Syndaktylie - Zusammengewachsene Finger und Zehen

Neun Monate lang dauert die Entwicklung des Babys während der Schwangerschaft. Gleich nach der Geburt wird das Neugeborene in der ersten Untersuchung U1 genauestens von Hebammen und Ärzten untersucht. Neben der Körpergröße, Gewicht und Organfunktionen ist auch der körperliche Entwicklungszustand von besonderem Interesse. Hat das Baby zusammengewachsene Finger oder Zehen, wird die Diagnose Syndaktylie notiert. Diese Fehlbildung ist angeboren und kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein.

Wie Syndaktylie genau entsteht und welche Formen auftreten, erfahren Sie hier. Informieren Sie sich außerdem darüber, ob und wie Syndaktylie behandelt werden sollte.

Übersicht

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Syndaktylie - Weitere Informationen

Was bedeutet Syndaktylie?

Unter einer Syndaktylie (ICD-Code: Q70.9) verstehen Mediziner eine Fehlbildung von Körpergliedern, die bereits angeboren ist. Unter dem Sammelbegriff Dysmelie werden verschiedene angeborene Fehlbildungen, darunter Syndaktylie, zusammengefasst. Syndaktylie ist gekennzeichnet von einem Zusammenwachsen von Fingern oder Fußzehen. Es liegt eine Störung der normalen Trennung zwischen Fingern und Zehen vor, die zwischen der 5. und 7. Entwicklungswoche des Embryos erfolgt. 

Baby Fußmassage
© PhotographyByMK / Fotolia

Die Bezeichnung Syndaktylie geht aus dem Griechischen hervor und besteht aus den Begriffen „syn“ (zusammen) und „daktylos“ (Finger). An den Händen zählt die Syndaktylie zu den am häufigsten auftretenden Fehlbildungen. Dabei ist eines von 3000 neugeborenen Kindern von einer einfachen Syndaktylie betroffen. Wenn die Syndaktylie stark ausgeprägt ist, können sogar sämtliche Finger einer Hand zusammenwachsen. Besonders häufig zeigt sich Syndaktylie an der Hand in der dritten Zwischenfingerfalte und betrifft also den Mittel- und Ringfinger. Am Fuß trifft dies auf die zweite Zwischenzehenfalte zu. Das Zusammenwachsen der Finger hat oft Bewegungseinschränkungen wie zum Beispiel beim Greifen mit der Hand zur Folge.

Verschiedene Formen der Syndaktylie

Die Medizin unterscheidet zwischen unterschiedlichen Ausprägungen der Syndaktylie. Dabei spielt die Anzahl der zusammengewachsenen Finger- oder Zehenglieder eine Rolle und ob nur die Haut oder auch die Knochen verwachsen sind. So gibt es die kutane Syndaktylie (von lateinisch cutis - Haut) bei der lediglich eine Hautverbindung zwischen den einzelnen Gliedern vorliegt. Eine ausgeprägtere Form stellt die ossäre Syndaktylie (von lateinisch os - Knochen) dar, in deren Rahmen Knochenteile miteinander verschmelzen.

Anatomie Handgelenk
Knochen der gesund entwickelten Hand © bilderzwerg / Fotolia

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für ein Zusammenwachsen der Finger und Zehen. Dazu gehören äußere Einflüsse auf das Baby während der Schwangerschaft, zum Beispiel Alkohol oder bestimmte Medikamente. Zudem gibt es das Syndrom des Amniotischen Bandes, bei dem sich feste Ringe aus Bindegewebe aus der Eihülle heraus bilden und so Finger und Zehen zusammenschnüren.

Neben diesen Ursachen kann Syndaktylie ebenfalls vererbt werden, bei 20 bis 40 % der betroffenen Kinder ist das der Fall. Dann sind genetische Faktoren für die Fehlbildungen verantwortlich. Dabei liegt ein dominantes Gen vor, dass die Fehlbildung auslöst. Ein Gendefekt ist dafür verantwortlich, dass sich die einzelnen Abschnitte der Finger oder Zehen während der Embryophase nicht trennen. Syndaktylie ist bei Kindern mit genetisch bedingten Erkrankungen mit körperlichen Entwicklungsstörungen (zum Beispiel das Aarskog-Syndrom oder das Carpenter-Syndrom) ein häufiges Symptom.

Dass sich die Fehlbildung erst in den späteren Lebensabschnitten entwickelt, kommt selten vor. Mediziner sprechen dann von einer exogenen Syndaktylie. Als Ursachen kommen meist Verletzungen und Unfälle infrage, deren Versorgung nur unzureichend stattfand, wodurch Haut und Knochen nicht abheilen konnten.

Symptome

Das äußerlich sichtbare Symptom der Syndaktylie stellt das Zusammenwachsen von Fingern oder Zehen dar. Dadurch können die motorischen Funktionen der Hände und Füße eingeschränkt sein. Im Falle einer stark ausgeprägten Syndaktylie lassen sich sogar einfache Bewegungen nicht durchführen, was erhebliche Einschränkungen im Alltag mit sich bringt.


Syndaktylie der Hand mit zwei zusammengewachsenen Fingern

Im weiteren Verlauf der Erbkrankheit entstehen knöcherne Verbindungen zwischen den einzelnen Zehen und Fingern. Fällt die Länge der Finger und Zehen unterschiedlich aus, ist in der Medizin von einer Akrosyndaktylie die Rede. Später zeigen sich in der Hautbrücke Löcher, bei denen die Gefahr von schmerzhaften Entzündungen besteht. Auch Tastsinn und Feinmotorik werden in zunehmendem Maße in Mitleidenschaft gezogen. An den Händen fällt das Komplikationsrisiko erheblich höher aus als an den Füßen. Durch zusammengewachsene Zehen sind Betroffene in ihren Bewegungen meistens nicht eingeschränkt. Damit die Psyche der Kinder nicht unter ihren Fehlbildungen leidet, können Eltern eine positive und entwicklungsfördernde Perspektive mit ihrem Kind trainieren.

Syndaktylie der Füße mit zusammengewachsenen Zehen
Zusammengewachsene Zehen: Syndaktylie der Füße ist meistens beschwerdefrei.

Diagnose

Eine Syndaktylie wird in der Regel schon nach der Geburt im Rahmen einer Sichtuntersuchung erkannt. Um die jeweilige Form der Fehlbildung zu diagnostizieren, gelangen bildgebende Untersuchungsmethoden wie Röntgen zum Einsatz. Dabei hat der Arzt die Gelegenheit, die verbindenden Knochenbrücken der ossären Syndaktylie genau zu ermitteln.  

Behandlung der Syndaktylie: sorgfältige Operation möglich

Es besteht durchaus die Möglichkeit, eine Syndaktylie erfolgreich zu behandeln, sofern frühzeitig ein operativer Eingriff stattfindet. Im Rahmen der Operation werden die einzelnen Glieder, die zusammengewachsen sind, voneinander getrennt. Der behandelnde Arzt entscheidet dabei, ob die Hautbrücke einfach durchtrennt wird oder ob eine zusätzliche Hauttransplantation aus der Leistenregion die getrennten Finger oder Zehen bedecken soll. Gerade bei Kindern ist es entscheidend, keine großen Narben entstehen zu lassen, die nicht mitwachsen und die Finger durch ihren Zug so verkrümmen lassen können. Dieser chirurgische Eingriff ist komplexer und anspruchsvoller, als es zunächst scheint und erfordert einen erfahrenen Spezialisten der Handchirurgie.

Als noch etwas schwieriger erweist sich die Behandlung der ossären, also knöchernen Form der Syndaktylie. Dabei verfügen zwei Glieder über die gleiche Knochenanlage, die nicht genau bestimmt werden können. Außerdem muss der Chirurg auch auf Veränderungen an Blutgefäßen und Nerven achtgeben.
Besteht die Syndaktylie an den Fußzehen, stellt dies meist nur ein ästhetisches Problem dar. Daher verzichten zahlreiche Betroffene lieber auf einen chirurgischen Eingriff, weil sie durch die Fehlbildung nicht negativ beeinträchtigt werden.

Fazit

Ist das eigene Kind von einer Syndaktylie betroffen, besteht kein Grund zur Panik. Können andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, genügt zumeist ein operativer Eingriff, um die Fehlbildung zu beseitigen. Es empfiehlt sich, die operative Korrektur schon vor dem 3. Lebensjahr durchzuführen, damit es nicht zu Gelenkdeformationen kommt. Ein erfahrener Arzt der Handchirurgie kann eine präzise Diagnose stellen und ein individuelles Therapiekonzept entwickeln.