Parastomale Hernie - Medizinische Experten

Eine parastomale Hernie ist eine Hernie (Bruch), die neben einem Stoma (künstlicher Darmausgang) lokalisiert ist. Der Bruchsack quillt dann neben dem künstlichen Ausgang nach außen. Aufgrund der Größe der Bruchpforte kann die daraus resultierende parastomale Hernie sowohl Anteile des großen Bauchnetzes, als auch des Darms enthalten.

Medizinischer Fachlektor Prof. Dr. med. Ferdinand Köckerling

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Parastomale Hernie - Weitere Informationen

Definition einer parastomalen Hernie

Das Stoma beschreibt eine Öffnung, die im Fall des künstlichen Darmausgangs oder der Harnblase dauerhaft operativ angelegt ist, um deren Funktion künstlich erhalten zu können. Ein Stoma stellt also eine künstlich hergestellte Öffnung eines Hohlorgans zur Körperoberfläche dar.

Die parastomale Hernie betrifft ganz besonders häufig das sogenannte Enterostoma, den künstlichen Darmausgang. Dieser ist besonders anfällig für Narbenbrüche, da er von kräftigen Strukturen ausgeht, die zusätzlich großen Belastungen ausgesetzt sind, sowohl durch den Darm, als auch die Bauchdecke und die innere Bauchpresse.

Bei einer parastomalen Hernie kommt es zu einem Vorfall unterhalb der Haut der sogenannten Stomaschlinge des Darms und gegebenenfalls zu einem zusätzlichen Vorfall von weiteren Darmanteilen oder Anteilen des sogenannten Omentum majus in das subkutane Fettgewebe.

Man geht derzeit davon aus, dass bis zu 50 bis 80 Prozent der Patienten mit einem künstlichen Darmausgang auch eine parastomale Hernie bekommen. Dementsprechend stellt die Narbenhernie eine häufige Komplikation nach der Bauchchirurgie dar.

parastomale Hernie

Symptome einer parastomalen Hernie

Die Symptome der parastomalen Hernie zeigen sich als Defekte der Bauchwand und eine Vorwölbung neben dem künstlichen Darmausgang. Die Ausbeulung durch den Bruchsack tritt bei Erhöhung des Drucks innerhalb des Bauchraums deutlich hervor, was zum Beispiel beim Husten oder der Bauchpresse der Fall ist.

Dennoch können die Symptome sehr unterschiedlich sein und dabei von völliger Beschwerdefreiheit bis zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen reichen. Diese entstehen insbesondere auch bei Durchblutungsstörungen, wenn in der Bruchpforte Darmteile eingeklemmt sind. Dann ist eine sofortige Operation erforderlich, um die Schmerzen zu beheben und die wichtige Durchblutung des Darms wiederherzustellen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die parastomale Hernie entsteht hauptsächlich nach einem chirurgischen Eingriff, wenn das Gewebe und die Narbe der Stomaöffnung nicht ausreichend zusammenwachsen und sich festigen. Dabei wird die parastomale Hernie durch eine generelle Wundheilungsstörung, Wundinfektionen und Blutungen begünstigt. Auch ein schlechter Allgemein- und Ernährungszustand des Patienten, Diabetes und Übergewicht sowie bestimmte Krankheiten tragen zu einer parastomalen Hernie bei. Bestimmte Medikamente, wie zum Beispiel Cortison, Störungen im Kollagenstoffwechsel und langjähriges Rauchen begünstigen die Komplikationen nach einem künstlichen Darmausgang.

Zu den allgemeinen Risikofaktoren, die zur Entstehung einer parastomalen Hernie führen, gehören zum Beispiel

  • das Lebensalter des Patienten,
  • Adipositas oder Übergewicht,
  • Bindegewebsschwäche,
  • chirurgische Eingriffe am Bauch,
  • verheilte Infektionen von Wunden oder
  • eine Steroidtherapie, die beispielsweise gegen COPD eingesetzt wird.

Alle Faktoren schwächen das Gewebe und begünstigen dadurch, dass eine Narbe nach einem chirurgischen Eingriff nicht richtig verheilt und das Stoma nicht richtig in der Bauchwand gesichert ist. Auf diese Weise können auch Organe aus dem Bauchinneren nach außen in einen Bruchsack vorfallen, wenn der Bauchinnendruck erhöht ist.

Bei den Ursachen für parastomale Hernien wird auch heute noch ein technischer Fehler des Chirurgen angenommen. Doch die Entstehung der parastomalen Hernie zeigt, dass die Operationstechnik als Ursache der parastomalen Hernie keine Rolle spielt. Dies konnte auch in klinischen Studien belegt werden. Insbesondere die Tatsache, dass bei der Neuanlage eines Stomas in den meisten Fällen auch eine erneute Hernie auftritt, belegt, dass die OP-Technik bei der Entstehung der parastomalen Hernie keine Bedeutung zu haben scheint.

Dass die parastomale Hernie als eine Sonderform der Narbenhernie gesehen werden kann, untermauert, dass eine Gewebeschwäche und Instabilität der Narbe für die Entstehung der parastomalen Hernie verantwortlich ist.

Untersuchung und Diagnose einer parastomalen Hernie

Die parastomale Hernie kann in den meisten Fällen bereits durch eine klinische Untersuchung von außen festgestellt werden. Bei einem gründlichen Abtasten kann gegebenenfalls der Brucksackinhalt ertastet werden. Doch um eine sichere und genau Diagnose stellen zu können, sollten auch bei der parastomalen Hernie bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT folgen. Dadurch kann auch die Rate nachgewiesener kleiner Hernien erhöht werden.

Behandlung einer parastomalen Hernie

Insbesondere große parastomale Hernien erfordern eine Operation, da die Bruchpforte und der Bruchsack entsprechend groß sind und auch entsprechend viel Darmanteil enthalten sein kann. Die Operation soll den vorgefallenen Bauchinhalt wieder zurückverlagern, die Narbe verschließen und vor einem erneuten Bruch schützen.

Ein sehr großer Bruchsack erschwert aber häufig die OP-Bedingungen, da der gesamte Inhalt an dessen eigentliche Position zurückgebracht und dort gehalten werden muss. Gleichzeitig muss die anatomische Funktion der Bauchdecke wiederhergestellt werden, was im Fall der parastomalen Hernie schwierig ist, da der künstliche Ausgang die Stützfunktion der Bauchdecke unterbricht und eine Schwachstelle darstellt.

Als sehr zuverlässige OP-Techniken bei der Versorgung von parastomalen Hernien hat sich der Einsatz von einem Kunststoffnetz zur Verstärkung der Bruchpforte bewährt. Denn dadurch kann die Rückfallrate (Rezidiv) am zuverlässigsten gesenkt werden. Dabei gibt es verschiedene Netzmaterialien, die für die unterschiedlichen chirurgischen Verfahren zur Behebung einer parastomalen Hernie eingesetzt werden.

Bei offenen OPs werden leichte Netze aus Polypropylen eingesetzt, die große Maschen haben. Diese haben direkten Kontakt mit Schlingen des Darms und können, da sie sehr fest sind, aber auch zu Reizungen und Fisteln führen. Daneben müssen sich die Netze beim Einsatz durch laparoskopische Techniken als flexibler und feinmaschiger darstellen.

Jedes Netz, das bei der OP einer parastomalen Hernie verwendet wird, weist unterschiedliche Eigenschaften aus, die sich im Körper unterschiedlich verhalten. Entsprechend muss bei jeder OP-Technik einer parastomalen Hernie das Netz passend ausgesucht werden.

Insbesondere die hohen Rezidivraten sind der Grund, warum die sogenannte Fasziennaht bei einer parastomalen Hernie nicht mehr zum Einsatz kommt. Auch eine Neuanlage des Stomas an einer anderen Stelle wird nicht mehr bevorzugt, da dann mit einer neuen parastomalen Hernie zu rechnen ist. Denn die Grundvoraussetzungen des Gewebes und des Patienten sind unverändert.

Prävention und Prognose einer parastomalen Hernie

Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit, auch nach Behebung der parastomalen Hernie ein neue zu bekommen sehr hoch. Bei offenen Eingriffen geht man von einer Rückfallrate bis zu 50 Prozent aus. Denn hier ist das OP-Feld einer großen Infektionsgefahr ausgesetzt. Demgegenüber sind die minimal-invasiven Eingriffe zwar weniger Infektionsrisiken ausgesetzt, weisen aber auch nicht immer optimale Ergebnisse auf.

Allgemein kann der Patient selbst einer parastomalen Hernie nicht vorbeugen, insbesondere, da sie aufgrund eines notwendigen chirurgischen Eingriffs entsteht. Mittlerweile gibt es aber Studien, in denen die Wirksamkeit eines vorsorglichen Einsatzes eines Kunststoffnetzes bei der Stoma-Chirurgie belegt ist. Das bedeutet, dass durch den Einsatz eines Netzes die Bildung einer parastomalen Hernie verhindert werden kann, da die Bauchwand verstärkt ist.

Wenn ein Patient ein hohes Risiko für das Auftreten einer parastomalen Hernie hat, kann diesen gefährdeten Patienten auch zur Vorsorge und Sicherung der Bauchwand ein Kunststoffnetz chirurgisch eingesetzt werden. Auf diese Weise wird die Bauchwand des Patienten verstärkt und die neue Schwachstelle der Bauchwand, die durch Anlage des künstlichen Darmausgangs entstanden ist, wird bestmöglich umgangen.