Die Aortenklappeninsuffizienz, kurz Aorteninsuffizienz genannt, ist ein Herzklappenfehler, der durch den mangelhaften Schluss der Aortenklappe definiert ist. Die Aortenklappe (Valva aortae) ist eine der vier Herzklappen. Sie befindet sich in der Aorta, direkt am Übergang zur linken Herzkammer, weshalb sie anatomisch gesehen auch als eine der zwei Taschenklappen des Herzens bezeichnet wird. Taschenklappen sind die Herzklappen zwischen Herzkammer und abführendem Gefäß. Im Körperkreislauf ist dies die Aorta, weshalb die dort befindliche Taschenklappe Aortenklappe genannt wird. Die zweite Taschenklappe des Körpers sitzt im rechten Herzen, am Ausgang zum Lungenkreislauf und heißt deshalb Pulmonalklappe.

Die Aortenklappe sorgt dafür, dass während der Erschlaffungsphase des Herzens (Diastole) kein Blut aus der Hauptschlagader zurück in das linke Herz fließt. Bei der Aortenklappeninsuffizienz jedoch schließt die Aortenklappe nicht mehr richtig, sodass es zu einem Blutrückfluss aus der Aorta in das Herz kommt.

ICD-Codes für diese Krankheit: I35.1, Q23.1

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Welche Ursachen hat die Aortenklappeninsuffizienz?

Eine Aortenklappeninsuffizienz kann angeboren oder erworben sein, wobei die angeborene Form sehr selten auftritt. Da sich das Herz in der Schwangerschaft sehr früh entwickelt, entsteht die angeborene Aorteninsuffizienz häufig bereits vor der achten Schwangerschaftswoche.

Anatomie des Herzens

Neben genetischen Faktoren können ebenso Drogen- und Alkoholkonsum sowie eine Infektion mit dem Rötelnvirus einen Herzklappenfehler begünstigen. Eine Aortenklappeninsuffizienz kann aber genauso gut auf eine bakterielle Entzündung des Herzens zurückgehen, die sogenannte Endokarditis. Die Bakterien befallen die Taschenklappe und schädigen ihre Struktur, sodass sie nicht mehr richtig schließt. Allerdings ist diese Form des Klappendefekts in Europa selten geworden, da bakterielle Infekte heute zeitig mit Antibiotika behandelt werden.

Auch rheumatische Klappenfehler resultieren aus einem Infekt. Beim rheumatischen Fieberhandelt es sich jedoch im Gegensatz zur bakteriellen Endokarditis um eine Spät- und nicht um eine direkte Folge der Erkrankung. Liegt eine Infektion mit bestimmten Bakterien (meist Streptokokken) vor, bildet der Körper Antikörper gegen diese Erreger. Die Oberflächenstruktur der Bakterien ähnelt denen einiger körpereigener Strukturen, sodass die gebildeten Antikörper diese ebenfalls attackieren und Entzündungen hervorrufen. Geschehen diese entzündlichen Prozesse im Bereich des Herzens, können die Herzklappen irreversibel geschädigt werden.

Auf ähnlichem Wege können andere Erkrankungen eine Aortenklappeninsuffizienz hervorrufen, wie zum Beispiel das Marfan-Syndrom oder das Ehlers-Danlos-Syndrom. Ferner kann eine Aortenklappeninsuffizienz durch eine übermäßige Dehnung der Klappenbestandteile entstehen. Dieses Phänomen zeigt sich allerdings überwiegend bei Menschen, die älter als 60 Jahre sind, oder auch bei Erweiterung der Hauptschlagader infolge eines Aneurysmas. Durch die Ausdehnung der Aorta wird die Aortenklappe auseinandergezogen und verliert somit ihre Funktionalität.

Welche Symptome hat die Aortenklappeninsuffizienz?

Leichtere Formen der Klappeninsuffizienz werden vom Körper kompensiert und somit von den Patienten nicht bemerkt. Bei schwerwiegenden Formen ist die Atemnot (Dyspnoe) das Leitsymptom. Je nach Ausprägung beträgt das Rückstromvolumen bis zu zwei Drittel des Auswurfvolumens. Das bedeutet, dass zwei Drittel des Blutes, welches die linke Herzkammer in die Aorta pumpt, in der Erschlaffungsphase des Herzens wieder zurückfließen. Dieses Pendelblut fehlt zum einen im Blutkreislauf und belastet zum anderen das linke Herz.

Latidos

Die Folge ist eine Vergrößerung des linken Herzens, eine sogenannte Hypertrophie. Nach Jahrzehnten führt diese Herzhypertrophie zu einer Fehlfunktion des Herzmuskels, sodass sich allmählich eine Linksherzinsuffizienz entwickelt. Das Herz kann nicht mehr die Blutmenge befördern, die der Körper benötigt. Dies äußert sich durch:

  • Atemnot bei Belastung und später auch in Ruhe,
  • nächtliche Hustenanfälle,
  • Wasseransammlungen in der Lunge (Lungenödem).

Wie wird die Aortenklappeninsuffizienz diagnostiziert?

Bei Verdacht auf einen Herzklappenfehler hört der Arzt den Brustkorb des Patienten mit einem Stethoskop ab. Er erkennt die Aortenklappeninsuffizienz an einem Geräusch, das durch den Rückfluss des Blutes in die linke Herzkammer entsteht. Dieses Austin-Flint-Geräusch ist besonders gut über der Herzspitze wahrnehmbar.

Weitere wichtige Hinweise auf eine Aortenklappeninsuffizienz sind ein niedriger unterer Blutdruckwert (diastolischer Blutdruck) und eine hohe Blutdruckamplitude. Die Blutdruckamplitude ist die Differenz zwischen dem systolischen (oberen) und diastolischen Blutdruckwert. Aufgrund des Blutrückflusses in der Erschlaffungsphase (Diastole) des Herzens ist der diastolische Blutdruck niedrig. Der systolische Blutdruck ist hingegen normal, sodass die Amplitude außergewöhnlich groß ist. Die hohe Blutdruckamplitude führt auch zum charakteristischen Musset-Zeichen, einem pulssynchronen Kopfnicken des Patienten.

Zur Sicherung der Diagnose sind jedoch apparative Verfahren erforderlich. Mithilfe der Ultraschalluntersuchung des Herzens, der sogenannten Echokardiographie, lässt sich ermitteln, wie viel Blut in die Herzkammer zurückfließt. Auch eine Herzkatheteruntersuchung sowie ein Elektrokardiogramm (EKG) oder eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs können zur Diagnosestellung hilfreich sein.

Wie wird die Aortenklappeninsuffizienz behandelt?

In frühen Stadien wird der Herzklappenfehler mit Medikamenten behandelt. ACE-Hemmer, Calciumantagonisten und Nitropräparate können das Herz durch eine Senkung des Blutdruckes entlasten. Leidet der Patient unter Atemnot und/oder droht das Herz zu dekompensieren, sollte eine künstliche Herzklappe implantiert werden. Unterschieden werden dabei die mechanischen Herzklappen und die biologischen Prothesen.

Auch eine Aortenklappenrekonstruktion kann in einigen Fällen versucht werden. Dabei stellt der Chirurg die Aortenklappe des Patienten / der Patientin in Form und Funktion wieder her, ohne dass körperfremde Materialien dafür zum Einsatz kommen müssten.

Wie ist die Prognose der Aortenklappeninsuffizienz?

Die Prognose der Aortenklappeninsuffizienz ist insgesamt betrachtet überwiegend gut. Eine frühzeitige Operation verbessert die Prognose und die Lebenserwartung der Patienten. Um Gefäßverschlüssen mit Blutgerinnseln vorzubeugen, müssen Patienten mit einer mechanischen Herzklappe jedoch lebenslang Blutgerinnungshemmer einnehmen.

Quellen

  • Deutsche Herzstiftung e. V.
  • flexikon.doccheck.com/de/Herzklappenersatz
  • Vogelgesang A et al., Diagnose und Therapie der Aortenklappenstenose. Der Internist 2018; 12: https://doi.org/10.1007/s00108-018-0519-x