Gallenblasenerkrankungen - meist gutartig und gut zu behandeln

Gallenblasenerkrankungen gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern, die zu einer ärztlichen Behandlung führen. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um gutartige Gallenblasenerkrankungen. Von einem behandlungsbedürftigen Gallensteinleiden sind pro Jahr in Deutschland 250.000 Patienten betroffen.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Erkrankungen der Gallenblase finden Sie im Text weiter unten.

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Gallenblasenerkrankungen - Weitere Informationen

Welche Bedeutung hat die Gallenblase?

In der Gallenblase wird die in der Leber produzierte Galle gespeichert. Diese besteht aus Wasser, Gallensalzen, Cholesterin und Phospholipiden. Pro Tag können bis zu 1 Liter produziert werden. In der Gallenblase wird die Galle während der Nüchternphasen eingedickt. Bei Aufnahme von Nahrung wird sie über den Gallengang in den Zwölffingerdarm abgegeben. Dort bewirkt sie die Aufspaltung von Nahrungsfetten zur Verdauung.

 

 

Weitere Aufgaben bestehen unter anderem in der Regulierung des Cholesterinstoffwechsels, der Aktivierung der Bauchspeicheldrüse sowie im Transport von Vitaminen und verschiedenen anderen Substanzen. Eine davon ist das Bilirubin, das beim Abbau der roten Blutkörperchen anfällt. Dies ist für die gelb-grünliche Farbe der Gallenflüssigkeit verantwortlich.

Welche Gallenblasenerkrankungen sind die häufigsten?

Im Folgenden sind die häufigsten Gallenblasenerkrankungen und Erkrankungen der Gallenwege aufgeführt:

Deutlich seltener sind die bösartigen Tumore der Gallenblase, die Gallenblasenkarzinome.

Was sind die Symptome von Gallenblasenerkrankungen?

Die typischen Symptome des Gallensteinleidens sind die nach Aufnahme fetthaltiger Nahrung auftretenden, kolikartigen Schmerzen im rechten Oberbauch. Diese können gürtelförmig in den Rücken und in die rechte Schulter ausstrahlen und von Übelkeit begleitet sein. Sie entstehen dadurch, dass der Gallenblasengang durch einen Stein oder durch eine Entzündung verstopft bzw. verschlossen wird.

 

 

Gelangt der Stein durch den Gallenblasengang in den Hauptgallengang, kann es zu einem Galleaufstau in die Leber mit Gelbsucht kommen. Auch kann daraus ein Aufstau in die Bauchspeicheldrüse mit lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann.

Eine Entzündung der Gallenblase geht mit Fieber, starken Schmerzen und einem erheblichen Krankheitsgefühl einher.

Was Sie über Gallenblasenerkrankungen wissen sollten

Zufällig im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) entdeckte Gallenblasensteine, die keine Beschwerden verursachen, bedürfen in der Regel keiner Therapie. Ist es aber einmal durch Gallenblasenerkrankungen zu Beschwerden gekommen (Koliken, Oberbauchbeschwerden, Druckgefühl), ist die Entfernung der steingefüllten Gallenblase indiziert. Nur so kann man den wiederkehrenden Beschwerden und einer chronischen Reizung oder der Gefahr einer schweren Entzündung der Gallenblase (Colecystitis), an Hauptgallengang (Cholangitis) oder Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) vorbeugen.

Behandlungsmethoden bei Gallenblasenerkrankungen

Die Entfernung der Gallenblase kann in den meisten Fällen, d.h. in 95 Prozent laparoskopisch (sog. „Schlüssellochtechnik“) durchgeführt werden. Hierbei werden 4 kleine Schnitte benötigt, über die die Arbeitsinstrumente eingeführt werden. Ausnahmen für diese Verfahren bestehen in Voroperationen im Oberbauch oder bei schweren Vorerkrankungen.

 

 

In diesen Fällen wird die Gallenblase über einen Bauchschnitt, sog. „offenes oder konventionelles“ Verfahren, entfernt. Auch kann während einer laparoskopischen Operation der Umstieg auf das offene Verfahren notwendig werden, z.B. bei schweren Entzündungen oder bei anatomischen Besonderheiten.

Befindet sich ein Stein im Hauptgallengang, ist vor der Operation zunächst die endoskopische Entfernung des Steins notwendig.

Was ist eine „Single-Port“- oder „Narben-lose“ Operation?

In vielen Fällen ist die laparoskopische Gallenblasenentfernung inzwischen über einen einzigen Zugang („Single Port“) möglich. Dieser wird im Bauchnabel angelegt und ist nach Abschluss der Wundheilung nicht mehr zu erkennen. Aus diesem Grund wird der Eingriff auch als „Narben-lose Operation“ bezeichnet.

Neben dem kosmetischen Vorteil bietet dieses Verfahren noch weniger Wundinfektionen und Schmerzen. Die Gefahr eines Narbenbruches wird ebenfalls weiter reduziert.

Wie kann man sich auf die Operation bei Gallenblasenerkrankungen vorbereiten?

Mindestens 10 Tage vor der Operation bei Gallenblasenerkrankungen dürfen gerinnungshemmende Medikamente wie Aspirin, AS 100 oder Plavix nicht mehr eingenommen werden. Auch sollten Diabetesmedikamente aus der Gruppe der Biguanide (z.B.Glucophage, Metformin, Mescorit) 48 Stunden vor der Operation zur Behandlung von Gallenblasenerkrankungen abgesetzt werden. Bei vorstationärer Behandlung sollte man am Operationstag nüchtern in die Klinik kommen.

Wie verhält man sich nach der Operation bei Gallenblasenerkrankungen?

Durch die Operation wird weder die normale Produktion der Galle in der Leber, noch der Transport in den Darm und die hiervon abhängige Verdauung der Nahrung beeinträchtigt. Aus diesem Grund ist keine spezielle Diät nach der Operation erforderlich.

Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 4 bis 7 Tage. Nach einem laparoskopischen Eingriff sollte man sich noch für 1 bis 2 Wochen schonen. Nach der offenen Operation empfiehlt sich zur Vorbeugung eines Narbenbruchs eine körperliche Schonung von 2 bis 3 Monaten.

Autor: Prof. Dr. med. Waldemar Uhl