Gehörgangsexostose - Medizinische Experten

Unter einer Gehörgangsexostose versteht man eine lokale Knochenvermehrung im Gehörgang, die eine fortschreitende Einengung des Gehörganges zur Folge hat. Behandelt wird eine solche Exostose im Gehörgang in der Regel im Rahmen einer Operation, bei der die Exostose mit einem Diamantbohrer abgetragen wird.

Weitere Informationen zur Gehörgangsexostose finden Sie im Text weiter unten.

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Gehörgangsexostose - Weitere Informationen

Was versteht man unter einer Exostose im Gehörgang?

Bei einer Gehörgangsexostose handelt es sich um lokale teils perlenartig anmutende Knochenvermehrungen im Gehörgang. Die Ursache einer solchen Exostose im Gehörgang wird in einem Reiz der Knochenhaut gesehen. Hierbei wird dieses häufig bei Schwimmern durch Eintreten des kühlen Wasser beobachtet. Eine eigentliche Bösartigkeit liegt bei einer Gehörgangsexostose nicht vor. Die Problematik besteht vielmehr in der fortschreitenden Einengung des Gehörganges.

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Gehörgangsexostosen: blick in den verengten äußeren Gehörgang mit dem Otoskop; von Welleschik - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Symptome einer Exostose im Gehörgang

Durch die Einengung des Gehörganges bei der Gehörgangsexostose kommt es zur Neigung vom Verbleiben von Wasser im Gehörgangsbereich nach Bade- oder Duschvorgängen. Ebenso kann es bei einer Exostose im Gehörgang zu festsitzendem sich nicht spontan entleerendem Ohrenschmalz und wiederkehrenden Gehörgangsentzündungen kommen.

Zusätzliche Schwierigkeiten können beim Tragen von Hörgeräten und/oder Lärmschutzvorrichtungen bestehen. Hierbei sind diese Probleme jedoch deutlich geringer, da die äußeren Zweidrittel des knöchernen Überganges durch beweglichen Knorpel und nur Eindrittel im eigentlichen Gehörgang knöchern sind.

Voruntersuchungen und Diagnose bei einer Exostose im Gehörgang

Im Rahmen der HNO-ärztlichen Untersuchung erfolgt neben der routinemäßigen Gehörgangsinspektion die Trommelfellmikroskopie und ein Vergleich des Lokalbefundes mit der Gegenseite. Hierbei können neben dem Ausmaß der Stenosierung des Gehörganges weitere Erkrankungen wie z.B. Hautsäcke (Epithelzysten) oder Perlengschwülste (Cholesteatom) des Mittelohres abgeklärt werden.

Im Gegensatz zu den voran geschriebenen Erkrankungen zeigen sich die Exostosen bei der Palpation (Abtasten) hart und aufgrund der Knochenhaut relativ schmerzempfindlich. Ein routinemäßiger Hörtest sollte bei einer Gehörgangsexostose präoperativ durchgeführt werden. Eine Computertomographie ist nur in Ausnahmefällen bei Fehlbildungen oder Knochenerkrankungen notwendig.

Behandlung einer Exostose im Gehörgang

Bei entsprechender Beschwerdesymptomatik besteht die Behandlung einer Exostose im Gehörgang in der chirurgischen Abtragung. Diese erfolgt in der Regel in Vollnarkose, ist jedoch auch in lokaler Betäubung durchführbar.

Operative Behandlung der Exostose im Gehörgang

Die Operation wird in der Regel in einer Vollnarkose durchgeführt ist jedoch auch in einer örtlichen Betäubung möglich. Vor Jahren erfolgte das Abtragen der überschüssigen Knochenanteile durch Abtragung mit dem Meißel. In der heutigen Zeit erfolgt dieses mit Diamantbohrern verschiedener Größe. Hiermit kann der Knochen abgeschliffen und der Gehörgang geweitet werden.

Der Zugangsweg zum knöchernen Gehörgang wird entweder über einen Hautschnitt vor oder hinter der Ohrmuschel geschaffen. Im Anschluss erfolgt dann das sorgfältige Präparieren und Ablösen der Gehörgangshaut von den knöchernen Anbauten – dem zusätzlichen Knochenwachstum. Hierbei ist Hauptziel das Erhalten der Gehörgangshaut. Das Abschleifen des teilweise perlartig vermehrten Gehörgangsknochens unter mikroskopischer Sicht wird bis zum Erreichen eines normal weiten Gehörgangs durchgeführt.

Anschließend erfolgt die Rückverlagerung der Gehörgangshaut auf den glatt geschliffenen Knochen sowie die Auflage von Silikonfolien zur Schienung und im Anschluss eine Gehörgangstamponade aus Baumwollgaze oder einem Gel, um die Gehörgangshaut dem Knochen zur besseren Wundheilung anzulagern. Die Hautnaht und der Kopfverband mit Wickel beendet die Operation.

Nachbehandlung nach der Operation einer Exostose im Gehörgang

Neben der regelmäßigen Wundkontrolle sollte nach der Operation einer Exostose im Gehörgang eine Hörkontrolle zur Überprüfung der Hörleistung stattfinden. Die Fäden der Hautnähte werden nach 8 bis 10 Tagen entfernt.

Die Gehörgangstamponade wird in Abhängigkeit von dem Tamponadenmaterial nach Einschätzung des Operateurs zwischen dem 5. und 21. Tag nach Operation durchgeführt. Hierbei ist gerade nach Hauttransplantation von Spalthaut die Nachkontrolle und ggf. Lokalpflege durch Salben sinnvoll, um Wundheilungsstörungen oder auch Narbenbildungen im Gehörgang zu vermeiden.

Komplikation und Risiken der operativen Behandlung einer Exostose im Gehörgang

Zu den Risiken der Exostosenabtragung oder auch Gehörgangsplastik zählt die Verletzung des Trommelfells selbst oder des Gesichtsnerven (N. facialis) und des Geschmacksnerven (Chorda tympani) sowie eine Entzündung des Wundgebietes mit Vernarbung, Wundheilungsstörung und freiliegendem Gehörgangsknochen.

Eine Hörminderung durch den Lärm und Fortleitung des Bohrlärmes über den Knochen zur Hörschnecke ist selten. Ebenso wie ein Schwindel durch Erschütterungen. Die Verletzung des Gesichtsnerven (N. facialis) wird durch die nahezu routinemäßig durchgeführte Überwachung des Gesichtsnerven durch ein Neuromonitoring minimiert. Bei freiliegenden Knochenanteilen durch nicht zu erhaltender Gehörgangshaut besteht die Möglichkeit der Spalthautentnahme hinter dem Ohr zur Verpflanzung in den Defekt.

Fazit zur Operation einer Exostose im Gehörgang

Die Gehörgangsplastik mit den Diamantbohrern stellt eine gute Möglichkeit zur Entfernung von Exostosen dar, die in der Regel mit Diamantbohrern durchgeführte Operation unter Erhalt der vorhandenen Gehörgangshaut ist in der Hand des Ohroperateurs ein schöner Eingriff, der dem Patienten einen deutlichen Nutzen für seine Gehörgangsengeproblematik erbringt.

Autor: Prof. Dr. med. Peter Issing