Spondylodiszitis - Medizinische Experten

Bei einer Spondylodiszitis (ICD-Code M46.4) handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Bandscheiben. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Silben "Spondyl" (Wirbel), "disc/dis" (Bandscheibe) und "itis" zusammen. Übersetzt bedeutet das also so viel wie Entzündung der Wirbel und Bandscheiben.


Medizinischer Lektor Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Spondylodiszitis - Weitere Informationen

Was ist eine Spondylodiszitis?

Wenn Sie an eine Erkrankung der Wirbelsäule denken, kommen Ihnen bestimmt Begriffe wie "Bandscheibenvorfall" oder "Hexenschuss" in den Sinn. Doch was assoziieren Sie mit einer Spondylodiszitis (ICD-Code M46.49)? Der beinahe unaussprechliche Begriff stammt aus dem Lateinischen und setzt sich aus den Silben "Spondyl" (Wirbel), "disc/dis" (Bandscheibe) und "itis" zusammen, der Endung für eine entzündliche Erkrankung. Übersetzt bedeutet das also so viel wie Entzündung der Wirbel und Bandscheiben. Liegt nur eine Entzündung der Wirbel vor, ohne dass die Bandscheiben betroffen sind, spricht man von einer Spondylitis. Handelt es sich um eine reine Bandscheibenentzündung, liegt eine Diszitis vor.

Wo liegen die Ursachen einer Spondylodiszitis?

Unsere Wirbelsäule besteht aus circa 33 Wirbeln, die durch die Bandscheiben miteinander verbunden sind. Da die Steißbeinwirbel jedes Menschen unterschiedlich stark miteinander verwachsen sind, variiert die Gesamtzahl der Wirbel von Mensch zu Mensch. Die Bandscheiben dienen als Puffer zwischen den einzelnen starren Wirbeln, damit die Wirbelsäule beweglich bleibt und Stöße beim Gehen abgefedert werden können.

Anatomie der Wirbelsäule

Sind die Bandscheiben und/oder die angrenzenden Wirbel entzündet, kommt es zu unangenehmen Rückenschmerzen. Diese Entzündung rührt meist von einer bakteriellen Infektion her, vorwiegend durch das Bakterium Staphylococcus aureus ausgelöst. Aber auch Pilze und Viren können der Grund für eine Spondylodiszitis sein.

Grundsätzlich wird zwischen einer spezifischen Spondylodiszitis und einer unspezifischen Spondylodiszitis unterschieden:

  • Eine spezifische Spondylodiszitis, auch als Skeletttuberkulose bezeichnet, wird von Tuberkelbakterien hervorgerufen. Sie tritt weniger akut auf als die unspezifische Spondylodiszitis und hat einen eher schleichenden Krankheitsverlauf. Die Infektion erfolgt über den Blutweg. Inzwischen ist diese Erkrankung bei uns aber selten geworden.
  • Die unspezifische Spondylodiszitis kann neben dem Bakterium Staphylococcus aureus durch alle anderen Eitererreger ausgelöst werden und geht mit akuten Schmerzen einher. Ursache für die Entzündung können offene Knochenbrüche sein, durch deren Wunde die Bakterien in den Körper und somit in den Knochen gelangen. Aber auch Entzündungsherde an einer beliebigen Stelle des Körpers können bewirken, dass die Erreger durch die Blutbahn zur Wirbelsäule gelangen.

Welche Symptome treten bei einer Spondylodiszitis auf?

Eine Entzündung der Wirbelkörper und der Bandscheiben ist von außen nicht sichtbar, macht sich aber durch starke Rückenschmerzen bemerkbar. Die Krankheit geht mit Belastungsschmerzen einher, die durch Bewegung schlimmer werden. An der betroffenen Rückenpartie äußert sich der Schmerz als Klopf- beziehungsweise Druckschmerz. Oft wird die Ursache der Schmerzen erst nach einem langen Leidensweg der Patienten gefunden.

Neben den Rückenschmerzen haben die Betroffenen die allgemeinen Anzeichen einer Entzündung, wodurch manche Fieber und Nachtschweiß bekommen und sich unwohl fühlen. Es erfolgt meist eine körperliche Auszehrung, die wiederum Schwäche, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme zur Folge hat. Im fortgeschrittenen Stadium können auch neurologische Ausfälle auftreten, wie Taubheit oder Lähmung.

Begünstigende Faktoren, um an einer Spondylodiszitis zu erkranken, sind:

  • Diabetes,
  • überhöhter Alkoholkonsum,
  • eine regelmäßige Cortisoleinnahme und
  • viele weitere Erkrankungen.

Wie sieht die Therapie bei einer Spondylodiszitis aus?

Eine frühzeitige Diagnose kann den Verlauf der Spondylodiszitis erheblich verbessern und vor allem auch verkürzen. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann dies schwerwiegende Symptome und sogar einen lebensbedrohlichen Verlauf zur Folge haben. Häufig kann die Bandscheibenentzündung jedoch unterstützt durch Antibiotika vom Körper selbst wieder unter Kontrolle gebracht werden. Als Folge bleiben jedoch nicht selten die Bandscheiben geschädigt und die Wirbel versteifen im weiteren Verlauf.

Die Therapie der Spondylodiszitis konzentriert sich zunächst auf die Eindämmung der Schmerzen. Vor der eigentlichen Behandlung steht die Identifizierung des Keims bzw. des Erregerspektrums durch eine Biopsie (Gewebeprobe) oder Operation. Die Biopsie erfolgt CT-gestützt, auch wenn keine Operation durchgeführt wird. Ob eine Operation bei Spondylodiszitis nötig ist, hängt vom Zerstörungsausmaß, den Schmerzen und den neurologischen Defiziten ab. Wenn eine OP ansteht, dann wird der Entzündungsbereich ausgeräumt und stabilisiert. Das erlaubt eine schnelle Mobilisierung und Schmerzverbesserung für den Patienten.

Ohne Operation wird dem Patienten zunächst Bettruhe empfohlen, bis die Schmerzen unter Kontrolle sind. Eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika wird in der Regel 6 Wochen bis maximal 12 Wochen lang durchgeführt, um den Entzündungsherd auszuschalten und eine Streuung in andere Regionen des Körpers zu verhindern. Liegt keine bakterielle, sondern eine durch Pilze oder andere Erreger hervorgerufene Entzündung vor, muss eine antimykotische beziehungsweise antiparasitäre Therapie erfolgen.

Zusätzlich zur medikamentösen Therapie erfolgt eine Ruhigstellung der betroffenen Wirbelregion. Hierfür haben sich Bettruhe und die sogenannte Gipsliegeschale bewährt. Nach etwa 10 Wochen wird vorsichtig mit einer Bewegungstherapie begonnen, um eine Stabilisierung der Wirbelsäule zu erreichen. In besonders ausgeprägten und risikobelasteten Fällen wird ein operativer Eingriff durchgeführt, um den Entzündungsherd zu sanieren. Eine anschließende Rehabilitation begünstigt den Heilungsverlauf und stabilisiert die Wirbelsäule.

Quellen:

  • Sobottke R at al., Aktuelle Diagnostik und Therapie der Spondylodiszitis. Dtsch Arztebl 2008; 105(10):181–187; DOI: 10.3238/arztebl.2008.0181
  • Michiels I & Jäger M. Spondylodiszitis – Aktuelle Strategien zur Diagnose und Therapie. Der Orthopäde 2017; 9: https://doi.org/10.1007/s00132-017-3436-0
Zuletzt aktualisiert am 04.09.2019