Schulterendoprothetik - Medizinische Experten

Unter Schulterendoprothetik wird der vollständige oder teilweise Ersatz des Schultergelenks durch künstliche Materialien verstanden. Wird das Gelenk vollständig ersetzt, das heißt Schulterblattgelenkpfanne und Oberarmknochenkopf, wird auch von einer Schulter-TEP (Schulter-Totalendoprothese) gesprochen, wird nur ein Gelenkpartner ersetzt, handelt es sich um eine Hemiprothese.


Medizinischer Lektor Dr. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Schulterendoprothetik - Weitere Informationen

Was ist Schulterendoprothetik?

Die Schulter besteht aus den mehreren Gelenken, aus den Knochen des Schultergürtels und dem Kopf des Oberarmknochens sowie den die Knochen umgebenden Bändern und Muskeln. Das größte Gelenk, das Schultergelenk, wird aus dem Humeruskopf (Oberarmknochenkopf) und einem Teil des Schulterblatts (der Schulterblattgelenkpfanne) gebildet. Es ist als Kugelgelenk das beweglichste Gelenk im menschlichen Körper, Bändern und vor allem Muskeln dienen der Stabilisierung und Bewegung des Gelenks.

Diese Muskeln sind manschettenartig um das Schultergelenk angeordnet und werden deshalb auch in ihrer Gesamtheit als Rotatorenmanschette bezeichnet. Die Beweglichkeit ist durch weitere Teile und Fortsätze des Schulterblatts zwar etwas eingeschränkt, dennoch kann es aufgrund der hohen Beweglichkeit des Gelenks relativ einfach ausrenken (Schulterluxation). Auch können diese knöchernen Fortsätze durch äußere Krafteinwirkung brechen und die Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette reißen.

Die sehr gut körperverträglichen Schulterendoprothesen bestehen aus einer Titan- oder Chrom-Chrom-Legierung und werden - je nach Zustand des Knochens und Alter des Patienten - mit oder ohne Knochenzement (ein spezieller Kunststoff) stabil im Knochen verankert.

Welche Krankheiten werden von den Spezialisten für Schulterendoprothetik behandelt?

Durch Schulterverletzungen in der Vergangenheit, als Folge von rheumatischen Erkrankungen (rheumatoide Arthritis) oder sonstigen degenerativen (abnutzungsbedingten) Vorgängen kann es zu einer Arthrose, also einem Gelenkverschleiß, im Schultergelenk kommen, bei dem zunächst der Knorpel und im fortgeschrittenen Stadium auch der Knochen selbst abgebaut wird. Diese Omarthrose betrifft hauptsächlich den Kopf des Oberarmknochens, kann aber auch in der Schultergelenkspfanne vorkommen und stellt den häufigsten Grund für die Implantation eines künstlichen Schultergelenks dar.

Auch ein relativ häufiger Grund für eine Schulterendoprothesen-OP stellen komplexe Knochenbrüche (Frakturen) des oberen Abschnitts des Oberarmknochens dar.

Weitere Krankheiten oder Umstände, die von Experten für Schulterendoprothetik behandelt werden, sind zum Beispiel:

  • Oberarmkopfnekrosen (Humeruskopfnekrosen), das heißt, das Knochengewebe stirbt als Folge eines Unfalls oder einer Erkrankung ab
  • Tumoren des oberen Abschnitts des Oberarmknochens (Humerustumoren)
  • Defekte der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettendefekt-Arthropathie)
  • Pseudarthrose (auch als Falschgelenk, Scheingelenk und Pseudogelenk bezeichnet) des oberen Abschnitts des Oberarmknochens (nicht ausheilender Knochenbruch)
  • Erneuter Bruch einer bereits verheilten Fraktur (Osteosynthese)
  • Verhakte Schultergelenkluxation (ausgekugeltes Schultergelenk)
  • Omarthrose als Folge einer Infektion
  • Impingement-Syndrom: Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit durch Verschleiß oder Einklemmung von Weichteilgewebe

Welche Diagnoseverfahren setzen Spezialisten für Schulterendoprothetik ein?

Die Patientenbefragung (Anamnese) beispielsweise nach Art und Dauer der Beschwerden sowie eine körperliche und klinische Untersuchung stellen die Grundlage der Diagnostik dar. In vielen Fällen lassen sich damit schon mögliche Ursachen für die Beschwerden des Patienten eingrenzen.

Unabdingbar sind allerdings bildgebende Untersuchungen. Dabei nimmt die Röntgenuntersuchung eine wichtige Stellung ein. Mit ihr können Frakturen und knöcherne Veränderungen erkannt werden. Mit der Computertomographie (CT) kann unter anderem die Knochenstruktur beurteilt werden. Weichteile, wie die Rotatorenmanschette, Schleimbeutel und sonstige Muskeln, lassen sich mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) abbilden. Zur besseren Darstellung des Gelenkraums wird gelegentlich ein Kontrastmittel direkt in das Schultergelenk gespritzt und anschließend ein MRT durchgeführt (so genannte MR-Arthrographie). Auch die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und noch weitere Verfahren kommen bei bestimmten Fragestellungen zur Anwendung.

Welche Behandlungsmethoden gehören zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Schulterendoprothetik?

Zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Schulterendoprothetik gehören unter anderem folgende Methoden:

  • Implantation von anatomischen Schulterprothesen - das heißt, der runde Teil der Endoprothese wird anstelle des Oberarmknochenkopfes eingesetzt
  • Implantation von inversen Schulterprothesen - das heißt, der runde Teil der Endoprothese wird anstelle der Schulterblattgelenkpfanne eingesetzt
  • Ersatz des Oberarmkopfes bei Omarthrose und nach Verletzungen
  • Ersatz des Oberarmkopfes und der Gelenkpfanne bei Omarthrose und nach Verletzungen
  • Endoprothese bei Omarthrose und Schädigung der Rotatorenmanschette
  • Einsetzen spezieller Schulterprothesen, wie beispielsweise die schaftfreie Schulterprothese oder der Oberflächenersatz
  • Revision (Korrektur) und Wechsel von Schulterprothesen
  • Behandlung von komplexen Frakturen des Oberarmknochenkopfes
  • Behandlung von Spätfolgen von Oberarmkopffrakturen

Was zeichnet die Spezialisten für Schulterendoprothetik aus?

Experten für Schulterendoprothetik sind in der Regel Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sportmedizin oder Orthopädische Chirurgie, die besondere Erfahrung im Bereich der Implantation von Schulterendoprothesen aufweisen können. Bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Operation wägen sie Chancen und Risiken gegeneinander ab und ziehen mögliche Alternativen für eine Endoprothese in Betracht. Durch Zertifizierungen gewährleisten sie eine hohe Qualität in der operativen Versorgung.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie(DGOOC) (2017) S2e-Leitlinie „Rotatorenmanschette“. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/041
  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) et al. (2017) Oberarmkopffraktur. Leitlinien Unfallchirurgie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 012/023
  • Garving C, Jakob S, Bauer I et al. (2017) Impingementsyndrom der Schulter. Dtsch Arztebl Int 114(45): 765-76. doi: 10.3238/arztebl.2017.0765
  • Jerosch J, Heisel J (2003) Schulterendoprothetik: eine Standortbestimmung – Implantation bei Omarthrosen und Frakturen des proximalen Humerus. Dtsch Arztebl 100(37): A-2366 / B-1978 / C-1865
  • Schünke M et al. (2018) Prometheus. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem: LernAtlas der Anatomie. Thieme, Stuttgart

Behandlungsschwerpunkte