Lebererkrankungen

Die Leber ist das zentrale Organ für den Stoffwechsel. Das Drüsenorgan liegt im rechten Oberbauch des Körpers und ist relativ robust. Auch mit Schäden erfüllt die Leber ihre Aufgaben noch weiter. Ohne Nerven im Lebergewebe können bei einer Lebererkrankung auch keine direkten Schmerzen im Organ entstehen und die Leberschädigung kann lange Zeit unbemerkt voranschreiten.

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Lebererkrankungen - Auf einen Blick

Weltweit gesehen sind Hepatitisinfektionen eine häufige Erkrankung, ja eine der am meisten verbreiteten Infektionskrankheiten überhaupt. Sie können zu einer akuten und/oder chronischen Entzündung führen. Anders als Lebertumore betrifft eine Leberentzündung häufig nicht nur einen Teilabschnitt der Leber sondern das ganze Organ. Bei den Leberentzündungen können vielgestaltige Auslöser zu einer akuten oder chronischen Entzündung führen. Gefürchtet ist das Leberversagen, das sich im Verlauf einer schwer verlaufenden akuten Leberentzündung (Hepatitis) oder in der Folge von weniger stark ausgeprägten, aber anhaltenden und damit chronischen Entzündungsaktivitäten entwickeln kann.

Durch die Entzündung kommt es nämlich zu einem Untergang der Leberzellen, was man in der Bestimmung von entsprechenden Labortests nachweisen kann. Letztlich ist die akute – und auch die chronische – Hepatitis Ausdruck einer uniformen Reaktion der Leber auf verschiedene Krankheitsursachen und Erreger. Dies können Viren oder Bakterien sein, aber auch Autoimmunerkrankungen der Leber und/oder Gallenwege können zu einer Hepatitis führen.

Von einer chronischen Hepatitis spricht man dann, wenn die Krankheit länger als sechs Monate anhält.
Eine der häufigsten Ursachen für eine akute oder chronische Hepatitis ist der übermäßige Konsum von Alkohol und in jüngere Zeit zunehmend das Übergewicht mit entsprechender Beeinträchtigung des Fett- und Zucker-Stoffwechsels. In diesen letzteren Fällen kommt es zu Fettleberentzündung, der sogenannten Steatohepatitis, die durch Alkohol ausgelöst sein kann (sog. Alkoholische Steato-Hepatitis, ASH) oder ohne Alkoholkonsum entstehen kann (nicht- alkoholische Steato-Hepatitis, NASH).

Es werden entzündliche und tumoröse Lebererkrankungen unterschieden. Zu den Lebererkrankungen zählen: 

  • Hepatitis
  • Fettleber
  • Leberzirrhose
  • Leberkoma
  • Akutes Leberversagen
  • Echinokokkosen (Infektionen mit Fuchs- oder Hundebandwurm).

Leber und Galle
© Maksym Yemelyanov / Fotolia

Die Leber ist mit der Gallenblase über die Gallenwege verbunden, die die Gallenflüssigkeit aus der Leber in den Zwölffingerdarm (Duodenum) transportieren. Daher gehören zu den Lebererkrankungen im weiteren Sinne auch die Entzündung der Gallenwege, auch Cholangitis genannt. Unterschieden werden die primär biliäre Zirrhose und die primär sklerosierende Cholangitis. Diese Krankheitsbilder gehören zu den cholestatischen Lebererkrankungen.

Tumore der Leber

Die Lebertumore (Leberkrebs) können bösartiger oder gutartiger Gestalt sein, wobei Beschwerden auch von gutartigen Tumoren verursacht werden können. Entscheidend ist hier oft die Größe des Tumors. Bösartige Tumore zeichnen sich dadurch aus, dass das Gewebe Strukturgrenzen der Organe durchbricht und sich Absiedlungen des Tumors in anderen Organen ausbilden können (Metastasierung).
In der Leber kommen Tumore vor, die in dem Organ selbst entstehen, zum Beispiel der Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) und der Gallengangskrebs (Cholangiozelluläres Karzinom). Daneben sind bisweilen Absiedlungen aus anderen Organen, sogenannte Metastasen, in der Leber nachweisbar, die aus dem Darm (Darmkrebs) oder auch aus dem Magen oder der Speiseröhre (Ösophagus) stammen können. Entscheidend für die Behandlung der Tumore ist dieser Zusammenhang mit dem Ursprungsort, insbesondere dann, wenn eine Heilung des bösartigen Tumors durch eine komplette Entfernung desselben angestrebt wird.
Tumore der Leber werden häufig erst dann bemerkt, wenn sich deutliche Symptome zeigen, wie Gewichtsverlust, eine allgemeine Abgeschlagenheit und Schwäche des Patienten. Die Gallenwege, der Magen oder der Darm zeigen sich verengt.

Symptome bei Lebererkrankungen

Ein typisches Symptom, das auf eine Lebererkrankung hindeuten kann, ist der Juckreiz, der durch eine Abflussstörung der Galle ausgelöst wird. Stoffwechselabfallprodukte bleiben dann im Körper und lösen dieses Symptom, fachsprachlich Pruritus genannt, aus.

Manchmal wird der Juckreiz als "Schmerzäußerung der Leber" bezeichnet, da die Leber nur in ihrer Kapsel aus Bindegewebe, aber nicht innen im Organ schmerzempfindlich ist. Oder die Müdigkeit wird als der "Schmerz" der Leber benannt, da diese häufig mit chronischen Lebererkrankungen einhergeht.

Das Kardinalsymtom der Leber ist die Gelbfärbung (Ikterus) der Skleren der Augen und in schwerer Ausprägung auch der Haut. Es gibt auch einen speziellen Mundgeruch bei Patienten mit weit fortgeschrittener Lebererkrankung, der sogenannte Foetor hepaticus, der allerdings nicht für eine Früherkennung einer Lebererkrankung geeignet ist, da er nur in weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadien wie etwa dem Leberkoma auftritt.

Eine chronische Leberentzündung kann in das Stadium der Lebervernarbung, also einer sogenannten Zirrhose münden. In diesem Fall ist nur noch ein teilweises Erholen der Leberfunktion möglich, da strukturelle Umbauten, bei dem das Lebergewebe in Bindegewebe umgewandelt wird, teils so fortgeschritten sind, dass sie sich nicht mehr zurückbilden. Allerdings kann die Leber auch noch mit einer Reserve von nur einem Teil des Organs in vielen Fällen eine regelrechte Funktion der überlebenswichtigen Aufgaben aufrechterhalten. Begleitende Symptome einer Leberzirrhose sind

  • erhöhter Blutdruck,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Zittern und Zuckungen der Muskeln,
  • eine starke Erschöpfung. 

Diagnose

Bei Symptomen, die auf eine Lebererkrankung hinweisen, ist die gründliche Untersuchung durch einen Arzt von großer Bedeutung. Die individuelle Krankheitsgeschichte, alle Symptome und Hinweise zur Ernährung und Lebensweise werden erfasst (Anamnese). Der Arzt tastet den Oberbauch ab, um mögliche Schwelllungen, Vergrößerungen und Verhärtungen der Leber zu erspüren. 

Eine Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) zeigt den Zustand der Leber und Gallenwege. Die Gallengänge können zudem endoskopisch untersucht werden. Veränderungen oder auch Gallensteine können dabei genau gesehen und entfernt werden.

Ein Blutbild gibt Aufschluss über mögliche Abweichungen der Normalwerte. Erhöhte Leukozytenanzahl und erhöhtes C-reaktives Protein sind übliche Entzündungsmarker. Auch Hinweise auf eine Abwehrreaktion des Immunsystems bei einer Infektion mit Hepatitis-Viren lassen sich im Blut erkennen.

Die Leberbiopsie (Gewebeprobe) liefert dem Arzt Erkenntnisse zum Gewebezustand der Leber. Dabei wird das Organ durch die Bauchhaut und die Rippen mit einer hohlen Nadel punktiert. Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden und wird mit leichter Betäubung durchgeführt. 

Therapie

Die Behandlung einer Lebererkrankung richtet sich nach deren genauen Ursachen. Eine nur leicht geschädigte Leber kann sich durchaus wieder erholen. Schäden der Leber bei Zirrhose bilden sich nicht wieder zurück, die Umbauten sind irreversibel. Schwerwiegende Lebererkrankungen, wie akutes Leberversagen oder das Leberkoma sind medizinische Notfälle, die unbedingt klinisch behandelt werden.

Viele Infektionskrankheiten sind durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu vermeiden: so kann gegen das Hepatitis B Virus geimpft werden und eine Infektion entsprechend verhindert werden. Gegen das Hepatitis C Virus gibt es neuerdings sehr wirksame Medikamente und auch gegen bakterielle oder parasitäre Infektionen der Leber sind wirksame Medikamente verfügbar. Aber auch einfache hygienische Standards helfen, eine Infektion an einer Hepatitis zu vermeiden. So ist kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel ein möglicher Infektionsweg für einige dieser Erkrankungen in vielen Ländern der Erde.

Bei den Hepatitiden, die durch andere äußere Einflüsse ausgelöst werden wie etwa dem Alkoholkonsum oder der Fettsucht, kann nur das Meiden dieser Auslöser zu einer Besserung führen. Bisher sind hier nur wenige wirksame Medikamente verfügbar und die schädlichen Faktoren führen praktisch stets zu einer Verschlechterung der Erkrankung. Leberschädigungen durch Alkoholkonsum können durch Abstinenz aufgehalten werden.

In weit fortgeschrittenen Krankheitsstadien einer chronischen Lebererkrankung, wenn die Funktionsstörung schon weit entwickelt ist, kann eine Transplantation eines funktionstüchtigen Organs manchmal die einzige Chance auf ein längerfristiges Weiterleben sein, allerdings stehen derzeit deutlich weniger Organe zur Verfügung als Patienten auf der Warteliste stehen.

Die Therapie der autoimmunen Leberentzündung (autoimmune Hepatitis) wird mit der Gabe von Immunsuppressiva durchgeführt. Dabei kommen vor allem Kortisonpräparate und andere Immunmodularorische Therapeutika zum Einsatz. Meistens kann keine vollständige Rückbildung der Entzündungsaktivität erzielt werden, so dass die Medikation für lange Zeit beibehalten werden kann.


Autor: Prof. Dr. med. Jörg G. Albert