Keratoprothese - Medizinische Experten

Bei einer Keratoprothese handelt es sich um eine künstliche Hornhaut, die ins Auge implantiert wird, um die trübe bzw. geschädigte Hornhaut zu ersetzen. Auf diese Weise soll die Sehkraft wiederhergestellt werden. Mit der KeraClear-Keratoprothese und der Miro Cornea-Keratoprothese stehen dabei zwei Typen von Hornhautprothesen zur Auswahl.

Weitere Informationen zur Keratoprothese finden Sie im Text weiter unten.

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Keratoprothese - Weitere Informationen

Definition: Keratoprothese (Künstliche Hornhaut)

Seit über 150 Jahren forschen Augenärzte an künstlichen Hornhäuten, um die trübe Hornhaut, also die Frontlinse des Auges, ersetzen zu können. Dies ist insbesondere dann notwendig, wenn einem Patienten mit einer konventionellen Hornhauttransplantation (Keratoplastik) nicht zu helfen ist.

Leider sind die meisten dieser Versuche nicht erfolgreich gewesen, weil es nicht einfach ist, eine Keratoprothese in der Innen- und Außenschnittstelle des Auges so zu verankern, dass sie stabil sitzt und dass sie keine Infektionen bekommt. In jüngster Zeit sind einige Keratoprothesen fertig gestellt worden, die es erlauben, Patienten sinnvoll so zu operieren, dass eine Wiederherstellung der Sehkraft möglich ist.

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By Mariagessa - Own work, CC BY-SA 4.0, Link

Typen von Keratoprothesen

Es gibt derzeit zwei Typen von Keratoprothesen, die bei unterschiedlichen Krankheitsbildern eingesetzt werden:

  • KeraClear-Keratoprothese
  • Miro Cornea-Keratoprothese

KeraClear-Keratoprothese

Diese Keratoprothese wird in eine trübe Hornhaut eingesetzt, so dass die letzte innere Lamelle dieser Hornhaut erhalten bleibt. Damit kann das Auge ohne Eröffnung erhalten werden und der Patient durch diese klare Optik schauen.

Wesentliche Voraussetzung ist, dass die hintere Lamelle der Hornhaut tatsächlich glasklar ist und der Patient tatsächlich dadurch schauen kann. Eine andere wesentliche Voraussetzung ist die einigermaßen regelhafte Struktur der Augenlider, die bei dieser Keratoprothese benutzt wird, um die relativ große Fläche der künstlichen Hornhaut ordentlich zu benetzen.

Miro Cornea-Keratoprothese

Eine zweite Keratoprothese ist die Miro Cornea, die individuell für den Patienten mit einer sehr speziellen Beschichtung gefertigt wird, die das Einwachsen der Keratoprothese beschleunigt. Diese Keratoprothese kann allerdings nur in ein Auge eingesetzt werden, das vorher mit einer Mundschleimhautplastik so versorgt ist, dass dieses Implantat auch halten kann. Dieses kosmetisch etwas problematische Vorgehen (das Auge sieht danach sehr rot aus) erlaubt es den ansonsten blinden Patienten aber wieder zu sehen.

Indikation für eine künstliche Hornhaut

Typische Indikationen für eine Keratoprothese sind:

  • Hornhautverätzungen
  • Stevens-Johnson-Syndrom
  • Lyell-Syndrom
  • oculäres Pemphigoid

Die große Hoffnung der Entwickler ist es, auch für Patienten mit starker Hornhautverkrümmung wie bei Keratokonus oder Keratoglobus ein solches Implantat zu entwickeln. Beide Keratoprothesen haben unterschiedliche Anwendungsgebiete und können immer dann eingesetzt werden, wenn eine Hornhauttransplantation nicht aussichtsreich erscheint oder zu keinem guten Ergebnis geführt hat.

Was muss der Patient vor der Implantation einer Keratoprothese beachten?

Die Operationen erfolgen für den Patienten nach einer gründlichen vorherigen Untersuchung. Der Patient sollte Licht wahrnehmen, am besten auch noch die sogenannte Aderhautfigur (Purkinje Figur). Wenn dies nicht der Fall ist sind keine guten Ergebnisse zu erwarten. Ferner sollte der Augendruck reguliert sein und das Auge unbedingt entzündungsfrei sein.

Kosten einer Keratoprothese

Typischerweise müssen Einzelfallentscheidungen in Abstimmung mit den Krankenkassen gefunden werden. Keratoprothesen sind außerordentlich teuer und werden nicht durch die konventionelle Kostenerstattung für das Krankenhaus nach den Regeln des "DRG" erstattet. Eine Keratoprothese der KeraClear-Art kostet ca. 5000 Euro, die Miro-Keratoprothese ca. 13.000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Operation, Untersuchungen und andere Dienstleistungen des Krankenhauses.

Die Erstattungssituation für das Krankenhaus für diese Operationen liegen nach DRG aber im Bereich von 4.500 Euro für die Gesamtoperation. Vor diesem Hintergrund sind entsprechende Vereinbarungen mit der Krankenkasse oder privatärztliche Vereinbarungen notwendig, um solche Operationen durchzuführen. Eine Sondergenehmigung für diese besonders komplexen und teuren Eingriffe ist notwendig und für den Patienten leider ein Ärgernis.

Der behandelnde Augenarzt sollte in die Planung der OP mit einbezogen werden damit es nicht zu Problemen bei der Nachkontrolle kommt. Mit den neuen Transplantationstechniken und den Hornhautprothesen sind nunmehr alle Hornhaut-bedingten Erkrankungen für behandelbar.

Komplikationen und Risiken einer Keratoprothese

Keratoprothesen sind sehr spezielle Implantate, die nicht jeder Augenarzt schon einmal gesehen hat. Daher muss das Operationszentrum über eine gewisse Erfahrung verfügen, Die Nachbehandlung mit Antibiotika muss absolut sicher gewährleistet sein, da eine nicht behandelte oder erkannte Infektion das Augenlicht kosten kann. Intensive und langfristige Nachkontrollen der künstlichen Hornhaut (Keratoprothese), des Augendruckes und der Sehkraft sind zwingend über Jahre erforderlich um das Augenlicht zu erhalten.

Fazit zur künstlichen Hornhaut

Die Hoffnung auf Wiederherstellung des Sehens mittels Keratoprothese ist inzwischen klinisch realisierbar, aber mit großen Hürden bei der Vorbereitung, Finanzierung und Nachsorge verbunden.

Autor: Prof. Dr. med. Norbert Schrage