Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Bauchschmerzen, Durchfälle und Verdauungsstörungen - chronisch entzündliche Darmerkrankungen können sich in vielen Symptomen zeigen. Die Ursachen und genauen Auslöser sind genauso individuell, wie die Behandlungsmöglichkeiten.

Hier finden Sie Informationen und medizinische Experten zur Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in Kliniken und Praxen in Deutschland. Alle gelisteten Ärzte sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und wurden nach strengen Richtlinien für Sie handverlesen ausgewählt.

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Chronische Darmerkrankungen - Weitere Informationen

Mit dem Begriff der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) werden Krankheitsformen bezeichnet, bei denen entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut auftreten. Hintergrund ist eine heftige Immunreaktion, die auf bakterielle oder andere Strukturen gerichtet wird. Die Folge sind Durchfälle, die mitunter blutig sein können, und Bauchschmerzen. 

Ursachen für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zu den häufigsten CED gehören der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa. Beide entstehen bei Personen, die hierfür eine gewisse Empfänglichkeit entsprechend ihres Genoms aufweisen. Auslöser sind dann also genetische Faktoren. Allerdings sind die detaillierten Zusammenhänge der Entstehung nicht bis zuletzt aufgeklärt. Auch äußere Einflüsse wie die psychosozialen Aspekte, die diätischen und immunologischen Faktoren sind derart multifaktoriell, dass dieses Zusammenspiel teilweise unklar bleibt. In Deutschland sind etwa 360.000 Menschen von einer CED betroffen. Die jährliche Neuerkrankungsrate beträgt etwa 10 pro 100.000 Einwohner, damit erkranken etwa 7.600 bis 8.400 Menschen jedes Jahr neu an einer CED.

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
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Durchfälle können natürlich auch durch andere Erkrankungen ausgelöst werden. Aber nur sehr selten sind Magen-Darm-Infektionen (Gastroenteritis) Ursache von länger anhaltenden Beschwerden, die sich über mehr als sechs Wochen erstrecken. Dann sind eine CED, eine Fehlfunktion der Verdauungsdrüsen (z.B. Bauchspeicheldrüse) oder eine fehlerhafte Funktion der Verdauungsenzyme in der Darmschleimhaut eine wahrscheinliche Ursache.

Symptome und Auswirkung einer CED

Häufige Symptome von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind schwere Durchfälle mit krampfartigen heftigen Bauchschmerzen. Auch Fieber, Blutbeimengungen im Stuhl und ein allgemeines körperliches Schwächegefühl können gleichzeitig auftreten. Da bei jedem Patienten verschiedene Faktoren zusammenspielen, sind auch die Symptome unterschiedlich ausgeprägt. Die Entzündung im Darm hat weiterhin Auswirkungen auf den ganzen Körper und kann sich in Erkrankungen der Haut, Augen, Leber oder Gelenke zeigen. 

Besonders empfindlich für die Beeinträchtigung des Menschen wirkt sich eine Erkrankung dann aus, wenn der Darm nicht mehr ausreichend die angebotene Nahrung verarbeiten und aufnehmen kann. In diesem Fall kommt es zu einem Gewichtsverlust und einer Fehlernährung und Mangelzuständen. Auch CED können zu einer solchen Fehlernährung führen, wenn der Dünndarm über größere Abschnitte betroffen ist, wie dies beim M. Crohn der Fall sein kann, oder ein sehr hoher Verlust an Eiweißen nicht mehr durch eine entsprechende Nahrungsaufnahme kompensiert werden kann. Hier können lebensbedrohliche Zustände eintreten.

Diagnose und Therapie von CED

Um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sicher zu diagnostizieren, ist die umfassende Besprechung und Beratung mit einem Facharzt von großer Bedeutung. Die individuelle Krankheitsgeschichte wird erfasst und sämtliche Faktoren miteinbezogen, die einen Auslöser darstellen können. Stress, Ernährungsweise, andere eigene Erkrankungen und mögliche Erkrankungen in der Familie gehören mit in die Anamnese.

Zur Diagnose werden bildgebende Verfahren hinzugezogen. Wichtige Hinweise liefern eine Ultraschalluntersuchung und eine Darmspiegelung (Kolongraphie) mit Gewebeprobe (Biopsie). Diese kann mit einer leichten Narkose durchgeführt werden. Auch virtuelle Verfahren ganz ohne Endoskop sind möglich.

Darmspiegelung - Koloskopie
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Blutbild und Stuhlprobe sind weitere wichtige Methoden zur Diagnose einer CED. Sind diese Blutwerte erhöht, deutet der Laborbefund auf ein Entzündungsgeschehen im Körper bzw. Darm hin: 

  • erhöhte Leukozyten-Anzahl (weiße Blutkörperchen),
  • erhöhtes C-reaktives Protein,
  • erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit.
In der Stuhlprobe wird zunächst nach einer akuten bakteriellen Infektion gesucht. Weitere Marker für eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung sind erhöhtes Calprotectin, ein Protein der Immunsystemzellen, und erhöhte Lactoferrin-Werte. Lactoferrin ist ebenfalls ein Eiweiß und deutet auf eine laufende Abwehrreaktion des Immunsystems hin. Da CED ähnliche Symptome haben, wie nicht-entzündliche Darmerkankungen (zum Beispiel Reizdarm), ist eine Untersuchung der Entzündungsmarker in Blut und Stuhl ein wichtiges Diagnosekriterium.

Die CED kann mit Medikamenten behandelt werden, die in die Immunreaktion des Körpers eingreifen. Das klassische Medikament ist hierbei das Cortison, das die Immunaktivität reduzieren hilft. Dies wird allerdings nicht über längere Zeit gegeben, damit die Nebenwirkungen über die Zeit nicht akkumulieren (überhandnehmen). Andere sogenannte immunmodulatorische Medikamenten können hier eingesetzt werden.

In einigen Fällen ist die operative Entfernung von Dünndarmabschnitten oder von Teilen oder dem gesamten Dickdarm eine hilfreiche Therapiemaßnahme zum Beispiel bei Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa.


Autor: Prof. Dr. med. Jörg G. Albert