MIOL (Multifokale Intraokularlinsen) - Medizinische Experten

Bei multifokalen Intraokularlinsen, kurz MIOL, handelt es sich um spezielle Kunstlinsen, die zur Korrektur von Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit und Alterssichtigkeit sowie zur Korrektur einer Hornhautverkrümmung eingesetzt werden. Die Implantation von multifokalen Intraokularlinsen erfolgt im Rahmen eines sogenannten Refraktiven Linsenaustauschs.

Weitere Informationen zu multifokalen Intraokularlinsen finden Sie im Text weiter unten.

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MIOL (Multifokale Intraokularlinsen) - Weitere Informationen

Definition: Multifokale Intraokularlinsen (MIOL)

Sie wünschen sich, ohne Brille und Kontaktlinsen morgens aufzuwachen und sofort scharf zu sehen? Der Linsenaustausch mit der Implantation von multifokalen Intraokularlinsen (MIOL) ist ein operatives Verfahren zur Korrektur von Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit und Alterssichtigkeit. Die Hornhautverkrümmung lässt sich ebenfalls problemlos und erfolgreich mit multifokalen Intraokularlinsen korrigieren.

Die körpereigene Linse wird entfernt und durch eine multifokale Intraokularlinse ersetzt. Dieses Vorgehen entspricht der Operation beim Grauen Star (Katarakt) – dem häufigsten Operationsverfahren der Augenchirurgie. Da die multifokale Intraokularlinse in Ferne und Nähe korrigiert, sind Sie im Alltag größtenteils brillenfrei.

Voruntersuchungen vor der Implantation multifokaler Intraokularlinsen

Speziell ausgebildete technische Mitarbeiter sowie der Operateur untersuchen Ihre Augen vor der Implantation von multifokalen Intraokularlinsen eingehend. Die schmerzfreien Untersuchungen dauern in der Regel rund zwei bis drei Stunden. Es wird zum Beispiel

  • die Sehschärfe gemessen,
  • der Augeninnendruck ermittelt und
  • die Hornhaut-Topografie bestimmt.

Darüber hinaus wird das Auge vermessen, um die Stärke der zu implantierenden multifokalen Intraokularlinse zu berechnen. Ja nach Höhe Ihrer Hornhautverkrümmung kann diese mit speziellen torischen Kunstlinsen ausgeglichen werden. Besprechen Sie mit Ihrem Operateur die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten.

Weitere Untersuchungen mit Spaltlampe und Lupe geben entscheidende Hinweise dafür, ob eine Implantation von multifokalen Intraokularlinsen möglich ist und welches Verfahren dabei eingesetzt werden kann. Außerdem lässt sich meist schon bei der Voruntersuchung ziemlich genau feststellen, inwieweit Ihre Sehkraft mit multifokalen Intraokularlinsen verbessert werden kann.

Erst nach diesen Untersuchungen kann der Arzt Ihnen den endgültigen Rat zur Implantation von multifokalen Intraokularlinsen geben. Dies ist dann der Fall, wenn keine anderen Augenkrankheiten vorliegen und durch die Implantation multifokaler Intraokularlinsen eine Sehverbesserung erreicht werden kann.

Vorgehen bei der Implantation multifokaler Intraokularlinsen

Nachdem Sie zu Hause wie gewohnt gegessen haben, kommen Sie zum vereinbarten Termin in die Klinik. Nach Ihrem Eintreffen werden Sie in die Operationsabteilung geführt. Assistentinnen bereiten Sie auf die Implantation der multifokalen Intraokularlinsen vor. Es werden nun noch einige Routineuntersuchungen wie Blutdruckmessung und EKG-Kontrolle durchgeführt, dann werden Ihnen Augentropfen verabreicht.

Anästhesie bei der Implantation multifokaler Intraokularlinsen

Die Implantation von multifokalen Intraokularlinsen findet unter örtlicher Betäubung statt. Das bedeutet, dass Sie zwar bei Bewusstsein sind, aber keine Schmerzen verspüren. In der Mehrzahl der Fälle kann man auf eine Spritze verzichten und Sie lediglich mit speziellen Augentropfen betäuben. Sie werden keine Schmerzen während der Operation verspüren. Ein Anästhesist kümmert sich während des gesamten Aufenthaltes um Sie.

Operation zur Implantation multifokaler Intraokularlinsen

Die Implantation von multifokalen Intraokularlinsen wird in mehreren Abschnitten durchgeführt. Zunächst wird das Linsenmaterial entfernt. Das Behandlungsverfahren nennt sich Phakoemulsifikation: Hierbei wird ein winziges Hohlmesser durch einen circa 2 mm großer Zugang in das Auge geführt. Die Spitze vibriert mit einer Frequenz von 40.000 Schwingungen pro Sekunde; sie zerkleinert das Linsengewebe mithilfe von Ultraschallenergie so weit, dass es sich durch die Öffnung absaugen lässt. Die Linsenkapsel bleibt normalerweise im Auge. Sie dient als "Tasche" für die neue multifokale Intraokularlinse.

Das Einsetzen einer künstlichen Augenlinse, in diesem Fall einer multifokalen Intraokularlinse, ist grundsätzlich Bestandteil dieser Operation. Zuerst wird die Linsentasche gesäubert. Um den Schnitt nicht erweitern zu müssen, wird anschließend die multifokale Intraokularlinse im gerollten Zustand eingesetzt. Durch den kleinen Schnitt ist meist ein Wundverschluss ohne Naht möglich und es entsteht in der Regel keinerlei Bildverzerrung.

Die multifokale Intraokularlinse muss nicht mehr ausgetauscht werden, sie bleibt auf Dauer im Auge. Auch wenn es sich um eine multifokale Linse handelt, ist es nicht auszuschließen, dass eine Brille, z.B. am Computer oder bei sehr kleingedruckten Texten, notwendig ist. Prinzipiell besitzt die multifokale Intraokularlinse aber keine Nahanpassungsfähigkeit.

Die Operationsschritte bei der Implantation multifokaler Intraokularlinsen

  1. Die Linsenkapsel wird durch einen kleinen Einschnitt am Rand der Hornhaut geöffnet.
  2. Die Linsenteile werden mit einer Ultraschallsonde zerkleinert und entfernt.
  3. Die multifokale Intraokularlinse wird eingesetzt.
  4. Die neue multifokale Intraokularlinse ist implantiert. Die elastischen Linsenbügel stabilisieren sie im verbliebenen Kapselsack.

multifokale Intraokularlinsen

Medikamente bei der Implantation multifokaler Intraokularlinsen

Vor der Operation sollten Sie sich wie immer verhalten. Ändern Sie also Ihre Diät oder Therapie nicht und nehmen Sie Ihre Medikamente wie gewohnt ein. Bei Marcumar oder anderen gerinnungshemmenden Mitteln halten Sie bitte Rücksprache mit Ihrem Hausarzt. Nach der Implantation multifokaler Intraokularlinsen müssen antibiotische Augentropfen verwendet werden. Ihr Operateur bespricht mit Ihnen, wie häufig und wie lange Sie diese benötigen.

Komplikationen und Risiken bei der Implantation multifokaler Intraokularlinsen

Multifokale Intraokularlinsen können die folgenden Komplikationen zur Folge haben:

  • Infektionen des Auges mit der Möglichkeit schwerer und schwerster Beeinträchtigung bis zum Verlust der Sehkraft des Auges
  • Erhöhte Licht- und Blendempfindlichkeit, möglicherweise auf Dauer
  • Verminderte Nachtsehschärfe, möglicherweise auf Dauer
  • Über- oder Unterkorrektur mit der Notwendigkeit einer weiteren Operation oder korrigierenden Gläsern
  • Änderung des räumlichen Sehens, was zu einer Störung der Orientierung, z.B. beim Autofahren, führen kann
  • Nach der Operation werden Sie möglicherweise eine Lesebrille für kleingedruckte Texte oder am Computer brauchen

Nachbehandlung nach der Implantation multifokaler Intraokularlinsen

Die erste Kontrolluntersuchung findet grundsätzlich am Tag nach der Operation in der Klinik statt. Der Arzt bespricht mit Ihnen die Anwendung der Augentropfen, die Sie für etwa vier Wochen in das operierte Auge eintropfen müssen. Er erklärt Ihnen auch, wann Sie eine Schutzbrille tragen sollten.

In den ersten Tagen tritt häufig ein Jucken oder Kratzen auf. Auch werden Sie zunächst etwas verschwommen sehen, vor allem unmittelbar nach der Implantation der multifokalen Intraokularlinsen. Das ist normal, denn die Pupille ist noch geweitet. Weder fernsehen noch lesen schadet Ihren Augen. "Nutzen" Sie Ihre Augen ruhig, so viel Sie wollen!

Ein bis zwei Tage nach der Implantation der multifokalen Intraokularlinsen wird häufig schon eine recht gute - und innerhalb eines Monats eine stabile Sehschärfe erreicht. Bis Sie sich an die neue Situation gewöhnt haben und Ihnen der Operateur "grünes Licht" gegeben hat, sollten Sie nicht selbst Auto fahren. Planen Sie nach einer Woche und nach einem Monat Ihre Kontrolluntersuchungen ein. Die Abschlussuntersuchung findet in der Regel nach 2 bis 3 Monaten statt. Später erfolgen diese im Rahmen der routinemäßigen Augenuntersuchungen.

Fazit zu multifokalen Intraokularlinsen

Die Implantation multifokaler Intraokularlinsen ist durch die moderne OP-Technik sehr sicher und genau geworden, so dass die Risiken minimiert wurden. Durch einen Refraktiven Linsenaustausch, bei dem eine multifokale Intraokularlinse implantiert wurde, kann der Graue Star nicht mehr eintreten, die Stärke für eine Lesebrille bleibt gleich und Sie haben Ihre Fehlsichtigkeiten behoben.

Autor: Dr. med. Gero Krommes