Pankreastransplantation - Spezialisten & Infos zur Transplantation der Bauchspeicheldrüse

In vielen Fällen zieht ein schwerer Diabetes Folgeerkrankungen nach sich. Typ-1-Diabetiker, die beispielsweise unter einem chronischen Nierenversagen leiden, benötigen unter Umständen eine Transplantation der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Diese führt zu einer Wiederherstellung der Insulinproduktion und zur Normalisierung des Blutzuckerspiegels.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zum Vorgehen bei einer Transplantation der Bauchspeicheldrüse sowie Spezialisten für eine Pankreastransplantation.

Empfohlene Spezialisten für eine Pankreastransplantation

Artikelübersicht

Pankreastransplantation - Weitere Informationen

Definition: Was ist eine Pankreastransplantation?

Bei etwa zehn Prozent der an Diabetes mellitus Erkrankten bringt auch eine intensive Insulintherapie keine ausreichende Einstellung des Stoffwechsels. Dieser gerät immer wieder außer Kontrolle und es kommt zu Folgeerkrankungen sowie lebensbedrohlichen Unterzuckerungen. Leidet man zum Beispiel unter einer stark geschädigten Niere und benötigt eine regelmäßige Dialyse (Blutwäsche), kann eine Pankreastransplantation infrage kommen.

Die Operation kann auf unterschiedlichem Wege erfolgen:

  • Pankreastransplantation nach bereits durchgeführter Nierentransplantation
  • Gleichzeitige Nieren-Pankreas-Transplantation
  • Alleinige Pankreastransplantation
  • Inselzelltransplantation (Verpflanzung von Teilen des Pankreas sowie der insulinproduzierenden Zellen in die Leber)

Welche Art der Transplantation zum Einsatz kommt, hängt vom Einzelfall ab. Am häufigsten wird aber die kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantation durchgeführt. Dabei stammen sowohl die Nieren als auch die neue Bauchspeicheldrüse von demselben Spender.

Eine alleinige Transplantation des Pankreas kann bereits vor einem Nierenversagen durchgeführt werden. Diese Art des Eingriffs erfolgt aber nur dann, wenn der Diabetes andere schwere Schäden ausgelöst hat und sich der Blutzuckergehalt durch die Insulintherapie nicht ausreichend senken lässt.

Gründe für die Transplantation der Bauchspeicheldrüse

Diabetes Typ 1 ist eine Form der Zuckerkrankheit, die sich in der Regel bereits im Kindes- und Jugendalter entwickelt. Das Immunsystem der Betroffenen bildet Antikörper, die die körpereigenen Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreifen und zerstören. Diese Zellen, die auch als Inselzellen bezeichnet werden, sind für die Bildung von Insulin zuständig. Diesen Stoff benötigt der Organismus, um die Zuckermoleküle aus dem Blut für die unterschiedlichen Stoffwechselvorgänge im gesamten Körper zu verteilen.

Das Problem ist: Kommt der Zucker nicht bei den Zellen der verschiedenen Organe sowie den Muskelzellen an, stellen sie ihre Funktion ein. Diabetes Typ 1 führt dazu, dass die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse meist bereits in sehr jungem Alter zerstört werden. Aus diesem Grund sind die Patienten gezwungen, regelmäßig Insulin zu spritzen. Nur so gelangt der Zucker aus dem Blut in die Zellen.

Da die Wände der Blutgefäße keine hohen Blutzuckerkonzentrationen aushalten, entwickeln sich dort häufig Entzündungen. In der Folge kommt es zu einem Verdicken und Versteifen der Gefäßwände, die Organe werden schlechter durchblutet und auf Dauer entwickeln sich verschiedene Schäden. Besonders häufig betreffen diese die Nieren, das Herz, die Netzhaut des Auges und die Gefäße in den Beinen.

Eine Pankreastransplantation wird vor allem dann erwogen, wenn die Nieren ihre Funktion bereits eingestellt haben. So legen die Ergebnisse klinischer Untersuchungen nahe, dass die Überlebenschancen nach einer Transplantation besser sind als die insulinpflichtiger Personen.

Methoden und OP-Verfahren bei einer Pankreastransplantation

Die kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantation wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert zwischen drei und vier Stunden. Vor der Operation untersucht das medizinische Personal den Patienten ein letztes Mal und bereitet ihn auf die Narkose vor. Außerdem prüft es die Spenderorgane und bereitet auch diese für den Eingriff vor.

Zu Beginn der OP öffnet der Chirurg - ein Spezialist für Pankreaschirurgie - den Bauchraum und das Bauchfell. Da auf der rechten Körperseite besser zugängliche Venen liegen, an die man das Organ anschließen kann, transplantiert man das Pankreas dorthin. Nachdem der Bauchraum offen liegt, legt der Chirurg die benötigten Arterien und Venen frei und verbindet sie mit den Blutgefäßen des Spenderpankreas. Die Nieren sowie der Pankreas des Patienten werden nicht entfernt.

Zusätzlich zum Spenderorgan transplantiert der Arzt ein kurzes Stück des Zwölffingerdarms. Der Grund: Die transplantierte Bauchspeicheldrüse stellt neben Insulin auch Verdauungssäfte her. Durch die Verbindung des Darmstücks mit dem Dünndarm stellt der Arzt sicher, dass die Sekrete abfließen können.

Noch während die Operation läuft, beginnt man die Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten. Das ist wichtig, weil sie ein mögliches Abstoßen der Spenderorgane durch das Immunsystem unterdrücken.

Patientenverhalten nach der Bauchspeicheldrüsentransplantation

Nach der Transplantation verbringen Patienten drei bis vier Tage auf der Intensivstation. Das liegt daran, dass es einige Tage dauern kann, bis die neuen Organe richtig funktionieren. In den ersten Tagen wird dem Patienten daher häufig noch Insulin gespritzt und auch die Dialyse wird durchgeführt.

Bis zur Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus vergehen etwa drei bis vier Wochen. Während dieser Zeit kontrollieren die Ärzte die Funktionstüchtigkeit der neuen Organe und überwachen die Wundheilung. Außerdem erfolgt die Einstellung des Patienten mit immunsuppressiven Medikamenten.

Komplikationen, Risiken, Prognose

Jeder operative Eingriff bringt auch Risiken mit sich. Die häufigste Komplikation nach einer Pankreastransplantation ist das Abstoßen der Spenderorgane durch den eigenen Körper. Bei einer solchen Abstoßungsreaktion nimmt das Immunsystem des Empfängers das Transplantat als Fremdkörper wahr. Damit es dazu nicht kommt, müssen die Patienten ihr Leben lang bestimmte Medikamente einnehmen. Diese unterdrücken die Abwehrreaktion des Immunsystems und werden daher als Immunsuppressiva bezeichnet.

Welche Dosis der Medikamente im Einzelfall erforderlich ist, überprüfen die Ärzte in den Wochen nach der OP. Wie hoch oder gering die Abstoßungsreaktion ausfällt, hängt vor allem davon ab, wie gut die Zellmerkmale von Spender und Empfänger übereinstimmen.

Man unterscheidet drei Formen von Abstoßungsreaktionen:

Hyperakute Abstoßungsreaktion: Diese Reaktion tritt entweder während der Transplantation oder in den Stunden danach auf. Ursache ist die Inkompatibilität der Blutgruppen oder Gewebemerkmale von Spender und Empfänger. Da diese heute im Rahmen der Voruntersuchung ausgeschlossen werden, kommt es nur noch selten zu dieser Form der Abstoßung. Kommt es trotzdem dazu, muss das Transplantat entfernt und ein neues Spenderorgan transplantiert werden.

Akute Abstoßungsreaktion: Diese Reaktion erfolgt meist innerhalb der ersten 90 Tagen, kann aber auch noch Jahre nach der OP auftreten. Auch sie begründet sich darauf, dass das Immunsystem das Spenderorgan als Fremdkörper wahrnimmt und verschiedene Immunzellen aktiviert, um es zu zerstören. Ärzte können die akute Abstoßungsreaktion in der Regel mit Medikamenten behandeln.

Chronische Abstoßungsreaktion: Eine solche Reaktion tritt erst einige Zeit nach dem Eingriff auf, teilweise sogar erst nach mehreren Jahren. Auch hierbei sind aktivierte Antikörper für den Prozess verantwortlich, dieser vollzieht sich aber viel langsamer und schleichend. Ob eine Anpassung der verabreichten Immunsuppressiva nötig ist oder ob man sogar eine erneute Transplantation durchführen sollte, hängt von dem Ausmaß der Schädigung des transplantierten Organs und des umliegenden Gewebes ab.

Weitere Komplikationen einer Pankreastransplantation können folgende sein:

  • Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
  • Undichte Naht zwischen eigenem Darm und transplantiertem Zwölffingerdarm
  • Thrombose der Bauchspeicheldrüse

Fazit zur Pankreastransplantation

Führt eine Insulintherapie nicht zur ausreichenden Einstellung des Stoffwechsels, können Diabetiker lebensbedrohliche Folgeerkrankungen entwickeln. Häufig versagt die Niere nach und nach ihren Dienst. Für Betroffene von Diabetes Typ 1 mit Nierenschäden können eine Pankreastransplantation beziehungsweise eine kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantation sinnvoll sein. Experten betonen die verbesserten Überlebenschancen nach der Transplantation im Vergleich zu denen insulinpflichtiger Patienten. Bedenken sollte man aber auch, dass die Operation einige Risiken mit sich bringt. So kann es zu verschiedenen Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen die transplantierten Organe kommen.

Quellen

https://www.transplantation-verstehen.de/organe/pankreas
https://www.transplantation-verstehen.de/organe/pankreas/gruende
https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/diabetes/bauchspeicheldruesen-transplantation-2015498
https://www.transplantation-verstehen.de/organe/pankreas/komplikationen
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