Bruxismus - Medizinische Experten

Beim Bruxismus, umgangssprachlich wohl eher als Zähneknirschen bekannt, werden die Zähne kontinuierlich unbewusst aneinander gerieben oder gepresst. Hierdurch entstehen unwillkürlich Schäden an der Zahnsubstanz. Vom Zähneknirschen können Menschen jeder Altersklasse betroffen sein. Die Ursachen für das ständige Knirschen ist häufig eine starke psychische Anspannung des Menschen, weshalb das Knirschen typischerweise nur nachts auftritt, wenn der Körper die Anspannung des Tages in der Entspannungsphase verarbeitet. Ursächlich kann aber auch eine Fehlstellung des Kiefers sein, die sich in den meisten Fällen einfacher und schneller behandeln lässt als eine körperliche Anspannung und Stress. Speziell angepasste Aufbissschienen (auch Knirscherschienen genannt) können vom Zahnarzt zu therapeutischen Zwecken angefertigt werden.

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Was ist das Zähneknirschen (Bruxismus)?

Das Zähneknirschen (Bruxismus) gehört zu den sogenannten Parafunktionen, das heißt zu den Aktivitäten des Mundbereichs, die keinem funktionellen Zweck wie z.B. das Zerkleinern von Nahrung dienen. Das ständige Knirschen und Pressen der Zähne ist auch keine eigenständige Erkrankung, sondern vielmehr ein Symptom einer anderen, unterschwelligen Krankheit des Körpers. Wird die ausschlaggebende Erkrankung (z.B. eine Fehlstellung des Kiefers) behandelt oder der ursächliche negative Körpereinfluss (z.B. Stress) eliminiert, so hört das Zähneknirschen in den meisten Fällen schon von ganz alleine auf.

Menschliche Zähne können eine enorme Kraft aufbringen. Männer können zum Beispiel einen Druck von bis zu 400kg mit ihren Zähnen aufbauen, Frauen bis zu 300kg. Werden nun die Zähne mit einer solch hohen Kraft kontinuierlich gegeneinander gepresst und gerieben, so wird nicht nur der Zahn, sondern auch der Zahnhalteapparat auf Dauer Schaden nehmen. Durch die ständigen Mahlbewegungen wird der Zahnschmelz geschädigt und in den schlimmsten Fällen komplett abgerieben. Der Zahn wird hierdurch anfälliger für andere Erkrankungen wie z.B. Karies, Pulpitis und Parodontitis, da Bakterien nun ein leichtes Spiel haben, sich auf der ungeschützten Zahnoberfläche anzusiedeln und durch die freigelegten Dentinkanälchen in den Zahn einzudringen. Werden die Zähne mit einem zu hohen Druck aufeinander gepresst, kann in seltenen Fällen der Zahn sogar gespalten werden. Ein solch durchbrochener Zahn ist dann nicht mehr zu retten.

Normalerweise ist das Zähneknirschen ein eher unbewusster Vorgang und tritt häufig in Stresssituationen auf, um innere Spannungen abzubauen. Besonders in Phasen von erhöhtem psychischem Stress wurde das vermehrte Zähneknirschen bereits wissenschaftlich erfolgreich erforscht, aber auch während der REM-Phasen des Schlafes (den flacheren Schlafstadien) im Schlaflabor in weiteren Studien untersucht.

Das Zähneknirschen selbst bleibt leider lange unerkannt, denn es wird häufig erst dann diagnostiziert, wenn der Zahn schon Schaden genommen hat. Warnsymptome des Körpers für Bruxismus können Spannungskopfschmerzen, Muskelkater in der Kaumuskulatur oder ein verspannter Nacken sein. Ferner können auf den Zähnen die für Zähneknirschen typischen Rillen festgestellt werden, die durch die Abreibung der Zahnschmelzoberfläche entstehen. Bei fast der Hälfte der deutschen Bevölkerung sind diese Knirschrillen erkennbar, bis zu 90 Prozent der Bevölkerung hat in der Vergangenheit bereits mit den Zähnen geknirscht oder tut es heute immer noch. Zähneknirschen ist also keinesfalls ein seltenes Problem.

Ursachen für Zähneknirschen (Bruxismus)

Die Ursachen für Zähneknirschen (Bruxismus) sind äußert vielfältig. Einerseits können Fehlstellung des Kopfes mit dem Kiefer (die sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion), Fehlstellung des Ober- gegenüber des Unterkiefers oder einfache Zahnfehlstellungen (auch von Kronen, Brücken und Implantaten) ursächlich für das Zähneknirschen sein. Andererseits geht man jedoch davon aus, dass der wichtigste Faktor für das Entstehen von Zähneknirschen psychischer Stress zu sein scheint, denn gerade in Stresssituationen wird vermehrt mit den Zähnen geknirscht. Natürlich wird dann auch im Schlaf geknirscht und gepresst, wenn der Stress des Tages im Unterbewusstsein verarbeitet wird.

Fehlstellungen des Kiefers und der Zähne sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Ist z.B. die Zahnkrone oder die Zahnbrücke im Gegensatz zum Rest der Zähne zu hoch gesetzt, neigen Menschen vermehrt zum Zähneknirschen. Sind die Zähne von Kindheit an schief gewachsen, liegen sie im Kiefer nicht optimal was die ihnen gegenüberliegenden Zähne betrifft und es kommt ebenfalls zu einem Zähneknirschen und Abrieb des Zahnschmelzes. Natürlich können auch Fehlstellungen des kompletten Kiefergelenks zum Bruxismus führen. Dies ist vor allem nach Verletzungen oder bei Knorpelschwund im Kiefergelenk (Arthrose des Kiefergelenks) der Fall. Ursächlich ist hierfür die Beeinträchtigung der Beweglichkeit des Kiefergelenks, was zu einem nicht mehr gleichmäßigen Bewegungsablauf führt und die Zähne an verschiedenen Stellen unnatürlich aneinander reiben.

Erst wenn alle möglichen körperlichen Ursachen für Zähneknirschen ausgeschlossen worden sind, sollte man nach Ursachen im psychischen Bereich suchen. Ihr Zahnarzt wird sie in diesem Fall dann an einen geeigneten Psychotherapeuten zur Weiterbehandlung überweisen.

Symptome bei Zähneknirschen (Bruxismus)

Zähneknirschen deutet häufig auf andere Erkrankungen des menschlichen Körpers hin, weshalb es in den meisten Fällen zusammen mit Begleiterscheinungen auftritt. Durch die angespannte Muskulatur während des unbewussten Zähneknirschens, tritt oft zeitgleich ein Muskelkater in der Kiefermuskulatur auf. Bei längerem und schwerem Zähneknirschen können die Verspannungen der Kiefermuskulatur auch Verspannungen der Nackenmuskulatur und Spannungskopfschmerzen auslösen.

Typische Merkmale für das Zähneknirschen sind außerdem die sogenannten Knirschrillen auf den Zähnen. Durch das ständige Mahlen der Zähne wird der Zahnschmelz schnell abgenutzt und es entstehen Rillen und Furchen auf den Oberflächen der Zähne. Dies sind die ersten Anzeichen für einen Defekt des Zahnschmelzes. Wird weiter geknirscht und gepresst, wird der Zahnschmelz womöglich komplett zerstört. Nun kann plötzlich ein ganz neues Symptom auftreten: durch die Zerstörung des Zahnschmelzes haben Bakterien freie Bahn und können sich ungehindert direkt auf der ungeschützten Zahnoberfläche ansiedeln. Karies ist in nicht gerade seltenen Fällen die Folge. Wandern die Bakterien über die feinen Dentinkanälchen in das Zahninnere, können eine Pulpitis (Entzündung des Zahnmarks) oder eine Parodontitis ausgelöst werden.

Sehr schweres Zähneknirschen kann bis zum totalen Zahnverlust führen. Werden die Zähne über einen längeren Zeitraum zu stark aufeinander gepresst, kann der Zahn sich spalten und der Länge nach durchbrechen. Spaltet der Zahn sich nur in der Krone, kann der Zahn in einigen Fällen noch durch einen schnellen Besuch beim Zahnarzt und einer aufwendigen Reparatur gerettet werden. Bricht er aber bis zur Wurzel durch, ist der Zahn komplett verloren und muss gezogen werden. Die entstandene Zahnlücke führt wiederum zu vermehrtem Zähneknirschen, da ein Teil des Gebisses nun fehlt und die Zähne in Ober- und Unterkiefer nicht mehr nahtlos aufeinander stehen können. Hier entsteht ein Teufelskreis, der nur mit aufwendigen und teuren Mitteln unterbunden werden kann. Deshalb sollte man es erst gar nicht so weit kommen lassen.

Durch die ständige Beanspruchung des Kiefergelenks beim Bruxismus können natürlich auch an dieser Stelle Begleiterscheinungen auftreten. Verspannungen und Muskelkater der Kiefermuskulatur sind allerdings nur das kleinste Übel. Durch die Dauerbelastung entstehen Veränderungen im Kieferknochen, die zu einem Verrutschen der Gelenkscheibe des Kiefergelenks führen kann. Das Gelenk wird bei der natürlich Bewegung nun behindert und blockiert beim Öffnen und Schließen des Mundes. Folgen sind Knackgeräusche während der Mundbewegung oder eine Beeinträchtigung bei der Weite, die der Mund geöffnet werden kann. Das Kiefergelenk ist unter Dauerbelastung außerdem sehr empfindlich für Entzündungen. Gelenkkapseln, aber auch Bänder, Sehnen und die Muskulatur selbst können sich bei dauerhaftem Zähneknirschen schnell entzünden, was für den Betroffenen sehr schmerzhaft ist.

Diagnose von Zähneknirschen (Bruxismus)

In den meisten Fällen wird die Diagnose des Zähneknirschens rein zufällig bei einer Routineuntersuchung beim Zahnarzt gestellt. Ein guter Zahnarzt wird sich vor der Untersuchung Zeit für eine volle Anamnese nehmen und sie dabei auch über Beschwerden fragen, die scheinbar gar nichts mit den Zähnen zu tun haben. Vermehrte Kopfschmerzen, verspannte Muskeln im Nacken, Muskelkater in der Kaumuskulatur, vermehrter Stress in Beruf und Familie - all diese Sachen sollten auf den ersten Blick doch für den Zahnarzt uninteressant sein. Beim näheren Hinblick sind dies aber auch Symptome für Zahnerkrankungen beziehungsweise können als Ursache für diese dienen.

Direkt nach dem Eingangsgespräch wird der Zahnarzt natürlich die Zähne untersuchen. Erkennt er auf der Zahnoberfläche vermehrten Abrieb und kleine Rillen, wird er als erstes die Verdachtsdiagnose Zähneknirschen stellen. Deshalb wird er dann zunächst auf die körperlichen Ursachen für Zähneknirschen hin untersuchen, die den Mund- und Kieferbereich betreffen. Er prüft, wie weit und wo genau sich die Zähne nach dem Schließen des Kiefers berühren. Gibt es einen Zahn, eine Zahnkrone, eine Zahnbrücke oder ein Implantat (oder auch mehrere), die über die Höhe der anderen Zähne hinausragt, so kann dies eine Ursache für Bruxismus sein.

Durch Abtasten des Kieferknochens von außen und innen kann der Zahnarzt zudem feststellen, ob eine Fehlstellung desselbigen vorliegt. Schmerzt es bei Berührung zusätzlich und stellt der Zahnarzt nach weiterer eingehender Untersuchung eine Entzündung im Kiefergelenk fest, so kann dies entweder als Ursache oder als Begleiterscheinung bei Zähneknirschen angesehen werden.

Da das Zähneknirschen an sich allerdings eher ein Symptom ist als eine Krankheit, muss der Zahnarzt natürlich die genaue Ursache herausfinden, um eine passende Therapie vorzuschlagen und beginnen zu können. Die meisten körperlichen Ursachen kann er während einer Untersuchung selbst abklären. Kommt der Zahnarzt dabei zu keinem Ergebnis oder sieht er aufgrund der von ihm erstellten Anamnese weitere Ursachen für das Zähneknirschen in psychischen Gründen, so wird er seinen Patienten zur genaueren Abklärung an einen Psychotherapeuten überweisen.

Therapie bei Zähneknirschen (Bruxismus)

Wie genau das Zähneknirschen behandelt werden kann, hängt natürlich in erster Linie davon ab, was das Zähneknirschen auslöst. Sind Fehlstellungen im Mundbereich ursächlich für das ständige Knirschen, wird natürlich versucht, diese zu beseitigen. Zu hohe Zahnkronen und Zahnbrücken werden abgeschliffen, falschsitzende Prothesen und Implantate angepasst, falschgestellte Zähne durch den Kieferorthopäden begradigt. Liegen die Ursachen für das Zähneknirschen im Kiefergelenksbereich, wird die konkrete Behandlung schon schwieriger, denn die für das Zähneknirschen ursächliche Fehlstellung des Kiefergelenks ist häufig die Ursache von Knorpelschwund (Arthrose) im Gelenk. Dieser kann allerdings nicht erfolgreich therapiert werden, denn bisher gibt es noch keine medizinischen Methoden für den Wiederaufbau von zerstörtem Knorpel. In diesem Fall können nur die Symptome behandelt werden. Durch ein gezieltes Training versucht man deshalb, die korrekte Stellung des Gebisses bewusst zu erzielen. Ist dies erfolgreich, berühren sich die Zähne des Ober- und Unterkiefers nicht mehr und das Zähneknirschen hört auf.

Liegen die Ursachen für das Zähneknirschen im psychischen Bereich, sollte man sich nicht scheuen, über eine Therapie beim Psychotherapeuten nachzudenken. Er wird bei der Stressbewältigung helfen und Techniken zum Stressabbau und zur Entspannung vermitteln. Zusätzlich hilfreich sind unter anderem Yoga, progressive Muskelentspannung und natürlich auch Sport zum regenerativen Ausgleich für den Körper.

Die Knirscherschiene bei Zähneknirschen (Bruxismus)

Da eine ursächliche Therapie bei Zähneknirschen nur in den wenigstens Fällen sehr schnell zum gewünschten Erfolg führt, die Zähne aber durch das Knirschen kontinuierlich geschädigt werden, kann man unterstützend auch das Symptom des Zähneknirschen behandeln, um Folgeschäden der Zähne zu vermeiden. Hierfür gibt es Aufbissschienen, auch Knirscherschienen genannt. Sie bestehen meistens aus durchsichtigem Kunststoff und werden über die Zähnen des Unterkiefers gelegt. Als Barriere zwischen den Zähnen verhindern sie das Abreiben der Zahnoberfläche beim Zähneknirschen. Sie verhindern also nicht das Zähneknirschen an sich, sondern nur die Zerstörung des Zahnschmelzes. Knirscherschienen müssen natürlich genau in Zeiten getragen werden, in denen mit den Zähnen geknirscht wird. Knirscht man am meisten mit den Zähnen während des Tages, trägt die Knirscherschiene allerdings nur nachts, hilft diese Aufbissschiene natürlich nicht.

Die Kosten für eine einfache Knirscherschiene werden gewöhnlich von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Diese Schienen sind aber nicht individuell an den Kiefer angepasst und orientieren sich deshalb nicht daran, an welchen Zähnen am meisten geknirscht und gepresst wird. Deshalb sitzen sie oft nicht gut, rutschen über die Zähne und fallen vor allem nachts aus dem Mund heraus. Die Kosten für individuell angepasste Knirscherschienen werden von den gesetzlichen Krankenkassen in den meisten Fällen nicht übernommen. Besitzen sie eine Zahnzusatzversicherung, lohnt sich ein Anruf bei ihrer Versicherung, denn die meisten Zusatzversicherer übernehmen bereits einen Teil der Kosten.