Sehnenscheidenentzündung

Eine Sehnenscheidenentzündung, Tenosynovitis oder Synovitis ist in der Regel harmlos, aber sehr schmerzhaft. Um eine schnelle Heilung zu gewährleisten, sollten Sie den entzündlich veränderten Bereich konsequent schonen – ansonsten könnte die Erkrankung einen chronischen Verlauf nehmen.

Im Folgenden erfahren Sie, welches die typischen Ursachen einer Sehnenscheidenentzündung sind, wie der Arzt die Erkrankung diagnostiziert und welche Behandlungsmöglichkeiten und Hausmittel es gibt.

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Sehnenscheidenentzündung - Weitere Informationen

Was ist eine Sehnenscheidenentzündung und wie entsteht sie?


Die offizielle Bezeichnung der Sehnenscheidenentzündung (ICD-Code M65) lautet Synovitis, Tenosynovitis oder auch Tendovaginitis. Es handelt sich um einen entzündlichen Prozess innerhalb des sogenannten Sehnengleitgewebes.

Die Sehnen verbinden die Knochen mit dem Muskelgewebe. Überall dort, wo die Sehnen besonders stark beansprucht werden, verlaufen sie innerhalb schützender Sehnenscheiden, die mit Gelenkschmiere ausgekleidet sind. Spricht der Mediziner von einer Sehnenscheidenentzündung, so meint er hiermit eine entzündliche Veränderung dieses Sehnengleitgewebes.

Die Sehnenscheidenentzündung entsteht in den meisten Fällen durch Überlastung. Sportler sind daher besonders gefährdet – vor allem dann, wenn sie Tennis oder Golf spielen. Auch Bauarbeiter, Umzugshelfer, Masseure, Kassierer und Personen, die am PC arbeiten, entwickeln überdurchschnittlich häufig eine Sehnenscheidenentzündung. Bei einigen Berufsgruppen ist die Sehnenscheidenentzündung sogar offiziell als Berufskrankheit anerkannt.

Doch was genau geschieht eigentlich im Körper? Die Sehnen reiben durch monotone und/oder übermäßige Belastungen an der Innenseite ihrer Sehnenscheide. Diese schwillt in der Folge an, sodass der Sehnenkanal immer enger wird.

Wird die Sehne jetzt nicht konsequent entlastet, entsteht ein wahrer Teufelskreis, denn noch mehr Reibung hat eine immer weiter zunehmende Verengung der Sehnenscheide zur Folge.
Sehnenscheidenentzündungen können jedoch nicht nur durch Sport und bestimmte Tätigkeiten entstehen, sondern auch:

  • durch Grunderkrankungen (zum Beispiel durch Rheuma)
  • nach Infektionen (zum Beispiel: Borreliose)
  • nach Verletzungen
  • durch hormonelle Schwankungen (in der Schwangerschaft, während der Wechseljahre)

Τενοντοθηκίτις Αντίχειρος De Quervain, ανατομία
Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk

Wo kann eine Sehnenscheidenentzündung auftreten und wie äußern sich die Symptome?


Mittelgroße bis große Gelenke sind am häufigsten von einer Sehnenscheidenentzündung betroffen – und zwar insbesondere das Handgelenk und der Daumen. Auch an der Schulter und am Fuß kommt es häufig zu Entzündungen der Sehnenscheiden. Die Erkrankung geht mit stark ausgeprägten Schmerzen einher, die sich anfangs nur bei Bewegungen bemerkbar machen.

Sind die Sehnenscheiden im Fußgelenk entzündet, fällt jeder Schritt schwer und sportliche Aktivitäten sind gar nicht mehr möglich. Später treten die Schmerzen auch in Ruhestellung und nachts auf. Dazu können Schwellungen und Rötungen kommen.

Patienten, die unter einer Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk leiden, empfinden vor allem dann starke Schmerzen, wenn sie das Gelenk nach oben (also in Richtung Unterarm) bewegen. Auch das sogenannte „Schnellballknirschen“ ist typisch für Sehnenscheidenentzündungen, vor allem dann, wenn Unterarm und/oder Ellenbogen betroffen sind.

Golfer leiden überdurchschnittlich häufig unter einer Sehnenscheidenentzündung der Schulter. Die Schmerzen sind hier besonders stark ausgeprägt, wenn der Arm nach oben bewegt wird.

Wann zum Arzt?

Wenn die Beschwerden nach drei bis fünf Tagen trotz Ruhigstellung nicht selbstständig abklingen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Eine schnelle Behandlung ist bei der Sehnenscheidenentzündung sehr wichtig, damit die Erkrankung nicht chronisch wird. Der Hausarzt kann erster Ansprechpartner sein. Falls erforderlich, wird er den Patienten an einen Orthopäden oder auch an einen Sportarzt überweisen.

Untersuchung Sehnenscheidenentzündung
Diagnose Sehnenscheidenentzündung? Schmerzen im Unterarm werden ärztlich untersucht. © JPC-PROD / Fotolia

Wie wird die Sehnenscheidenentzündung diagnostiziert?

Eine ausführliche Anamnese, Bewegungstests und das Abtasten der betroffenen Stelle sind in der Regel ausreichend, damit der Arzt die Diagnose Sehnenscheidenentzündung stellen kann. Im Zweifel kann der Arzt jedoch auch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) anordnen.

Eine Röntgenaufnahme ist nicht erforderlich, da die Knochen von der Sehnenscheidenentzündung nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Lediglich dann, wenn die Therapie nicht anschlägt oder andere Erkrankungen ausgeschlossen werden sollen, kann ein Röntgenbild aufschlussreich sein. Sollen die entzündlichen Bereiche möglichst exakt dargestellt werden, ist hingegen ein MRT das Mittel der Wahl.

Hegt der Arzt den Verdacht auf eine rheumatische Erkrankung als Auslöser der Sehnenscheidenentzündung, wird er dem Patienten Blut abnehmen, damit bestimmte Laborwerte überprüft werden können.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Eine Sehnenscheidenentzündung wird in erster Linie durch konsequente Schonung und Ruhigstellung des betroffenen Bereichs therapiert. Diese Ruhigstellung kann durch Verbände, Schienen oder Bandagen unterstützt werden. Außerdem ist es sinnvoll, die schmerzende Stelle zu kühlen – vor allem dann, wenn sie gerötet, warm und/oder geschwollen ist.

Bei sehr starken Beschwerden können schmerzlindernde Salben oder Tabletten zum Einsatz kommen. Auch das Einspritzen von Kortison und lokal wirkenden Schmerzmitteln ist möglich, allerdings nur dann, wenn die Schmerzen extrem ausgeprägt sind und den Patienten stark belasten.

Salbe bei Sehnenscheidenentzündung
Kühlende Salbe hilft gegen Schmerzen bei Sehnenscheidenentzündung © motorolka / Fotolia

Liegt eine chronische Sehnenscheidenentzündung vor, ist ein operativer Eingriff oftmals der letzte Ausweg. Dabei wird entweder der entzündete Teil der Sehnenscheide vollständig entfernt oder die verengte Stelle aufgespalten, um für Entlastung zu sorgen.


Geht die Sehnenscheidenentzündung mit einer Grunderkrankung – zum Beispiel mit Rheuma – einher, muss diese Grunderkrankung ebenfalls therapiert werden.

 

Welche Hausmittel können bei einer Sehnenscheidenentzündung helfen?

Einige Hausmittel haben sich bei der Behandlung von Sehnenscheidenentzündungen durchaus bewährt und können daher therapiebegleitend zum Einsatz kommen, so etwa:

  • Pferdesalbe
  • Moorpackungen
  • Arnikasalbe
  • Heilerde
  • Kümmelöl
  • kalte Quarkauflagen
Diese Mittel können entzündungshemmend, kühlend und schmerzlindernd wirken. 

Krankheitsverlauf und Heilungsdauer

Sofern der Patient den betroffenen Bereich schont, heilt eine Sehnenscheidenentzündung innerhalb von wenigen Tagen komplikationsfrei ab. Eine chronische Sehnenscheidenentzündung dauert hingegen mehrere Wochen oder gar Monate und tritt immer wieder auf.

Einer Sehnenscheidenentzündung effektiv vorbeugen

Es gibt viele einfache Möglichkeiten, einer Sehnenscheidenentzündung effektiv vorzubeugen. Führen Sie bereits bei minimalen Beschwerden während der Arbeit oder des Sports Dehnungsübungen durch, um die Muskeln zu lockern und Bänder und Sehnen geschmeidig zu machen. Legen Sie außerdem regelmäßige Pausen ein – insbesondere bei sehr monotonen Arbeiten.

Wenn Sie tagtäglich mehrere Stunden an der Tastatur arbeiten, ist es ratsam, eine möglichst flache Tastatur und ein spezielles Tastaturpolster zu verwenden. Gewöhnen Sie sich aber dennoch an, die Handgelenke zwischendurch immer wieder zu dehnen und zu bewegen. Ebenfalls empfehlenswert ist eine ergonomisch geformte Maus. Um Ihren „Mausfinger“ zu entlasten, sollten Sie zudem hin und wieder Tastenkombinationen statt der Maus benutzen.

Tennis- und Golfspieler aber auch Kletterer tragen während des Sports am besten Stützbandagen. Für Handwerker gibt es hingegen ergonomisch geformte Werkzeuge, die das Risiko für die Entstehung einer Sehnenscheidenentzündung deutlich reduzieren.

Fazit

Eine Sehnenscheidenentzündung ist in der Regel kein Grund zur Sorge, denn mit der richtigen Behandlung heilt die Erkrankung innerhalb weniger Tage vollständig ab. Dennoch ist es sinnvoll, die eigenen Verhaltensweisen genau unter die Lupe zu nehmen, um schädliche Bewegungsabläufe zukünftig zu vermeiden und das Risiko für ein erneutes Auftreten der Erkrankung zu minimieren.