Schnarchtherapie - Medizinische Experten

Schnarchen ist keine Krankheit. Deswegen hat die Schnarchtherapie oft nicht nur das Ziel, Schnarchen zu verhindern. Deutlich häufiger geht es bei einer Schnarchtherapie darum, gefährliche Atemaussetzer zu vermeiden, die im Rahmen des Schlafapnoe-Syndroms auftreten.

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Schnarchtherapie - Weitere Informationen

Schnarchtherapie: Was ist das genau und welche Therapieansätze gibt es?

Ärzte kombinieren bei einer Schnarchtherapie oft verschiedene Ansätze, um die Lebensqualität und Sauerstoffversorgung der Betroffenen zu sichern. Durch die verschiedenen Möglichkeiten ist es heute gut möglich, die Therapie genau auf die Ursachen des Schnarchens zuzuschneiden.

Bei leichten Fällen und zu Beginn der Behandlung raten Ärzte zu einer gesünderen Lebensweise. Denn Schnarchen entsteht oft durch Übergewicht, Alkoholkonsum und Rauchen. Patienten erreichen oft schon eine erhebliche Besserung durch Gewichtsreduktion und eine bessere Schlafhygiene.

Reicht das nicht aus, stehen dem Arzt verschiedene Optionen zur Verfügung. Gerade bei obstruktiver Schlafapnoe lindern Beißschienen oder Beatmungstherapien die Symptome.

Scheitern auch diese Therapien, greifen Ärzte auf chirurgische Verfahren zurück. Der Eingriff findet dort statt, wo das Schnarchen im individuellen Fall seinen Ursprung hat. Relativ neu ist dabei das Neurostimulationsverfahren, bei dem eine Art Zungenschrittmacher implantiert wird.

Viele Menschen schnarchen und einige leiden stark darunter. Deswegen gibt es viele unwirksame Hilfsmittel und Tipps: Von unsinnigen Apparaturen über Anti-Schnarch-Sprays bis zum Tennisball im Schlafanzug, um die Rückenlage zu vermeiden. Das Problem: Sie verbessern die Schlafqualität oft nicht. Eine Erhöhung der Schlafqualität ist jedoch das Ziel jeder wirksamen Schlaftherapie. Und nicht jede Therapie eignet sich für jeden Schnarcher.

Wann muss Schnarchen behandelt werden?

Gründe, Schnarchen behandeln und untersuchen zu lassen sind:

  • unter Schnarchen leiden
  • bereits mit Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert
  • unerklärliche Tagesmüdigkeit
  • morgendliche Kopfschmerzen
  • trockener Mund und/oder Halsschmerzen am Morgen

Wer unter diesen Symptomen leidet, sollte seinen Hausarzt oder einen Spezialisten für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde um Hilfe bitten. Denn für eine wirksame Therapie ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt die anatomische Ursache des Schnarchens kennt.

Schnarchen muss nicht behandelt werden, Schlafapnoe hingegen dringend

Schnarchen ist kein Problem, das medizinisch behandelt werden muss. Viele Betroffene wollen vor allem aufgrund von sozialem Druck nicht mehr schnarchen. Leidet beispielsweise die Partnerin stark unter den nächtlichen Geräuschen, ist der Leidensdruck auch beim Schnarchenden hoch. Das Schnarchen entsteht oft durch eine Vibration im Bereich von Gaumen und Rachen. Möglich wird sie durch die Muskelentspannung im Schlaf – deswegen schnarchen wir nicht, wenn wir wach sind. In diesen leichten Fällen ohne Krankheitswert hat die Schnarchtherapie das Ziel, diese Vibration und so das Schnarchen zu verhindern.

Im Gegensatz dazu ist die Schlafapnoe behandlungsbedürftig, weil sie in starken Fällen sogar lebensbedrohliche Folgen hat. Zudem ist das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes durch den andauernden niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut erhöht. Innerhalb von zehn Jahren stirbt knapp die Hälfte der unbehandelten Patienten. Deswegen sollten Betroffene diese Erkrankung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Schlafapnoe ist eine schlafbezogene Atmungsstörung, die mit Schnarchen einhergehen kann, aber nicht muss.

Während des Schlafs entspannt sich die ringförmige Muskulatur um die oberen Atemwege. Bei Menschen mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) hält der Rachen dem Unterdruck nicht stand, der beim Einatmen entsteht. In der Folge fällt der obere Teil der Atemwege zusammen. Er kollabiert wie ein Plastikstrohhalm, an dem ein Kind saugt, während es eine Öffnung zuhält. Dadurch blockieren die Atemwege und die Sauerststoffsättigung sinkt. Eine Schutzreaktion des Körpers auf den steigenden CO2-Spiegel lässt Betroffene immer wieder kurz aufwachen.Durch die dauernden Unterbrechungen ist der Schlaf nicht mehr erholsam.

Therapiemöglichkeiten: OP oft nicht mehr nötig

Ein Schnarchtherapie verfolgt und kombiniert verschiedene Ansätze. Im Zentrum steht ein gesünderer Lebensstil. Auch eine gute Schlafhygiene verbessert das Schnarchen. Umstritten sind Therapien, die darauf abzielen, dass der Patient nicht mehr auf dem Rücken schläft. Zum einen verbessert sich die Schlafqualität dadurch nicht, zum anderen ist Rückenlage meist nicht der alleinige Auslöser für das Schnarchen.

Als eine der besten Möglichkeiten der Behandlung von Schlafapnoe gilt die nasale positive Überdruckbeatmung mittels nCPAP (nasal continuous positive airway pressure). Der Patient trägt eine Atemmaske, die über ein Gebläse Raumluft in die Atemwege pumpt. Durch diesen Überdruck bleiben die Atemwege offen.

Bei gesunden Zähnen und Zahnfleisch setzen Ärzte eine Protrusionsschiene ein, die den Unterkiefer um wenige Millimeter nach vorne verlagert. Dadurch fällt der Zungengrund nicht mehr zurück und die Atemwege bleiben frei. Solche Protrusionsschienen sind häufig die erste Schlaftherapie und lindern die Beschwerden oft deutlich.

Wenn diese Behandlungen das Schnarchen nicht ausreichend bessern, bleiben diverse chirurgische Verfahren. Eine alleinige Operation der Nase lindert das Problem in den meisten Fällen nicht. Deutlich erfolgversprechender ist die Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer, die einen ähnlichen Effekt wie die Protrusionsschiene hat. Auch eine Mandelentfernung und gleichzeitige Straffung des weichen Gaumens ist ein relativ häufiger chirurgischer Eingriff gegen das Schnarchen.

Grund für neue Hoffnung sind Neurostimulationsverfahren (NSHG). Sie wirken oft auch bei Patienten, bei denen andere Therapieversuche erfolglos verlaufen. Diese sogenannten Zungenschrittmacher stimulieren einen Nerv namens Nervus hypoglossus so, dass sich die Zunge nach vorn streckt.

Compliance is Key: Patienten bestimmen Therapieerfolge mit

Ärzte empfehlen Patienten, unabhängig von einer Operation einen gesunden Lebensstil zu führen. Denn Übergewicht schmälert einen Operationserfolg und ist sogar Kontraindikation für einige Eingriffe. Sport, eine gute Schlafhygiene und eine gesunde Ernährung helfen, Schnarchen zu verhindern und den Erfolg der Therapie zu sichern.

Die Schlafhygiene fördern:

  • erhöhter Oberkörper / Schlafen in Seitenlage
  • Zimmertemperatur zwischen 14 und 18 Grad
  • geregelte Bettzeiten, auch am Wochenende
  • kein Alkohol drei Stunden vor dem Zubettgehen
  • keine Schlaf- oder Beruhigungsmittel
  • nicht zu schwer zu Abend essen

Die konservativen Therapien haben in der Regel eine hohe Erfolgsrate, allerdings nehmen Patienten sie unterschiedlich gut an. Die Protrusionsschiene ist bei vielen Patienten deutlich beliebter als ein Beatmungsgerät, weil sie deutlich weniger Umgewöhnung verlangt. So oder so: Bei der Schnarchtherapie ist wichtig, dass Patienten neue Gewohnheiten etablieren. Denn nur so sind die Therapien langfristig erfolgreich.

Prognose macht Hoffnung: Schlaftherapie oft erfolgreich

Die Möglichkeiten, Schnarchen zu therapieren, haben sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt. In vielen Fällen können Ärzte Betroffenen deswegen schnell und ohne Operation weiterhelfen. Wichtig ist eine sorgsame Untersuchung und Diagnose, um eine für die individuellen Ursachen wirksame Therapie zu finden. Die Schlaftherapie endet allerdings in den meisten Fällen nie. Stattdessen integrieren Betroffene sie in ihr Leben und verhindern so Gesundheitsschäden und Operationen. Weil sich die Lebensqualität von Betroffenen durch den erholsameren Schlaf verbessert, gelingt es vielen Menschen am Ball zu bleiben.

Komplikationen treten vor allem bei operativen Eingriffen auf. Mögliche Nebenwirkungen sind

  • Missempfindungen,
  • Fremdkörpergefühl im Rachen oder
  • Schluckstörungen.

Durch schonendere Verfahren ist das Risiko jedoch heute geringer als noch vor einigen Jahren. Und auch bei Operationen stehen die Erfolgschancen gut. So liegt die Erfolgsrate bei der Entfernung der Mandeln bei gleichzeitiger Gaumenstraffung bei rund 50 Prozent.

Deswegen ergibt sich insgesamt eine gute Prognose: Wer mithilfe eines kompetenten Arztes die richtige Therapieform für sich findet, überwindet Schnarchen und Schlafapnoe in den meisten Fällen.

Quellen

  • https://www.dgsm.de/fileadmin/patienteninformationen/ratgeber_schlafstoerungen/Schnarchen_des_Erwachsenen.pdf
  • https://www.dgsm.de/fileadmin/patienteninformationen/ratgeber_schlafstoerungen/Obstruktive_Schlaf_Apnoe.pdf
  • https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/schnarchen-schlafapnoe/definition-und-haeufigkeit.html
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