Kinderunfallchirurgie - Spezialisten und Informationen

Ihr Kind befindet sich noch im Wachstum und hat aus diesem Grund vielfach einen anderen Bedarf an eine unfallchirurgische Versorgung als ein erwachsener Patient mit einer vergleichbaren Diagnose. Es bedarf einer großen Erfahrung, um die Art und das Ausmaß einer therapeutischen Intervention bei Kindern und ihren unfallbedingten Erkrankungen und Verletzungen zu beurteilen. Eine kindgerechte Vorgehensweise ist hier ebenso entscheidend wie eine ausführliche Expertise rund um die Besonderheiten der Skelettentwicklung von Kindern.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zum Behandlungsspektrum, den diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten sowie Spezialisten für Kinderunfallchirurgie.

Empfohlene Spezialisten für Kinderunfallchirurgie

Artikelübersicht

Kinderunfallchirurgie - Weitere Informationen

Definition: Was ist Kinderunfallchirurgie?

Die Kinderunfallchirurgie (Kindertraumatologie) gehört zum Fachbereich der Kinderchirurgie und der Unfallchirurgie. Es besteht darüber hinaus eine enge Verbindung mit der Pädiatrie (Kinderheilkunde). Der Bereich befasst sich mit dem großen Spektrum von Verletzungen und Unfällen, die Kindern im Kindesalter widerfahren sowie den daraus resultierenden Folgen.

Die Möglichkeiten der Behandlung sind bei Ihrem Kind häufig anders konzipiert als bei einem erwachsenen Patienten. Der primäre Grund hierfür sind die im Knochen befindlichen Wachstumszonen, die gerade auch in orthopädischer Hinsicht eine andere Herangehensweise erfordern im Vergleich zum ausgewachsenen Menschen. Auch die Verletzungstypen unterscheiden sich und benötigen entsprechend ein eigenes Behandlungskonzept.

Behandlungsspektrum der Kinderunfallchirurgie

Für die Heilungs- und Genesungsphasen Ihres Kindes ist es wesentlich, die Relevanz eines wachsenden Skeletts im Blick zu haben. Bei einem Knochenbruch im Kindesalter beispielsweise spielen die sogenannten Wachstumsfugen der Knochen eine entscheidende Rolle. Sie sind sowohl in der Lage, bei einer Behandlung als Korrektiv zu wirken als auch die Versorgung deutlich zu erschweren. In jedem Fall sind der Behandlungsbedarf und der therapeutische Ansatz aus diesen Gründen vielfach andere als bei Erwachsen.

Grundsätzlich umfasst das Behandlungsspektrum der Kinderunfallchirurgie die gleichen körperlichen Regionen, die auch beim Erwachsenen im Falle eines Unfalls betroffen sind. Bei der Behandlung stehen möglichst kurzzeitige Funktionseinschränkungen im Vordergrund, um eine dem Kind zuträgliche zeitnahe Mobilisation zu gewährleisten.

Das Spektrum der Kindertraumatologie umfasst dabei unter anderem die folgenden Bereiche:

  • Skelettverletzungen der oberen Extremität (Arme, Hände, Schultergürtel)
  • Skelettverletzungen der unteren Extremität (Beine)
  • Verletzungen der Wirbelsäule
  • Verletzungen der Haut (Brandwunden)
  • Verletzung mehrerer Regionen und/oder Organsysteme (Polytrauma)

Untersuchungsmethoden und Diagnosestellung

Kinder, die nach einem Unfall kindertraumatologisch betreut werden, benötigen häufig eine Röntgenuntersuchung, um Klarheit über eventuell vorhandene Frakturen (Brüche) an den Knochen zu gewinnen. Hierzu setzt der behandelnde Arzt bei Ihrem Kind in der Regel ein Röntgenverfahren mit einer deutlich geringeren Strahlendosis ein als dies bei einem erwachsenen Menschen möglich und zulässig ist. Die medizinischen Richtlinien haben dabei den besonderen Schutz Ihres Kindes im Fokus.

Zu den häufigsten Diagnosen in der Kinderunfallchirurgie zählen die sogenannten distalen Radiusfrakturen. Dabei handelt es sich um handgelenksnahe Speichenbrüche, die häufig konservativ (ohne Operation) behandelt werden. Eine ebenfalls sehr häufige Diagnose bei Kindern ist die Schaftfraktur. Bei diesem Bruch insbesondere des Unterarms und des Unterschenkels ist meist eine Stabilisierung mit speziellen Nägeln erforderlich.

Hat Ihr Kind bei einem Unfall eine Mehrfachverletzung beziehungsweise ein Polytrauma erlitten, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Kinderintensivmedizin Bestandteil der Untersuchungen.

Behandlungsmethoden in der Kinderunfallchirurgie

Die Behandlung Ihres Kindes orientiert sich an der erlittenen Verletzung. Bei einem Knochenbruch hat der behandelnde Arzt häufig die Möglichkeit auf eine Operation zu verzichten, weil das noch wachsende kindliche Skelett oftmals in der Lage ist, eine Knochenfehlstellung selbstständig zu korrigieren. Ist hingegen eine operative Bruchversorgung erforderlich, nutzt Ihr Arzt speziell für den kindlichen Knochen entwickelte Materialien. Dazu gehören etwa spezielle Nägel, Drähte und Schrauben zur Fixierung.

Kinder mit schwersten Verletzungen, beispielsweise Verbrennungen der Haut, werden mit einem speziellen Wundmanagement behandelt. Es ist möglich, dass die Kinder für einige Zeit stationär in einer sogenannten Verbrennungseinheit aufgenommen werden. Manche Kliniken bieten hier eine eigene therapeutische Abteilung für Kinder, um eine besonders kindgerechte Versorgung zu gewährleisten.

Grundsätzlich sind die Behandlungen von akuten Verletzungen bei Kindern immer abhängig vom Stadium der jeweiligen körperlichen Entwicklung. Im Idealfall besteht bei Unfällen, die stationär behandelt werden, die Möglichkeit zur Unterbringung auf einer Kinderstation. Hier ist nicht nur eine umfassende Erfahrung im Umgang mit der kindlichen Anatomie gegeben, sondern auch mit den besonderen psychischen Bedürfnissen, gerade auch in der akuten Phase einer erlittenen Verletzung.

Wenn Ihr Kind nach einem Unfall stationär zur Behandlung im Krankenhaus aufgenommen wird, steht in jedem Fall die Zusammenarbeit mit den Eltern als zentraler Bestandteil des Heilungsprozesses im Fokus. Dazu zählt nicht allein die Möglichkeit der Übernachtung beim Kind, sondern auch die Einbindung in alle Fragestellungen, die den Genesungsprozess Ihres Kindes betreffen. Der behandelnde Arzt informiert Sie hierbei zu den Möglichkeiten für Ihr Kind und Sie selbst.

Spezialisten für Kinderunfallchirurgie

Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine eigene Facharztausbildung für Kindertraumatologie (Kinderunfallchirurgie).

Die Experten für die Kinderunfallchirurgie kommen aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Sie sind:

Es gibt keine übergeordnete Weiterbildungsordnung, die sich ausschließlich mit der Kinderunfallchirurgie befasst. Die Grundlagen hierzu sind jeweils integriert in die fachärztlichen Weiterbildungsfächer Unfallchirurgie und Kinderchirurgie.

Zahlreiche größere Kliniken, vor allem Universitätskliniken, unterhalten eigene Abteilungen für Kindertraumatologie. Gleiches gilt für chirurgische Praxen mit einer kindertraumatologischen Spezialisierung.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Experten, die im Bereich der Kinderunfallchirurgie arbeiten, umfasst auch Fachärzte für Pädiatrie (Kinderärzte) und Fachärzte für Anästhesie (Narkoseärzte). Weitere Fachrichtungen kommen in Abhängigkeit von der jeweiligen Verletzung im Bedarfsfall hinzu. Der behandelnde Arzt Ihres Kindes informiert Sie über die einzelnen Schritte und Möglichkeiten, um Ihrem Kind die bestmögliche Versorgung zu bieten.

Fazit

Unfälle im Kindesalter bedürfen der besonderen Umsicht bei der Behandlung. Kinder sind hier nicht als „kleine Erwachsene“ zu betrachten, sondern haben spezifische Bedürfnisse, die sich an ihrem im Wachstum befindlichen Skelett orientieren. Das Ziel einer Behandlung ist dabei immer eine kindgerechte Versorgung, die keine Störungen der Wachstumsphase bedeuten, sondern Ihrem Kind eine optimale Genesung und Lebensqualität ermöglichen.

Quellen

https://www.dgkch.de/menu-kinderchirurgie-in-deutschland/spektrum-der-kinderchirurgie/157-kinderunfallchirurgie
https://kinderchirurgie.charite.de/
https://www.medpertise.de/op-ratgeber/operation/kinderchirurgie/
https://www.unfallchirurgie.uk-erlangen.de/ueber-uns/leistungsspektrum-alt/kinder/
https://www.kinderchirurgie-in-der-au.de/kindertraumatologie/
https://www.strahlenschutz.org/web/images/leitlinien/Qualittskriterien_fr_Rntgenaufnahmen_bei_Kindern_2010.pdf
https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/gifhorn/unser-angebot/unsere-fachbereiche/orthopaedie-und-unfallchirurgie/kindertraumatologie/
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