Zervikaler Bandscheibenvorfall - Schmerzsymptomatik an der Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln, die mit C1 bis C7 benannt sind (C steht für cervix, lateinisch für Hals oder Nacken). Zwischen diesen Wirbeln liegen Bandscheiben als wasserhaltige Pufferscheiben mit einem festen Faserring.

Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule meint eine Schädigung an einer oder mehrerer Bandscheiben in diesem Wirbelsäulenabschnitt, auch zervikaler Bandscheibenvorfall genannt. Dieser kann mit einer Verengung des Spinalkanals im Halswirbelsäulenbereich, der sogenannten Spinalkanalstenose, verbunden sein. Häufig besteht dabei ein Schulter-Nacken-Schmerz, der in die Arme und Hände ausstrahlen kann. Auch neurologische Symptome wie Gangstörungen sind möglich.

Mehr zu den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten erfahren Sie hier!

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Zervikaler Bandscheibenvorfall - Weitere Informationen

Was ist ein Bandscheibenvorfall an der HWS?

Die sieben Halswirbel sitzen am oberen Teil der Wirbelsäule und tragen den Schädel, mit dem die obersten zwei Halswirbel das Kopfgelenk bilden. Bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule (ICD-Code: M50) tritt Bandscheibengewebe aus dem Gallertkern (Nukleus) durch den Faserring der Bandscheibe (Annulus) nach hinten aus der Bandscheibe heraus. Dieser Bandscheibenschaden kann an jeder der 24 Bandscheiben der Wirbelsäule auftreten. Am stärksten belastet ist die Lendenwirbelsäule (LWS), aber auch an der Halswirbelsäule (HWS) ist der Bandscheibenvorfall eine vor allem im mittleren Lebensalter häufige Erkrankung. 

Zervikaler Bandscheibenvorfall
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Man unterscheidet einen Bandscheibenprolaps (Vorfall), bei dem der Faserring aufbricht und den innenliegenden Nukleus austreten lässt, von einer Bandscheibenprotrusion (Vorwölbung), bei der hingegen die Bandscheibe bei noch intaktem Faserring verformt ist. Wird ein größerer Prolapsanteil in den Spinalkanal hineinverlagert, so spricht man von einem freien Sequester. In jedem Fall wird Druck auf Spinalnerven ausgeübt, der zu Schmerzen und neurologischen Ausfällen führt.

Bandscheibenschäden
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Ursachen eines Bandscheibenvorfalls an der Halswirbelsäule

Die Ursache ist in erster Linie eine angeborene Schwäche des Bandscheibengewebes. Das Gewebe ist dabei weniger elastisch und stabil. Bandscheiben sind selbst nicht durchblutet und erhalten ihre Nährstoffe nur durch Gewebeflüssigkeit, die bei Bewegung regelmäßig hinein- und hinausgepresst wird. Im Schlaf regenerieren die Bandscheiben, indem sie sich wieder mit Wasser vollsaugen - schließlich bestehen sie zu 90% aus Wasser.

Im Lauf des Lebens altern die Bandscheiben und knöchernen Wirbel. Die Regenerationsfähigkeit der Bandscheiben nimmt ab und die Wirbel reagieren auf Fehlbelastungen mit Verschleiß und Verknöcherung der kleinen Wirbelgelenke (Facettensyndrom bzw. Spondylarthrose). Das Video zeigt diese Symptomatik:

 

 

Diese Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule werden auch Spondylose genannt und können den Spinalkanal, der durch die runde Aussparung in der Mitte der Wirbel gebildet wird, verengen. Bei der sogenannten Spinalkanalstenose entsteht also ein Platzmangel, der sich negativ auf das Rückenmark und die daraus abzweigenden Spinalnerven auswirkt. Nervenkompressionen und Druck auf das Rückenmark lösen starke Schmerzen aus.

Symptome und Diagnose beim zervikalen Bandscheibenvorfall

Ein frischer Bandscheibenvorfall kann zur akuten Kompression einer Nervenwurzel führen. Die Schmerzausstrahlung erfolgt dann entlang der Nervenwurzel zu einzelnen Fingern hin. Entsprechend dieser Radikulopathie kann es zu Funktionsausfällen, also motorischen Problemen, kommen. Häufig besteht ein Schulter-Nacken-Schmerz. Fast alle Patienten leiden darüber hinaus unter einer Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule.

Frau mit schmerzhafter Verspannung
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Die Spinalkanalstenose an der HWS kann schwer diagnostizierbare neurologische Symptome verursachen: Durch druckbedingte Veränderungen im Rückenmark kann es beispielsweise auch zu Gangstörungen kommen.

Behandlung bei Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose an der HWS

Man unterscheidet zwischen konservativer und operativer Therapie. Gerade im Bereich der Halswirbelsäule sind die Erfolgsraten der konservativen Therapie gut.

Konservative (nicht-operative) Therapie 

Bandscheibenvorfälle kombinieren als orthopädisch-neurologische Erkrankung ein akutes Entzündungsgeschehen mit angeschwollenem Gewebe und Nervenkompression. Prinzipiell kann sich ein Bandscheibenvorfall gut alleine zurückbilden und das ausgetretene Bandscheibengewebe wird vom Körper abgebaut. Dafür braucht es Zeit und medikamentöse Unterstützung.

Am Anfang der Therapie stehen die Gabe von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (NSAR wie Diclofenac und Ibuprofen. Gegen starke Muskelverspannungen helfen Muskelrelaxantien (verschreibungspflichtig, zum Beispiel Methocarbamol) sowie physiotherapeutische Behandlungen. Manuelle Therapie und lokale Wärmeanwendung wird in der Regel gut vertragen. Für die konservative Therapie sind ein Zeitraum von rund 8 Wochen einzuplanen.

Injektionen in den Bereich der betroffenen Nervenwurzel sowie die technisch anspruchsvolle Gabe von Medikamenten in den Spinalkanal der HWS sind hoch wirksam und mit Studien gut belegt. Sehen sie den Ablauf einer solchen interventionellen Schmerztherapie bei einem HWS-Bandscheibenvorfall im Video:

 

Operation bei Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose an der HWS

Bei chronischen Beschwerden trotz konservativer Therapie oder akutem Bandscheibenvorfall mit Lähmungen ist die operative Ausräumung der Bandscheibe (Nukleotomie) und des Bandscheibenvorfalles Therapie der Wahl. Im Gegensatz zu den Operationen an der Lendenwirbelsäule werden Bandscheibenvorfälle an der HWS ganz überwiegend von vorne operiert und die erkrankte Bandscheibe ausgeräumt.

Bei jungen Patienten ohne Wirbelgelenksarthrose können Bandscheibenprothesen oder stabilisierende Ringe aus Titan oder Kunstoff, ein sogenannter Cage, zum Einsatz kommen, die die defekte Bandscheibe ersetzen. Bei Patienten mittleren und höheren Alters wird eine Fusion der benachbarten Wirbelkörper mit einem Knochenblock oder einem Platzhalter anstelle der Bandscheibe durchgeführt.

Bei einer Spinalkanalstenose im Bereich der HWS kann die Ursache der Einengung auch von rückseitigen Strukturen ausgehen. In diesen Fällen wird eine sogenannte dorsale Dekompression in verschiedenen Techniken ausgeführt. Hierbei werden knöcherne Wirbelbögen entfernt oder aufgeklappt um für das Rückenmark mehr Platz zu schaffen.

Mögliche Komplikationen und Risiken bei einer operativen Therapie 

Die Indikation zur Bandscheiben-Operation ist sehr sorgfältig zu stellen. Dann sind Komplikationsraten gering und betreffen in erster Linie die mögliche Verletzung der Rückenmarkshaut oder eine Fehllage des Platzhalters. Wird nicht sorgfältig unter Zuhilfenahme eines Mikroskops operiert, können Bandscheibenreste im Spinalkanal übersehen werden. Sehr selten treten Blutungen oder Nervenverletzungen im Zugangsbereich am Hals auf.

Nachsorge bei einem Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule

Nach konservativer Therapie oder Injektionstherapie von Bandscheibenvorfällen der Wirbelsäule sollte sich eine krankengymnastische Übungsbehandlung anschließen. Wichtig ist hierbei das Erlernen von Eigenübungen, die der Patient regelmäßig durchführen sollte. Bei vorgeschädigten Strukturen an der HWS ist die Vermeidung von Belastungen, besonders Zugbelastungen, der Halswirbelsäule wichtig.

Hilfreich für eine physiologische, das heißt gesunde Körperhaltung ist das Aufdehnen von verkürzten Muskeln. Besonders durch einseitige Schreibtischarbeit verkürzen die Brust- und Armmuskeln. Öffnende Dehnübungen können helfen und sollten zunächst unter professioneller Anleitung erfolgen.

Physiotherapie Halswirbelsäule und Schultern
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Operationen der HWS werden in der Regel sehr gut vertragen und stellen für den Patienten nur eine geringe Belastung dar. Der postoperative Krankenhausaufenthalt beschränkt sich in der Regel auf wenige Tage. Nach dem Eingriff kann mit einer Erholungs- und Heilungsphase von rund 6 Wochen gerechnet werden. Oft schließt sich an die Operation eine meist dreiwöchige Rehabilitation oder Anschlussheilbehandlung (AHB) an.

Heilungsaussichten bei einem zervikalen Bandscheibenvorfall

Meistens können Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule konservativ gut behandelt werden. Am wirksamsten sind dabei Injektionen. Die relativ selten notwendigen Operationen von Bandscheibenvorfällen der HWS wirken schnell gegen den Schmerz und haben eine hohe Erfolgsrate.

Die Spinalkanalstenose der HWS hat eine schwierig zu diagnostizierende, jedoch schwerwiegende Symptomatik und wird daher häufig spät erkannt. Die Operation kann dann oft nur noch den Schaden begrenzen, jedoch keine eine Heilung mehr erbringen.

Bei Erkrankungen einer Bandscheibe in einem Segment sind die Erfolgsaussichten beim konservativen sowie beim operativen Vorgehen gut. Bei akutem Bandscheibenvorfall sind die Schmerzen sowohl durch die Injektionen als auch in entsprechenden Fällen durch die OP sehr gut zu therapieren. Sind Nervenschäden noch nicht so gravierend, erholen sich diese im Verlauf von einigen Monaten postoperativ.

Sind mehrere Segmente – meistens im Bereich der unteren HWS – an einem Bandscheibenverschleiß erkrankt so kann nur eine Linderung erreicht werden.

Bei hochgradiger Spinalkanalstenose im Bereich der HWS mit Zeichen der Rückenmarkschädigung kann es zu bleibenden Schäden des Rückenmarks kommen. Diese sind dann selbst bei Durchführung einer Operation nur teilweise rückbildungsfähig.

Autor: Prof. Dr. med. Michael Haake


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