Restless Legs Syndrom: Mehr als eine Unruhe

Wer kennt es nicht, das Kribbeln in den Beinen während langer Zugfahrten oder Sitzungen im Büro? Als hätten sich die Beine in einen Ameisenhaufen verwandelt. Diese Empfindung erlaubt eine vage Ahnung, wie qualvoll das Restless Legs Syndrom auf Betroffene wirkt.

Die folgenden Abschnitte informieren Sie ausführlich über die Erkrankung RLS und ihre Behandlungsmöglichkeiten. Außerdem erfahren Sie, wie Sie aktiv gegen die Krankheit vorgehen und so Ihre Lebensqualität verbessern können.

Übersicht

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Restless-Legs-Syndrom - Weitere Informationen

Das Restless Legs Syndrom: kurz erklärt

Der offizielle Name der Erkrankung lautet Syndrom der unruhigen Beine oder Restless Legs Syndrom (ICD-Code: G25.81) für das RLS. Charakteristisch sind Bewegungsstörungen und Missempfindungen, die eine starke innere Unruhe hervorrufen können. Patienten verspüren dabei einen gesteigerten unangenehmen Bewegungsdrang. Vor allem in den Beinen wird dieses Gefühl bemerkt, aber auch die Arme können betroffen sein.

Beine
© Piotr Marcinski

Das Syndrom gilt als neurologische Erkrankung und war bis vor wenigen Jahren in medizinischen Kreisen wenig bekannt. Die Deutsche Restless Legs Vereinigung e.V. geht von mehreren hunderttausend Betroffenen in Deutschland aus. 

Symptome: das passiert bei RLS

Betroffene beschreiben ihre Beschwerden sehr unterschiedlich. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Symptome:
  • Ein starker Bewegungsdrang mit Gefühlen von Kribbeln, Ziehen oder Reißen in den Beinen.
  • Die Empfindungen treten einseitig oder beidseitig auf.
  • Selten sind auch die Arme betroffen.
  • Schmerzen spürbar in Armen oder Beinen
  • Symptome zeigen sich meist abends und nachts, sobald der Körper zur Ruhe kommt.
  • Bewegung lindert die Symptome.

Die Folgen sind Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und Erschöpfungszustände.
Beschwerden treten auch tagsüber auf. Langes Sitzen, wie es Flugreisen, Theaterbesuche oder Kongresse erfordern, können RLS-Symptome auslösen.

Schlaflosigkeit bei Unruhe
Schlaflosigkeit und körperliche Unruhe bei RLS © Sergey / Fotolia

Dieser Umstand führt zu einer großen psychischen Belastung. RLS-Patienten vermeiden Situationen, die längeres Sitzen erfordern. Schlaflose Nächte lösen Angst vor dem Zubettgehen aus. Der psychische Stress kann die Schlaflosigkeit verstärken. Ein Teufelskreis.

Je nach Schweregrad vermindert das Restless Legs Syndrom die Lebensqualität bei einigen Patienten enorm. Die psychische Belastung mündet im schlimmsten Fall in einer Depression.

Ursachen der unruhigen Beine

Primäres RLS: Gene und Stoffwechsel

Rund sechzig Prozent aller Patienten leiden am primären (idiopathischen) Restless Legs Syndrom als eigenständiger Grunderkrankung. Die Forschung im Zusammenhang mit der primären RLS steht noch ziemlich am Anfang. Bisherige Erkenntnisse zeigen, dass es sich um eine neurologische Erkrankung handelt.

Als Ursache gehen die Forscher von einer genetischen Disposition aus, da die Krankheit oft mehrere Familienmitglieder in verschiedenen Generationen betrifft. Betroffene berichten über erste Symptome vor dem 30. Lebensjahr. Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr melden sich die meisten Patienten zum ersten Mal beim Arzt, weil die Beschwerden sie merklich belasten.

Im Gegensatz zu Alzheimerpatienten fanden die Wissenschaftler bei RLS-Betroffenen bisher keine spezifischen Veränderungen in der Gehirnstruktur.

Substanzen, die Dopamin oder Opioide enthalten, lindern die Krankheit. Daraus schließen die Ärzte, dass die Symptome der RLS durch eine Störung im Dopaminstoffwechsel entstehen. Auch der Eisenstoffwechsel steht im Verdacht, eine Rolle zu spielen.

Sekundäres RLS: Vorerkrankungen und besondere Lebensumstände

Vierzig Prozent der RLS-Patienten entwickeln ein sekundäres (symptomatisches) Restless Legs Syndrom. Mögliche Ursachen sind:

  • Vorerkrankungen, wie etwa Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenerkrankungen, auch Rheuma
  • Eisenmangel
  • Schwangerschaft
  • Einnahme bestimmter Arzneimittel, wie zum Beispiel gegen Depressionen oder zur Schilddrüsentherapie

Ein sekundäres RLS bessert sich oder verschwindet, sobald der Auslöser wegfällt. Im Rahmen der Anamnese klärt der Arzt ab, an welcher RLS-Form Sie leiden. Im Fall eines sekundären RLS sollten Sie niemals eigenmächtig Medikamente absetzen oder die Therapie einer anderen (Vor-) Erkrankung abbrechen.

Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt. Er kann Ihnen ein anderes Mittel verschreiben.

Der Weg zur Diagnose RLS

Bis ein Betroffener die eindeutige Diagnose für seine Beschwerden erhält, vergeht meist einige Zeit. Die erste Anlaufstelle ist in der Regel der Hausarzt. Dieser untersucht den Patienten umfassend. Findet sich keine andere Erklärung für die vorliegenden Symptome, überweist der Hausarzt den Patienten an einen Neurologen.

Anamnesegespräch zur Diagnostik
© Chinnapong


Die Diagnose RLS wird meist durch ein sehr intensives Anamnesegespräch zwischen Arzt und Patient entwickelt. Die Beobachtung und Bewertung der Krankengeschichte spielen dabei eine tragende Rolle. Zur Diagnose führen meist diese Begleiterscheinungen:

  • Patienten klagen über Schlaflosigkeit und Tagesmüdigkeit.
  • Besonders am Abend oder Nacht beziehungsweise in Ruhe wird der Bewegungszwang stärker.
Das nahe Umfeld erkennt ebenfalls die Schlafstörung und Müdigkeit als Problem. Die Ursache für die Unruhe schieben Patient und Umwelt meist dem Charakter des Betroffenen zu.

Therapiemöglichkeiten und Selbsthilfe

Selbsthilfe bei leichten Beschwerden: Leichte Bewegung und Abkühlung

Leichte Formen des Restless Legs Syndroms kann der Betroffene selbst in den Griff bekommen. Hier einige Hinweise zur Selbsthilfe:

  • Sorgen Sie für ausreichende, jedoch mäßige körperliche Bewegung.
  • Meiden Sie schwere körperliche Arbeit.
  • Probieren Sie kalte Fußbäder.
  • Massieren Sie betroffene Arme, Füße und Beine.
  • Machen Sie Kniebeugen.
  • Verzichten Sie auf Kaffee und Alkohol. 
  • Meiden Sie Hitze, zum Beispiel die Sauna.

In jeder Region gibt es Selbsthilfe-Gruppen. Dort können sich Menschen über ihre Erkrankung austauschen, sich gegenseitig Mut zusprechen und aktuelle Informationen über ihr RLS teilen. Eine Selbsthilfe-Koordinationsstelle gibt Ihnen Auskunft, in welcher Stadt sich die nächstgelegene RLS-Gruppe trifft.

Die Selbsthilfe stößt an Grenzen, wenn Schlaflosigkeit und Tagesmüdigkeit Sie derart erschöpfen, dass Sie Ihren täglichen Pflichten nur noch eingeschränkt nachkommen können. In diesen Fällen raten Ärzte zu einer medikamentösen Therapie.

RLS-Therapie mit Medikamenten bei ausgeprägten Symptomen

Reichen die genannten Maßnahmen nicht aus, um Ihre Beschwerden merklich zu lindern, bedarf es einer medikamentösen Therapie. Ein Neurologe wird zusammen mit Ihnen ein passendes Mittel auswählen und die Dosierung festlegen.

Die erste Wahl liegt in einer dopaminergen Therapie. Der Patient nimmt L-Dopa ein. Dabei handelt es sich um eine Aminosäure. Der menschliche Körper stellt daraus die Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin her. Diese Stoffe sind wichtige Neurotransmitter und damit am Gehirnstoffwechsel beteiligt. Alternativ dazu setzt die Medizin Dopaminagonisten ein.

Neurochirurgie bei Epilepsie
Der Gehirnstoffwechsel und neuronale Aktivität spielen bei RLS eine Rolle. © ktsdesign

Die zweite Möglichkeit besteht in einer Behandlung mit Opiaten. In der Regel verordnet der Neurologe kurzzeitig wirksame Arzneien. Nur in besonders schweren Fällen greift er auf Medikamente mit Langzeitwirkung zurück.

Als dritte Option gilt die Therapie mit Anticonvulsiva. Diese Medikamenten-Gruppe stammt ursprünglich aus der Therapie der Epilepsie. Sie mildert ebenfalls die Symptome des Restless Legs Syndroms und wird auch zur Migräne-Prophylaxe verschrieben.

Das RLS-Syndorm ist eine leidvolle chronische Erkrankung, die gehäuft familiär auftritt. Erste Krankheitsphasen zeigen sich vor dem 30. Lebensjahr. Erst im fortgeschrittenen Alter verschlimmern sich die Symptome, sodass eine Behandlung erforderlich wird. Neben der Selbsthilfe verfügt die Medizin über wirksame Medikamente, die die Lebensqualität erheblich steigern.