Eine beginnende Schwangerschaft oder der Wunsch nach einem eigenen Kind stellt werdende Mütter und Väter vor neue Herausforderungen und der Informationsbedarf ist meistens sehr hoch. Gezielte fachärztliche Hilfe und Unterstützung vor oder während einer Schwangerschaft bietet die professionelle Schwangerschaftsberatung. Ob es um das langersehnte Wunschkind geht, das einfach auf sich warten lässt, oder was genau die zukünftige Mutter beachten muss, wenn sie eine chronische Erkrankung hat – die Schwangerschaftsberatung begleitet werdende Eltern fachkundig, kompetent und einfühlsam.

Artikelübersicht

Empfohlene Spezialisten

Die passende Schwangerschaftsberatung richtet sich nach der jeweiligen individuellen Situation, dem Gesundheitszustand und auch den Bedürfnissen der Mutter bzw. Eltern. Dabei kann die Schwangerschaftsberatung vor der eigentlichen Schwangerschaft in Form einer Kinderwunschsprechstunde stattfinden oder als Beratung und Begleitung bei bestehenden chronischen oder schweren Erkrankungen der Frau und gegebenenfalls des Mannes angeboten werden. Eine weitere Form der Schwangerschaftsberatung stellt die Schwangerenambulanz bei auffälligen Symptomen oder Komplikationen während der Schwangerschaft dar.

Aber auch für schwangere Frauen und Paare in besonderen Lebensumständen, wie zum Beispiel sehr junge Frauen, wird von staatlich anerkannten Schwangerenberatungsstellen Unterstützung rund um die Schwangerschaft, die Geburt und in der Zeit danach gegeben.

Die Sorge vor möglichen Fehlbildungen oder erblichen Erkrankungen des Kindes kann ebenfalls Anlass für eine Schwangerschaftsberatung sein. Im Rahmen der Pränataldiagnostik, also der vorgeburtlichen Untersuchung, kann dann auf einige wenige, aber nicht alle (!) erblich bedingten Erkrankungen oder Chromosomenveränderungen untersucht werden.

Die Schwangerschaftsberatung wird angeboten von Frauenärztinnen und Frauenärzten in gynäkologischen Praxen, Kliniken für Frauenheilkunde und spezialisierten Zentren. Ansprechpartner für allgemeine Fragen rund um die beginnende Schwangerschaft sind außerdem Beratungsstellen der Kirchen oder gemeinnützigen Organisationen.

Schwangerschaftsberatung: Kinderwunsch mit chronischen oder schwerwiegenden Krankheiten

Eine chronische Erkrankung ist in den meisten Fällen kein Hindernis für eine Schwangerschaft. Während früher beispielsweise Frauen mit Diabetes, Epilepsie oder Multipler Sklerose von einer Schwangerschaft abgeraten wurde, sind diese Erkrankungen heute kein Grund mehr, nicht schwanger zu werden. Vielmehr ist es so, dass jede fünfte schwangere Frau eine chronische Erkrankung aufweist und dass chronisch kranke Schwangere ein geringeres Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft haben als Schwangere ohne chronische Erkrankung. Allerdings ist bei Schwangeren mit chronischer Erkrankung sowohl die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind per Kaiserschnitt zur Welt kommt, als auch das Risiko für eine Frühgeburt (10% gegenüber 7,5%) etwas höher.

Dennoch gibt es aber auch Erkrankungen (wie manche Herz-Kreislauf-Erkrankungen), bei denen eine Schwangerschaft vermieden werden sollte. Daher ist es wichtig, dass Frauen mit schwerwiegenden oder chronischen Erkrankungen und dem Wunsch, schwanger zu werden, vor einer Schwangerschaft eine eingehende Schwangerschaftsberatung in Anspruch nehmen. Häufig muss auch die Medikamenteneinnahme umgestellt werden, da manche Medikamente unter anderem schädlich für das ungeborene Kind sein können. Lassen Sie sich über mögliche Gefahren für Mutter und Kind informieren!

Neben Frauen mit Schilddrüsenerkrankungen, Epilepsien, rheumatische Erkrankungen und schweren Organfunktionsstörungen sollten auch beispielsweise Frauen, die an folgenden Erkrankungen leiden, beziehungsweise im Falle einer Krebserkrankung auch Männer mit bestehendem Kinderwunsch eine Schwangerschaftsberatung durchführen:

  • Endometriose ist eine weitverbreitete Krankheit, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter auftritt. Je nach Schweregrad kann die Endometriose die Fruchtbarkeit der Frau beeinträchtigen. Welche Behandlungsmethoden in diesem Fall infrage kommen, kann in der Schwangerschaftsberatung geklärt werden.
  • Auch durch onkologische Krankheiten (Krebs) kann die Fruchtbarkeit nachhaltig geschädigt werden. Dies geschieht durch den Tumor selbst, aber auch durch die Chemotherapie und Bestrahlung während der Behandlung. Dies betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Vor einer Krebsbehandlung können deshalb vorsorglich und nach einer ausführlichen Untersuchung Ei- und Samenzellen entnommen und eingelagert werden (Kryokonservierung), um im Bedarfsfall bei Kinderwunsch auf diese für eine spätere künstliche Befruchtung zurückgreifen zu können. Zusätzlich gibt es Medikamente, welche die Eierstöcke bis zu einem gewissen Grad vor den Schäden durch die Krebsbehandlung schützen. Schon deshalb sollten junge Frauen und Männer, bei denen Krebs diagnostiziert wurde, auch eine Schwangerschaftsberatung in Anspruch nehmen.

Bei diesen Fällen handelt es sich um Beispiele für sogenannte Risikoschwangerschaften, die eine besondere Betreuung während und eine Beratung vor der Schwangerschaft benötigen, um das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft zu vermeiden. Aber nicht bei jeder schwangeren Frau mit einer chronischen Erkrankung liegt eine Risikoschwangerschaft vor.

Schwangerschaftsberatung: Kinderwunschsprechstunde

Rund 800.000 Paare in Deutschland warten pro Jahr auf ihr Wunschbaby und es scheint auf natürlichem Weg nicht zu klappen mit der Schwangerschaft. Kinderwunschzentren beraten Paare mit bislang unerfülltem Kinderwunsch ausführlich zu den Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlung. Vor der eigentlichen reproduktionsbiologischen Therapie bieten spezialisierte Frauenkliniken und Zentren die Kinderwunschsprechstunde an, in der erste Fragen beantwortet und die anstehenden Voruntersuchungen und Methoden genau erklärt werden.

Die Basis der Kinderwunschbehandlung ist die gründliche Suche nach den Ursachen für die bestehende Unfruchtbarkeit. Dafür nutzen Kinderwunschspezialisten die sogenannte Sterilitätsdiagnostik. Dazu gehören bei der Frau das Zyklusmonitoring (Beobachtung des Zyklusgeschehens und der Basaltemperatur über mehrere Zyklen hinweg), die Hormondiagnostik und die genaue Untersuchung der Eileiter, Eierstöcke und der Gebärmutter mittels Ultraschall und Bauchspiegelung. Männer werden unter anderem auf Veränderungen des Hodens, Entzündungen der Geschlechts- und Beckenorgane sowie Allgemeinerkrankungen hin untersucht. Während der körperlichen Untersuchung, gegebenenfalls auch mittels Ultraschall, gilt den Hoden, Nebenhoden, Samenleitern, Prostata und den Harnwegen eine besondere Aufmerksamkeit. Das Spermiogramm gibt Auskunft über Anzahl und Vitalität der Spermien. Aber auch Fragen nach dem Konsum von Drogen, Alkohol und Tabak, nach der Einnahme von Medikamenten, nach der Belastung durch Umweltgifte und nach dem Sexualleben gehören zur Sterilitätsdiagnostik.

Als eine der häufigsten Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch sind Stress mit all seinen Auswirkungen auf den Körper, aber auch hormonelle oder organische Störungen zu nennen. Dazu gehören zum Beispiel PCOS (polyzystisches Ovarsyndrom) und verklebte Eileiter bei der Frau oder eine gestörte Spermienbildung sowie verschlossene Samenwege beim Mann. Aber auch ein höheres Alter bei Mann und Frau, Schilddrüsenüber- oder Schilddrüsenunterfunktion, Zöliakie, Epilepsie, rheumatische Erkrankung, Endometriose und Vitamin-B12-Mangel können Ursachen für eine verringerte Fertilität sein.

Je nachdem, welche Faktoren genau einer Schwangerschaft im Weg stehen, können zyklusstabilisierende Maßnahmen, ausgleichende Lebensstiländerungen oder gezielte medizinische Behandlungen eine Konzeption begünstigen.

Zu den häufigsten Kinderwunschtherapien gehören Hormonbehandlungen und Methoden der künstlichen Befruchtung, wie zum Beispiel die Insemination, eine In-Vitro-Fertilisation, die ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) und die daraus weiterentwickelten Methoden IMSI (intrazytoplasmatische morphologisch selektierte Spermieninjektion) und PICSI (physiologische intrazytoplasmatische Spermieninjektion). Im Rahmen einer Hormonbehandlung werden Eizellen zur Reife gebracht und der Eisprung medikamentös induziert. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung erhöht. Bei den Methoden der künstlichen Befruchtung werden Spermien und Eizelle auf unterschiedliche Weise zusammengebracht, entweder per Samenübertragung in die Gebärmutter oder in der Laborschale oder aber durch direkte Injektion von Spermien in eine vorher entnommene Eizelle. Die so befruchteten Eizellen werden dann wieder in die Gebärmutter der Frau eingesetzt.

Sind die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch geklärt, kommen also verschiedene Behandlungsmethoden infrage. Möchten Sie mehr zur Kinderwunschbehandlung erfahren? Dann lesen Sie hier weiter: Informationen zur Kinderwunschbehandlung.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe et al. (2017) Fertilitätserhaltung bei onkologischen Therapien. S2k-Leitlinie. AWMF-Register-Nr.: 015/082. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-082l_S2k_Fertilitaetserhaltung-bei-onkologischen-Therapien_2017-12.pdf

Fink A et al. (2017) Abklärung und Therapie bei unerfülltem Kinderwunsch. Gynäkologie 5: 6-10. https://www.rosenfluh.ch/media/gynaekologie/2017/03/Abklaerung-und-Therapie-bei-unerfuelltem-Kinderwunsch.pdf

Fink A et al. (2018) Steigerung der Fertilität mittels Lifestylemodifikation. Gynäkologie 3: 13-19. https://www.rosenfluh.ch/media/gynaekologie/2018/05/Steigerung-der-Fertilitaet-mittels-Lifestylemodifikation.pdf

Kersten I et al. (2014) Chronic diseases in pregnant women: prevalence and birth outcomes based on the SNiP-study. BMC Pregnancy Childbirth 14: 75. https://bmcpregnancychildbirth.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-2393-14-75

Paasch U et al. (2010) Diagnostik und Therapie beim Mann mit unerfülltem Kinderwunsch. Journal für Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel 3(1): 18-25. https://www.kup.at/kup/pdf/8719.pdf

von Wolf M (2014) Kinderwunschtherapie bei Frauen ab 40. Gynäkologie 2: 6-12. https://www.rosenfluh.ch/media/gynaekologie/2014/02/Kinderwunschtherapie.pdf

 

Zuletzt aktualisiert am 04.09.2019