Beim Ulcus molle – auch Weicher Schanker oder Chancroid genannt – handelt es sich um eine in Deutschland nicht meldepflichtige Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Haemophilus ducreyi ausgelöst wird und vorwiegend mit Geschwüren im Genitalbereich einhergeht. Da die Übertragung der ursächlichen Erreger fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr erfolgt, wird das Ulcus molle zu den sexuell übertragbaren Krankheiten (STDs: sexually transmitted diseases) gezählt. Männer erkranken dabei zehnmal häufiger an Ulcus molle als Frauen. Letztere sind oft Träger des ursächlichen Bakteriums ohne Symptome aufzuweisen.

ICD-Codes für diese Krankheit: A57

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Häufigkeit von Ulcus molle

Weltweit werden jedes Jahr etwa 7 Millionen neue Fälle von Ulcus molle gezählt. Die Geschlechtskrankheit kommt dabei vor allem in den tropischen Gebieten Afrikas, Südostasiens und Lateinamerikas sehr häufig vor, da der für das Ulcus molle verantwortliche Erreger Haemophilus ducreyi dort besonders weit verbreitet ist. So stellt das Ulcus molle in Afrika die häufigste Ursache für Geschwüre im Genitalbereich des Mannes dar. In Deutschland und den anderen europäischen Ländern tritt das Ulcus molle dagegen eher selten und wenn, dann meist bei zurückkehrenden Reisenden aus den Tropen auf.

Ursachen einer Ulcus molle-Infektion

Ursächlicher Erreger des Ulcus molle ist das Bakterium Haemophilus ducreyi. Dieses stäbchenförmige, gramnegative Bakterium der Familie der Pasteurellaceae ist sehr empfindlich gegenüber Kälte und Austrocknung und kommt daher vorwiegend in tropischen Ländern vor. Übertragen wird der Ulcus molle-Erreger in den meisten Fällen durch Geschlechtsverkehr.

Beim Sexualverkehr dringen die Bakterien über kleinste Hautverletzungen oder die Schleimhaut in das Gewebe ein und verursachen dort die für das Ulcus molle (lat. ulcus = Geschwür und mollis = weich) namengebenden weichen Geschwüre. In Deutschland und Europa kommt das Ulcus molle verursachende Bakterium Haemophilus ducrey eher selten vor. Treten hierzulande Ulcus molle-Fälle auf, wurden diese meist von Tropenrückkehrern importiert, die während ihrer Reise Geschlechtsverkehr mit Prostituierten hatten.

Symptome einer Ulcus molle-Infektion beim Mann

Die ersten Symptome treten beim Mann in der Regel etwa 3 bis 10 Tage nach der Ansteckung mit dem Ulcus molle-Erreger auf. An der Eintrittsstelle der Bakterien im Genitalbereich des infizierten Mannes entstehen dann zunächst ein oder mehrere schmerzlose Knötchen, die sich in den folgenden Tagen zu rundlich-ovalen, daumennagelgroßen und sehr schmerzhaften Geschwüren entwickeln. Diese für das Ulcus molle typischen Geschwüre sind weich und haben einen unregelmäßig gezackten, scharfen Rand sowie eine eitrige Oberfläche. Beim Mann treten diese typischen Geschwüre meist am Penisschaft, an der Vorhaut und an der Eichel auf.

Breiten sich die ursächlichen bakteriellen Erreger des Ulcus molle im Körper des infizierten Mannes aus, kann es zusätzlich zu schmerzhaften und entzündlichen Lymphknotenschwellungen - sogenannten Bubonen - in der Leistengegend kommen. Bleiben diese Schwellungen der Lymphknoten unbehandelt, können sie im weiteren Verlauf vereitern und gegebenenfalls durch die Haut nach außen brechen.

Symptome einer Ulcus molle-Infektion bei der Frau

Etwa 3 bis 10 Tage, gelegentlich auch mehrere Wochen nach der Ansteckung mit dem Ulcus molle-Erreger treten bei der infizierten Frau die ersten charakteristischen Symptome auf. So entstehen an der Eintrittstelle der Bakterien im Genitalbereich der Frau zunächst ein oder mehrere schmerzlose Knötchen, die in den folgenden Tagen zu rundlich-ovalen, etwa 1 bis 2 Zentimeter großen und sehr schmerzhaften Geschwüren werden. Diese für das Ulcus molle charakteristischen Geschwüre sind weich und haben einen gezackten, scharfen Rand sowie eine eitrige Oberfläche.

Frauen tragen den Ulcus molle-Erreger häufig in sich, ohne Symptome zu entwickeln. Kommt es bei der Frau doch zu der für das Ulcus molle typischen Geschwürbildung, sind meist der Eingang der Scheide, die Schamlippen und der Scheidenvorhof betroffen. Zudem kann es zu schmerzhaften und entzündlichen Lymphknotenschwellungen in der Leistengegend kommen, wenn sich die bakteriellen Erreger des Ulcus molle im Körper der Frau ausbreiten. Unbehandelt können diese Lymphknotenschwellungen im weiteren Verlauf vereitern und durch die Haut nach außen brechen.

Diagnose einer Ulcus molle-Infektion

Das Ulcus molle wird sowohl anhand der charakteristischen Symptome als auch durch einen Erregernachweis diagnostiziert. Weist ein Patient die typischen Geschwüre im Genitalbereich und eventuell Lymphknotenschwellungen in der Leistengegend auf, erkennt der Arzt - meist der Gynäkologe oder Urologe - dies meist bereits im Rahmen einer körperlichen Untersuchung. Zusätzlich entnimmt der Arzt in der Regel einen Abstrich von einem Geschwür, um diesen im Labor auf den für das Ulcus molle verantwortlichen Erreger untersuchen zu lassen.

Unter dem Mikroskop ist der Ulcus molle-Erreger dann in der Regel bereits zu erkennen. Um die Diagnose zusätzlich abzusichern, wird anschließend noch eine Erregerkultur zur Anzucht der Bakterien angelegt. Da die für das Ulcus molle charakteristischen Geschwüre leicht mit Geschwüren, die bei anderen Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Herpes genitalis vorkommen, verwechselt werden können, dient der labortechnische Nachweis des Ulcus molle-Erregers auch gleichzeitig dem Ausschluss anderer Erreger.

Behandlung von Ulcus molle

Das Ulcus molle wird in der Regel mit Antibiotika behandelt, die gezielt die bakteriellen Erreger bekämpfen. Zur Auswahl stehen hierbei insbesondere das Antibiotikum Erythromycin, das 7 Tage lang täglich eingenommen werden muss, und das Antibiotikum Ciprofloxacin, bei dem eine drei Tage lang dauernde tägliche Einnahme genügt. Zusätzlich sollten die aufgebrochenen Geschwüre regelmäßig gesäubert und trocken gehalten werden.

Um den Erfolg der Ulcus molle-Therapie zu garantieren und eine weitere Ausbreitung oder erneute Ansteckung zu verhindern, ist es zudem wichtig, dass Partner mitbehandelt werden und beide Partner bis zur vollständigen Ausheilung des Ulcus molle auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Prognose und Heilungsaussichten des Ulcus molle

Wird das Ulcus molle frühzeitig und konsequent mit Antibiotika behandelt, heilen die Geschwüre und die bakterielle Infektion in der Regel folgenlos aus. Bleibt das Ulcus molle unbehandelt, können sich die Bakterien in die Lymphknoten der Leiste ausbreiten und dort zu schmerzhaften Schwellungen und Geschwüren führen, die durch die Haut nach außen durchbrechen. Doch auch wenn mit der Antibiotika-Therapie erst in diesem Stadium der Ulcus molle-Erkrankung begonnen wird, sind die Heilungsaussichten sehr gut.