Die Entwicklungsdiagnostik ist ein zentraler Teilbereich der Kinderneurologie, insbesondere im Säuglings-, Kleinkind- und Kindergartenalter. Mit zunehmendem Alter liegt der Schwerpunkt der Entwicklungsdiagnostik, die dann insbesondere die kognitiven Fähigkeiten des Kindes (IQ) prüft, überwiegend im Aufgabenbereich der Kinder- und Jugendpsychiater und Kinderpsychologen.

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Worum geht es bei der Entwicklungsdiagnostik?

In der Entwicklungsdiagnostik werden unterschiedliche Entwicklungsbereiche überprüft. Dazu gehören die Sensorik, die Motorik, die kognitive Entwicklung mit Sprache und abstrakten Gedächtnisfunktionen sowie die soziale und die emotionale Entwicklung.

Die einzelnen Entwicklungsbereiche

Die Sensorik umfasst die Entwicklung der unterschiedlichen Wahrnehmungsbereiche, wie

  • Sehen,
  • Hören,
  • Fühlen,
  • Riechen,
  • Schmecken

und deren Verarbeitung (Sensorische Integration).

Die Motorik umfasst die Bewegungen und Bewegungsabläufe eines Kindes. Dazu gehört nicht nur die Fortbewegung, sondern auch bereits primäre Funktionen des Neugeborenen wie Saugen und Schlucken, sowie im weiteren Verlauf die Feimotorik und die für die Sprechentwicklung wichtigen (mund)motorischen Fähigkeiten der Artikulation.

Die kognitive Entwicklung bezeichnet die intellektuelle Entwicklung eines Kindes, die u.a. die folgenden Bereiche umfasst:

  • Sprache
  • Gedächtnis
  • Aufmerksamkeit
  • abstraktes Denken

Die soziale Entwicklung bezieht sich auf die Fähigkeit, in ein Beziehungsverhalten zu treten. Grundlage dafür ist zunächst die Mutter-Kind-Beziehung.

Die emotionale Entwicklung eines Kindes zeigt sich in seiner Fähigkeit unterschiedliche Gefühle wahrzunehmen und auch selbst zum Ausdruck bringen zu können.

Zwischen der sozialen und der emotionalen Entwicklung eines Kindes besteht eine enge Wechselwirkung. Durch eine frühe vertrauensvolle Beziehung und starke Bindung zu seinen Bezugspersonen kann das Kind frühzeitig positive Gefühle kennen lernen.

Entwicklungsmeilensteine und Entwicklungsstörungen

Entwicklungsstörungen können global oder nur in einem einzelnen Teilbereich der Entwicklung auftreten. Für alle Entwicklungsbereiche gibt es so genannte Entwicklungsmeilensteine, d.h. Altersgrenzen, bis zu denen ein Kind einen bestimmten Entwicklungsschritt vollzogen haben sollte. Erreicht ein Kind einen Entwicklungsmeilenstein (z.B. freies Laufen sollte spätestens im Alter von 18 Monaten gelingen) nicht, bedeutet dies zunächst nur, dass die Entwicklung des Kindes in diesem Entwicklungsbereich außerhalb der Norm verläuft.

Eine pathologische Entwicklungsstörung muss dem noch nicht zugrunde liegen. Spätestens jetzt sollte aber eine neuropädiatrische Diagnostik (Kinderneurologe) für eine weitere Abklärung eingeleitet werden. Zum Glück sind viele Entwicklungsauffälligkeiten bei frühzeitiger Diagnostik gut zu behandeln.