Ganzkörperbestrahlung - Spezialisten und Informationen

Die sogenannte Ganzkörperbestrahlung ist ein wichtiges Verfahren, das im Rahmen der Therapie von Lymphomen und Leukämien zum Einsatz kommt. In diesem Beitrag erfahren Sie die wichtigsten Einzelheiten zu Zielsetzung, Ablauf, potentiellen Risiken und Erfolgsaussichten dieser Behandlungsmethode. Zur Sprache kommt dabei auch die sogenannte Hochdosis-Chemotherapie als parallele therapeutische Maßnahme sowie die sich anschließende Stammzellentransplantation. Finden Sie hier außerdem ausgewählte Spezialisten für eine Ganzkörperbestrahlung.

Empfohlene Spezialisten für Ganzkörperbestrahlung

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Ganzkörperbestrahlung - Weitere Informationen

Ganzkörperbestrahlung: Begriffsklärung

Das hier zur Diskussion stehende Verfahren wird dem medizinischen Fachbereich der Onkologie zugeordnet. Dieser beschäftigt sich primär mit Krebserkrankungen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf bösartigen Tumoren. Spezialisten auf diesem Gebiet werden als Onkologen bezeichnet. Im Falle einer Krebserkrankung entscheiden sie über die auf den individuellen Fall abgestimmte optimale Therapieform, allen voran die Chemo- und/oder Strahlentherapie.

Die Ganzkörperbestrahlung gilt hier als besonders radikale Therapieform, die in Kombination mit einer Hochdosis-Chemotherapie durchgeführt wird. Sie bildet die Grundlage für den Erfolg der sich anschließenden Stammzellentransplantation.

Auf den Punkt gebracht dient die Bestrahlung des gesamten Körpers der vollständigen Zerstörung von bösartigen Zellen, allen voran der Lymphom- und Leukämiezellen sowie der Knochenmarkzellen. Irreversible Schäden erleidet außerdem das Immunsystem der Betroffenen. Dieses Verfahren soll sicherstellen, dass die nun folgende Transplantation von Knochenmark oder Stammzellen fremder Spender optimal verläuft und diese vom Körper angenommen werden.

Mediziner bezeichnen diese Phase der Vernichtung des körpereigenen Knochenmarks sowie der Auslöschung des Abwehrsystems auch als “Konditionierung”.

Ziel der Ganzkörperbestrahlung

Einige wichtige Punkte zur Zielsetzung einer Strahlenbehandlung des gesamten Körpers wurden bereits angesprochen. Bei Leukämie- und Lymphom-Patienten dient diese in erster Linie als Vorbereitung für die folgende Stammzellentransplantation.

Erfolgreich verläuft sie nur, wenn sich die gesunden Spenderzellen nach dem Eingriff problemlos im Knochenmark des Patienten einnisten können, von den Blutzellen des Empfängers angenommen werden und ihrer reibungslosen Vermehrung folglich nichts im Wege steht.

Erreicht wird dies mittels der bereits beschriebenen Konditionierung, die entweder Hochdosis-Chemotherapie und Ganzkörperbehandlung kombiniert oder lediglich auf eines der beiden Verfahren zurückgreift.

Ein kurzer Hinweis bezüglich des chemotherapeutischen Teils der Behandlung am Rande: Dieser fußt auf der Vergabe von hohen Dosen an Zytostatika, sprich Medikamenten, die der Vernichtung von Körperzellen dienen.

Zusammengefasst zielt diese Vorbehandlung neben den bereits aufgeführten Aspekten wie Auslöschung der eigenen Blutbildung und Unterdrückung des Immunsystems darauf ab, die vorhandenen Krebszellen abzutöten.

Ob sich der Arzt in der Konditionierungsphase für eine einzige Maßnahme oder eine Kombination aus beiden entscheidet, hängt maßgeblich von Art und Schwere der Erkrankung ab. Verläuft diese Vorbehandlung erfolgreich, so bestehen gute Chancen, dass die im Anschluss transplantierten Spenderzellen komplikationsfrei anwachsen und von nun an für die Immunabwehr und die Blutbildung zuständig sind.

Ablauf einer Ganzkörperbestrahlung

Das Verfahren der Ganzkörperbestrahlung erfolgt in auf mehrere Tage verteilten Einzelsitzungen. Dabei wird der gesamte Körper energiereicher Strahlung ausgesetzt. Um empfindliche Organe zu schützen, bieten sich dem behandelnden Arzt mehrere Möglichkeiten. Besonders häufig Verwendung finden unter anderem Bleiblöcke, die die Kraft der Strahlen ein wenig abdämpfen, so dass die abgedeckte Region einer geringeren Dosis ausgesetzt ist als der restliche Teil des Körpers.

Je nach Krankheitsbild kann die Behandlung von Fall zu Fall leicht abweichen. So können bei Bedarf neben einer Ganzkörperbestrahlung einzelne Regionen extra bestrahlt werden. Handelt es sich um Tumorerkrankungen, die sich nachweislich auf eine Körperpartie beschränken, so genügt häufig die ausschließliche Bestrahlung dieses Bereiches.

Die Bestrahlung erfolgt in der Regel gemäß der sogenannten “Berliner-Stuhl-Technik” im Sitzen.

Ein möglicher Ablauf ist die Behandlung an drei Tagen mit täglich jeweils zwei Bestrahlungen. Die Gesamtdosis bewegt sich zwischen 4 und 12 Gray (Gy). Die Einzeldosis liegt zumeist bei 2 Gray.

Bei der folgenden Transplantation unterscheidet man zwischen einer allogenen und einer autologen Transplantation. Letztere beschreibt die Übertragung eigener Stammzellen. Bei einer allogenen Transplantation hingegen werden fremde Stammzellen genutzt.

Gemäß der Komplexität des Eingriffs sowie der unmittelbaren Verbindung zu folgenden Behandlungen ist die enge Zusammenarbeit vieler Spezialisten gefragt. Dazu zählen neben Onkologen und Tumorimmunologen auch Fachärzte, die in der Knochenmarkstransplantation erfahren sind.

Chemotherapie & Ganzkörperbestrahlung: Risiken, Nebenwirkungen & supportive Therapien

Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit, Unfruchtbarkeit, Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schädigung der Schleimhäute von Mund und Rachen sowie ein Mangel an Blutplättchen und roten und weißen Blutzellen infolge einer geschädigten Blutbildung: So lauten auf den Punkt gebracht häufig auftretende Nebenwirkungen der Strahlen- und Chemotherapie.

Eine Belastung, wenn nicht dauerhafte Schädigung von Organen wie Herz, Nieren und Leber ist ebenfalls denkbar, kommt jedoch seltener vor.

Darüber hinaus sind gerade bei Kindern allergische Reaktionen keine Seltenheit.

Allerdings gibt es bereits eine Vielfalt an Maßnahmen, die die genannten Symptome lindern oder ganz verhindern. Zusammengefasst werden diese im Allgemeinen unter dem Begriff “Supportivtherapie”.

Schmerzmittel sowie Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen, Antibiotika gegen Infektionen und Blutkonserven gegen ein Defizit an Blutblättchen und roten Blutzellen sind nur einige der präventiven und therapeutischen Schritte, die gegen die unangenehmen Begleiterscheinungen von Chemo- und Strahlentherapie eingesetzt werden.

Um den unvermeidbaren Haarausfall zu kaschieren, bieten sich Tücher, Kappen und Mützen an. Zumeist handelt es sich hier auch nur um ein vorübergehendes Phänomen, das sich nach Beendigung der Therapie wieder gibt.

Betroffenen ist zu empfehlen, Fragen zu weiteren potentiellen Folgen wie einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit im Vorfeld anzusprechen, um im Idealfall Schlimmeres zu verhindern.

Nachsorge, Behandlungschancen & mehr: Fazit & Ausblick

Abschließend ist hier festzuhalten, dass viele der aufgeführten Nebenwirkungen und Komplikationen nicht bzw. in nur milder Form auftreten, wenn die Patienten den ärztlichen Ratschlägen folgen. Dies schließt auch eine angemessene Nachsorge ein.

Zu bedenken ist außerdem, dass die Ganzkörperbestrahlung nur einen Teil eines sehr komplexen Verfahrens ausmacht, das in der Regel gemeinsam mit der sich anschließenden Stammzellentransplantation stationär erfolgt. Entsprechend profitieren die Betroffenen weiterhin von einer fachkundigen Pflege, kontinuierlicher ärztlicher Betreuung und rascher Hilfe im Falle von Komplikationen.

Die letztendlichen Heilungschancen sind individuell unterschiedlich und hängen von einer Vielzahl an Faktoren ab. Neben einer optimalen Konditionierung als Wegbereiter für eine erfolgreiche Transplantation sprich Annahme der Spenderzellen durch den Körper spielen beispielsweise auch Art und Stadium der Erkrankung eine wichtige Rolle. Suchen Sie bei Fragen und Unsicherheiten generell ärztlichen Rat, so dass Sie sich über die einzelnen Eingriffe sowie ihre Risiken und Chancen im Klaren sind.

Quellen

Sauer, R: Strahlentherapie und Onkologie, Urban & Fischer 2009 (5. Auflage).

Wannenmacher, M. u.a. (Hrsg.): Strahlentherapie, Springer Berlin 2013 (2. Auflage).

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