Kurzschaftprothese - Medizinische Experten

Bei einer Kurzschaftprothese handelt es sich um eine spezielle Art der Hüftprothese. Künstliche Hüftgelenke werden in Deutschland bereits seit dem Jahr 1890 eingesetzt. Kurzschaftprothesen ersetzen die natürliche Hüftgelenkspfanne sowie den sogenannten Schenkelhals.

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Kurzschaftprothese - Weitere Informationen

Definition: Was ist eine Kurzschaftprothese?

Die Kurzschaftprothese stellt eine besondere Art der Hüftprothese dar, die gemeinsam mit der Kappenprothese zur Kategorie der Hüft-Totalendoprothesen (Hüft-TEP) gehört. Die Besonderheit an der Kurzschaftprothese ist, dass sie zwar die Hüftpfanne ersetzt, aber dafür nur ein verhältnismäßig kleiner Teil des Schenkelhalses entfernt werden muss. Der verbleibende Schenkelhals und der obere Teil des Oberschenkels dienen der Verankerung des Prothesenschafts.

Gründe für die Implantation einer Kurzschaftprothese

Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks kommt bei einer vorliegenden Hüftarthrose in Frage - insbesondere dann, wenn sich die Beschwerden durch eine entsprechende Bewegungstherapie und Schmerzmittel nicht lindern lassen. Das künstliche Gelenk bewirkt bei den meisten Menschen eine effektive Linderung ihrer Schmerzen und steigert die Beweglichkeit.

Durchschnittlich 95 Prozent aller Hüftprothesen sind zehn Jahre nach dem operativen Eingriff noch intakt. Rund 85 Prozent sind auch nach mehr als 20 Jahren noch intakt. Das bedeutet: Je früher Sie sich dem Eingriff unterziehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Prothese irgendwann im Rahmen eines Hüftprothesenwechsel ersetzt werden muss. Es ist daher zu empfehlen, vor der Entscheidung für eine Operation andere Behandlungen auszuprobieren. Häufig wirksam sind beispielsweise

  • Bewegungstherapien,
  • das Einnehmen von Schmerzmitteln sowie
  • bei vorliegendem Übergewicht eine Gewichtsreduktion.

Da für eine erfolgreiche Behandlung die Knochenqualität nicht zu niedrig sein darf, findet das Prothesensystem der Kurzschaftprothese vor allem bei jüngeren Patienten Verwendung.

Das Verfahren: Wie sieht der Ablauf der OP aus?

Das Einsetzen einer Kurzschaftprothese erfolgt im Rahmen eines operativen Eingriffs und unter Voll- oder Teilnarkose. Die OP dauert rund 45 bis 120 Minuten.

Bei der Kurzschaftprothese ist ein minimal-invasiver Zugang zur Hüfte möglich, der das Gewebe in besonderem Maße schont. Dabei bringt der Chirurg einen Hautschnitt von nur sieben bis neun Zentimetern an. Dieser setzt über dem seitlichen Hüftgelenk an, wodurch keine (beziehungsweise weniger) Muskeln und Sehnen durchtrennt werden. Dies birgt den Vorteil einer schnelleren Rehabilitation. Außerdem kommt es postoperativ zu weniger Schmerzen.

Anschließend entfernt der Chirurg den Hüftkopf und fräst die Hüftgelenkspfanne aus. Nun befestigt er den Prothesenstiel im Oberschenkelknochen, und versieht ihn mit einem künstlichen Hüftkopf. Die Befestigung von Kurzschaftprothesen erfolgt "zementfrei", das heißt, der Chirurg klemmt sie in den noch intakten Oberschenkelknochen ein. Dort wachsen sie in den Wochen nach der Operation in das Knochengewebe ein, was die Stabilität erhöht.

Vor dem Zunähen der Wunde fertigen die Ärzte ein Röntgenbild an, um den Sitz der Prothese zu kontrollieren. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass der Eingriff von Erfolg gekrönt war.

Verhalten nach der OP: Was müssen Patienten in Sachen Nachsorge beachten?

Die volle Belastung des operierten Gelenks ist nach dem Einsatz der Kurzschaftprothese sofort möglich. Schon am ersten Tag nach der Operation erfolgt die krankengymnastische Beübung des Hüftgelenks. Der Krankenhausaufenthalt der Betroffenen dauert etwa fünf bis acht Tage.

Die Behandlungsziele nach der OP sind das selbstständige Aufstehen des Patienten sowie die Steigerung der Beweglichkeit, das Gehen und Steigen von Treppen. Dabei kommen Unterarmgehstöcke zum Einsatz.

Für etwa zwei bis vier Wochen nach der Implantation können Betroffene das Gelenk lediglich teilbelasten. Auch in dieser Zeit sollten Patienten das Gehen mit speziellen Gehstöcken bewältigen. Nach etwa zwei Wochen können Sie die Gehhilfen in der Regel weglassen - vor allem wenn es sich um kurze Strecken handelt.

Komplikationen, Risiken, Prognose: Was sind häufige Behandlungsrisiken?

Jeder operative Eingriff im Rahmen eines Hüftgelenkersatzes birgt allgemeine Operationsrisiken. Dazu trägt beispielsweise die Narkose bei. Das Sterberisiko bei einem Hüftgelenkersatz ist allerdings kleiner als ein Prozent.

Der Einsatz einer künstlichen Hüfte kann in seltenen Fällen Brüche oder Risse im Oberschenkel nach sich ziehen. Bei zementfreien Prothesen wie der Kurzschaftprothese ist dieses Risiko leicht erhöht. In diesem Fall kann es sein, dass der Knochen zusätzlich fixiert werden muss. Dies gelingt beispielsweise mit Drahtschlingen, Schrauben oder Metallplatten.

Selten treten während des operativen Eingriffs Muskelverletzungen oder Blutungen auf, die eine Bluttransfusion erforderlich machen. Außerdem kann es zu Entzündungen, Venenthrombosen oder einer Lungenembolie kommen. Patienten erhalten in den Wochen nach der OP gerinnungshemmende Medikamente in Form von Spritzen oder Tabletten, um Thrombosen vorzubeugen. Diese senken das Risiko, eine Thrombose oder Lungenembolie zu erleiden, deutlich.

In den Monaten nach dem Eingriff besteht das unwahrscheinliche Risiko einer Luxation, also dass der Hüftkopf aus der Pfanne springt. Eine Luxation ist schmerzhaft. Meist gelingt es aber, den Hüftkopf unter Kurznarkose, doch ohne Operation wieder einzurenken. In manchen Fällen ist eine weitere Operation erforderlich. Daher empfiehlt es sich, bestimmte Bewegungen in den sechs Wochen nach der OP zu vermeiden und Hilfsmittel für bestimmte Tätigkeiten zu verwenden.

Es besteht die Möglichkeit, dass nach dem Eingriff Verknöcherungen entstehen, die die Beweglichkeit der Prothese einschränken. Damit dieser Fall nicht eintritt, nehmen Patienten für zwei bis drei Wochen entzündungshemmende Schmerzmittel ein. Diese hemmen die Wirkung bestimmter Gewebehormone, die sich sonst förderlich auf die Bildung von Verknöcherungen auswirken würden.

Fazit

Die Kurzschaftprothese ist in Deutschland inzwischen ein Standard für den Ersatz von Hüftgelenken. Sie birgt zahlreiche Vorteile. So kann sie minimal-invasiv durchgeführt werden, wodurch der Hautschnitt kleiner ausfällt und das Gewebe geschont wird. Die Chirurgen nutzen auf dem Weg zum Gelenk natürliche Muskellücken und schonen so die Muskulatur und die Sehnen um die Hüfte. So werden eine schnellere Nachbehandlung und Rehabilitation möglich. Patienten sollten sich aber im Klaren sein, dass es sich um eine umfangreiche Operation handelt, die auch mit Risiken verbunden ist.

Quellen

https://www.gesundheitsinformation.de/gelenkersatz-bei-hueftarthrose.html

https://www.deutschlandfunk.de/hueftprothesen-kurzer-schaft-wenig-reibung.709.de.html?dram:article_id=402364

https://www.dr-gumpert.de/html/kurzschaftprothese.html

https://www.orthopaedicum-frankfurt.de/diagnosen/huefte/hueftarthrose-und-hueftendoprothes

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