ablauf einer Kniegelenkspiegelung:

 

Behandlung der Kniearthrose

Je nach Stadium erfolgt die Therapie entweder konservativ oder operativ. Die konservative Behandlung der Kniearthrose besteht aus mehreren Behandlungsschritten:

  1. Anpassung des Lebensstils (zum Beispiel das Körpergewicht zu reduzieren, falls nötig, und Fehlbelastungen zu vermeiden)
  2. Physikalische Maßnahmen (z.B. Wärme- oder Kälteanwendungen)
  3. Krankengymnastik
  4. Orthopädietechnische Hilfsmittel
  5. Medikamente zur Schmerzlinderung
  6. ggf. Akupunktur

Operativ lässt sich neben der Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) die gelenkerhaltende, gelenkversteifende oder gelenkersetzende Knie-Operation unterscheiden. Bei umschriebenen Knorpelläsionen kann eine Arthroskopie zur Knorpelglättung und Teilentfernung begleitender Meniskusschäden noch jahrelange Schmerzfreiheit für den Patienten gewährleisten. Achskorrekturen können in früheren Arthrosestadien zu einer günstigeren Druckverteilung im Kniegelenk führen. Wenn die konservativen Methoden bei fortgeschrittener Kniegelenksarthrose ausgeschöpft sind, kommt dann überwiegend eine prothetische Versorgung mit einem künstlichen Kniegelenk (Knieprothese) in Betracht.

Wer behandelt eine Kniearthrose?

Spezialisten für Kniearthrose sind in der Regel Fachärzte für Orthopädie, Sportmedizin oder Rheumatologie, weitere Untersuchungen (MRT, CT) werden von Fachärzten der Radiologie/Nuklearmedizin durchgeführt. Kliniken für Kniearthrose sind Kliniken für Orthopädie, Sportmedizin, Endoprothetik und Kniechirurgie.

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  • Mindestens 10 Jahre Operations- und Behandlungserfahrung
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  • Repräsentative Anzahl an Operationen, Behandlungen und Therapien
  • Herausragender Behandlungsschwerpunkt innerhalb des eigenen Fachbereiches
  • Engagiertes Mitglied einer führenden nationalen Fachgesellschaft
  • Leitende berufliche Position
  • Aktive Teilnahme an Fachveranstaltungen (z.B. Vorträge)
  • Aktiv in Forschung und Lehre
  • Ärzte- und Kollegenakzeptanz
  • evaluatives Qualitätsmanagement (z.B. Zertifizierung)
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