Kurzschaftprothese - Medizinische Experten

Künstliche Hüftgelenke werden in Deutschland bereits seit vielen Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Die Anzahl der Kurzschaftprothesen stieg dabei in den letzten Jahren kontinuierlich an und betrug 2018 nahezu 10 Prozent. Bei einer Kurzschaftprothese handelt es sich um eine spezielle Art der Hüftprothese. Hüft-Total-Endo-Prothesen (Hüft-TEP) ersetzen die natürliche Hüftgelenkspfanne sowie den oberen Anteil des Oberschenkelknochens, den sogenannten Schenkelhals. Kurzschaftprothesen haben dabei kürzere Oberschenkelkomponenten, die besonders nahe am Gelenk im Knochen verankert werden und den Knochenverlust minimieren.

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Kurzschaftprothese - Weitere Informationen

Definition: Was ist eine Kurzschaftprothese?

Die Kurzschaftprothese stellt eine besondere Art der Hüftprothese dar, die gemeinsam mit der Kappenprothese zur Kategorie der Hüft-Total-Endo-Prothesen (Hüft-TEP) gehört. Die Besonderheit an der Kurzschaftprothese ist, dass sie zwar die Hüftpfanne im Becken ersetzt, aber meist nur ein kleiner Teil des Schenkelhalses am Oberschenkelknochen entfernt werden muss. Der verbleibende Schenkelhals und der obere Teil des Oberschenkels dienen der Verankerung des kürzeren Prothesenschafts.

Hüftprothese

© bht2000 | AdobeStock

Gründe für die Implantation einer Kurzschaftprothese

Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks kommt bei einer fortgeschrittenen Hüftarthrose (Coxarthrose) in Frage - insbesondere dann, wenn sich die Beschwerden durch eine entsprechende konservative Therapie z.B. mit Physiotherapie und Schmerzmitteln nicht lindern lassen. Das künstliche Gelenk bewirkt bei den meisten Menschen eine deutliche und langfristige Linderung der Schmerzen und steigert die Mobilität und Beweglichkeit.

Ca. 95 Prozent aller Hüftprothesen sind zehn Jahre nach dem operativen Eingriff noch intakt und zwischen 85 und 90 Prozent sind auch nach mehr als 20 Jahren noch im Körper und funktionieren gut. Das bedeutet aber auch, dass besonders junge Patienten, die früh im Leben eine Prothese benötigen, ein höheres Risiko haben, dass diese Prothese irgendwann im Rahmen eines Hüftprothesenwechsels ersetzt werden muss.

Bei diesen jungen Patienten macht es Sinn, bei der ersten Operation zu versuchen, möglichst viel Knochen zu erhalten und eine Kurzschaftprothese zu verwenden, um diese Wechseloperation nach vielen Jahren ohne Probleme durchführen zu können.

Jedoch darf die Knochenqualität für die erfolgreiche Behandlung mit einer Kurzschaftprothese nicht zu gering sein, da die Prothese eine kleinere Verankerungsfläche im Knochen nutz und diese höher belastet.

Weiterhin ist jungen Patienten zu empfehlen, vor der Entscheidung für eine Operation andere, konservative Behandlungen auszuschöpfen. Häufig wirksam sind beispielsweise

  • Bewegungstherapien,
  • das Einnehmen von entzündungshemmenden Schmerzmitteln sowie
  • bei vorliegendem Übergewicht eine Gewichtsreduktion.

Das Verfahren: Wie sieht der Ablauf der OP aus?

Das Einsetzen einer Kurzschaftprothese erfolgt im Rahmen eines operativen Eingriffs und unter Voll- oder Teilnarkose. Die OP dauert rund 45 bis 90 Minuten.

Bei der Kurzschaftprothese ist ein minimal-invasiver Zugang zur Hüfte möglich, der das Gewebe in besonderem Maße schont. Dabei kann der Operateur einen kleineren Hautschnitt verwenden, dieser kann vorne, seitlich oder hinten über dem Hüftgelenk liegen. Es kommt jedoch dabei weniger auf den Hautschnitt an, sondern vielmehr auf die Schonung der hüftgelenkumspannenden Muskeln und Sehnen. Diese Gewebsschonung bringt den Vorteil eines geringeren Blutverlustes. Es kommt postoperativ zu weniger Schmerzen und damit kann eine schnellere Rehabilitation erfolgen.

Anschließend entfernt der Operateur den Hüftkopf und fräst die Hüftgelenkspfanne aus. Nun befestigt er die Prothesenpfanne im Becken und den Prothesenstiel (Hüftschaft) im Oberschenkelknochen, und versieht ihn mit einem künstlichen Kugelkopf. Die Befestigung von Kurzschaftprothesen erfolgt "zementfrei", das heißt, diese werden im oberen noch intakten Oberschenkelknochen zunächst verklemmt. Dort wachsen sie in den Wochen nach der Operation in das Knochengewebe ein, was die Stabilität weiter erhöht.

Vor dem Zunähen der Wunde fertigen die Ärzte ein Röntgenbild an, um den Sitz der Prothese zu kontrollieren. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass die Prothese optimal sitzt und der Eingriff maximale Erfolgschancen hat.

Röntgenbild Hüftprothese

© Prof. Dr. med. Rudi G. Bitsch

Verhalten nach der OP: Was müssen Patienten in Sachen Nachsorge beachten?

In der Regel ist die volle Belastung des operierten Gelenks sofort nach dem Einsatz der Kurzschaftprothese möglich. In den ersten Tagen nach der Operation erfolgt der Start des krankengymnastischen Übungsprogramms des Hüftgelenks. Der Krankenhausaufenthalt der Betroffenen dauert etwa fünf bis acht Tage.

Die Behandlungsziele nach der OP sind das selbstständige Aufstehen und Gehen des Patienten sowie die Steigerung der Beweglichkeit und das Gehen und Steigen von Treppen. Dabei kommen meist Unterarmgehstöcke zum Einsatz.

Komplikationen, Risiken, Prognose: Was sind häufige Behandlungsrisiken?

Jeder operative Eingriff im Rahmen eines Hüftgelenkersatzes hat allgemeine Operationsrisiken, dazu trägt beispielsweise auch die Narkose bei.

Der Einsatz einer künstlichen Hüfte kann in seltenen Fällen Brüche oder Risse im Oberschenkel nach sich ziehen. Bei zementfreien Prothesen wie der Kurzschaftprothese ist dieses Risiko leicht erhöht. In diesem Fall kann es sein, dass der Knochen zusätzlich stabilisiert werden muss und man eine andere Prothesenform verwenden muss. Die Stabilisierung gelingt beispielsweise mit Drahtschlingen, Schrauben oder Metallplatten.

Selten treten während des operativen Eingriffs Muskelverletzungen oder Blutungen auf, die eine Bluttransfusion erforderlich machen.

Außerdem kann es zu Entzündungen, Thrombosen oder Lungenembolien kommen. Patienten erhalten während der Operation ein Antibiotikum gegen die Entzündungen und in den Wochen nach der OP gerinnungshemmende Medikamente in Form von Spritzen oder Tabletten, um Thrombosen vorzubeugen. 

Es besteht die seltene Möglichkeit, dass nach dem Eingriff Verknöcherungen um das künstliche Gelenk herum entstehen, die die Beweglichkeit der Prothese einschränken. Damit dieser Fall nicht eintritt, nehmen Patienten für ca. zwei Wochen entzündungshemmende Schmerzmittel ein, die auch gegen Verknöcherungen wirken.

Weiterhin besteht in den ersten Wochen nach dem Eingriff das unwahrscheinliche Risiko einer Luxation, also dass der Hüftkopf aus der Pfanne springt. Eine Luxation ist schmerzhaft. Meist gelingt es aber, den Hüftkopf ohne weitere Operation wieder einzurenken. In manchen Fällen ist jedoch eine weitere Operation erforderlich. Daher empfiehlt es sich, bestimmte Bewegungen in den ersten sechs Wochen nach der OP zu vermeiden und Hilfsmittel für bestimmte Tätigkeiten zu verwenden. Dies wird im Rahmen der stationären Nachbehandlung erklärt, geübt und entsprechend für Sie organisiert.

Fazit

Die Kurzschaftprothese ist in Deutschland inzwischen ein fester Bestandteil beim Ersatz von Hüftgelenken junger Patienten mit guter Knochenqualität. Sie hat zahlreiche Vorteile bei beherrschbarem Risiko. So kann eine Kurzschaftprothese minimal-invasiv implantiert werden, wodurch das Gewebe und die Muskulatur geschont wird und natürliche Muskellücken dazu dienen, das Gelenk zu erreichen. Die Nachbehandlung und Rehabilitation ist schneller und problemloser möglich und die Risiken der Hüftoperation können damit reduziert werden.

Quellen

https://dr-bitsch.de/hueft-tep/

https://www.gesundheitsinformation.de/gelenkersatz-bei-hueftarthrose.html

https://www.deutschlandfunk.de/hueftprothesen-kurzer-schaft-wenig-reibung.709.de.html?dram:article_id=402364

https://www.dr-gumpert.de/html/kurzschaftprothese.html

https://www.orthopaedicum-frankfurt.de/diagnosen/huefte/hueftarthrose-und-hueftendoprothese

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