Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Berlin wird in Deutschland jedes Jahr bei über 72.000 Patientinnen ein sogenanntes Mammakarzinom, also ein bösartiger Tumor der Brustdrüse, diagnostiziert. Eine von acht Frauen ist im Laufe ihres Lebens von der Erkrankung betroffen — Tendenz steigend. Dabei gilt: Je früher der Tumor entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Der Brustkrebsvorsorge kommt deshalb eine lebenswichtige Bedeutung zu.

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Was ist die Brustkrebsvorsorge?

Die Maßnahmen, die für die Untersuchung der Brust hinsichtlich einer Krebserkrankung zur Verfügung stehen, sind vielfältig und variieren je nach Alter der Patientin. Unterschieden wird zwischen dem Abtasten der Brust sowohl durch den Frauenarzt als auch durch die Patientin selbst, der Ultraschalluntersuchung ("Mammasonografie" genannt) und der Mammografie, also dem Röntgen der Brust. Seltener kommt eine Kernspintomografie — auch als Magnetresonanztomografie, kurz MRT, bezeichnet — zur Anwendung. Ziel jeder Maßnahme ist es, Veränderungen im Brustgewebe wie etwa einen Knoten frühzeitig aufzuspüren und im Falle einer bösartigen Tumorerkrankung schnellstmöglich mit der Behandlung zu beginnen.

Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten für die dem Alter der Patientin entsprechenden, regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen:

  • Patientinnen zwischen 20 und 29 Jahren: Weil Frauen dieser Altersgruppe nur sehr selten an Brustkrebs erkranken, enthält der gesetzlich vorgeschriebene Leistungskatalog der Krankenkassen noch keine explizite Brustkrebsvorsorgeuntersuchung. Allerdings wird eine jährliche gynäkologische Untersuchung zur allgemeinen Krebsvorsorge beim Frauenarzt von der Krankenkasse übernommen.
  • Patientinnen zwischen 30 und 49 Jahren sowie ab 70 Jahren: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine jährliche Tastuntersuchung der Brust.
  • Patientinnen zwischen 50 und 69 Jahren: Zusätzlich zur jährlichen Abtastuntersuchung erhalten Frauen dieser Altersgruppe alle zwei Jahre eine Einladung zur freiwilligen Teilnahme an einem Mammografie-Screening.
  • Risikopatientinnen: Ist in der Familie der Patientin bereits häufiger eine Brustkrebserkrankung aufgetreten, beispielsweise bei der Mutter, der Schwester oder der Großmutter, gilt sie als Risikopatienten. Ebenso führt eine frühere Strahlentherapie im Brustkorbbereich zu einer erhöhten Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken. In solchen Fällen wird zu einer intensivierten Brustkrebsvorsorge geraten. Wie diese gestaltet wird, sollte im Einzelfall mit dem behandelnden Gynäkologen besprochen werden.

Warum ist die Brustkrebsvorsorge so wichtig?

In erster Linie dient die Früherkennung von Brustkrebs durch regelmäßige Vorsorge dem Ziel, die tumorbedingten Todesfälle zu verringern. Wird ein Mammakarzinom in einem möglichst frühen Stadium entdeckt, stehen die Chancen auf eine vollständige Heilung um ein Vielfaches besser. Dies liegt vor allem daran, dass sich kleine Tumore deutlich erfolgreicher und schonender behandeln lassen als in einem späteren Stadium. Wichtig ist außerdem, dass ein frühzeitig aufgespürter Tumor in der Regel weniger ausgedehnt — und dadurch meist brusterhaltend — operiert werden kann.

Die Methoden im Überblick

Die Abtast-Untersuchung

Der Frauenarzt untersucht dabei die Brustdrüsen und die Lymphknoten in den Achselhöhlen, am Schlüssel- sowie am Brustbein durch Abtasten. Überprüft wird außerdem die Form und die Größe der Brust und der Brustwarzen. Auch ein vorsichtiges Drücken der Brustwarze gehört zur Vorsorgeuntersuchung. Dabei wird kontrolliert, ob Flüssigkeit austritt.

Das Mammografie-Screening

Als Mammografie-Screening wird das Röntgen der Brust bezeichnet. Dabei werden elektromagnetische Wellen durch die Brust geschickt. Je nach Art des Gewebes werde die Röntgenstrahlen unterschiedlich stark abgeschwächt. Auf diese Weise entsteht ein sehr detailliertes Bild der Brust, auf dem auch sehr kleine, nicht tastbare Tumore in einem frühen Stadium sichtbar werden. Das Mammografie-Screening wird in der zuständigen regionalen Screening-Einheit von speziell ausgebildeten Röntgenassistenten übernommen. Die Bilder der Brust werden anschließend von zwei verschiedenen Radiologen unabhängig voneinander beurteilt. Innerhalb von etwa sieben Werktagen erhält die Patientin die Untersuchungsergebnisse per Post. Weitere umfangreiche Informationen zum Mammografie-Screening-Programm für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren finden Interessierte unter https://www.mammo-programm.de/. Selbstverständlich kommt eine Mammografie aber auch für Frauen anderer Altersgruppen infrage, wenn der Verdacht auf eine Brustkrebserkrankung vorliegt.

Die Brustultraschall-Untersuchung

Mithilfe eines Schallkopfes werden bei der Ultraschall-Untersuchung Schallwellen ins Brustgewebe gesendet. Weil das Gewebe den Schall je nach Art unterschiedlich stark reflektiert, entsteht ein Abbild der Bruststruktur. Fettgewebe wird beispielsweise recht dunkel dargestellt, Drüsen- oder Bindegewebe ist deutlich heller. Die Mammasonografie ist insgesamt jedoch etwas ungenauer als das Mammografie-Screening. Besonders kleine Tumore oder die für Krebsvorstufen typischen Verkalkungen lassen sich nur schwer erkennen. Deshalb kommt der Brustultraschall vor allem ergänzend zur Mammografie zum Einsatz, wenn Auffälligkeiten auf einen Tumor hindeuten.

Im gesetzlich festgeschriebenen Leistungskatalog der Krankenkassen ist der Brustultraschall als alleinige Vorsorgeuntersuchung nicht enthalten. Einige Krankenkassen tragen die Kosten jedoch als zusätzliche Vorsorge-Leistung.

Was kann ich selbst tun?

Das persönliche Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, lässt sich durch einen gesunden Lebensstil minimieren: Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ein normales Körpergewicht beeinflussen die individuelle Gesundheit maßgeblich. Alkohol sollte nur selten, Tabakwaren möglichst gar nicht konsumiert werden.

Zudem ist die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust ein wichtiger Bestandteil der Vorsorge. Die Frau bekommt dadurch ein besseres Gespür für den eigenen Körper und kann bei beunruhigenden Veränderungen einen Arzt konsultieren. Dabei sollten Frauen jeder Altersgruppe ihre Brust möglichst monatlich systematisch untersuchen. Weil die Brust etwa eine Woche nach dem Beginn der letzten Periode besonders weich ist, ist dies der geeignetste Zeitpunkt für die Selbstuntersuchung. Am besten wird das Abtasten in ruhiger Atmosphäre und bei guten Lichtverhältnissen vor einem Spiegel sowie zusätzlich einmal im Liegen durchgeführt.

Eine konkrete Anleitung für das richtige Vorgehen finden Sie unter https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/einrichtungen/kliniken/frauenklinik/brustzentrum/ratgeber/selbstuntersuchung

Ein Arzt sollte unbedingt zu Rate gezogen werden, wenn bei der Selbstuntersuchung oder zufällig — beispielsweise unter der Dusche oder beim Eincremen — eines der folgenden Symptome entdeckt wird:

  • Knoten in der Brust
  • Plötzlich auftretende Rötung, die nicht von selbst wieder abklingt
  • Veränderungen an der Brustwarze, beispielsweise Entzündungen, Hautveränderungen oder Einziehung der Brustwarze
  • Austreten von Flüssigkeit aus der Brustwarze
  • Neu auftretende Unterschiede der Brüste, beispielsweise in der Größe, der Form oder im Verhalten beim Heben der Arme

Hinweis: Auch wenn viele Fälle von Brustkrebs erstmals bei einer Selbstuntersuchung entdeckt werden, ersetzt diese die altersgemäßen Früherkennungsuntersuchungen nicht! Der Idealfall ist ein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel der verschiedenen Methoden der Früherkennung.

Fazit

Ein Tumor ist nicht immer automatisch bösartig. Fallen in den Vorsorgeuntersuchungen Veränderungen in der Brust auf, kann es also durchaus auch zu "falschem Alarm" kommen, der die Patientin ängstigt und psychisch belastet. Dies wird neben der Strahlendosis, die bei einer Mammmografie auf die Patientin einwirkt, als einer der Nachteile der Brustkrebsvorsorge genannt. Dennoch: Früh erkannt, ist das Mammakarzinom oft heilbar. Viele Patientinnen können durch die sofortige Therapie viele Jahre gewinnen. Insofern lohnt es sich für jede Frau, sich mit der regelmäßigen Brustkrebsvorsorge zu befassen und die Angebote in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  • https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/brustkrebs-basis-infos-fuer-patienten.html#vorbeugung
  • https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/frueherkennung/selbstuntersuchung-der-brust.html
  • https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/was-ist-brustkrebs.php
  • https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Brustkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf
  • https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/einrichtungen/kliniken/frauenklinik/brustzentrum/ratgeber
  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLp1_S3_Brustkrebs_Fueherkennung_2010-abgelaufen.pdf
  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLk_S3_Mammakarzinom_2018-09.pdf
  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLp2_S3_Mammakarzinom_2019-04.pdf