Spondylose: Verschleiß der Wirbelsäule

Rückenschmerzen oder Nackenschmerzen hat fast jeder schon einmal erlebt. Wenn es im Kreuz schmerzt und die Beschwerden den Betroffenen regelrecht in die Knie zwingen, ist es wichtig, die genaue Ursache für die Symptome zu ergründen. Dann können Ihre Schmerzen gezielt behandelt und die Lebensqualität verbessert werden.

Ein möglicher Grund für Rückenschmerzen ist die Verschleißerscheinung Spondylose. Unter die Bezeichnung Spondylose fallen verschiedene Erkrankungen der Wirbelsäule. Das charakteristische Merkmal der Spondylose sind knöcherne Sporne, die sich am Wirbelkörper bilden. Die Spondylose geht nicht auf eine Entzündung zurück, sondern ist eine Verschleißerkrankung der Wirbelsäule mit neurologischen Symptomen

Erfahren Sie hier alles Wissenswerte über Spondylose, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

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Was ist Spondylose? 

Spondylose ist ein Sammelbegriff für Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule, auch Arthrose der Wirbelsäule, Spondylarthrose oder Facettensyndrom genannt. Typisch für Spondylose ist ein zusätzliches Knochenwachstum an besonders beanspruchten Stellen der Wirbelsäule - Spondylophyten genannt. Spondylose kann jeden Wirbelsäulenabschnitt betreffen, also die Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule oder Lendenwirbelsäule. 

Rückenschmerzen Wirbelsäule
Bei Rückenschmerzen liegen die Gründe oft direkt bei der Wirbelsäule. © CLIPAREA.com / Fotolia

Verschiedene Formen der Spondylose

Das internationale Klassifikationssystem für Krankheiten (ICD-10) führt die Spondylose unter dem Code M47 und unterteilt sie anhand des klinischen Bilds in fünf Formen. Die Art der Wirbelsäulenschädigung bestimmt die Kategorie der Spondylose:
  • Arteria-spinalis-anterior-Kompressionssyndrom oder das Arteria-vertebralis-Kompressionssyndrom. Sie liegen vor, wenn die deformierte Wirbelsäule Druck auf das entsprechende Blutgefäß ausübt. Wenn die Nervenzellen des Rückenmarks dadurch nicht ausreichend Nährstoffe und Sauerstoff erhalten, nehmen sie Schaden und sterben ab. Ärzte bezeichnen diese Schädigung des Rückenmarks als Myelopathie.
  • Bei der spondylogenen Kompression des Rückenmarks beeinträchtigen die Veränderungen der Wirbelsäule das Rückenmark direkt. Es kommt zur Spinalkanalstenose.
  • Eine Spondylose mit Radikulopathie meint eine Spondylose, die die Nervenwurzel schädigt. Die Radikulopathie ist aus diesem Grund auch als Wurzelsyndrom bekannt.

Zudem gibt es sonstige Spondylosen ohne Myelopathie oder Radikulopathie. Hier treten keine neurologischen Symptome oder Missempfindungen auf.

Ursachen der Spondylose: Verschleiß, Deformation und Stoffwechselstörungen

Die Wirbelsäule wird im Laufe eines Menschenlebens stark beansprucht. Je älter Sie werden, desto dünner und trockener werden Ihre Bandscheiben. Da die Bandscheiben als Puffer zwischen den Wirbeln fungieren, besteht dadurch die Möglichkeit, dass sich übereinanderliegende Wirbel einander nähern und sich berühren. Genauer gesagt sind dabei die sogenannten Facettengelenke der Wirbelsäule betroffen. Dadurch entsteht das Facettensyndrom, eine Erkrankung, die zur Spondylose gezählt wird. Wie diese Verschleißerkrankung entsteht, sehen Sie im Video:

 

 

Verschleiß bedeutet Abnutzung. Durch den Verschleiß der Wirbelsäule wird diese instabiler, und zusätzliches Knochenwachstum soll die Wirbelsäule wieder festigen und stabilisieren: Spondylophyten, die Knochensporne, entstehen. Zugleich beansprucht diese zusätzliche Knochenmasse mehr Platz. So können Nerven, Blutgefäße und der Rückenmarkskanal beengt und zusammen gedrückt werden. Schmerzen und neurologische Missempfindungen die Folge. 

Wirbelsäule Facettengelenk
Die Wirbelkörper berühren sich an den Facettengelenken - bei Spondylose vergrößern sich die knöchernen Auflageflächen © bilderzwerg / Fotolia


In einigen Fällen verbinden sich die Spondylophyten, die an unterschiedlichen Wirbeln wachsen. Dadurch entsteht ein zusammenhängendes knöchernes Gebilde, das die Beweglichkeit der Wirbelsäule einschränkt. Wenn eine Spondylose auf diese Weise entsteht und die Wirbelsäule verformt, sprechen Ärzte oft von einer Spondylosis deformans.

Daneben existieren Sonderformen, die anders entstehen. Die Spondylosis hyperostotica beruht beispielsweise auf einer Störung des Stoffwechsels. Eine potenzielle Ursache der Spondylosis hyperostotica ist Diabetes.

Symptome bei Spondylose: Rückenschmerzen, steife Wirbelsäule und neurologische Beschwerden

Je nachdem, welche Wirbelbereiche von Spondylose betroffen sind, treten unterschiedliche Symptome auf. Rückenschmerzen sind bei einer Spondylose häufig. Eventuell treten die Schmerzen auch im Nacken auf oder strahlen bis in die Arme und Beine aus. Die Verschleißerscheinung äußert sich zu Beginn typischerweise erst mit leichten Symptomen und Schmerzen – schwerere Beschwerden treten erst nach und nach auf.

Der Wirbelverschleiß Spondylose beeinträchtigt teilweise das Rückenmark und periphere Nerven. Wenn die Spinalnerven oder das Rückenmark beschädigt sind, treten typischerweise weitere neurologische Symptome auf:

  • Empfindungsstörungen, zum Beispiel Kribbeln im Arm
  • Kontrollverlust über Blase und Darm
  • Taubheitsgefühl
  • unerwartete Schwäche, die nicht durch die Muskeln erklärt wird
  • Bewegungsstörungen und Lähmungen
  • Gangstörungen

Prognose und möglicher Verlauf der Spondylose

Bei vielen Erwachsenen zeigen sich bereits die ersten Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule und den Bandscheiben, die mit zunehmendem Alter fortschreiten. Die überwältigende Mehrheit der Menschen über 65 Jahre weist an den Wirbelkörpern Knochensporne auf, doch nur ein Teil der Betroffenen leidet unter Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen oder anderen Symptomen. Oft bleibt die Spondylose unerkannt und symptomlos.

Die Spondylose zieht teilweise weitere Probleme nach sich. Spondylosen mit Radikulopathie oder Myelopathie belasten den Patienten mit neurologischen Symptomen und Nervenschmerzen. Im Krankheitsverlauf sind außerdem Muskelverspannungen möglich, die Schmerzen hervorrufen. Die Muskelverspannung entsteht zum Beispiel, wenn Sie wegen der Spondylose eine unnatürliche Körperhaltung einnehmen und so den Körper ungleichmäßig belasten.

Wirbelsäule Röntgenuntersuchung
Das Röntgenbild zeigt Veränderungen an der Wirbelsäule © luxpainter / Fotolia

Diagnose und Behandlung der Spondylose

Ein Arzt fertigt in der Regel ein Röntgen-, CT- oder MRT-Bild an, auf dem der Zustand der Wirbelsäule zu erkennen ist. Auf diese Weise lassen sich auch andere mögliche Erkrankungen ausschließen. Unter Umständen sind weitere Tests erforderlich, um zum Beispiel eventuelle Nervenausfälle zu überprüfen. Der Arzt nimmt oft auch eine Blutprobe, um eine Entzündung als Ursache auszuschließen.

Eine Operation kann das eventuell gefährdete Rückenmark entlasten oder dabei helfen, die Wirbelsäule wieder beweglicher zu machen. Ein Arzt zieht eine Operation erst in Betracht, wenn andere Behandlungsoptionen bereits ausgeschöpft sind oder im Einzelfall nicht ausreichend erscheinen. Das genaue Vorgehen ist bei jedem Patienten anders.

Ist die Schmerzursache das Facettensyndrom, erweisen sich Spritzen als effektive Schmerztherapie. Wie eine Facetteninfiltration abläuft, zeigt das Video:

 

 

In einigen Fällen entfernt der Chirurg den störenden Spondylophyten und verbreitert den Rückenmarkskanal, um Nervenkompressionen auszuschalten. Der Chirurg kann den Wirbel auch durch eine Prothese ersetzen. In anderen Fällen korrigiert der Arzt nur die Position des Wirbels. Über die Operationsmöglichkeiten informieren Sie die Videos:

 

 

 

 

Wenn die Spondylose auf Diabetes oder eine andere Stoffwechselstörung zurückgeht, spielt die Therapie dieser Grunderkrankung eine wichtige Rolle. Häufig erhalten Sie bei einer Spondylose Schmerzmittel, um die Symptome zu lindern.

Risiken verringern und Spondylose vorbeugen: Bewegung in Balance

Der beste Zeitpunkt für präventive Maßnahmen ist dann, wenn Sie noch nicht unter einer Spondylose leiden. Obwohl Sie typische Alterserscheinungen wie die Ermüdung der Bandscheiben nicht vollständig verhindern können, können Sie aktiv werden und etwas für Ihre Rückengesundheit tun. 

So können Sie das Risiko für Spondylose verringern:

  • Stärken Sie Ihre Muskulatur - achten Sie dabei darauf, den Rücken und Bauch gleichmäßig zu trainieren um Dysbalancen zu vermeiden. Diese belasten die Wirbelsäule durch eine unausgeglichene Stabilität und verschiedene Zugkräfte.
  • Dehnen nicht vergessen! Kräftige und geschmeidige Muskeln stützen den Körper ganz natürlich.
  • Achten Sie auf eine gesunde Körperhaltung - im Sitzen oder Stehen, aber auch beim Tragen von schweren Gegenständen.
  • Ein ergonomisch eingerichteter Schreibtisch trägt ebenfalls dazu bei, die Rückengesundheit länger aufrechtzuerhalten.
  • Gesundes Körpergewicht bedeutet eine Entlastung für die Wirbelsäule und Gelenke.

Sobald Sie Rückenschmerzen über einen längeren Zeitraum haben, ein Richtwert sind 3 bis 6 Wochen, und keine Besserung erreichen können, ziehen Sie einen Arzt zurate. In vielen Fällen unterstützt ein Physiotherapeut Patienten dabei, die Rückengesundheit zu verbessern. Der Physiotherapeut berücksichtigt dabei die Besonderheiten der Krankheit. Nicht jede Sportart ist geeignet, um die Rückenmuskulatur bei einer Spondylose zu trainieren. Ruckartige Bewegungen gelten bei Rückenproblemen beispielsweise im Allgemeinen als problematisch.

Physiotherapie Rückenschmerz
© drubig-photo / Fotolia

Fazit: Spondylose ist eine weit verbreitete Verschleißerkrankung

Die meisten älteren Menschen besitzen Knochensporne an den Wirbelkörpern. Mit den Spondylophyten versucht der Körper, die degenerierende Wirbelsäule zu festigen. Bandscheibenvorfälle und Stoffwechselerkrankungen gehören zu den Risikofaktoren.

Nach einer unauffälligen Anfangszeit entwickelt sich die Spondylose mitunter zu einem ernsthaften Problem. Schmerzen und Muskelverspannungen beeinträchtigen die Lebensqualität und möglicherweise ist das Rückenmark gefährdet. Denken Sie deshalb über vorbeugende Maßnahmen und das rechtzeitige Arztgespräch nach, damit Sie Ihre Rückengesundheit fördern.