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Stammzelltransplantation - Weitere Informationen

Sie ist für viele Krebspatienten die große Hoffnung auf Heilung: Die Stammzelltransplantation (auch genannt: Knochenmarktransplantation). Dabei werden die Blutstammzellen eines Spenders auf den an Leukämie (oder einer anderen Blutkrankheit) erkrankten Patienten übertragen. Durch diesen „Reset“ der Blutbildung kann im Idealfall eine vollständige Heilung erreicht werden – dafür gilt es aber in erster Linie, einen passenden Spender zu finden.

Was sind Stammzellen eigentlich?

Der menschliche Organismus besteht aus einzelnen Zellen, die im Verbund die verschiedenen Organe bilden und spezifische Aufgaben erfüllen. So muss eine Hautzelle auf der Nase anders beschaffen sein als eine Zelle im Dickdarm oder im Knochen. Durch die im genetischen Code des Erbguts festgelegten Baupläne weiß der Körper, welche Zellen er an welcher Stelle benötigt. Doch wie schafft der Körper es, die jeweils richtigen Zellen für die gewünschte Aufgabe zu produzieren? Schließlich kann man im Herzmuskel keinen Backenzahn gebrauchen. Die Antwort sind Stammzellen.

Aus Stammzellen können sich alle gewünschten Typen von Körperzellen bilden. Sie sind der Ausgangspunkt für den gesamten Aufbau des menschlichen Organismus. Auch im Blut finden sich zahlreiche spezialisierte Zelltypen, etwa die roten und weißen Blutkörperchen mit ihren Unterarten und viele weitere Inhaltsstoffe, die das Blut zu dem machen, was es ist. Blutzellen sind nicht besonders langlebig und werden deshalb ständig im Knochenmark neu produziert. Dort befinden sich spezielle Stammzellen, die ausschließlich für die Herstellung unterschiedlicher Blutzellen verantwortlich sind. Kommt es aufgrund von Erkrankungen (z. B. einer Leukämie) zu einer Überproduktion oder zur Produktion krankhafter Zellen, kann dies lebensbedrohliche Folgen haben.

Zellbildung
Teilung von Zellen im Körper © markus dehlzeit / Fotolia

Was passiert bei einer Stammzelltransplantation (Knochenmarktransplantation)?

Wenn die Ärzte eine derartige Erkrankung feststellen, muss über eine entsprechende Therapie entschieden werden. Diese kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Zum einen hängt die Therapiewahl natürlich vom Typ der Erkrankung ab. Alleine der Oberbegriff Leukämie beinhaltet eine Vielzahl unterschiedlicher Ausprägungen, die alle eine spezifische Herangehensweise erfordern.

Aber auch sogenannte Lymphome (bösartige Erkrankungen des Lymphsystems) und bestimmte Krankheiten des Immunsystems können auf eine Stammzelltransplantation ansprechen. Die Idee bei der Behandlung ist ähnlich wie bei einem Reset des Betriebssystems eines Computers. Um die krankhafte und fehlerhafte Produktion von Blutzellen zu stoppen, werden zunächst im Rahmen einer Strahlen- und/oder Chemotherapie sowohl Immunsystem als auch Knochenmark behandelt. Bei dieser Art der Behandlung sollten im Idealfall alle krankhaften Zellen vernichtet werden. Nach dieser auch als Konditionierung bezeichneten Behandlung wird gesundes Knochenmark ganz einfach durch eine Vene auf den Patienten übertragen. Die in der Stammzellenspende enthaltenden Blutstammzellen siedeln sich in den Markhöhlen der Knochen des Patienten an und sollten innerhalb weniger Wochen das ursprüngliche Knochenmark vollständig ersetzt haben.

Durch die Ausschaltung des körpereigenen Immunsystems besteht während dieser Zeit allerdings ein stark erhöhtes Infektionsrisiko für den Patienten. Zudem kann es auch zu Abstoßungsreaktionen gegenüber dem körperfremden Spendermaterial kommen.

Was ist der Unterschied zwischen Stammzelltransplantation und Knochenmarktransplantation?

Meistens wird nur von Knochenmarktransplantation gesprochen, obwohl dies nicht die einzige Möglichkeit zur Übertragung von Blutstammzellen ist. Früher entnahm man grundsätzlich unter Vollnarkose etwas Knochenmark vom Spender. Hierzu wurde eine relativ große Nadel in den Beckenkamm (in der Nähe der Hüfte) eingeführt und eine entsprechende Menge Knochenmark entnommen. Dieses Material wurde anschließend im Labor aufbereitet und die Stammzellen dann dem Empfänger wie bei einer Bluttransfusion verabreicht. Das Risiko für den Spender ist – abgesehen von der Vollnarkose und den damit verbundenen üblichen Risiken und Nebenwirkungen – sehr niedrig. Die Entnahmestelle kann noch einige Tage schmerzen.

Das Wort Knochenmarktransplantation sorgt bei Laien allerdings immer wieder für einen Irrtum, der viele Menschen davon abhält, sich überhaupt als Spender zu registrieren. Der Fehler besteht darin, Knochenmark mit Rückenmark zu verwechseln. Doch damit hat die Knochenmarktransplantation nichts zu tun. Es drohen also auch eindeutig keine Lähmungen oder andere Risiken, die bei einem Eingriff am Rückenmark zu erwarten wären. Deswegen sprechen Mediziner heute bevorzugt von Stammzelltransplantation. Es gibt inzwischen aber auch noch ein weiteres Verfahren zur Übertragung von Blutstammzellen. Bei der sogenannten peripheren Stammzellenentnahme können die benötigten Blutstammzellen direkt aus dem Blut des Spenders gewonnen werden. Dieses Verfahren ist in rund 80 Prozent aller Fälle möglich. Hierfür erhält der Spender vor der Entnahme verschiedene Medikamente, welche die Ausschwemmung der Stammzellen in den Blutkreislauf fördern.

Die so gewonnenen Zellen werden anschließend im Labor zentrifugiert und aufbereitet, damit sie dem Patienten verabreicht werden können. Für eine erfolgreiche Transplantation sind in der Regel sechs bis acht Durchgänge dieser sogenannten Leukapherese notwendig. Eine Vollnarkose ist für den Spender in dem Fall natürlich nicht notwendig und die gesamte Entnahme kann ambulant erfolgen. Auch therapeutisch scheint dieses Verfahren Vorteile zu haben, denn bei vielen Empfängern kommt die Blutneubildung schneller wieder in Gang als bei der traditionellen Knochenmarktransplantation. Bei rund 20 Prozent der Spender ist jedoch nur eine direkte Knochenmarkspende möglich.

Nicht immer ist ein Spender erforderlich

Für die erfolgreiche Therapie müssen die neuen Stammzellen möglichst kompatibel mit dem Patienten sein. Deswegen ist es auch so schwierig, einen passenden Spender zu finden, denn immerhin geht es darum, einen genetischen Zwilling auszumachen. Kann kein Spender gefunden werden oder scheidet diese allogene Transplantation grundsätzlich aus, kann die sogenannte autologe Transplantation versucht werden, also die Eigenspende von Blutstammzellen. Dabei werden dem Patienten eigene Knochenmark- bzw. Blutstammzellen reimplantiert, die während einer Remission (einer Phase geringer Krankheitsaktivität) entnommen wurden. Allerdings besteht hierbei immer die Gefahr, dass auch krankhafte Zellen auf diese Weise wieder in den Körper gelangen und die Erkrankung erneut aufflammt. Zum Einsatz kommt diese Behandlungsform meist bei Lymphomen und seltener bei akuter und chronischer Leukämie.

Stammzelltransplantation (Knochenmarktransplantation) ist oft die einzige Rettung

Obwohl all das für den Patienten recht belastend und mit einem hohen Infektionsrisiko behaftet ist, haben viele Erkrankte keine andere Wahl. Immerhin bietet das Verfahren in vielen Fällen relativ gute Aussichten auf Heilung, immer abhängig vom individuellen Erkrankungsfall. Nebenwirkungen und Risiken werden daher von den meisten Patienten akzeptiert. Für den Spender ist die Prozedur mit relativ wenig Aufwand und Risiken verbunden. Die Suche nach einem passenden Stammzellenspender bleibt hingegen die größte Herausforderung im Kampf gegen Leukämie und andere Bluterkrankungen.