Die Kinderhandchirurgie stellt ganz andere Anforderungen an den Mediziner als die Handchirurgie für Erwachsene – nicht zuletzt, weil Kinderhände noch wachsen. Bei welchen Erkrankungen ein handchirurgischer Eingriff infrage kommt, welche Operationsverfahren heute üblich sind und warum Eltern mit ihren Kindern immer einen Experten für Kinderhandchirurgie aufsuchen sollten, erfahren Sie hier.

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Handchirurgie bei Kindern - Weitere Informationen

Was zeichnet die Handchirurgie bei Kindern aus?

Handchirurgen sind mit der Aufbau der Hand sowie mit ihren Besonderheiten bestens vertraut. Dies ist ausgesprochen wichtig, denn die menschliche Hand ist ausgesprochen komplex und nicht nur von Knochen, sondern auch von Muskeln, Sehnen und Nerven durchzogen. Kommt es beim Kind zu Problemen mit der Hand, etwa aufgrund einer Erkrankung, Fehlbildung oder Verletzung, ist besonderes Know-how gefragt, damit die Hand auch nach einem operativen Eingriff uneingeschränkt wachsen kann und voll funktionsfähig bleibt.

Für handchirurgische Eingriffe bei Kindern sind vorrangig Ärzte der folgenden Fachgebiete zuständig:

  • Chirurgie
  • Orthopädie
  • Unfallchirurgie
  • Traumatologie
  • Kinderorthopädie

Da sehr viele Nervenbahnen durch die Hand verlaufen, wird oftmals zusätzlich ein Neurologe hinzugezogen.

Wann kommt die Handchirurgie bei Kindern zum Einsatz?

Zeigt die konservative Behandlung bei Erkrankungen der Kinderhand nicht den gewünschten Erfolg, ziehen Ärzte einen operativen Eingriff in Betracht. Dies gilt bei zahlreichen Erkrankungen, etwa beim Ganglion (Überbein), welches mit einer halbkugelartigen Schwellung auf der Streck- oder Beugeseite des Handgelenks im Daumenbereich einhergeht. Es handelt sich hierbei um eine harmlose Ausbuchtung der Gelenkkapsel, die mit gallertartigem Sekret gefüllt ist. Empfindet das Kind das Überbein als störend oder ist es über einen längeren Zeitraum schmerzhaft, wird es operativ entfernt.

Ein weiteres Einsatzgebiet der Handchirurgie bei Kindern sind angeborene Fehlbildungen der Finger oder der Hand selbst. Am weitesten verbreitet sind zusammengewachsene Finger (Syndaktylie) und überzählige Finger (Polydaktylie) – insgesamt treten Fehlbildungen an der Hand jedoch nur bei einer von 2.500 Geburten auf, oftmals in Kombination mit weiteren Fehlbildungen. Der Facharzt nimmt in diesem Fall eine Korrekturoperation vor, damit die Hand ungehindert wachsen kann und optimal funktioniert. Weitere Situationen, in denen die Handchirurgie bei Kindern zum Einsatz kommt, hier im Überblick:

  • komplizierte Frakturen
  • Verletzungen mit Beteiligung der Sehnen, Muskeln oder Nerven
  • Infektionen, die sich durch Antibiotika nicht therapieren lassen

Die häufigste handchirurgische Erkrankung sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen ist die Tendovaginitis, auch unter den Bezeichnungen ‚Schnellender Finger‘ oder ‚Fixierter Finger‘ bekannt. Es handelt sich hierbei um eine Blockierung des normalen Gleitvermögens der Beugesehnen in der Hand. Der Finger lässt sich zunächst nicht strecken (er ist ‚fixiert‘), ‚schnellt‘ dann jedoch ruckartig hervor. Greifen konservative Maßnahmen wie Schonung, Massagen und das Spritzen von Kortison nicht, erfolgt meist eine ambulante OP in örtlicher Betäubung.

Operationsverfahren: Welche Methoden bieten Spezialisten für Handchirurgie bei Kindern an?

Handchirurgische Eingriffe bei Erwachsenen erfolgen in der Regel unter örtlicher Betäubung. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Vollnarkose jedoch unumgänglich, um sicherzustellen, dass das Kind die Hand während der OP nicht bewegt. Ob die Vollnarkose auch bei älteren Kindern notwendig ist, entscheidet der behandelnde Arzt in enger Absprache mit den Eltern.

Hand-OPs erfolgen meist minimalinvasiv – das heißt, es ist nur ein sehr kleiner Schnitt erforderlich. Es verbleibt somit nur eine kleine Narbe, was ebenfalls von Vorteil für das Kind ist.

Welches OP-Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von Art und Ausprägung der Erkrankung ab. Bei Fehlbildungen wie zusammengewachsenen oder überzähligen Fingern wird die Haut zwischen den Fingern durchtrennt beziehungsweise der überzählige Finger amputiert.

Leidet das Kind unter einem Ganglion und wurden alle konservativen Behandlungsmaßnahmen ausgeschöpft, entfernt der Chirurg im Zuge einer OP das veränderte Gewebe. Dieser Eingriff ist zwar recht klein und für den Patienten wenig belastend – damit die Gelenkkapsel, die Bänder zwischen den Handwurzelknochen und die Strecksehnen während der Operation nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, sollte sie jedoch unbedingt von einem erfahrenen Handchirurgen für Kinder durchgeführt werden. Nach der OP wird das Gelenk für einige Zeit ruhiggestellt. Danach kann die Beweglichkeit der Hand noch für einige Wochen eingeschränkt sein. Dank modernster Verfahren lassen durch eine Ganglion-OP gute Erfolge erzielen – leider treten in rund 20 Prozent der Fälle erneut Ganglien auf, und zwar entweder an gleicher Stelle oder in unmittelbarer Nähe des alten Überbeins.

Kinder, bei denen eine Tendovaginitis diagnostiziert wurde, können sich ebenfalls einem handchirurgischen Eingriff unterziehen. Es handelt sich um eine kleine, ambulant durchgeführte OP, die – falls es das Alter des Kindes zulässt – unter örtlicher Betäubung stattfindet. Im Zuge der OP spaltet der Chirurg das Ringband und entfernt verändertes Gewebe, um die Bewegungseinschränkung zu beheben.

Nach der OP: Komplikationen und Nachsorge

Jeder operative Eingriff birgt das Risiko für Komplikationen, so auch handchirurgische Eingriffe bei Kindern. Nach der OP kann es zu Wundheilungsstörungen und/oder Infektionen kommen, die den Heilungsprozess verzögern. Des Weiteren kann es zum Problem werden, dass Kinder gerne spielen und toben – die Gefahr, dass es beispielsweise durch einen Sturz zum Aufreißen der OP-Wunde kommt, ist also höher als bei Erwachsenen. Ein längerer Krankenhausaufenthalt ist nach einer Hand-OP bei Kindern in der Regel nicht erforderlich, denn die meisten Eingriffe erfolgen ambulant. Die Eltern können ihr Kind also normalerweise noch am gleichen Tag, spätestens am nächsten Tag mit nach Hause nehmen.

Die Nachsorge besteht aus regelmäßigen Kontrollterminen, bei denen der Arzt überprüft, ob die OP-Wunde wie erwartet verheilt. Je nach Art des Eingriffs führt er zusätzlich diverse Bewegungstests durch, um sicherzustellen, dass die Beweglichkeit der Hand durch die OP nicht beeinträchtigt wurde. Unter Umständen verordnet er physiotherapeutische Maßnahmen, damit die Kinderhand schnell wieder voll funktionsfähig ist.

Handchirurgie bei Kindern: ein Fall für den Experten

Ob Fehlbildung, Verletzung oder Erkrankung: Leidet ein Kind unter Problemen mit der Hand oder mit den Fingern, ist ein Spezialist für Handchirurgie bei Kindern der beste Ansprechpartner. Der Handspezialist hat sich im Zuge einer Zusatzausbildung umfassend mit dem komplexen Aufbau der Hand vertraut gemacht und weiß auch über die Erfordernisse der Handchirurgie bei Kinderhänden bestens Bescheid.