Schwanenhalsdeformität - verkrümmte Gelenke an Fingern und Zehen

Schwanenhalsdeformität ist der medizinische Fachbegriff für eine bestimmte Fehlstellung der Finger oder Zehen. Betroffen sind ausschließlich Zeige-, Mittel- und Ringfinger sowie die zweite Zehe. In dieser Fehlstellung erinnern insbesondere die Finger an einen Schwanenhals. Die Schwanenhalsdeformität tritt bevorzugt bei rheumatischen Erkrankungen wie der chronischen Polyarthritis auf, kann aber auch durch andere Krankheiten sowie durch ein akutes Trauma hervorgerufen werden.

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Schwanenhalsdeformität - Weitere Informationen

Was ist eine Schwanenhalsdeformität?

Die Schwanenhalsdeformität bezeichnet eine Fehlstehllung an der Hand oder dem Fuß. Betroffen sind dabei die Sehnen und dadurch die einzelnen Gelenke.

An der Hand ist die Schwanenhalsdeformität durch eine Überstreckung des Fingermittelgelenks (proximales Interphalangealgelenk) bei gleichzeitiger Beugung des Fingerendgelenks (distales Interphalangealgelenk) charakterisiert. Auch das Grundgelenk des Fingers verharrt häufig zusätzlich in einer gebeugten Stellung. Die Schwanenhalsdeformität des Fußes führt durch die Beugestellung des Zehengelenks zur sogenannten Krallenstellung oder Krallenzehe.

Was sind die Ursachen einer Schwanenhalsdeformität?

Ursächlich für die Fehlstellung der Finger ist ein Defekt der Finger- und Beugesehnen im Bereich des Mittelgelenks. So kann es bei einem Unfall oder einem Trauma zu einem Riss an der palmaren Sehnenplatte, die sich am Mittelgelenk befindet, kommen. Dadurch ist eine normale Gelenkfunktion nicht mehr möglich.

Eine Schwanenhalsdeformität an den Fingern tritt zudem bevorzugt bei Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis auf. Diese chronische Systemerkrankung befällt die Innenhäute der Gelenke und ruft dort Entzündungen hervor. Die Schwanenhalsdeformität entsteht hier vor allem durch eine Zerstörung des Gelenks und einer daraus resultierenden Beugesehnenverletzung. Auch eine Verbackung der Beugesehnen durch die Entzündung kommt als mögliche Ursache der Schwanenhalsdeformität in Betracht. Ursächlich für die Fehlstellung der Zehen ist vor allem eine mechanische Belastung

Anatomie Handgelenk
© bilderzwerg / Fotolia

Welche Symptome treten auf?

Zu den frühen Anzeichen der Fehlstellung gehören Schmerzen beim Biegen der Finger und eine leichte, oft nur wenig auffällige Biegung der Fingergelenke in die falsche Richtung.
In einem fortgeschrittenen Stadium lässt sich die Schwanenhalsdeformität in ihrem typischen Erscheinungsbild leicht erkennen. Während sich die Fehlstellung in den Stadien I und II noch aktiv bzw. passiv mit Schienen korrigieren lässt, ist die Deformität im dritten Erkrankungsstadium fixiert. Die Patienten können ihre Hand nicht mehr zu einer Faust ballen und auch der Zangengriff ist gestört. Dadurch sind sie in ihrem Alltag deutlich eingeschränkt. Viele Patienten empfinden die Fehlstellung zudem als kosmetischen Makel und fühlen sich damit äußerst unwohl.

Rheumatoide Arthritis Hand
Schwanenhalsdformität der Finger im Zusammenhang mit Rheumatoider Arthritis © bilderzwerg / Fotolia

Wie erfolgt die Diagnose?

Die Fehlstellung der Finger oder Zehen ist insbesondere in einem fortgeschrittenen Stadium recht auffällig, sodass der Arzt schnell eine Verdachtsdiagnose stellen kann. In einem ausführlichen Gespräch ergründet er zudem, welche Ursachen der Schwanenhalsdeformität zugrunde liegen könnten. Im Anschluss untersucht der Arzt die Hände bzw. den Fuß auf Schwellungen und überprüft manuell die Funktion der Gelenke und Sehnen. Eine Röntgen- oder MRT-Untersuchung sowie ein Blutbild können weitere Hinweise auf die vorliegende Grunderkrankung liefern. Bei einer Rheumatoiden Arthritis zum Beispiel zeigt ein Blutbild einen positiven Rheumafaktor (RF).

Wie wird eine Schwanenhalsdeformität behandelt?

Die Art der Therapie hängt vor allem von der Ursache der Deformität ab. Basiert die Schwanenhalsdeformität auf einer Verletzung, kann eine Behandlung in der Unfallchirurgie erforderlich sein. Hier korrigiert der Unfallchirurg mittels Sehnennaht die Sehnenverletzung. Eine solche Sehnennaht kann bis zu 14 Tage nach dem eigentlichen Trauma durchgeführt werden. Bei länger zurückliegenden Verletzungen nimmt der Arzt hingegen eine sogenannte Sehnenplastik (Sehnenersatzoperation) vor. Dabei ersetzt oder stabilisiert der Arzt die beschädigte Sehne mit körpereigenem (autologem) oder künstlichem Sehnenersatzmaterial.
ersetzt 
Bei einer leichtgradigen Fehlstellung, die durch eine rheumatische Erkrankung bedingt ist, verordnet der Arzt der Orthopädie oder Rheumatologie eine Beugeschiene sowie Krankengymnastik zur konservativen Behandlung. Schwerwiegendere Fehlstellungen vom Grad II oder III erfordern hingegen einen chirurgischen Eingriff. Verschiedene operative Interventionen sind hier denkbar. So kann der Arzt die Gelenkschleimhaut im betroffenen Gelenk abtragen (Synovektomie) oder Verklebungen im Bereich der Beugesehnen lösen. Auch eine Sehnenrekonstruktion oder ein künstlicher Gelenkersatz gehören zu den möglichen operativen Verfahren. Bei fortgeschrittener Gelenkzerstörung ist eine Arthrodese, also eine chirurgische Versteifung des Gelenks, das therapeutische Mittel der Wahl.