Varikozelen - Hodenkrampfader

Varikozelen sind Krampfadern im Hoden: Für viele Männer ist die Erkrankung ein Tabuthema – dabei ist dieser Krampfaderbruch weit verbreitet und kommt unter Umständen einem bestehenden Kinderwunsch in die Quere. Daher ist es für Männer wichtig, alles Wichtige rund um das Thema zu wissen und im Ernstfall darauf vorbereitet zu sein. Informieren Sie sich hier!

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Varikozelen - Weitere Informationen

Was sind Varikozelen und wie entstehen sie?

Varikozelen sind Krampfadern, die im Hodensack auftreten. Mediziner bezeichnen die Erkrankung auch als „Krampfaderbruch“. Dabei liegt aber kein Bruch im eigentlichen Sinne vor: Bei einer Varikozele vergrößert sich das Venengeflecht, das am Samenstrang entlangläuft. Durch dieses fließt Blut, das sich bei manchen Männern durch verschiedene Ursachen staut.

Varikozele - CT coronar - 001

Hierdurch kommt es zu einem Blutstau in dem Venengeflecht. Das Krankheitsbild ist den Krampfadern in den Beinen also ähnlich.

Nach dem aktuellen Forschungsstand unterscheiden Ärzte Varikozelen danach, wie ausgeprägt und wie leicht erkennbar diese sind. Darüber hinaus differenzieren sie zwischen linksseitigen, rechtsseitigen und beidseitigen Varikozelen.

Varikozelen: häufig unbemerkt

Wer unter leichten Varikozelen leidet, verspürt häufig keine Schmerzen oder andere Symptome. In dem Fall ist die Erkrankung oft ein Zufallsbefund.
Fortgeschrittene Varikozelen hingegen sind oft als wurmartige Wucherung erkennbar, die sich unter der Hodensack-Haut ertasten lassen. Besonders sichtbar sind sie, wenn die Betroffenen die Bauchmuskulatur anspannen.
Manche Patienten leiden zudem unter

  • Schwellungen
  • Spannungsgefühlen sowie
  • Schmerzen im Hoden oder
  • die Hoden fühlen sich aufgebläht oder geschwollen an (vor allem beim Stehen)

Varikozelen bei Kindern machen sich häufig durch verkleinerte Hoden bemerkbar. Der Hintergrund: Die Erkrankung hemmt das Hodenwachstum.

Häufigkeit und besondere Risikofaktoren

Varikozelen sind vielleicht ein Tabuthema, kommen jedoch häufig vor – etwa 15 Prozent aller Männer haben oder hatten einmal eine Hodenkrampfader. Statistisch gesehen kommen diese am häufigsten bei jungen Männern in der Pubertät vor. Aber auch bei Kindern sind Varikozelen möglich. Die meisten Patienten bemerken diese jedoch erst im Erwachsenenalter, da es im Anfangsstadium selten zu Beschwerden kommt.

Was sind mögliche Ursachen für die Bildung von Hodenkrampfadern?

Mediziner unterscheiden die primäre (idiopathische) Varikozele und die sekundäre (symptomatische) Varikozele. Ihnen liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde.
Die primäre Varikozele ist anlagebedingt und tritt häufiger bei großen, schlanken Männern auf.
Ihr liegt oft eine defekte Venenklappe in der Hodenvene oder eine Gefäßwandschwäche zugrunde. Auch eine venöse Abflussstörung durch einen erhöhten Gefäßdruck kommt als Ursache für die primäre Form des Krampfaderbruchs infrage.

Die sekundäre Variante der Erkrankung tritt hin und wieder auch beidseitig auf. Sie entsteht beispielsweise durch einen tumorbedingten Blutstau. Hierbei handelt es sich unter anderem um Tumore der Niere, des Nierenbeckens oder auch der Harnleiter. In seltenen Fällen entsteht der Krampfaderbruch im Hoden durch einen Thrombus (Blutpfropf) oder eine Ruptur (Riss) in den Venen.

Varikozelen und Familienplanung

Forscher und Ärzte vermuten, dass Varikozelen die Fruchtbarkeit von Männern negativ beeinflussen können. Studien zeigen: Männer mit geringer Fruchtbarkeit leiden häufig auch unter einem Krampfaderbruch. Schätzungen zufolge weisen 25 Prozent der Männer mit eingeschränkter Fruchtbarkeit Varikozelen auf.
Jedoch ist eine Fruchtbarkeit durch die Erkrankung keinesfalls ausgeschlossen. Es gibt Männer, die normal zeugungsfähig sind, obwohl sie unter einem Krampfaderbruch leiden. Wer jedoch einen Kinderwunsch hat, sollte einen Facharzt aufsuchen und die Behandlungsoptionen abklären.

Rekonstruktive Urologie
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Wie werden Hodenkrampfadern untersucht und diagnostiziert?

Handelt es sich um eine große Varikozele, ist diese für den Arzt meist bereits sichtbar und ertastbar. Er wird die Wucherung einmal am stehenden und einmal am liegenden Patienten genau ertasten und lokalisieren.
Kleinere Varikozelen sind manchmal nicht gleich erkennbar. In solchen Fällen greift der Urologe zum Ultraschallgerät (Sonographie).
Ist die Erkrankung diagnostiziert, erfolgen weitere Tests, wenn der Arzt diese als sinnvoll erachtet. So wird Männern mit Kinderwunsch eine Spermiogramm (Ejakulatanalyse) empfohlen. Diese liefert weitere Auskünfte zur Fruchtbarkeit. Anschließend ist es möglich, eine Blutabnahme zur Untersuchung von Hormonwerten durchzuführen – beispielsweise des Sexualhormons Testosteron.

Wie werden Varikozelen behandelt?

Wenn Sie vermuten, unter einem Krampfaderbruch zu leiden, suchen Sie einen Facharzt auf. Hierfür eignet sich ein Phlebologe (Arzt für die Venen) oder ein Urologe, der auf die Harnorgane spezialisiert ist.
Eine Behandlung ist prinzipiell jedoch nicht unbedingt notwendig. Oft bilden Varikozelen sich mit der Zeit spontan von selbst zurück. Ratsam ist eine Behandlung, wenn ein Kinderwunsch besteht oder der Patient unter starken Beschwerden wie Schmerzen leidet.
Die Behandlung sieht in der Regel so aus, dass der Arzt die gestaute Vene stilllegt. So fließt das Blut über gesunde Venen ab, die benachbart zur erkrankten Vene liegen. Die Behandlung erfolgt entweder durch

  • eine Varikozelen-Sklerosierung bzw. Verödung
  • einen Verschluss (Embolisierung) oder
  • eine Operation der Krampfader.

Um die betroffene Vene zu verschließen oder zu veröden, spritzt der behandelnde Arzt ein Medikament in die Hodenvene.
Bei Varikozelen mit sekundärer Ursache ist es erforderlich, den eigentlichen Auslöser zu beseitigen. Dies geschieht – je nach Ursache – beispielsweise durch eine geeignete Tumortherapie.

Wann müssen Varikozelen operiert werden?

Wer an einer Varikozele leidet, bevorzugt wahrscheinlich das schonendere Verfahren der Verödung. Dies ist jedoch nicht bei allen Patienten möglich. Hier entscheidet der Arzt individuell, welche Behandlung durchführbar und angeraten ist. Die herkömmliche Operationsmethode kappt die Vene in der Leiste oder durch einen Schnitt an der Bauchseite. Zusätzlich kann laparoskopisch, also mit der Schlüssellochtechnik operiert werden (Varikozelektomie).
Bei einer Operation trennt der Chirurg die angeschwollene Vene und eventuell benachbarte kleinere Venen ab. So löst sich der Blutstau und das Blut fließt durch andere, gesunde Venen wieder ab.

Krankheitsverlauf und Prognose

Varikozelen sind für gewöhnlich gut behandelbar. Die Heilungschancen nach einem medizinischen Eingriff sind hoch. Je früher die Therapie beginnt, umso leichter lässt sich der Blutstau in der Hodenvene prinzipiell auflösen oder abklemmen. Daher ist es ratsam, bei auftretenden Beschwerden oder einer ertastbaren Wucherung gleich einen Arzt aufzusuchen. Die Behandlung hat das Ziel, die Schmerzen zu reduzieren und die Samenqualität zu steigern. Auch ein normaler Hormonhaushalt wird durch die Behandlung angestrebt.

Fazit: Bei Schmerzen im Hodenbereich sofort zum Urologen

Eine Hodenkrampfader ist mit Sicherheit nicht angenehm, wenn sie erst einmal Beschwerden verursacht. Wer unter Schmerzen oder einem Druckgefühl im Bereich des Hodens leidet, sollte daher gleich einen Urologen aufsuchen. Dies gilt insbesondere für Männer, deren Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist. Mit der richtigen Behandlung wird der Normalzustand meist innerhalb kurzer Zeit wiederhergestellt, sodass keine Folgeschäden zu befürchten sind.