Kehlkopfchirurgie - Medizinische Experten

Eine Kehlkopf-OP wird meistens von einem HNO-Facharzt durchgeführt. Eine operative Behandlung kann bei verschiedenen Erkrankungen im Bereich des Kehlkopfes notwendig sein. Grundsätzlich kann dabei zwischen einer Kehlkopf-OP aufgrund eines Tumors oder einer Kehlkopf-OP, die die Funktion des Kehlkopfes beeinflusst, unterschieden werden.

Weitere Informationen zur Kehlkopfchirurgie finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

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Kehlkopfchirurgie - Weitere Informationen

Funktionelle Kehlkopf-OP bei gutartigen Kehlkopferkrankungen

Die sogenannte funktionelle Kehlkopf-OP dient der Verbesserung der Stimme bei Heiserkeit, wenn diese z.B. durch eine Stimmbandlähmung hervorgerufen wurde, oder zur Veränderung der Stimme bei Transsexualität. Eine weitere funktionelle Kehlkopf-OP ist die Erweiterung des Kehlkopfes, wenn eine beidseitige Lähmung der Stimmbänder vorliegt und daraus eine Luftnot entsteht. Hier muss man zwischen einer vorübergehenden und einer dauerhaften Lähmung der Stimmbandnerven unterscheiden.

Im Fall einer vorübergehenden Stimmbandlähmung kann zur Verbesserung der Atmung mittels einer speziellen Nahttechnik ein Stimmband zur Seite verlagert werden, um Platz im Kehlkopf zu schaffen (z.B. Operation nach Lichtenberger). Die Fäden der Nähte können nach ca. einem Jahr bei zurückgekehrter Funktion der Stimmbandnerven wieder mit einer kleinen Kehlkopf-OP entfernt werden. Tritt kein Erfolg ein, sollte nach ungefähr einem Jahr eine erneute endoskopische Kehlkopf-OP mit Entfernung eines Anteiles der Stellknorpel des Kehlkopfes erfolgen (Lateralfixation mit Arytaenoidektomie). Bei gesicherter bleibender Verletzung/Durchtrennung beider Stimmbandnerven ist diese Operationstechnik auch ohne Wartezeit empfehlenswert.

Kehlkopf-OP zur Diagnose von Kehlkopfkrebs

Bösartige Tumoren im Kehlkopf nennt man auch ein Kehlkopfkarzinom. Es tritt am häufigsten bei Männern ab 50 Jahren auf. Die meisten Betroffenen sind Raucher, da das Rauchen der häufigste Grund für die Entwicklung eines Kehlkopfkrebses ist. Das Kehlkopfkarzinom fällt am häufigsten durch Heiserkeit auf, da oft die Stimmlippen betroffen sind. Daher werden Tumoren an den Stimmlippen meist früh entdeckt und können gut geheilt werden. Aus diesem Grund sollte jede Heiserkeit, die länger als 6 Wochen besteht, durch einen HNO-Arzt mittels Kehlkopf-Spiegeluntersuchung abgeklärt werden.

Wenn der Sitz des Tumors oberhalb oder unterhalb der Stimmlippen ist, ohne die Stimmlippen zu erreichen, kann der Krebs länger unbemerkt wachsen und macht sich dann manchmal erst durch das Auftreten von Luftnot bei Verlegung des Kehlkopfes oder Schwellungen am Hals bei Absiedlung des Krebses in die Halslymphknoten bemerkbar. Besteht der Verdacht auf Kehlkopfkrebs, ist eine Spiegeluntersuchung der oberen Luft- und Speisewege (Panendoskopie) zwingend notwendig, da bei Auftreten eines Tumors im Kehlkopf in etwa 10 Prozent der Fälle an anderer Stelle weitere Tumoren vorliegen. Bei der Panendoskopie werden Gewebeproben aus dem Tumor entnommen und zur feingeweblichen Untersuchung eingeschickt.

Der Patient liegt bei der Kehlkopfspiegelung auf dem Rücken und wird über einen speziellen Beatmungsschlauch künstlich beatmet. Der Arzt benutzt ein Mikroskop, um die feinen Strukturen im Kehlkopf besser beurteilen zu können. In diesem Fall wird mit Hilfe von Mikroinstrumenten eine Gewebeprobe entnommen, da der Verdacht auf einen bösartigen Kehlkopftumor vorliegt. Bei dieser Kehlkopf-OP-Technik kann auch ein Laser an das Mikroskop angeschlossen werden, um Laser-Operationen durchzuführen.

Kehlkopf-OP

Bild 1: Ein HNO-Arzt bei der Durchführung einer Kehlkopf-Spiegelung in Vollnarkose.

Kehlkopf-OP zur Behandlung von Kehlkopftumoren

Zur Behandlung von Tumoren im Kehlkopf stehen mehrere operative Möglichkeiten zur Verfügung. Bei den operativen Verfahren mit Erhalt eines funktionstüchtigen Anteils des Kehlkopfes unterscheidet man zwischen der Entfernung eines Teiles des Stimmbandes oder des gesamten Stimmbandes (Dekortikation der Stimmlippe bzw. dem sog. Stimmlippenstripping und Chordektomie) sowie den verschiedenen Variationen der Kehlkopfteilresektion.

Methoden bei einer Kehlkopf-OP

Endoskopische Kehlkopf-OP von innen bei Kehlkopfkrebs

Die Kehlkopf-OP bei Kehlkopfkrebs kann bei vielen Patienten „von innen“, d.h. endoskopisch durch den Mund und Rachen ohne äußerlich sichtbare Schnitte durchgeführt werden. Dieses kann entweder unter dem Einsatz von feinen Instrumenten oder aber laserchirurgisch durchgeführt werden.

Der Laser hat den großen Vorteil, dass er das durchtrennte Gewebe beim Schneiden sofort verödet und so weniger Blutungen auftreten. Dies führt zu einer besseren Übersicht beim Operieren und somit zu einer Erhöhung der Präzision und größerer Schonung des belassenen Gewebes. Die Anwendung des Lasers kann manchmal die sog. „große“ Chirurgie von außen mit aufwändigem Wiederaufbau des Operationsdefektes mittels Gewebeverpflanzung vermeiden. Daher ist die Häufigkeit der totalen Kehlkopfentfernungen durch die Anwendung des Lasers in den letzten Jahren gesunken. Es ist im Vergleich zu früher öfter möglich, den Kehlkopf trotz ausgedehntem Tumorwachstum zu erhalten. Zudem sind laserchirurgische Eingriffe bei erneutem Auftreten eines Tumors meist wieder durchführbar und es wird durch mikroskopisch kontrolliertes Entfernen des Tumors vermieden, dass zuviel gesundes Gewebe entfernt wird.

Kehlkopf-OP

Bild 2: Abgebildet sind hier Instrumente, die für die endoskopische Kehlkopf-OP benutzt werden. Es handelt sich um feinste Scheren und Pinzetten, die durch den geöffneten Mund bis zum Kehlkopf eingeführt werden. Mit diesen Mikroinstrumenten ist unter dem Operationsmikroskop eine besonders schonende Kehlkopf-OP durchführbar.

Kehlkopf-OP von außen bei Kehlkopfkrebs

Wenn der Tumor endoskopisch nicht vollständig einsehbar ist und damit keine sichere Entfernung des Tumors „von innen“ gewährleistet werden kann, muss die Kehlkopf-OP „von außen“ durchgeführt werden. Das heißt, es ist ein Schnitt durch die Haut des Halses und Eröffnung des Kehlkopfskeletts nötig. In Fällen einer sehr großen Tumorausdehnung ist die Kehlkopf-OP unter Erhalt von wesentlichen für die Kehlkopffunktion notwendigen Strukturen nicht mehr möglich. Dann muss eine Entfernung des gesamten Kehlkopfes, eine sog. totale Laryngektomie erfolgen.

Übersicht über die verschiedenen Methoden der Kehlkopf-OP bei Kehlkopfkrebs

Im Folgenden werden die die verschiedenen Methoden der Kehlkopf-OP bei Kehlkopftumoren einzeln beschrieben:

Dekortikation der Stimmlippe/Stimmlippenstripping: Die Schleimhaut der Stimmlippe wird endoskopisch entweder mit Mikroinstrumenten oder mit dem Laser unter Schonung des Stimmbandmuskels entfernt. Dieser Eingriff wird bei Krebsvorstufen oder sehr umschrieben wachsenden Karzinomen angewendet.

Chordektomie: Die befallene Stimmlippe wird entweder endoskopisch (mikrochirurgisch mit/ohne Laser) oder nach zeitweiser Spaltung des Schildknorpels von außen unter Mitnahme des Stimmbandmuskels entfernt. Dies hat eine meist gut verständliche, jedoch raue Stimme zur Folge. Dieser Eingriff ist bei Karzinomen der Stimmlippe mit freier Beweglichkeit der Stimmlippe, freiem Stellknorpel sowie freiem vorderen Anteil der Stimmlippen angezeigt. Der Laser sollte auch hier bevorzugt zur Anwendung kommen.

Kehlkopfteilresektion: Es sind viele Formen der Kehlkopfteilentfernung beschrieben worden. Jede Art der Entfernung hat ihre speziellen Vorteile und Nachteile. Im Wesentlichen kann man jedoch zwischen den horizontalen und vertikalen Teilresektionen unterscheiden. Diese Art von Eingriff ist erforderlich, wenn der Tumor zu ausgedehnt ist, um eine Chordektomie (s.o.) durchzuführen. Es resultiert danach eine gute bis ausreichende Stimmleistung. Die vertikale Kehlkopfteilresektion wird bei einseitigen Tumoren durchgeführt. Hierbei wird ein vertikaler Anteil des Schildknorpels, ggf. auch des Ringknorpels entfernt. Die vollständige Entfernung sowohl der Stimmlippe als auch der Taschenfalte einer Seite ist hierbei möglich. Eventuell muss ein Luftröhrenschnitt zum Schutz der Atemwege nach der Kehlkopf-OP angelegt werden. Dieser kann jedoch in den meisten Fällen nach einigen Tagen wieder verschlossen werden. Mittels der horizontalen Kehlkopfteilresektion werden Tumoren behandelt, die sich oberhalb der Stimmbänder befinden. Es bleiben hierbei beide Stimmlippen und die Stellknorpel erhalten. Bei dieser Art von Kehlkopf-OP muss der Schildknorpel etwa mittig horizontal durchtrennt und der untere Knorpelanteil mit dem sich daran befindlichen tumorbefallenem Gewebe entfernt werden. Sollte der Tumor in die vordere Kommissur eingewachsen sein, wird dieser Tumor mit der sog. frontolateralen Kehlkopfteilresektion behandelt. Hierbei werden die befallenen Anteile der vorderen Kommissur sowie die übrige befallene Stimmlippe entfernt. Die verschiedenen Formen der Kehlkopfteilresektion sind in ausgewählten Fällen (wenn der Tumor endoskopisch vollständig überschaubar ist) auch mit dem Laser durchführbar. Dieses hat für den Patienten den Vorteil, dass der Eingriff meist schonender ist und das kosmetische Ergebnis günstiger ausfallen kann.

Totale Kehlkopfentfernung (Laryngektomie): Wenn der Tumor bereits zu ausgedehnt ist, um die oben beschriebenen Formen der Teilresektion anzuwenden, ist eine vollständige Entfernung des Kehlkopfes notwendig. Häufig ist eine Laryngektomie auch nach erneutem Auftreten eines Kehlkopfkrebses (Rezidiv) nach Teilresektion oder primärer Bestrahlung notwendig. Bei dieser Art der Operation werden die Luft- und Speisewege vollständig voneinander getrennt. Hierdurch wird der Patient ein sog. „Halsatmer“, da ein dauerhaftes „Tracheostoma“ (Luftröhrenschnitt) nötig ist.

Stimmrehabilitation nach einer Kehlkopf-OP

Es ist auch nach vollständiger Entfernung des Kehlkopfes möglich, wieder sprechen zu lernen. Hierzu stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einen ist es möglich, die Speiseröhrenersatz- oder „Rülpssprache“ zu erlernen. Hierbei wird Luft in die obere Speiseröhre gepresst, die dann kontrolliert wieder in den Rachen entlassen wird. Durch das Schwingen der Schleimhaut des unteren Rachens entsteht ein Ton, der die Stimmgebung ermöglicht. Das Erlernen dieser Sprechtechnik erfordert jedoch ein mehrmonatiges Training. Der große Vorteil ist jedoch, dass der Patient unabhängig von Hilfsmitteln sprechen kann.

Zum anderen kann eine Kurzschlussverbindung zwischen Luftröhre und Rachen angelegt werden, in welche eine Silikon-Stimmprothese (z.B. Provox-Prothese, Blom-Singer-Prothese) eingelegt wird. Auf diese Weise ist es den meisten Patienten recht schnell möglich, wieder zu sprechen. Sie sind jedoch häufig auf Hilfsmittel, wie z.B. bestimmte Ventile auf dem Luftröhrenschnitt, angewiesen bzw. müssen den Luftröhrenschnitt zum Sprechen mit einer Hand verschließen. Weiterhin bedürfen die Prothesen einer regelmäßigen Pflege und müssen von Zeit zu Zeit gewechselt werden, wenn sie aufgrund von Materialermüdung oder Verschmutzung nicht mehr richtig funktionieren.

Eine dritte Möglichkeit der Stimmrehabilitation ist die Verwendung eines sog. Elektrokehlkopfes. Hier wird mittels einer elektronischen Sprechhilfe eine hörbare Vibration (sog. Primärklang) erzeugt, der gegen den Hals gedrückt wird. So werden die Schwingungen auf den Mundboden oder Hals übertragen. Durch Modulation des Klanges mit Zungen- und Rachenveränderung kann der Patient auf diese Weise sprechen.

Prognose nach einer Kehlkopf-OP bei Kehlkopfkrebs

Generell kann gesagt werden, dass die Heilungschancen am besten ist, wenn der Tumor früh erkannt und entsprechend behandelt wird. Da bei einem Kehlkopfkrebs in vielen Fällen auch die Stimmbänder betroffen sind, bemerkt man recht früh eine Heiserkeit als Warnsignal. Deshalb ist die Prognose der meisten Kehlkopfkarzinome besser als z.B. die des Rachenkrebses, der häufig lange unbemerkt wachsen kann. Wenn das Kehlkopfkarzinom in frühen Stadien und auf eine Stimmlippe beschränkt, erkannt und korrekt behandelt wird, können fast 90 Prozent aller Patienten geheilt werden. Dieser Prozentsatz reduziert sich auf < 50 Prozent im Falle eines großen, fortgeschrittenen Kehlkopfkrebses.

Nachsorge nach einer Kehlkopf-OP

Nach einer endoskopischen Kehlkopf-OP bei Kehlkopfkrebs ist in manchen Fällen eine erneute Untersuchung in Vollnarkose zur Entnahme von Gewebeproben etwa 6 bis 8 Wochen nach der ersten Kehlkopf-OP sinnvoll. Damit kann sichergestellt werden, dass kein erneutes Tumorwachstum auftritt, das mit bloßem Auge unter Umständen nicht sichtbar ist. Es sollte unbedingt eine regelmäßige Tumornachsorge durch den HNO-Facharzt erfolgen.

Autoren: Prof. Dr. med. Karl-Bernd Hüttenbrink, PD Dr. med. Simon Preuss