Für viele Paare mit bisher unerfülltem Kinderwunsch bedeutet eine Kinderwunschbehandlung, dem erhofften Familienglück näher zu kommen. Die Methode der Kryokonservierung spielt dabei in der modernen Reproduktionsmedizin eine wichtige Rolle und meint die Lagermethode von Körperzellen.

Eizellen oder Samenzellen werden durch das Einfrieren in flüssigem Stickstoff haltbar gemacht und stehen so für eine künstliche Befruchtung zur Verfügung. Dies kann sinnvoll sein, wenn eine baldige Unfruchtbarkeit droht, beispielsweise im Zuge einer Krebsbehandlung, ungünstiger Lebensumstände oder mit dem Einsetzen der Wechseljahre (Klimakterium). Informieren Sie sich über die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten und Verfahren der Kryokonservierung weiter unten.

Übersicht

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Kryokonservierung - Weitere Informationen

Körperzellen, oder auch somatische Zellen, können eingefroren werden und durch die Lagerung in flüssigem Stickstoff mehrere Jahre haltbar gemacht werden. Bei den extrem tiefen Temperaturen werden in der Zelle alle biologischen Aktivitäten, einschließlich des programmierten Zelltods und der DNA-Degeneration gestoppt, sodass ihre Konstitution (Zellverfassung) unverändert bleibt. Werden die eingefrorenen Eizellen oder Spermien später wieder aufgetaut, sind sie im Optimalfall so vital wie zuvor.

Das Problem, welches es bei der Kryokonservierung zu überwinden gilt, ist die Bildung von Eiskristallen während des Einfrierprozesses, die zu Zellschäden und zum Zelltod führen können. Aus diesem Grund werden kryoprotektive Lösungen eingesetzt, um die Gefahr der Formation von Eiskristallen zu minimieren.

Ein weiterer Schritt war in diesem Kontext die Einführung der Vitrifikation als Alternative zum „langsamen Einfrieren“. Hier wird den Zellen durch die Kombination von sehr hohen Konzentrationen an Kryoprotektiva und sehr hohen Abkühlraten Flüssigkeit entzogen (dehydriert) und so in einen amorphen (=glasähnlichen) Zustand überführt, sodass die Bildung von Eiskristallen vollständig vermieden werden soll.

Kryokonservierung Samenbank
Per Kryokonservierung eingefrorene Samen- und Eizellen © sola_sola / Fotolia

Unfruchtbarkeit - Vorsorge mit Kryokonservierung

Für das Eintreten einer Schwangerschaft ist es notwendig, dass sowohl der männliche Samen als auch die weibliche Eizelle befruchtungsfähig sind. Wenn eine der beiden Keimzellen nicht funktionsfähig ist, misslingt die Verschmelzung, sodass kein Embryo entstehen kann. Wenn Unfruchtbarkeit droht oder abzusehen ist, bietet sich die Kryokonservierung an, um befruchtungsfähige Ei- oder Samenzellen zu erhalten. Leistungsfähige Ei- oder Samenzellen werden aus verschiedenen Gründen benötigt:

Bei Frauen

  • setzt Unfruchtbarkeit natürlicherweise im Klimakterium (Wechseljahre) ein. Die Perimenopause, die Phase kurz vor dem Ausbleiben der Menstruation wird durchschnittlich mit 47,5 Jahren erreicht.
  • spielen persönliche Entscheidungen, wie Karriereplanung und Verhütung, oder auch Stress eine Rolle bei der individuellen Familienplanung. Die erste Schwangerschaft wird demnach für viele Frauen erst in immer späteren Lebensabschnitten realisiert. Die Anzahl und die Befruchtungsfähigkeit der Eizellen nehmen ab dem ca. 35. Lebensjahr stetig ab.
    Um später befruchtungsfähige Eizellen sicher verfügbar zu haben, können sich Frauen Eizellen entnehmen und einlagern lassen (Social Freezing).

Bei Männern

  • kann die eigentlich bis ins hohe Alter bestehende Zeugungsfähigkeit durch verschiedene Faktoren eingeschränkt werden.Verfrühte Unfruchtbarkeit tritt zum Beispiel durch erhöhten Alkohol- oder Nikotinkonsum sowie durch eine starke Verengung der Samenleiter auf.
  • Krebserkrankungen, zum Beispiel Hodenkrebs, werden mit einer Entfernung des erkrankten Hoden behandelt. Zudem kommen bei zahlreichen Krebserkrankungen bestimmte Chemotherapeutika zum Einsatz, die zu einer Zeugungsunfähigkeit führen können.

Verfahren bei der Kryokonservierung

Bei der Kryokonservierung können männliche oder weibliche Keimzellen oder bereits befruchtete Eizellen eingefroren werden. Inzwischen ist es ebenfalls gelungen, fruchtbares Ovarialgewebe zu entnehmen und später zu reimplantieren, um die Fertilität (Fruchtbarkeit) nach einer keimzellschädigenden Therapie (z.B. Chemotherapie) zu reaktivieren.

Bei der Kryokonservierung können sowohl Keimzellen (Spermien und unbefruchtete Eizellen) als auch bereits mit einem Spermium befruchtete Eizellen eingefroren werden.

In einem späteren sogenannten „Kryo-Zyklus“ können die kryokonservierten Zellen dann aufgetaut und für eine künstliche Befruchtung verwendet werden. Hierbei werden befruchtete Eizellen bis zu einem Embryonenstadium weiterkultiviert und der Frau in die Gebärmutter implantiert (Embryotransfer). Wurden hingegen Keimzellen (unbefruchtet) kryokonserviert, so müssen die Eizellen zunächst in einem IVF- oder ICSI-Verfahren mit den Spermien befruchtet werden.

Während die Kryokonservierung männlicher Spermien relativ simpel ist, birgt die Konservierung von weiblichen Eizellen aufgrund ihres Wassergehalts einige Schwierigkeiten. Die Schwangerschaftsraten nach der Befruchtung kryokonservierter unbefruchteter Eizellen sind zwar geringer als bei der Verwendung von frisch durch eine Follikelpunktion entnommene Eizellen, jedoch sind die Ergebnisse durch die Anwendung des Vitrifikations-Verfahrens in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Eine Schwangerschaft mit Kryokonservierung

Bei der Kryokonservierung von Keimzellen und befruchteten Eizellen ist die Forschung weit fortgeschritten. In Deutschland gibt es viele Zentren und Kliniken, die eine Kryoprozedur anbieten und gute Erfolge versprechen. Des Weiteren sind bislang keine schwerwiegenden Beeinträchtigungen von Kindern bekannt, die nach einer Kryokonservierung geboren wurden. Die Methode hilft Paaren in der Frühphase der Familienplanung und ermöglicht zeitliche Flexibilität. Eine Keimzellenlagerung durch Kryokonservierung wird nicht von den Krankenkassen übernommen und muss daher selbst finanziert werden.

Gesetzliche Bestimmungen in Deutschland

Die Kryokonservierung von Keimzellen und befruchteten Eizellen ist in Deutschland legal. Sollen Keimzellen aufgetaut und für eine künstliche Befruchtung verwendet werden, so muss eine schriftliche Einverständniserklärung jener Person vorliegen, deren Spermien oder Eizellen kryokonserviert wurde. Sind hingegen befruchtete Eizellen kryokonserviert worden, so muss die schriftliche Einverständniserklärung sowohl der Frau, deren Eizellen entnommen wurden als auch des Mannes, dessen Spermien zur Befruchtung der Eizellen verwendet wurden, vorliegen.

Die Kryokonservierung von Embryonen unterliegt grundsätzlich einem Verbot. Nur in den Fällen, in denen ein frischer Transfer nicht möglich ist (z.B. aus medizinischen Gründen) dürfen die Embryonen eingefroren werden.

Zuletzt aktualisiert am 16.08.2019