Vagotomie - Medizinische Experten

Die Vagotomie ist eine Methode zur operativen Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren. Bei einer Vagotomie werden die beiden Hauptäste des Nervus vagus oder deren Aufzweigungen, die für die Säureproduktion des Magens verantwortlich sind, getrennt. Mit der selektiven proximalen, der selektiv gastralen und der trunkulären Vagotomie stehen dabei drei verschiedene Vagotomie-Verfahren zur Auswahl.

Weitere Informationen zur Vagotomie finden Sie im Text weiter unten.

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Vagotomie - Weitere Informationen

Definition: Vagotomie

Bei der Vagotomie handelt es sich um ein operatives Therapieverfahren zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren. Die Vagotomie bedeutet die Durchtrennung der beiden Hauptäste des Nervus vagus (Trunkuläre Vagotomie) oder deren Aufzweigungen, die unter anderem für die Säureproduktion des Magens verantwortlich sind. Die Säureproduktion erfolgt durch die Belegzellen im Magenfundus und -corpus, wobei die Säureausscheidung durch die Nervenfasern des Nervus vagus stimuliert wird.

Ziel der verschiedenen Vagotomie-Verfahren ist es, die Säureproduktion zu unterdrücken, indem die Nervenfasern, die zum Magen und Zwölffingerdarm ziehen an verschiedenen Stellen des Magens durchtrennt werden. Neben der Vagotomie steht noch die Teilentfernung des Magens unter Mitnahme des Ulkus, die sog. Distale Magenresektion oder die Kombination aus beiden Verfahren zur Verfügung.

Vagotomie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren

Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre entstehen durch vermehrte oder bzw. durch ein Ungleichgewicht der Säureproduktion im Magen. Dabei handelt es sich um einen tiefsitzenden Defekt der Schleimhaut, der sich bis hin zum Magendurchbruch entwickeln kann. Die Ursache von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren sind unterschiedlicher Natur:

  • Chronische Magenentzündung durch Bakterien (Helikobakter pylori)
  • Dauerhafte Einnahme von NSAR (z.B. Aspirin, Diclofenac etc.)
  • Nikotinkonsum
  • Alkohol
  • selten: Nebenschilddrüsenadenome, Gefäßanomalien (Dieulafoy Ulkus)

Das therapeutisches Mittel der ersten Wahl sind säureinhibitorische Medikamente, die die Säureproduktion im Magen unterdrücken (sog. Protonenpumpeninhibitoren). Dadurch hat sich die Durchführung der Vagotomie in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich verringert. Nicht immer ist jedoch eine medikamentöse Therapie ausreichend oder möglich. Handelt es sich um ein Zwölffingerdarmgeschwür ist somit die Vagotomie indiziert. Entwickelt der Patient jedoch unter einer suffizienten Medikationstherapie sowie einer antibiotischen Therapie erneut ein Zwölffingerdarmgeschwür, ist die Vagotomie nicht sinnvoll, da die Säuresuppression nach einer Vagotomie nicht wesentlich besser sein wird, wie unter der medikamentösen Säuresuppression.

Anatomischer Verlauf des Nervus Vagus

Der Nervus vagus ist der zehnte Hirnnerv und ist ab seinem Eintritt in den Brustraum ein rein parasympathischer Nerv. Er tritt durch das Zwerchfell (Hiatus oesophageus) in den Bauchraum und sein Versorgungsgebiet reicht dabei vom Magen über den Dünndarm bis hinab zum Dickdarm und endet im so genanntem Cannon-Böhm´schen Punkt, welcher sich im Bereich der linken Flexur des Dickdarmes befindet.

Der Nervus vagus versorgt alle parasympathisch zu innervierenden Organe vom Halsbereich bis zur linken Dickdarmflexur und ist der einzige Hirnnerv, der über die Kopf und Halsregion hinaus innerviert. Im Gastrointestinalen Trakt sorgt er für eine Peristaltiksteigerung der glatten Muskulatur, eine Sekretionssteigerung der dortigen Drüsen und eine Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Verdauungssäfte.

Der Nervus vagus teil sich während seines Übertritts vom Brustraum in den Bauchraum in zwei Stämme auf:

  • Truncus vagalis anterior (vorderer Stamm), rechts der Speiseröhre verlaufend
  • Truncus vagalis posterior (hinterer Stamm), rechts der Speiseröhre verlaufend
  • (Ramus criminalis), links der Speiseröhre verlaufend

Vorgehen bei einer Vagotomie

Es werden drei verschiedene Vagotomie-Verfahren unterschieden:

  • Selektive proximale Vagotomie (SPV)
  • Selektive gastrale Vagotomie (SGV)
  • Trunkuläre Vagotomie (TV)

Selektive proximale Vagotomie (SPV)

Bei einer selektiven proximalen Vagotomie werden alle vorderen und hinteren Vagusäste, die zu den Belegzellen von Fundus und Korpus verlaufen, durchtrennt. Die Motorischen Äste, die für die Magenmotilität sorgen, bleiben dabei erhalten. Es werden hierbei somit ausschließlich die sekretorischen Vagusäste unterbunden. Die Nervenversorgung von Antrum und Pylorus bleibt bei der selektiven proximalen Vagotomie erhalten und eine Magenentleerungsstörung wird somit vermieden.

Der Ramus criminalis, ein Ast des Nervus vagus, der weit oberhalb der Durchtrittstelle durch das Zwerchfell separat abgeht und linksseitig der Speiseröhre verläuft, darf bei einer selektiven proximalen Vagotomie nicht übersehen werden. Dieser Nervenast hat Fasern, die zum Fundus ventrikuli verlaufen und somit die Säureproduktion im oberen Abschnitt des Magens stimulieren. Dieser Ast muss aufgesucht und unterbunden werden. Schließlich endet die selektive proximale Vagotomie mit der Unterbindung des Nervenastes Ramus gastroepiploicus im Bereich der großen Kurvatur des Magens.

Selektive gastrale Vagotomie (SGV)

Bei der selektiven gastralen Vagotomie werden sämtliche Äste des Nervus vagus, die zum Magen verlaufen, gekappt, einschließlich der Nervenfasern zum Pylorus. Lediglich die Äste zur Leber und Ganglion coeliacum werden geschont. Bei diesem Verfahren ist aufgrund der daraus resultierenden Magenentleerungsstörung immer ein Drainageverfahren (Pyloroplasitk oder Pyloromyotomie) notwendig.

Trunkuläre Vagotomie (TV)

Bei der trunkulären Vagotomie werden beide Stämme des Nervus vagus nahe dem Zwerchfell durchtrennt. Es führt zu einer kompletten Denervierung des gesamten Versorgungsgebietes im Bauchraum. Auch hierbei ist ein Drainageverfahren obligatorisch. Aufgrund der erheblichen Folgezustände wird dieses Verfahren heute nicht mehr durchgeführt.

Komplikationen einer Vagotomie

Die häufigste Komplikation nach einer Vagotomie, insbesondere nach der trunkulären Vagotomie (TV) ist die Magenentleerungsstörung mit ca. 20 Prozent. Dies ist die Folge einer nicht mehr ausreichenden Relaxierung der Muskulatur im Bereich des Magenausganges (Pylorospasmus). Dadurch ist meist eine Zweitoperation notwendig.

Die zweithäufigste Komplikation nach einer Vagotomie mit ca. 6 bis 10 Prozent ist das Wiederauftreten eines Geschwüres bei nicht ausreichend durchgeführter Vagotomie. Milz- und Speiseröhrenverletzungen werden mit 1 bis 2 Prozent beobachtet. Durchfälle oder Meteorismus werden seltener beobachtet (ca.1 Prozent). Nach vollständiger Genesung nach der Vagotomie sind in der Regel keine relevanten Einschränkungen im Alltag zu erwarten.

Fazit zur Vagotomie

Bei notwendiger operativer Therapie eines Magens- oder Zwölffingergeschwüres ist die Magenresektion den verschiedenen Vagotomie-Verfahren überlegen. Die Vagotomie wird heute nur noch in den seltensten Fällen durchgeführt und ist durch die Anwendung der medikamentösen Säuresuppression im Magen nahezu ersetzt.

Autor: Dr. med. Viktor Andres

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