Augentumor - Medizinische Experten

Wie fast an jedem anderen Organ des menschlichen Körpers, kann es auch am Auge zur Bildung von Geschwülsten kommen – gutartigen wie bösartigen. Da das Auge ein hochkomplexes, aus sehr unterschiedlichen Gewebeschichten bestehendes Organ ist, gibt es eine Vielfalt von Augentumoren, die histologisch – also unter dem Mikroskop betrachtet – sehr vielfältig sind. Während gutartige Veränderungen kaum ein Problem sind, müssen bösartige Augentumoren rechtzeitig erkannt und behandelt werden – sonst ist nicht nur die Funktion des Sehorgans, sondern auch das Leben des Betroffenen in Gefahr.

Weitere Informationen zu Augentumoren finden Sie im Text weiter unten.

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Wo können Augentumore entstehen?

Die wichtigsten anatomischen Abschnitte des Auges, an denen bösartige Augentumoren entstehen können, sind die Lider, die Augenoberfläche wie z.B. die Bindehaut und die hinteren Augenabschnitte mit der Netzhaut und der Aderhaut. Im Folgenden werden die gefährlichsten Krebserkrankungen des Auges, sprich Augentumore, vorgestellt:

  • Das Basaliom des Augenlides (Lidtumor)
  • Das Karzinom der Bindehaut
  • Das Retinoblastom
  • Melanome der Aderhaut, der Iris, der Bindehaut

Das Basaliom des Augenlides (Lidtumor)

Zwar sind auch am Augenlid die meisten Geschwülste – das hat jüngst eine Analyse von mehr als 5.000 Lidtumoren durch die Universitätsaugenklinik in Lausanne belegt – gutartig, doch die Erkennung eines malignen Wachstums ist umso wichtiger, da sich bösartige Lidtumoren gut behandeln lassen, wenn sie noch nicht zu groß sind.

In einem Punkt ist das Basaliom völlig untypisch für einen bösartigen Tumor: es metastasiert sehr, sehr selten. Nicht rechtzeitig erkannt oder behandelt kann es sich jedoch regelrecht durch seine nähere Umgebung, auch durch Knochen fressen und bei ausgedehntem Befund einen umfassenden plastischen Eingriff erfordern.

Häufigkeit von Lidtumoren

Das Basaliom ist mit ca. 90 Prozent der bei weitem häufigste bösartige Lidtumor. Es kommt immer öfter vor: zahlreiche epidemiologische Studien weisen auf eine rapide Zunahme der Erkrankungszahlen in einigen Ländern hin. Als ein wichtiger Risikofaktor gilt die Exposition gegenüber Sonnenlicht. Dieser Augentumor, der wie ein erhabener Knoten aussehen und oft eine kraterförmige, manchmal blutende und verkrustete Einsenkung in seiner Mitte aufweisen kann, tritt in mehr als 40 Prozent der Fälle am Unterlid, in nur etwa 12 Prozent am Oberlid und ansonsten im inneren wie im äußeren Lidwinkel auf. Das Basaliom – übrigens der häufigste maligne Hauttumor überhaupt – betrifft überwiegend ältere Menschen (jenseits des 60. Lebensjahres), besonders gefährdet sind Individuen mit hellem Hauttyp.

Behandlung von Lidtumoren

Die am häufigsten angewandte Therapieform bei dieser Art von Augentumor ist die chirurgische Exzision. Bei der mikroskopisch kontrollierten Chirurgie (Mohs Chirurgie) werden Gewebeproben unmittelbar nach der Entfernung gegebenenfalls fixiert bzw. schockgefroren und dann feingeweblich untersucht. Bei sehr seltenen komplexen Ausgangsbefunden erfolgt dies, während der Patient noch auf dem OP-Tisch liegt. Falls die Grenzen der Schnitte nicht frei von Tumorzellen sind, wird der Eingriff dann erweitert bis die Schnittränder sicher tumorfrei sind.

In einem Kollektiv von 385 Basaliompatienten waren nach mehr als 12 Jahren Follow-Up bei jenen mit tumorfreien Grenzen im Gefrierschnitt 92 Prozent von einem Rezidiv verschont. In seltenen Fällen – zum Beispiel bei älteren immobilen Patienten, bei denen ein umfassender Eingriff mit plastischer Rekonstruktion zu gefährlich erscheint – wird ein Basaliom auch mit Kryotherapie, also einer lokalen Kälteapplikation, behandelt. Die Prognose ist bei diesem Augentumor insgesamt gut.

Das Karzinom der Bindehaut

Sonneneinstrahlung ist auch ein wichtiger Risikofaktor beim Bindehautkarzinom, das ziemlich undramatisch beginnen kann, als weißliche Erhebung auf der Bindehaut, zu der ggf. recht auffallende Blutgefäße ziehen. Das Gefährliche am Bindehautkarzinom ist, dass es kein typisches Bild abgibt und in den Anfangsstadien wenig dramatisch aussieht. Auch verursacht es kaum subjektive Beschwerden. Die Therapie dieser Art von Augentumor besteht in der chirurgischen Entfernung, je nach Ausdehnung muss ggf. nachbestrahlt oder lokal mit dem Zytostatikum Mitomycin C behandelt werden.

Das Retinoblastom

Das Retinoblastom, das aus krankhaft veränderten, unreifen Netzhautzellen entsteht, ist der häufigste Augentumor bei Kindern. Es tritt ungefähr einmal auf 10.000 bis 20.000 Geburten auf und manifestiert sich praktisch immer vor dem 3. Lebensjahr. Bei gut einem Drittel der Kinder tritt dieser Augentumor bilateral auf: beide Augen sind von dem Tumor befallen. Die Ursache ist eine genetische Veranlagung oder eine Mutation während der embryonalen Entwicklung der Netzhaut. Liegen in einer Familie Fälle von Retinoblastom vor, sollten sich Paare mit Kinderwunsch genetisch beraten lassen und nach Geburt eines Babys dieses frühzeitig vom Augenarzt untersuchen lassen.

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Von http://visualsonline.cancer.gov/details.cfm?imageid=2418, Gemeinfrei, Link

Symptome beim Retinoblastom

Da das Kind zu klein ist, um Beschwerden zu äußern, sind es meist die Eltern, denen auffällt, dass etwas nicht in Ordnung ist: der Pupillenreflex, wenn das Auge beleuchtet ist (zum Beispiel bei einem Foto mit Blitzlicht), ist nicht rot, sondern weiß. Das Retinoblastom ist von heller Farbe und wächst meist in das Augeninnere, in den Glaskörper hinein, nachdem der Tumor die Netzhaut abgelöst hat. Auch ein Wachstum aus dem Auge hinaus, in den Sehnerv und damit in Richtung Gehirn, ist möglich. Ein weiterer Hinweis auf ein Retinoblastom kann ein Schielen sein, in diesem Fall eine Abweichung des betroffenen und praktisch sehuntüchtigen Auges.

Behandlung des Retinoblastoms

Bis vor noch gar nicht langer Zeit war die Enukleation, die Entfernung des Augapfels, die Standardtherapie des Retinoblastoms. Fortschritte in der Chemo- wie der Strahlentherapie ermöglichen heute in den meisten Fällen nicht nur das Überleben, sondern auch die Erhaltung des Auges (das allerdings meist massiv sehschwach oder blind ist). Wenn der Augentumor nicht allzu groß ist, kann ein Strahlenträger, der beispielsweise ein radioaktives Rutheniumisotop trägt, von außen über dem Tumor auf die Lederhaut aufgenäht werden. Dieser “Plaque” verbleibt dort für einige Monate, zerstört die Tumorzellen und bringt das Retinoblastom zum Schrumpfen. In spezialisierten Zentren kann auch eine Bestrahlung mit Protonen (vor außen) erfolgen.

Chemotherapeutika können über die ins Auge führende Arterie (“Chemochirurgie”) in den Augentumor gebracht werden. Auch nach erfolgreicher Therapie müssen die Kinder über die nächsten Jahre regelmäßig nachuntersucht werden, um ein mögliches Rezidiv rechtzeitig zu entdecken. Insgesamt ist die Prognose bei dieser Art von Augentumor heute viel besser als noch vor wenigen Jahren: eine Ende 2012 veröffentlichte Studie aus Singapur belegte eine 5-Jahres-Überlebensrate bei einseitigem Retinoblastom von 97 Prozent.

Melanome der Aderhaut, der Iris, der Bindehaut

Jene Krebsart, die von pigmenthaltigen Zellen, den Melanozyten, ausgeht und die sich auf der Haut als der gefürchtete “schwarze Hautkrebs” manifestiert, gibt es auch in verschiedenen Schichten des Auges: das Melanom. Das Melanom der Aderhaut, der unter der Netzhaut gelegenen Blutgefäßschicht, ist der häufigste bösartige Tumor des Augeninneren und kommt etwa einmal auf 2.500 Menschen vor.

Symptome, Diagnose und Behandlung des Aderhautmelanoms

Leider macht es kaum subjektive Beschwerden, so dass der Betroffene erst etwas merkt, wenn der Augentumor schon recht groß ist und das Sehen beeinträchtigt. Der Augenarzt sieht bei der Ophthalmoskopie, der Untersuchung des Augenhintergrundes bei erweiterter Pupille, eine tiefdunkle Vorwölbung, welche die Netzhaut ablöst und in den Glaskörper vorwächst. Das Aderhautmelanom ist eine tödliche Bedrohung: zwischen 30 und 50 Prozent der Betroffenen sterben an Leber- oder Lungenmetastasen. Von harmlosen Befunden des Augenhintergrundes mit Pigmentierung ist es durch eine Ultraschalluntersuchung und eine Fluoreszenzangiographie abzugrenzen.

Ähnlich wie beim Retinoblastom kann mit der Strahlentherapie durch einen aufgenähten Ruthenium- oder Jod-Träger die Enukleation oft, aber nicht immer verhindert werden. Auch eine Resektion ist bei dieser Art von Augentumor oft möglich.

Symptome, Diagnose und Behandlung des Melanoms der Iris

Tritt das Melanom in der Iris auf (die Regenbogenhaut ist entwicklungsgeschichtlich der Aderhaut verbunden), so kann es meist gut und rechtzeitig erkannt werden. Auch bei dieser Lokalisation merkt der Betroffene subjektiv wenig. Ein Blick in den Spiegel – oder ein Hinweis durch einen lieben Menschen, der einem gelegentlich tief in die Augen blickt – kann zur Entdeckung des Befundes führen. Der Augenchirurg kann diesen Augentumor meist gut resezieren.

Symptome, Diagnose und Behandlung des Bindehautmelanoms

Die Bindehaut ist jene Schicht des Auges, auf der Melanome eigentlich sehr gut zu erkennen und problemlos zu identifizieren sind: als dunkle Knoten vor dem Hintergrund der weißen Sklera. Allerdings ist die Abgrenzung gegenüber anderen Formen von Pigmenteinlagerungen in dieser durchsichtigen Schicht nicht ganz einfach. Die Melanose der Bindehaut, bei der Melanin enthaltende Zellen weiten Teilen der Bindehaut eine dunkelbraune Färbung geben, gilt bei Kaukasiern als eine potentielle Vorform eines Melanoms (bei Afrikanern hingegen ist die Melanose harmlos).

Auch im Fall des Bindehautmelanoms ist die frühzeitige Entfernung die Therapie der Wahl. Die Bindehautmelanome metastasieren leider frühzeitig und zwar meist zunächst in die Lymphknoten im Kopf- und Halsbereich.

Autor: Prof. Dr. med. Burkhard Dick