Meralgia paraesthetica - Medizinische Experten

Die Meralgia parästhetica ist ein außerordentlich lästiges und beeinträchtigendes Beschwerdebild, bei dem nadelstichartige Schmerzen, Missempfindungen sowie mitunter auch Taubheitserscheinungen in der Oberschenkelregion auftreten. Behandelt wird die Meralgia parästhetica in der Regel im Rahmen einer stationären Operation. Schätzungen zufolge führt eine solche Meralgia parästhetica-Operation in 70 bis 80% der Fälle zu einer Heilung.

Weitere Informationen zur Meralgia paraesthetica finden Sie im Text weiter unten.

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Meralgia paraesthetica - Weitere Informationen

Was versteht man unter der Meralgia parästhetica?

Bei der Meralgia parästhetica handelt es sich um eine Nerveneinklemmung mit Schmerzen am sogenannten Nervus cutaneus femoris lateralis – einem Nerv, der sehr dünn ist und die Haut der Oberschenkelregion vorne und etwas außen bis etwa zum Knie versorgt. In dieser Region entstehen elektrisierend einschießende Schmerzen, die in der Hälfte der Fälle mit Taubheitserscheinungen verbunden sind. Nicht betroffen von der Meralgia parästhetica sind Knie und Unterschenkel. Der Schmerz entsteht durch ein gestrecktes Hüftgelenk, also vorwiegend beim Stehen, und bildet sich zurück, wenn man das Hüftgelenk kräftig anbeugt.

Es handelt sich bei dem von der Meralgia parästhetica betroffenen Nerven um einen Nerv von allenfalls Bleistiftminenkaliber, der am Boden des kleinen Beckens nach vorne Richtung Leistenbandregion zieht und dann zwischen den Blättern des Leistenbandes eine Abknickung zur Haut der Oberschenkelvorderseite nach unten erfährt. Diese Abknickung ist das Problem, denn sie besteht bei gestreckter Position im Hüftgelenk und wird beim Anbeugen im Hüftgelenk aufgehoben. Die derben Kanten der einzelnen sehnigen Blätter des Leistenbandes können je nach Positionierung des Nervs quer zu seinem Verlauf kneifen.

Symptome der Meralgia parästhetica

Das Beschwerdebild der Meralgia parästhetica ist selten, aber es wurde schon von Sigmund Freud an sich selbst beschrieben. Es kann sehr starke Intensität annehmen und einen Bandscheibenvorfall mit Ischiasschmerzen vortäuschen.

Da der Nerv ausschließlich sensible Fasern enthält, welche Berührungsempfindung, Schmerz- und Temperaturempfindung zu Rückenmark und Gehirn hoch leiten, und keine motorischen Fasern, die Muskeln steuern würden, kommt es nie zum Kraftverlust im Bein. Stattdessen bemerkt der Patient bei der Meralgia parästhetica nur Schädigungen der drei sensiblen Qualitäten.

Untersuchung und Diagnose der Meralgia parästhetica

Es gibt praktisch keine Beweis gebende apparative Untersuchung für das Betroffensein des Nervs. Für die Darstellung in der Kernspintomographie ist er zu klein. Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen durch einen Neurologen im Seitenvergleich zwischen rechts und links können die Erstellung der Diagnose einer Meralgia parästhetica erleichtern. Bei Prüfung des Gefühles im Seitenvergleich an den Oberschenkelvorder- und -außenseiten können Fehlempfindungen, Kribbelmissempfindungen oder schon Taubheitserscheinungen angegeben werden.

Am besten lässt sich die Diagnose der Meralgia parästhetica durch die folgende sehr einfache Maßnahme beweisen: Der Patient soll an sich beobachten, welche Beinpositionierungen oder Bewegungsabläufe den Schmerz leicht provozieren. Man setzt dann an der Verlaufsstelle des Nervs direkt an der Innenkante der vorderen Beckenkammspitze eine Injektion mit einem Betäubungsmittel und instruiert den Patienten, danach genau diese provozierenden Manöver auf der Straße auszuführen. Wenn innerhalb des Wirkungszeitraumes des Betäubungsmittels von circa 2 Stunden das Auftreten des Schmerzes weggeblieben war, ist damit bewiesen, dass der kleine Nerv durch die Meralgia parästhetica betroffen ist.

Durchtrennung des Nervs bei der Meralgia parästhetica-Operation

Früher wurde bei der meralgia parästhetica-Operation nach Darstellung des Nervchens eine Durchtrennung vorgenommen. Es entsteht dadurch zum einen eine komplette Taubheit im Versorgungsgebiet des Nervs. Zum anderen kann das dann entstandene Nervende hochgradig empfindlich werden. Nach einer Nervendurchtrennung entsteht immer in der nahe des Rückenmarks gelegenen Nervenzelle eine stark erhöhte Aktivität, die dem im Nerv gelegenen Nervenzellfortsatz die Fähigkeit verleiht, wieder nach peripher in sein ehemaliges Versorgungsgebiet auszuwachsen.

Nach einer Nervendurchtrennung wissen die mehreren Tausend Nervenfasern aber nicht, wohin sie wieder wachsen können. Deshalb entsteht am Nervende eine knäuelartige Verdickung aus wirr ausgewachsenen Nervenfasern (Neurom). Diese Ansammlung von sensiblen Nervenfaserendigungen reagiert hochgradig empfindlich auf Gewebedruck und kann neue Schmerzen provozieren, die das Gehirn in das ehemalige Versorgungsgebiet des Nervs hinein projiziert. Aus diesem Grunde sollte der Nerv bei der Meralgia parästhetica-Operation nicht durchtrennt werden.

Heutiges Vorgehen bei der Meralgia parästhetica-Operation

Stattdessen müssen bei der Meralgia parästhetica-Operation Anteile der Blätter des Leistenbandes direkt an der Innenseite der Beckenkamm-Vorderspitze so durchtrennt werden, dass der kleine Nerv durch Bewegungen und Positionierungen des Hüftgelenkes nicht mehr gekniffen wird. Man erreicht diess durch eine verhältnismäßig kleine Schnittführung direkt über der Beckenkammspitze. Bei sehr fettgewebshaltigen Bauchdecken an dieser Stelle muss man allerdings unter Umständen die Schnittführung beträchtlich erweitern, um an Strukturen des Leistenbandes und der den Oberschenkel bedeckenden vorderen Sehnenplatte zu gelangen. Ob sich Operationen in Schlüssellochtechnik hier auch anwenden lassen und eventuell bewähren, bleibt der Zukunft vorbehalten.

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Da sich nach der Meralgia paräthetica-Operation Wundsekret aus dem Inneren des Beckenbodens durch die operativ geschaffene kleine Öffnung unter die Haut verteilen kann, sollte bis zu 3 Tage lang eine Saugdrainage im OP-Bereich verbleiben. Dadurch setzt die übliche Verklebung der Wunde ein und die Heilung wird nicht durch die Ansammlung von Wundwasser aufgehalten. Meralgia parästhetica-Operationen unter ambulanten Bedingungen sind von der Eingriffsart her zwar möglich, aufgrund der notwendigen Kontrolle der Wundsituation aber sehr ungünstig.

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Medikamentöse Behandlung der Meralgia parästhetica

Eine medikamentöse Therapie der Meralgia parästhetica ist nicht möglich. Es werden wiederholte cortisonhaltige Infiltrationen hier und da gemacht an der gleichen Stelle, an der die oben beschriebene Testinfiltration erfolgt. Die Besserungschancen für das Schmerzsyndrom sind damit sehr begrenzt. Schmerztherapien mit morphinähnlichen Medikamenten sind definitiv keine Dauerlösung zur Behandlung der Meralgia parästhetica. Herkömmliche Schmerzmittel (Antiphlogistika) können allenfalls vorübergehend wirken, das eigentliche Problem aber auch nicht lösen.

Nachbehandlung nach der Meralgia parästhetica-Operation

Es bedarf keinerlei Nachbehandlung nach der Meralgia parästhetica-Operation. Allenfalls ist eine Schonung des Operationsbereiches notwendig.

Mögliche Komplikationen und Risiken der Meralgia parästhetica-Operation

Wenn sich in dem Areal an Oberschenkelvorder- und -außenseite ein Dauerbrennschmerz entwickelt hat und Berührungen der Haut einen zusätzlichen Schmerz aufpfropfen („neuropathischer Schmerz“), ist es für die Meralgia parästhetica-Operation zu spät. Es haben sich dann durch den vom Nerv ausgehenden Dauerreiz im Zentralnervensystem (Rückenmark) Veränderungen abgespielt, die auf eine Behandlung an dem kleinen peripheren Nerv hin nicht mehr reagieren.

Als Komplikation des Dekompressionseingriffes kann natürlich die Gefahr genannt werden, dass es bei Verlaufsanomalien des Nervs doch zur Verletzung oder Durchtrennung kommt. Die Folge wäre eine komplette Taubheit im Versorgungsgebiet des Nervs. Es bildet sich – wie beschrieben – am neugeschaffenen Nervenende ein Neurom. Bleibende Schmerzhaftigkeit geht aber von einem solchen Neurom nur in 10% der Fälle aus, so dass die nicht beabsichtigte, aber eventuell eingetretene Nervendurchtrennung dennoch Chancen der Schmerzbeseitigung hat. Zur Vermeidung von Wundkomplikationen an der ja durch tägliche Bewegungsabläufe sehr belasteten Stelle muss man zu einer länger dauernden Saugdrainage und möglichst zu einer stationären Nachbeobachtung raten. Gravierende Risiken durch die Meralgia parästhetica-Operation sind nicht zu nennen.

Erkenntnisse der Meralgia parästhetica-Operation

Es gibt keine verlässlichen statistischen Erkenntnisse über den etwaigen Verlauf der Meralgia parästhetica ohne Operation, leider aber auch nicht über die Erfolgsrate mit Operation. Man schätzt aber, dass eine Meralgia parästhetica-Operation in 70 bis 80% der Fälle zu einer Heilung führt. Beschwerdebild und Eingriff sind so selten, dass etwaige Operateure nur persönlich gefärbte Äußerungen zu den Erfolgsraten machen können. Der Autor würde bei geklärter Indikation eher zu einer Erfolgsrate von 80% neigen. Das Problem ist, dass eine apparative Untersuchbarkeit mit Verlässlichkeit präoperativ nicht existiert.

Fazit

Die Meralgia parästhetica ist ein außerordentlich lästiges und beeinträchtigendes Beschwerdebild. Die Erstellung der Diagnose erfolgt durch eine Testinjektion und nur zweitrangig durch apparative Untersuchungen. Im Vordergrund der Behandlung steht die Meralgia parästhetica-Operation, die einen kleinen und häufig wirklich wirksamen Eingriff darstellt. Die durch alle Bewegungsabläufe permanent belastete Operationsstelle bedarf der sorgfältigen Wundkontrolle, so dass ambulante Behandlungsmaßnahmen eher Verlaufsrisiken bieten als stationäre.

Autor: Prof. Dr. med. Götz Penkert