Eine Hirnblutung wird meist von einem oder mehreren geschädigten Blutgefäßen im Gehirn ausgelöst. Das dabei austretende Blut erhöht aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse im Schädel den Hirndruck. Daraus entstehen Funktionsstörungen der betroffenen Hirnbereiche. Häufige neurologische Ausfälle infolge einer Hirnblutung sind Lähmungen, Sprachstörungen oder ein vermindertes Bewusstsein. Ein ansteigender Hirndruck ist zunehmend lebensbedrohlich.

ICD-Codes für diese Krankheit: I61, I62

Artikelübersicht

Empfohlene Spezialisten

Welche Arten von Hirnblutungen werden unterschieden?

Die Auswirkungen auf das Gehirn und die entstehenden Symptome sind nicht zuletzt vom Ausmaß und vom Ort der Blutung abhängig. Intrakranielle Blutungen umfassen sämtliche Blutungen im Schädel. Diese Blutungen werden anhand der begrenzenden Hirnhäute unterteilt. Liegt eine Blutung zwischen Schädel und der harten Hirnhaut (Dura Mater) ist dies eine epidurale Blutung, auch Epiduralhämatom genannt. Liegt eine Blutung direkt unter der harten Hirnhaut und gleichzeitig über den weichen Hirnhäuten (Arachnoidea und Pia Mater) wird diese als Subduralhämatom bezeichnet. Blutungen unterhalb der Arachnoidea zählen zu den Subarachnoidalblutungen. Blutungen in der Hirnsubstanz werden Intrazerebralblutung genannt.

Mediziner unterscheiden daher zwischen:

  • Intrazerebraler Blutung (ICB),
  • Subarachnoidalblutung (SAB),
  • Epiduraler Blutung (EDH), 
  • Subduraler Blutung (SDH).

SAB basal bei Aneurysma.jpg
Von Hellerhoff - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Was sind die Ursachen und Symptome der Hirnblutungsarten?

Alle vier genannten Arten von Hirnblutungen können als Folge eines Traumas entstehen. Intrakranielle Blutungen im Bereich der Hirnhäute (Epiduralhämatom und Subduralhämatom) entstehen besonders häufig durch ein Kopftrauma. Dazu gehören Verkehrs-, Sport- oder Arbeitsunfälle, aber auch Gewaltverbrechen mit Hieben oder Schlägen auf den Kopf.  So unterschiedlich wie die Ursachen sind auch die Symptome der verschiedenen Arten der Hirnblutung.

Intrazerebrale Blutung - Ursachen

Bluthochdruck ist der häufigste Auslöser einer intrazerebralen Blutung. Erhöhte Blutdruck-Werte über einen längeren Zeitraum schädigen die Blutgefäße, welche am Ende reißen und damit eine Hirnblutung auslösen können. Weitere Risikofaktoren, die eine Hirnblutung begünstigen, sind:

  • Fortgeschrittenes Alter,
  • Tabak Rauchen,
  • Übermäßiger Alkoholkonsum,
  • Konsum harter Drogen,
  • Hoher Blutfettspiegel,
  • Mangelnde Bewegung,
  • Hirntumore sowie
  • Gefäßmissbildungen.

Intrazerebrale Hirnblutung - Symptome

Bei der intrazerebralen Blutung treten ähnliche Krankheitsanzeichen auf wie beim Schlaganfall, der aus einer Durchblutungsstörung resultiert. Patienten klagen häufig über plötzlich auftretende, starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Zudem werden Sprachstörungen, Sehstörungen oder einseitige Lähmungen beobachtet, diese Symptome können von Bewusstseinsverlust begleitet sein

Subarachnoidalblutung - Ursachen

Ein Kopftrauma hinterlässt oft eine mehr oder weniger ausgeprägte Subarachnoidalblutung. In einigen Fällen ist aber ein gerissenes Aneurysma für diese Art der Blutung verantwortlich. Ein Aneurysma ist eine sackförmige Erweiterung eines Blutgefässes (arteriell oder venös) und entsteht durch eine lokale Wandschwäche im Bereich einer arteriellen Gefäss-Aufzweigung in Zusammenhang mit hohem Blutdruck, langjährigem Tabakrauchen und genetischer Veranlagung.

Subarachnoidalblutung - Symptome

Ein plötzlich eintretender, besonders intensiver Kopfschmerz, begleitet von Nackenschmerzen oder einem steifen Nacken tritt typischerweise bei einer Subarachnoidalblutung auf. Die Beschwerden beginnen zumeist während einer intensiven körperlichen Belastung. Weitere Symptome sind Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinstrübung.

Subdurale Blutung - Ursachen und Symptome der chronischen und akuten Form

Subduralhämatome können in zwei Formen auftreten, nämlich als in frische Blutung, auch akutes Subduralhämatom genannt, oder als alte Blutung, auch chronisches Subduralhämatom genannt.

Das chronische Subduralhämatom betrifft vor allem ältere Menschen, wobei das schwindende Hirnvolumen und der damit steigende Zug auf die sogenannten Brückenvenen bei der Entstehung ursächlich ist. Chronisch Subduralhämatome entstehen langsam, meistens über einige Wochen nach einem Mini-Trauma des Kopfes– und in einigen Fällen auch ohne relevantes Trauma. Blutverdünnende Medikamente erhöhen das Risiko eines chronischen Subduralhämatoms.

Chronische Subduralhämatome können lange Zeit ohne klinische Ausfälle bestehen. Mögliche Symptome, sind Kopfschmerzen, Druckgefühl im Kopf, Schwindel oder neu aufgetretene kognitive Veränderungen. Fokale neurologische Defizite oder Bewusstseinsstörungen sind auch möglich.

Wie das chronische Subduralhämatom ist das akute Subduralhämatom zwischen der harten Hirnhaut unter dem Schädel und den weichen Hirnhäuten über dem Gehirn lokalisiert. Das akute Subduralhämatom entsteht meistens durch einen schwereren Unfall, nachdem Blutgefässe, die sich im Subduralraum befinden, verletzt worden sind.

Die klinischen Beschwerden die bei einem akutes Subduralhämatom vorliegen können umfassen Kopfschmerzen, Schwindel oder geistige Verwirrung. Spezifische Symptome sind Sprachstörungen, Krampfanfälle oder halbseitige Lähmungen. Diese werden insbesondere bei Druck auf das Gehirn beobachtet. Diese Defizite sind den Beschwerden von Epiduralhämatomen (unten) sehr ähnlich.

Epidurale Blutung - Ursachen

Die häufigste Ursache für eine epidurale Blutung ist eine Fraktur des Schädelknochens mit Verletzung einer Arterie der Harten Hirnhaut als Folge eines Unfalles. Die Ausbreitung des Hämatoms erfolgt nur innerhalb der Schädel-Nähte. 

Epidurale Blutung - Symptome

Eine Epiduralblutung geht zumeist mit einer Bewusstlosigkeit, direkt nach einem Trauma einher. Nicht häufig, jedoch kennzeichnend kann der Patient mit einem Epiduralhämatom nach einem Kopftrauma wieder aufwachen und für einige Minuten relativ beschwerdearm sein (das sogenannte freie Intervall). Wenig später kommt es typischerweise zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie neurologischen Ausfällen mit folgender Bewusstseinstrübung.

Wie wird eine Hirnblutung behandelt?

Die Auswirkungen einer Hirnblutung können fatal sein, weswegen ein rasches Handeln notwendig ist. Je später der Patient versorgt wird, desto wahrscheinlicher ist, dass die Hirnblutung zum Tode führt. Schon beim kleinsten Verdacht auf einen Schlaganfall sollte deshalb der Notarzt verständigt werden!

Ein CT des Kopfes gibt Aufschluss darüber, wo sich die Blutung befindet. Zur weiteren Behandlung sollte eine Klinik mit einer neurochirurgischen Abteilung konsultiert werden.

Bei Hirnblutungen besteht immer die Gefahr einer sogenannten Hirnschwellung. Die daraus resultierende Erhöhung des Hirndrucks hat Auswirkungen auf den gesamten Körper. Die Folge ist eine Unterversorgung des Gehirns. Um dem entgegenzuwirken, werden verschiedene Maßnahmen eingesetzt:

  • Künstliche Beatmung,
  • die Senkung des Blutdruckes durch Medikamente
  • oder entwässernde Infusionen sind die ersten Behandlungsschritte.
  • Damit oder auch mit einer externen Hirnwasserableitung kann das Volumen des Hirnwassers und damit auch der Hirndruck reguliert werden.

Größere Blutungen verursachen einen extremen Hirndruck und werden deshalb zumeist operativ entfernt. Im Zuge der OP öffnet der Chirurg den Schädelknochen an der betroffenen Stelle, entfernt den Bluterguss und stillt die Blutungsursache. Doch egal wie rasch oder sogar der Tod des Patienten nicht ausgeschlossen werden. Damit sind alle intrakraniellen Blutungen ernste Erkrankungen und eine notfallmässige Beurteilung ist angezeigt.

Was sind mögliche Folgen einer Hirnblutung?

Abhängig vom Ort der Hirnblutung ergeben sich unterschiedliche neurologische Schäden. Besonders häufig ist die Halbseiten-Symptomatik mit verminderter sensibler Wahrnehmung und Kraft auf einer Körperseite. Während bei einigen Betroffenen lediglich leichte Gangunsicherheiten festgestellt werden, kämpfen andere mit umfangreichen Lähmungen. Besonders häufig ist die unvollständige Halbseitenlähmung (Hemiparese), die neben Armen und Beinen auch das Gesicht betrifft. Als weitere Folgen können eine gestörte Bewegungskoordination (Ataxie), Probleme bei komplexeren Bewegungsabläufen (Apraxie) sowie eine verminderte Aufmerksamkeit auf einer Körperhälfte auftreten.

Nachsorge und Rehabilitation nach einer Hirnblutung

An die rasche Behandlung im Krankenhaus schliesst sich in der Regel eine neurologische Rehabilitation an. Zur Verbesserung der Erfolgsaussichten nach der notfallmässigen Behandlung. Die verschiedenen betroffenen Bereiche wie Sprache, Sehen, Konzentration oder Bewegung erfordern eine gute Zusammenarbeit der Therapeuten unterschiedlicher Bereiche:

  • Ergotherapie
  • Physiotherapie
  • Physikalische Therapie
  • Logopädie
  • Neuropsychologie
  • Case-Management (Sozialdienst)
Die Prognose für die Genesung hängt unter anderem von der Grösse und der Ausbreitung der Blutung ab, sowie vom Bewusstseinszustand der Patient/Innen bei Einlieferung ins Krankenhaus. Ein Teil der Betroffenen erholt sich nach der Hirnblutung wieder vollständig, bei einem grösseren Teil können Alltagstätigkeiten nur teilweise oder erst nach mehreren Monaten oder Jahren alleine gemeistert werden.

 

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie
flexikon.doccheck.com/de/Hirnblutung