Wissenswertes zum Thema Hypophyse (Hirnanhangdrüse)

Die meisten Menschen nehmen ihre Hypophyse erst dann konkreter zur Kenntnis, wenn sie im Kontext einer ärztlichen Diagnose mit einer Fehlfunktion konfrontiert werden. Wenn bei Ihnen eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse vorliegt, ist das Fachgebiet der Endokrinologie als Teilbereich der Inneren Medizin dafür zuständig. Informationen rund um Funktionen, Störungen und eventuelle Behandlungsmöglichkeiten helfen Ihnen beim Verständnis Ihres Anliegens weiter.

Themenübersicht dieses Artikels

Definition Hirnanhangdrüse

Die Hypophyse ist eine Hormondrüse, die sich im Gehirn befindet. Sie hat in etwa die Größe einer Erbse beziehungsweise einer kleinen Kirsche und besteht aus zwei unterschiedlichen Bereichen: Dem Hypophysenvorderlappen und dem Hypophysenhinterlappen.

Der Hypophysenvorderlappen hat mit etwa 75% den größeren Anteil an der Drüse und besteht aus Drüsengewebe. Der Hypophysenhinterlappen ist kleiner und setzt sich aus Nervengewebe zusammen. Die beiden Bereiche sind durch einen Zwischenlappen verbunden und haben über den Hypophysenstiel eine Verbindung zum Gehirn.

Das kleine Organ ist durch eine Einbettung in die Schädelknochenvertiefung bestens geschützt. Von außen betrachtet befindet sich die Hypophyse ungefähr in der Kopfmitte auf Augenhöhe.

Hirnanhangdrüse Hypophyse
Anatomie der Hypophyse © bilderzwerg / Fotolia

Funktionen der Hypophyse

Die zentrale Aufgabe der Hirnanhangdrüse besteht in der Steuerung des vegetativen Nervensystems. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Hypothalamus, der im Zwischenhirn unmittelbar oberhalb der Hypophyse sitzt.

Gemeinsam überwachen und regulieren sie beispielsweise

  • Herzschlag
  • Hunger- und Durstempfinden
  • Schlaf
  • Temperatur
  • Ausscheidungen

Weiterhin ist die Hypophyse für die Bildung verschiedener Hormone zuständig, die ihrerseits der Steuerung hormonbildender Drüsen dienen. Im Vorderlappen sind dies beispielsweise Hormone, die das Wachstum anregen und die der Eizellen-Reifung bei der Frau sowie der Spermienentwicklung beim Mann dienen.

Weitere Hormone fördern das Brustdrüsenwachstum und die Muttermilchproduktion und aktivieren die Funktion der Schilddrüse. Der Hinterlappen setzt Hormone frei, die am Schwangerschaftsende wehenauslösend wirken und die Flüssigkeitsmenge im Körper über die Funktion der Nieren regulieren.

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Erkrankungen

Im Zusammenhang mit der Hypophyse sind unterschiedliche Erkankungen und Störungen möglich. Die häufigste Störung ist das Hypophysenadenom. Hierbei handelt es sich um einen gutartigen Tumor, der sich entweder hormonaktiv durch eine übermäßige Hormonproduktion oder hormoninaktiv durch Wachstum äußert.

Die Hormonbildung ist ebenso durch andere Auslöser als einen Hypophysentumor beeinträchtigt, etwa durch die Krankheit Enzephalitis, bei der eine Entzündung des Gehirns gegeben ist. Auch bei einer Meningitis, der Hirnhautentzündung, ist eine Beeinträchtigung der Hormonbildung möglich. Weitere Schädigungen, die zu Erkrankungen der Hypophyse führen, sind schwere Unfälle oder Operationen.

Wenn Ihre Hirnanhangdrüse teilweise oder gänzlich in ihrer Funktion eingeschränkt ist, bezeichnet die Medizin dies als Hypophyseninsuffizienz.

Symptome möglicher Störungen

Wenn die Hormonbildung infolge einer Erkrankung eingeschränkt ist oder vermehrt auftritt, sind vielfältige Symptome möglich. Die Art der Symptome hängt vom konkreten Hormon ab.

Indikatoren sind beispielsweise Kopfschmerzen, sofern die Hypophyse vergrößert ist. Auch Krämpfe der Muskulatur oder starke Übelkeit sind möglich. Andere Beeinträchtigungen äußern sich in sexueller Unlust oder einem Ausbleiben der Regelblutung bei der Frau.

In der Pubertät führt eine Überproduktion des Wachstumshormons gelegentlich zu einem sogenannten Gigantismus, einem verstärkten Größenwachstum. Häufig lässt sich dies erst im Erwachsenenalter durch entsprechend größere Gliedmaßen und auch Organe feststellen.

Bei einem Defizit an bestimmten Hormonen sind eine Gewichtsabnahme, Stimmungsschwankungen oder eine Unterfunktion der Schilddrüse denkbar. Auch Antriebsarmut, blasse Haut sowie ein niedriger Blutzuckerspiegel und Blutdruck sind typische Anzeichen. Da viele der Beschwerden auch zu völlig anderen Krankheiten passen, ist eine umsichtige Diagnostik durch Ihren behandelnden Arzt wesentlich.

Hirnanhangdrüse
Schnitt durch die Hirnanhangdrüse © 7activestudio / Fotolia

Behandlungsoptionen

Die Behandlung eines Hypophysentumors richtet sich nach der genauen Lage und Größe. Auch die individuellen Beschwerden sind maßgeblich für die Behandlung. In der Regel ist eine Operation erforderlich, die der Entfernung des Tumors dient. Er Eingriff erfolgt meist durch die Nase, sodass der Schädel intakt bleibt. Auch eine Bestrahlung des Tumors ist in vielen Fällen eine Option, über die Sie Ihr Arzt ausführlich informiert. Hormonproduzierende Tumore sprechen häufig gut auf eine medikamentöse Therapie an.

Ziel ist generell das Vermeiden einer Schädigung der Hypophyse. Ist diese bereits gegeben, haben Sie die Möglichkeit, eine Hormonersatztherapie in Anspruch zu nehmen.

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Zusammenfassung

Die Hirnanhangdrüse nimmt eine wichtige Position bei den Vorgängen von Stoffwechsel und Hormonhaushalt ein. Wenn die Hormonproduktion gestört ist, sind oftmals tief greifende Beeinträchtigungen und Funktionsausfälle in zahlreichen Bereichen möglich. W

enn Sie bei sich entsprechende Symptome bemerken, weisen Sie Ihren Arzt auf Ihre Beschwerden hin. Erkrankungen der Hypophyse sind vielfach gut zu behandeln, ohne Ihr Leben zu beeinträchtigen.